Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 5 von 8. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

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Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3.2

5. Das Blutwort nach Thomas von Aquin

Ferner behauptet der Aquinate zum Thema Konsekration des Blutes in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[1]:

„ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]

Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorksten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[2] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[3] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[4] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden.

[1] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm

[2] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo.

[3] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324.

[4] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 4 von 8. Hl. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes

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Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.3.1

4. Thomas von Aquin über die Form des Blutwortes

Die ganze, in Kommentar 3.3 zitierte Thomas-Passage (Summ. Theol. III, 78, q.3), die als solche lesenswert ist und welche wir deswegen in Originalton Thomas unten anführen, lautet wie folgt:

Dritter Artikel.
Diese Form: „Dies ist der Kelch meines Blutes“, ist höchst zukömmlich.

  1. a) Dagegen spricht Folgendes:

  2. Es müßte hier heißen, wie in der anderen Form: „Dies ist mein Leib;“ so: „Dies ist mein Blut.“ Also unzulässigerweise steht als direktes Prädikat da: „der Kelch.“

  3. Die Konsekrationsworte des Blutes sind nicht minder wirksam wie die des Leibes. Sogleich aber nachdem gesagt ist: „Dies ist mein Leib,“ ist der Leib Christi gegenwärtig. Hier aber scheint dies nicht der Fall zu sein, da noch andere Worte hinzugefügt werden; oder diese letzteren sind überflüssig.

III. Das Neue Testament gehört zur innerlichen Einsprechung, nach Jerem. 31.: „Vollenden werde ich über das Haus Israel das Neue Testament …, indem ich die Gesetze ihnen ins Herz legen werde.“ Ein Sakrament aber wird in nach außen sichtbarer Weise vollendet. Also steht hier unzulässigerweise: „des Neuen Testamentes.“

  1. „Neu“ wird etwas genannt, weil es nahe am Anfange seines Seins ist; — „ewig“, weil es keinen Anfang hat. Also wird hier unzulässigerweise Beides verbunden, indem es heißt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“
  2. Die Gelegenheiten des Irrtums sind dem Volke hinwegzunehmen, nach Isai. 57, 14. Viele aber irrten und meinten, nur in mystischer Weise sei hier Leib und Blut des Herrn gegenwärtig. Also darf man nicht sagen: „Mysterium des Glaubens.“ [S. 190] VI. Wie die Taufe das Sakrament des Glaubens ist, so ist die Eucharistie das Sakrament der Liebe. Also durfte hier nicht der Glaube Erwähnung finden.VII. Das ganze Sakrament der Eucharistie, Leib und Blut, ist ein Andenken des Leidens Christi, nach I. Kor. 11.: „So oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, werdet ihr den Tod des Herrn verkündigen.“ Also durfte nicht vorzugsweise in der sakramentalen Form für das Blut das Leiden Christi erwähnt werden; während doch der Herr sagt (Luk. 22.): „Das ist mein Leib, der für euch wird dahingegeben werden.“VIII. Das Leiden Christi ist hinreichend nützlich für alle; und ist thatsächlich wirksam für viele. Also durfte hier nicht gesetzt werden: „Welches vergossen worden für euch und für viele,“ sondern es mußte einfach heißen „für alle“ oder „für viele“ ohne das „für euch.“IX. Kein Evangelist hat berichtet, daß Christus diese Form gebraucht habe; und doch hat sie nur Kraft auf Grund der Einsetzung Christi.

