Geschichte des Breviers – Eine Einführung

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Während man nach einigem Suchen wertvolle Literatur zum Thema Entwicklung der Messe oder des Messeritus auch auf Deutsch finden kann,[1] was hauptsächlich der Renaissance der Tridentinischen Messe durch Summorum Pontificum zu verdanken ist, bleibt die Geschichte des Breviers weitgehend unbekannt. Ob die heutigen Liturgiker sie tatsächlich kennen, entzieht sich der Kenntnis unserer Redaktion. Wir haben da aber unsere Zweifel.

Unsere Arbeitsthese lautet, dass durch die Reduktion des vorgeschriebenen Breviergebetes, wie sie seit Pius X. vier Etappen durch die Reformen:

(1) Divinum afflatu von 1911,

(2) Cum hac nostra aetate von 1955,

(3) Rubricarum Instructum von 1960,

(4) Laudis canticum von 1970,

eingetreten ist, den geistlichen Ständen die notwendige geistlich-intellektuelle Speise entzogen wurde. Da Liturgie wirkt, so wirkt weniger Liturgie weniger. Wir werden diese These nicht nur durch eine eigene Reihe über die Reformen des Breviergebets belegen, sondern auch auf unserem Blog eine gute, deutschsprachige Geschichte des Breviers vorstellen.

Dabei wird es sich um die Geschichte des Breviers: Versuch einer quellenmäßigen Darstellung der Entwicklung des altkirchlichen und des römischen Officiums bis auf unsere Tage von Pater Suitbert Bäumer O.S.B. aus dem Jahre 1895 handeln. Dieses Werk wurde vom Verlag Nova et Vetera im Jahre 2004 neu verlegt, scheint aber zurzeit vergriffen worden zu sein.[2] Sollte der Verlag das Buch wieder vorrätig haben, so werden wir es „aus unserem Angebot“ nehmen, um dem Verlag die Möglichkeit geben die wahrscheinlich wenigen Exemplare doch noch abzusetzen. Da es sich um 674 Seiten einer wahrlich benediktinischen Arbeitsamkeit handelt, so werden wir alle von dieser intellektuellen Speise satt werden. Sei es durch die jpg, pdf-Dateien oder durch die vielleicht kommende Buchausgabe.

Für alle, die gut Englisch lesen, fügen wir demnächst als eine Download-Datei in pdf das Buch History of the Roman Breviary von Pierre Batiffol bei, eine Übersetzung aus dem Französischen aus dem Jahre 1898. Es ist kürzer und weniger detailliert als das Werk von Pater Bäumer O.S.B. Da es sich auf die neuere Breviergeschichte konzentriert, eignet es sich gut als Ergänzung zum Werk des Benediktiners.

Das Brevierbeten wirkt tatsächlich heiligend. Während man noch in anderen Ländern Priester treffen kann, die wenigstens ab und zu ihr Brevier tatsächlich beten, so ist dem Schreiber dieser Zeilen in Deutschland der Anblick eines Geistlichen, der irgendwo still privat sein Breviergebet verrichtet noch niemals begegnet, obwohl er mit vielen Geistlichen von früh bis spät zu tun hatte und mit manch einem sogar eine Unterkunft teilen musste. Sie beten ihr Brevier eben nicht, was auch ihr nichtvorhandenes geistliches Niveau erklärt. Beginnt man mit einem deutschen Priester der Amtskirche ein Gespräch über das Brevier oder gar die verschiedenen Breviere und beobachtet man seine Reaktionen, so hat man es immer mit: Erstarrung, Abscheu, Widerwillen, Ironie oder bekundeten Langeweile zu tun, bevor er sich schließlich zusammenreißt, um von der vielen pastoralen oder anderen Arbeit zu sprechen, die ihn leider am Gebetsleben hindert. Natürlich muss es noch andere Priester geben, das Problem besteht leider darin, dass sie dem Schreiber dieser Zeilen nirgendwo begegnen. Der Heilige Antonius der Wüstenvater pflegte zu sagen: „Es gibt drei Arten von Menschen. Die Stolzen, die Neider und die Anderen. Aber die Anderen sind kaum zu finden.“ Er scheint also ähnliche Erfahrungen in seinem langen Leben gemacht zu haben.

Da der Autor dieses Textes in einer Diözese lebt, in der das Niveau des Klerus, besonders jenes an den Schalt- und Schlüsselstellen, dem er begegnet (anderen begegnet er leider nicht) dermaßen unterirdisch ist, dass es kaum noch steigerungsfähig zu sein scheint (Es kann also jede deutsche Diözese sein.), so nahm er sich vor nicht weiter darüber zu jammern, sondern die Aussagen dieser Kleriker, falls sie überhaupt welche treffen, denn meistens ist es ja ein nichtsagendes Nichts, per Umkehrschluss zu deuten. Dies erweist sich als hilfreich, es ist aber einer Vorgehensweise, die jedoch nicht allen und immer zu empfehlen ist. Wie schreibt doch Hermas in seinem Hirten:

„Da er [Teufel] selbst ein hohler Kopf ist, gibt er auch den hohlen Menschen gehaltlose Antworten; was immer gefragt wird: die Antwort entspricht der Hohlheit des Menschen. Allerdings spricht er auch einige wahre Worte. Denn der Teufel erfüllt ihn mit seinem Geiste, ob er etwa einen Gerechten abwendig machen könne.“ (Hermas, Hirte, II.11.2)[3]

Der Teufel kann also auch etwas Wahres unter das Falsche beimischen, um die Treuen zu täuschen.

