Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (5)

0815grecKardinal Bona ermahnt uns unsere geistlichen Taten, d.h. diejenigen, welche unserem Glaubensleben entspringen, nicht allzu selbstverständlich zu nehmen. Es ist nicht immer selbstverständlich, dass fromme Menschen tatsächlich immer vom guten Geist angetrieben werden. Wie die Medizin die höchste der Künste ist, so wird sie von der Seelenkenntnis überragt. Manchmal gehen wir zur schnell zur Tagesordnung über, ohne über unsere geistlichen Eindrücke, die wir von einer Person oder Situation haben, falls wir diese Wahrnehmung besitzen,  zu überdenken.

Kapitel I

Zweck dieses Buches – Wie schwer die Unterscheidung der Geister sei und woher solches komme – Hohe Nothwendigkeit derselben – Mannigfaltige und traurige Verirrungen, die aus Ermangelung derselben entstehen – Gebet um Erlangung derselben.

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2 Gedanken zu „Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (5)

  1. Die Antwort, wie und wodurch die Geister zu prüfen sind, ob sie von Gott stammen, ist doch denkbar einfach, wie bereits Paulus in seinen Schriften betont hat: „Jeder Geist nun, der bekennt, daß Jeshua im Fleisch erschienen ist, der stammt von Gott. Jeder Geist aber, der dies leugnet, der ist der Geist des Antichrists.“ Letzteres trifft inbesondere auf die „Zeugen Jeovas“ zu, die die Menschwerdung Gottes und seinen Tod am Kreuz leugnen. Dieses Unterscheidungsmerkmal betrifft übrigens alle (getauften) Christen, ob katholisch, evangelisch oder ortodox etc. Ein römisch-katholischer Christ hat hier keinem seiner Mitchristen irgend etwas voraus!

    1. @ Susanne

      Nun, ja. Erstens stammt dieses Zitat nicht vom Paulus, sondern vom Johannes denn, es ist 1 Joh 4,3 und betrifft eine Faustregel, welche einen Christen von einem Gnostiker unterscheiden.

      Die Geistesunterscheidung ist leider viel schwieriger und differenzierter und daher haben sich manche dieser Thematik angenommen, um uns allen zu helfen. Ein Christ kann doch unmöglich sagen, ich werde ständig, immer und bei jeder Gelegenheit vom Heiligen Geist geleitet, denn es ist schlichtweg falsch, da es überhaupt keine Sünde geben würde. Wenn wir aber sündigen, was wir alle tun oder im Nachhinein erkennen, dass wir uns geistlich verlaufen haben, was auch passiert, dann war es nicht immer der Geist Gottes. Wie erkennt man denn, welcher Geist mich leitet? Davon handelt eben dieses Buch von kard. Bona auf 400 Seiten. Denn es gibt (1) den guten Geist, (2) den bösen Geist und (3) unsere eigene, von der Erbsünde angeschlagene Natur. Und immer gut ist nur (1), (2) irrt immer, (3) irrt öfters als es wollte. Daher stehen rein rechnerich die Chance, dass wir einer falschen Inspiration folgen bei 66%, was wirklich viel ist.

      Ein römisch-katholischer Christ hat seinen Mitchristen einiges voraus, zum Beispiel eine lange Kirchengeschichte von 2000 Jahren von Irrungen und Wirrungen aus der mancher doch etwas gelernt hat. Er hat auch eine konsistente spirituelle Tradition von den Wüsternvätern ausgehend, über die ersten Orden, die nachkommenden Orden, viele Heiligen, Geistliche usw. usw. Und von dieser Warte aus kann die Kirche sagen, das hat gute Früchte gebracht, das schlechte. Kardinal Bona fasst all diese Erkenntnisse im 17 Jhdt. zusammen und Augustin Poulain SJ tut es Angfang des 20 Jhdts.

      Wenn Sie die Geschichte des Protestantismus kennen, die nur 500 Jahre zählt, dann wissen Sie, dass ein Abfall von der Grundlinie, falls es diese überhaupt gab, nach dem anderen stattfand und diese Entwicklung findet ja permanent statt. Lutherisch, Reformiert, Schwärmerisch, Anglikanisch, Methodistisch, Quäker, Evangelikale, Pflingstler, Freikirchen und, und, und .. Es wird ja meistens gleich ausgeschlossen und eine eigene Gemeinde wird errichtet, die natürlich ausschließlich vom Heiligen Geist regiert wird. Warum? Weil es keine einheitlichen und konsistenten Kriterien der Geistesunterscheidung gibt, die sie an der einheitlichen Dogmatik ausrichten, denn Spiritualität ist ja nur das Subjektive, welches auf das Objektive – die Lehre der Kirche – angewandt wird.

      Daher ohne richtige Dogmatik, keine richtige Spiritualität, was uns schon die Gnostiker, gegen der am Anfang Johannes schreibt, uns deutlich gemacht haben. Denn sie hatten keine christliche Gottesvorstellung vom Gott dem Vater und somit hatten sie eine falsche bezüglich Christus. Ein weites Feld, vielleicht greifen wir diese Thematik auch auf. Ein wenig über die Gnosis kommt bei der Einführung zum Werk von Pater Poulain SJ.

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