Auf der anderen Seite ist diese Form im Gebrauche in der Kirche, die von den Aposteln unterrichtet ist: „Dies ist der Kelch meines Blutes, des Neuen und ewigen Testamentes, das Mysterium des Glaubens, welches für euch und für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.“

  1. b) Ich antworte, rücksichtlich dieser Form herrsche eine doppelte Meinung. Denn die einen sind der Ansicht, zum Wesen derselben gehören nur die ersten Worte: „Dies ist der Kelch meines Blutes;“ nicht aber die folgenden. Dies scheint aber unzulässig. Denn die Worte, welche folgen, sind nähere Bestimmungen des Prädikats: „des Blutes Christi“; gehören somit zur Vollständigkeit der Redeweise. Deshalb meinen andere, alle diese Worte gehören zum Wesen der Form bis zu dem Satze: „So oft ihr dies thun werdet . . .;“ welcher den Gebrauch dieses Sakramentes betrifft. Und deshalb spricht der Priester unter demselben Ritus und in derselben Weise, indem er nämlich den Kelch in den Händen hält, diese Worte aus. Luk. 22. werden ebenfalls Worte, die hier folgen, dazwischengeschoben zwischen jene, die hier vorhergehen: „Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blute.“

Es ist also zu sagen, daß alle diese Worte zur Substanz oder zum Wesen der Form gehören. Jedoch wird durch die ersten Worte: „Dieses ist der Kelch meines Blutes“ bezeichnet die Umwandlung selber des Weines in Blut, in der Weise wie es eben gesagt worden ist rücksichtlich der Konsekrationsform des Brotes. Die folgenden Worte aber drücken die Kraft des im Leiden vergossenen Blutes aus, welches in diesem Sakramente wirkt. Dieselbe erstreckt sich auf dreierlei: 1. Es bewirkt die Besitznahme des himmlischen Erbes, nach Hebr. 10.: „Wir haben Vertrauen, in den Himmel einzutreten im Blute Christi;“ und danach wird gesagt: „des Neuen und ewigen Testamentes.“ 2. Es verleiht die Gerechtigkeit der Gnade, die durch den Glauben ist, nach Röm. 3.: „Ihn (Christum) hat Gott aufgestellt als Sühner in seinem Blute durch den Glauben, daß Er selber gerecht sei und gerecht mache den, der aus dem Glauben ist Jesu Christi;“ und danach heißt es: „das Mysterium des Glaubens.“ 3. Das Blut Christi entfernt die Hindernisse für das Heil und für die Rechtfertigung im Glauben, nach Hebr. 9.: „Das Blut Christi wird euer Gewisien reinigen von toten Werken;“ und danach heißt es: „das für euch und für viele vergossen werden wird zum Nachlasse der Sünden.“ [S. 191] c) I. Der Ausdruck: „Der Kelch meines Blutes“ ist entweder eine Metonymie, wonach das Enthaltende gesetzt wird für das Enthaltene, so daß der Sinn ist: „Dies ist mein Blut, das da enthalten ist im Kelche, welches hier erwähnt wird;“ denn das Blut wird hier konsekriert als Trank der gläubigen, was sonst bei dem Blute nicht gedacht wird und deshalb durch die Erwähnung des Trinkgefäßes gekennzeichnet werden mußte; — oder dieser Ausdruck wird verstanden als Figur für das Leiden, nach Ps. 22.: „Und mein Kelch, der da berauscht, wie herrlich ist er;“ oder auch nach Matth. 26.: „Es gehe vorüber dieser Kelch.“ Danach wäre der Sinn: „Dies ist der Kelch meines Leidens, dessen Erwähnung geschieht im Blute, das da getrennt vom Leibe konsekriert wird;“ denn die Trennung des Blutes vom Leibe geschah in dem bitteren Leiden.

  1. Weil eben das Blut, welches getrennt vom Leibe konsekriert wird, ausdrücklich das Leiden Christi vorstellt; deshalb geschieht des Leidens Erwähnung vielmehr bei der Konsekration des Weines wie des Brotes. Und dies deutet auch der Heiland an, der da sagt: „Das ist mein Leib, der für euch dahingegeben wird“ d. h. der für euch dem Leiden unterworfen werden wird.

