Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (2 von 5)

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1. Der Religionsunterricht in den Schulen

Obwohl jede Verallgemeinerung auf diesem Gebiet auf jeden Fall wenig objektiv wäre, da die Lehrkräfte, die hier die Grundlage bilden, völlig unterschiedlich sind (Alte, Junge, Priester, Laien unterschiedlichster Herkunft, laisierte Priester), ist die am meisten verbreitete Strömung jene, die sich in pädagogische Modernität kleidet. Sie hat nicht nur die Katechismen durchdrungen, sondern gibt auch vor, bibelwissenschaftliche Grundlagen zu liefern, kritisches Denken und Kenntnis der Probleme der Gegenwart zu vermitteln, vermeidet aber dogmatische Aussagen und objektive moralische Normen, will eher Gemeinschaften als persönliches Glaubensleben bilden, betont vorzugsweise soziale Fragen und verschweigt dabei im Namen des Ökumenismus die apostolische Sendung. Viele Eltern beklagen sich, daß man in den Religionsstunden in den Schulenüber alles spricht und diskutiert „außer über Religion“. Man kann tatsächlich eine kulturelle und religiöse Leere feststellen, die diese Pädagogik bei den Jungendlichen geschaffen hat. Sie wird nicht nur in den theologischen Fakultäten, sondern auch in den diözesanen pädagogischen Akademien gelehrt und wird von den diözesanen Schulamtsleitern auch gewünscht. Diese ermahnen, ja verdrängen sogar jene Lehrkräfte, die traditionellen pädagogischen Linien folgen (Zehn Gebote, Glaubensbekenntnis, Sakramente, Gebete etc.). Die Schulbücher, die von der interdiözesanen Kommission approbiert sind und den Schülern von der Regierung geschenkt werden, liegen alle auf der angegebenen Linie, d.h., sie lassen eine klare Systematik vermissen, sind nicht präzise formuliert, weisen deutliche Lücken im Glaubensgut auf, sind nicht selten verbildend… Alle kritischen Punkte der Theologie spiegeln sich im Milieu der Katechese: liberal gegenüber dem Dogma, der Moral, der kirchlichen Disziplin, kritisch gegenüber der Institution Kirche, dem Lehramt, der Tradition, und sozial gesehen „links“ engagiert oder auf einer „grün pazifistisch futurologischen“ Linie angesiedelt.

 2. Die theologischen Fakultäten

Die staatlichen theologischen Fakultäten in Wien, Salzburg, Graz und Innsbruck und die kirchliche in Linz bieten trotz des Fehlens aufsehenerregender Extremismen, sieht man von dem Entzug der vehia legendi bei den beiden Dozenten Holl und Mynarek ab, die a divinis suspendiert wurden und der eine in den Laienstand zurückversetzt wurde, ein ziemlich verwirrendes Bild. Der schwachen philosophischen Ausbildung der Studierenden entspricht eine Theologie ohne Profil und ohne Rückgrat. Sie ist stark von idealistischen und existenzialistischen Strömungen beeinflußt, hängt der Theorie der Entmythologisierung, der Soziologie und der gebräuchlichen Psychologie an, die in Österreich eine deutlich detenninistische Prägung aufweist. Auch hier wenig Systematisches, beiseitegeschobener und entwerteter Thomismus, ein abgewetzter „Modernismus“. Besorgniserregend ist besonders der Unterricht in Moraltheologie (in Innsbruck P. Hans Rotter SJ, in Linz Alfons Riedl, in Salzburg Günter Virt), der immer mehr im Gegensatz zur kirchlichen Lehre steht, d.h., relativistisch, subjektivistisch, konsequenzialistisch. Es ist unverständlich, daß die Bischöfe Leute dieser Qualität ernennen, und dann beklagen sie sich über die Professoren, die von ihnen ernannt werden, und lassen sich schließlich sogar von ihnen beeinflussen.

Die Vakanz des Lehrstuhles aus Moraltheologie in Wien scheint nun gelöst, weil der jetzige Professor aus Salzburg (ein bekannter Konsequenzialist) wahrscheinlich ernannt werden wird, weil er dem Vernehmen nach die Unterstützung des Kardinals von Wien genießt. Dies überrascht auch nicht, wenn man die Ernennungen in Betracht zieht, die er bisher gemacht hat. Es sind fast immer lauter zweifelhafte Theoretiker, die überhaupt nicht auf der Linie des kirchlichen Lehramtes stehen. (In Wien könnte diese Lehrkanzel der jetzige Dozent aus Moraltheologie, Andreas Laun, einnehmen, der ein Kollege von Virt und durch seine Veröffentlichungen bekannt ist, aber ihm …“zu römisch“ eingestellt ist!).

