Tradition und Glauben

Dom Prosper Guéranger OSB – Leben und Werk (6)

Nachkonziliare Liturgie als die Umkehrung der heilsbringenden Routine (2) Da es sich aber in Deutschland, entgegen den liturgischen Vorschriften eingebürgert hat,[1] statt die vorgeschriebenen Texte des Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei zu beten oder zu singen verschiedene Lieder, je kürzer desto besser, zu verwenden, so kann man die oben genannte Zahl von 516.096.000 wirklich beliebig nach oben erweitern, um das Ganze wirklich ad absurdum zu führen. Man kann aber wirklich sagen, dass den deutschen Priestern die Liturgie wirklich ganz gleichgültig ist. Hauptsache sie selbst stehen im Mittelpunkt, die Pastoralassistentinnen und die engagierten Laien und vor allem die Kinder sind beschäftigt und das Restpublikum „macht mit“, d.h. ist gut unterhalten. Die Liturgie wird also zu einer Art Mannschaftssportart, bei der niemand ausgeschlossen werden darf, da sie ein „Gemeinschaftserlebnis“ darstellt. Das Argument auch bei den frommsten Priestern lautet: „Wenn ich es mache, dann ist es richtig“. Es lautet niemals: „Weil es richtig ist, darum mache ich es richtig.“ Natürlich hat diese narzisstisch-subjektive Sicht der Liturgie weder etwas mit der vorkonziliaren noch mit der nachkonziliaren Sicht der Liturgie zu tun, was man auch anhand der nachkonziliaren Enzyklika und Vorschriften leicht beweisen kann. Aber es interessiert hier niemanden, es geht um das „Miteinander“. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass ein Gläubiger bei der Neuen Messe niemals die segensreiche Routine, welche erst einen Tiefgang ermöglicht, erleben kann, da die liturgischen Vorschriften sie einfach nicht vorsehen. Geht man auch in die Messe zu einem Priester, der immer auf die gleiche Art und Weise zelebriert, so hat man auch nicht den Jahresrhythmus, da die Sonntags- und die Wochentagslesungen zyklisch wechseln. Es ist wirklich eher unwahrscheinlich, dass man einem Priester oder eine Ordensschwester treffen kann, welche, obgleich sie seit 1970 die neue Messe täglich erleben, auswendig sagen können, welche Lesungen beispielsweise am vierten Sonntag im Jahreskreis…

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