III. Ein Testament will sagen: Verfügung über das Erbe. Das himmlische Erbe aber wollte Gott den Menschen durch die Kraft des Blutes Jesu Christi geben, nach Hebr. 9.: „Wo ein Testament ist, da muß der Tod des Erblassers dazwischentreten.“ Das Blut Christi aber ist zuerst den Menschen vorgestellt worden in der Figur, was dem Alten Testamente angehört, wonach der Apostel seinen Schluß macht: „Auch das Erste Testament ist nicht ohne Blut geweiht worden;“ denn „nachdem Moses gelesen hatte das ganze Gesetz, besprengte er das ganze Volk und sprach: Dies ist das Blut des Testamentes, das der Herr euch gesandt hat.“ Dann wurde das Blut des Herrn uns vorgestellt in der Wahrheit; und so gehört es dem Neuen Testamente an; darum fährt der Apostel fort: „Deshalb ist Christus der Mittler des Neuen Testamentes, damit durch das Dazwischentreten seines Todes sie die Erfüllung der Verheißung erlangen, die da berufen sind zum ewigen Erbe.“ Es wird also gesagt: „Dieses Blut des Neuen Testamentes,“ weil es nicht mehr in der Figur, sondern in der Wahrheit uns geboten wird; weshalb wie zur Erklärung dahinter steht: „Das vergossen werden wird zum Nachlasse der Sünden.“ Die innerliche Einsprechung aber geht hervor aus der Kraft dieses Blutes, insoweit wir gerechtfertigt werden durch das Leiden Christi.

  1. Dieses Testament ist „neu“, weil es uns in Christo eben dargeboten ward. Es ist „ewig“, sowohl auf Grund der ewigen Vorherbestimmung als auch auf Grund des ewigen himmlischen Erbes. Und ebenso ist die Person Christi selber, durch dessen Blut das Testament dargeboten wird, ewig.
  2. „Mysterium“ steht hier; nicht als ob die Wahrhaftigkeit des Blutes Christi ausgeschlossen werden sollte und im Sakramente nur eine Figur wäre, wie etwa im Alten Bunde dies Brauch war; sondern dieser Ausdruck wird hier gebraucht, um das Geheimnisvolle anzuzeigen, da das Blut Christi in verborgener Weise, unter der Hülle der Gestalt des Weines, gegenwärtig ist.VI. „Mysterium des Glaubens“ ist gesetzt, weil es sich um einen Gegenstand des Glaubens handelt; denn nur durch den Glauben halten wir fest, daß Christi Blut im Sakramente gegenwärtig sei. Auch [S. 192] rechtfertigt das Leiden selber durch den Glauben. Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens, weil sie ein gewisses Bekenntnis des Glaubens bildet. Die Eucharistie ist in dem Sinne das Sakrament der Liebe, weil sie die Liebe Christi darstellt und die Liebe zu Christo in uns bewirkt.VII. Das Blut, soweit es getrennt vom Körper konsekriert wird, stellt ausdrücklicher dar das Leiden Christi. Deshalb findet das Leiden Christi und dessen Frucht vielmehr Erwähnung bei der Konsekration des Blutes wie bei der des Leibes.VIII. Das Blut des bitteren Leidens erstreckt seine Wirksamkeit nicht allein auf die Juden, denen allein vorgestellt ward das Blut des Alten Testamentes, sondern auch auf die Heiden; — und zudem nicht nur auf die Priester, welche dieses Sakrament konsekrieren, sondern auch auf die, welche es genießen und selbst auf die, für welche es dargebracht wird.

Deshalb heißt es hier ganz zutreffend „für euch“, nämlich die Juden, ,und für viele“, nämlich die Heiden; oder „für euch“, die ihr es genießet, „und für viele“, für welche es dargebracht wird.IX. Die Evangelisten hatten nicht die Absicht, die sakramentalen Formen zu berichten; denn diese mußten nach Dionysius (ecl. hier. c. ult.) in der Urkirche vielmehr verborgen sein. Sie wollten nichts Anderes berichten wie die Geschichte Christi. Jedoch können beinahe alle diese Worte hier in den verschiedenen Stellen der Schrift gefunden werden. Denn „das ist der Kelch“ steht Luk. 22. und 1. Kor. 11. „Dies ist das Blut des Neuen Testamentes, welches wird vergossen werden für viele zum Nachlasse der Sünden“ steht Matth. 26. Der Zusatz „ewig“ und dieser andere, „Mysterium des Glaubens“, stammt aus dem Munde des Herrn und kam vermittelst der Apostel zur Kenntnis der Kirche, nach 1. Kor. 11.: „Ich habe es vom Herrn empfangen und es euch gelehrt;“ und 1. Tim. 3.:, „Wir haben das Mysterium des Glaubens.“