Unter den Moraltheologen kritisiert besonders der Jesuit Rotter oft den Papst und drückt die Äußerungen des Lehramtes auf „diskussionswürdige Meinungen“ herab. Dies machen oft auch die Pastoraltheologen (Zauner in Linz, der ziemlich schädlich ist, aber in der Diözese und beim jetzigen Bischof ziemlich große Autorität genießt. Dieser hat ihn sogar in einige verantwortungsvolle Posten in der Diözese gesetzt; auch Zulehner, vor kurzem in Wien berufen, ein 100%iger Soziologe, und noch auffallender, der Liturgiker von Salzburg, Franz Nikolasch, der der Protestgruppe SOG angehört. Diesem vertraut der liebe Salzburger Erzbischof heikle Aufgaben an. Erst vor wenigen Tagen hat Nikolasch der wichtigsten Zeitung der Stadt geschrieben, um den Ausdruck „Lehre der Kirche“ zu korrigieren, den der Chefredakteur im Hinblick auf die Empfängnisverhütung verwendete. Er sagte, dies sei eine Meinung des Papstes und einiger Theologen, die freilich nicht von der Mehrheit der Theologen in der Kirche geteilt würde.)

Diese Professoren, die unter Umständen die Priesterweihe der viri probati verteidigen, die Abschaffung des Pflichtzölibates, die Pille, die Sterilisation unter bestimmten Voraussetzungen, es gibt sogar ein Gutachten des Moraltheologen von Linz, Riedl, in dieser Richtung, die den Bischöfen bekannt ist und die sogar in den katholischen Spitälern viel verteilt wird, die Interkommunion und andere zumindest unüberlegte Thesen, diese Professoren haben schon zahlreiche Jahrgänge von Priestern, Laientheologen und Religionsprofessoren ausgebildet, nicht allein durch ihr Beispiel und ihren Unterricht, besonders in den Seminaren, wo einige von ihnen in engem Kontakt mit den Seminaristen leben.

Um den Bischöfen eine größere Freiheit bei der Auswahl der Professoren zu verschaffen, müßte jene Bestimmung des Konkordates geändert werden, die das Verfahren regelt. Dieses sieht nämlich nur vor, daß die Fakultät den Bischöfen eine Liste mit drei Kandidaten vorlegt, aus der der Bischof einen auswählt. So sind die Bischöfe an die Professoren der Fakultät gebunden. Da nun die Zusammensetzung der Fakultäten allzu bekannt ist, wird eine grundlegende Veränderung, die ziemlich notwendig ist, nicht zustandekommen, wenn die Bischöfe nicht die Möglichkeit (das Recht) haben, die gemachten Vorschläge abzulehnen und in Freiheit Kandidaten zu nennen, die ihnen für die Ausbildung der Seminaristen geeigneter scheinen. Sonst müßte man den Mut haben, die Seminaristen von den theologischen Fakultäten abzuziehen und ihnen eine komplette Ausbildung zu bieten (philosophisch, theologisch, menschlich, spirituell). Der Boom der Theologiestudenten, die nicht Priester werden wollen, und der weiblichen Theologiestudentinnen, der seit Jahren von der Hierarchie gefördert wird, hat sich als ziemlich negativer Bumerang erwiesen. Dies bezieht sich sowohl auf die theologischen Fakultäten, wo diese männlichen und weiblichen Laien mit ihrer oft polemischen Haltung gegenüber der Institution Kirche, mit ihren oft liberalen Denkweisen und Lebensstilen ein für die Seminaristen oft schädliches Ambiente erzeugen, als auch auf die Schulen, wo sie als Religionslehrer wirken, und sogar in den Pfarren, wo sie als Pastoralassistenten angestellt sind, und bis hin zu anderen Verwendungen in diözesanen und überdiözesanen Stellen. Sogar der Wiener Weihbischof Krätzl zögert nicht, diese Laientheologen zu einer inneren Gefahr für die Kirche zu erklären.

Ein gutes Ambiente hingegen ist in der philosophisch theologischen Hochschule der Zisterzienser in Heiligenkreuz in der Nähe von Wien zu erkennen, sowohl was die wissenschaftliche Ausbildung als auch die dort herrschende Frömmigkeit betrifft. Deren Studenten werden freilich von den österreichischen Bischöfen nicht als Priesteramtskandidaten akzeptiert (!).

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