An dieser Stelle kommt bei manch einem Leser der Einwand: „Wie kann man es wagen unsere guten, wenigen Priester, die es ja so schwer haben, dermaßen zu kritisieren?!“ Die Antwort darauf lautet: „Es sind keine guten Priester, sonst würden sie anders reden, anders zelebrieren und vor allen anders leben und dann würde man sie nicht kritisieren müssen, sondern wertschätzen“. Denn vieles ist leider keine Verleumdung oder Mutmaßung, sondern Fakt. Und da sie so viele Jahre lang keinerlei Korrektur erfahren haben, ihre Bischöfe leider auch nicht, so sind sie so geworden, wie sie sind und eine Änderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist wirklich unwahrscheinlich.

Daher empfiehlt es sich nicht nur manch eine Predigt oder manch einen Rat im Beichtstuhl – denn dieser gehört nicht zum eigentlichen Sakrament, sondern ist das Beiwerk des jeweiligen Priesters – per Umkehrschluss zu deuten, falls man keinen guten Beichtvater finden kann. Es empfiehlt sich auch zu beobachten, was und wen diese Priester meiden. Da das kanonisch vorgeschriebene, nachkonziliare Breviergebet ebenfalls von vielen gemieden wird, so scheint es tatsächlich Spuren von Heiligkeit und heiligender Wirkung zu enthalten, denn leider sind es beim heutigen, nachkonziliaren Brevier an älteren Brevieren gemessen nur Spuren. Wir hoffen, dass die kommenden Beiträge zum Brevier zum wachsenden Verständnis unserer Leser beitragen werden.

[1] Besonders empfehlenswert auch für Nichtfachleute: http://www.amazon.de/Die-%C3%BCberlieferte-Messe-Geschichte-klassischen/dp/3941862081

[2] http://www.amazon.de/Geschichte-Breviers-quellenm%C3%A4ssigen-Darstellung-altkirchlichen/dp/3936741034

[3] https://www.unifr.ch/bkv/kapitel29.htm-Teufel

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4 Einträge zu „Geschichte des Breviers – Eine Einführung

  • „Sie beten ihr Brevier eben nicht, was auch ihr nichtvorhandenes geistliches Niveau erklärt.“

    Das ist sehr traurig ! Ich habe mal einen älteren Priester (leider verstorben) im Auto mitgenommen und er nahm das Brevier aus seiner Tasche und fragte mich, ob er seine Gebete während der Fahrt beten könne. Ich nickte, schwieg und war grenzenlos beeindruckt.
    Was ich jedoch auch merke: Es ist nicht nur das Beten mit dem Brevier, es ist auch das Beten des ROSENKRANZES und ob ein Priester sich an der Hand der Muttergottes leiten lässt. Auch daran, ob die Muttergottes in seiner Seele präsent ist, erkennt man m. E. einen guten Priester.

    • @ Rosaria

      Mit dem Rosenkranz haben Sie recht, aber für die geistlichen Ständen besteht die Pficht des öffentlichen Gebetes. Dies definiert die Moraltheologie ein wenig anders als die Umgangssprache.

      1. Alle oder fast alle vorkonziliaren Moraltheologien sehen im Zuge der Theologie von Hl. Thomas von Aquin das Gebet (Oratio) als eine Erscheinungsform der Religion (Religio). Die letztere ist aber ein Akt der Gerechtigkeit, d.h. mit der wahren Religion bringt man Gott den Kult dar, den dem als Geschöpft ihm schuldet (Religio est virtus qua homo reddit Deo cultum ei debitum, Peeters, Manuale theologiae moralis, Vaol II, Roma 1962, 8).

      2. Man unterscheidet zwischen dem öffentlichen Gebet (oratio publica) und dem privaten Gebet (oratio privata) nicht nach dem, wo, wann es verrichtet, sondern wer es verrichtet.
      a) Das öffentliche Gebet wird von denen verrichtet, welche dazu verpflichtet sind, somit verrichtet ein Priester ein öffentliches Gebet, wenn er in seinem Kämmerlein das Brevier betet (Peeters, ebd., 30)
      b) Wenn ein Priester aber mit Gläubigen in einer Kirche den Rosenkranz betet, so ist es ein privates Gebet (oratio privata).

      3. Dies bedeutet, dass das Brevier, objektiv gesehen, über dem Rosenkranz steht. Zu dem ersteren ist der Priester, Ordensmann, Ordensschwester unter schwerer Sünde verplichtet, zum Rosenkranz, wenn ihn nicht explizit die Ordensregel vorschreibt nicht.

      4. Natürlich wirkt der Rosenkranz auch sehr heiligend, aber es ist nicht das Brevier.

      5. Man kann sicherlich davon ausgehen, dass ein Priester der nicht einmal das Brevier betet, ebenfalls andere Gebete privat scheut. Leider.

      Denn

    • Vielen Dank für diese Angabe. Wir haben unsere Ausgabe ebenfalls aus dem Internet, da aber recht mühselig ist so ein großes Buch auf dem Bildschirm durchzulesen oder auszudrucken, werden wir es ebenfalls hier in kommentieren Abschnitten vorlegen

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