Tradition und Glauben

Augustin Poulain SJ- Ein Leben mit Mystik im Hintergrund. (3)

Gnostizismus als Traditionsstrang der falschen Mystik in Frankreich (2)

Zwar erlebte Frankreich im 16. Jahrhundert die Wirren des Protestantismus, nicht der Gnosis, welcher durch die kalvinistischen Hugenotten verbreitet und von den französischen Königen durch die Brachialgewalt mehr oder weniger bekämpft wurde. Aber die gnostische Tiefenströmung, welche die Notwendigkeit einer speziellen Initiation, einen Sonderweg, die Ablehnung des Sinnfälligen und Körperlichen verkündete, wirkte weiter und lebte im 17. Jahrhundert in Jansenismus zur Zeit des Ludwigs des XIV., der wohlgemerkt die Hugenotten aus Frankreich vertrieb, wieder auf. Der protestantische Einfluss auf den Jansenismus wurde sicherlich mehr als einmal gründlich untersucht, der gnostische wohl weniger. Jansenismus, obwohl mehrmals vom Lehramt verurteilt und von Teilen der Hierarchie vor allem aber von den Jesuiten heftig bekämpft wurde, stellte für die nachfolgenden Jahrhunderte, eigentlich bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, als andere Probleme aufkamen, das Gift jeglicher Spiritualität dar. Die giftige Wurzel des Jansenismus brachte weitere Häresien des inneren Lebens, solche wie Quietismus und Semi-Quietismus, hervor, welche die katholische Spiritualität nachhaltig prägten. Es ist schwierig Gebetbücher oder fromme, an Laien gerichtete Traktate vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu finden, welche von diesem Einfluss frei sind, was nicht nur für Frankreich, sondern auch für das recht frankophone und frankophile Polen gilt.

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