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 3 von 8. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentenform unerheblich

Gregor3_244x300Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

 

Kommentar 3.3

3. „Für viele“ für die eigentliche Sakramentform unerheblich

Obwohl die richtige Version der Wandlungsworte „für viele und nicht „für alleheißt, so ist dennoch diese Änderung für die eigentliche Form des Sakraments unerheblich. Es gilt unter Theologen als eine sententia certa, d.h. eine sichere Meinung,[1] das wesentlich für die gültige Form des Sakraments nur die Worte: Hoc est corpus meum („Dies ist mein Leib“) und Hic est calix sanguinis mei („Dies ist der Kelch meines Blutes“) oder Hic est sanguis meus („Dies ist mein Blut“) sind und nicht das Drumherum.[2] Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen stellt die bisherige Lehre zusammenfassend, vgl. Thomas, Summ. Theol. Q. 78, a.1, wie folgt dar:

„Diese Worte bezeichnen klar und bestimmt, was durch die Konsekration bewirkt wird. Die vorausgehenden und folgenden Worte auch das enim [„nämlich“ bei der Konsekrationsform der tridentinischen Messe], sind hierfür unerheblich. Es wäre zwar sündhaft, sie auszulassen; aber die Gültigkeit hängt nicht von ihnen ab. Die Worte bei der Konsekration des Kelches:

  1. novi et aeterni testamenti [„des neuen und ewigen Bundes“],
  2. mysterium fidei [„Geheimnis des Glaubens“],
  3. qui pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum [„das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“]

zeigen nach Thomas Summ. Theol. III. Q. 73 a.3 drei Wirkungen des beim Leiden Christi vergossenen Blutes an, nämlich

(ad 1) die Erlangung der ewigen Erbschaft,

(ad 2) die Rechtfertigung durch den Glauben

(ad 3) und die Nachlassung der Sünden.“ [3]

Der Hl. Thomas von Aquin vertritt zwar die Meinung, dass (1) bis (3) die Worte de substantia formae seien, was in etwa mit „von der Substanz her die Form betreffend“ übersetzt werden kann. Dies ist aber so zu verstehen, dass Thomas, entgegen einigen späteren Thomisten, zwischen der sakramentalen Form im engeren Sinne (sensu stricto) und der sakramentalen Form im weiteren Sinne (sensu lato) unterscheidet. Nur die Erstere, d.h. die Form sensu stricto: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist mein Blut“ wesentlich für die Gültigkeit der Form ist. Wohingegen die Letztere, d.h. die Form sensu lato, zwar die Würdigkeit, aber nicht das Wesen des Sakraments selbst betrifft. Dies ist die Auslegung des Schreibers dieser Zeilen, welcher hier mit Diekamp-Jüssen und anderen konform geht.[4]

Wie auch bei anderen theologischen Problemen lautet die Lösung ite ad Thomam, d.h. „geht zur Thomas“, der in seiner Summa theologica III, q. 78, a.1, sed contra und ad 4.[5] wie folgt schreibt:

 „ [Sed contra:] Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (4. de sacr. 4.): „Die Konsekration geschieht, durch die Worte, welche der Herr Jesus in seiner Rede gebraucht hat. Denn in dem Übrigen, was da gesagt wird, lobt man Gott, wird gebeten für das Volk, für die Könige, für die übrigen. Sobald man aber zu dem Augenblicke kommt, dass das ehrwürdige Sakrament hergestellt werde, gebraucht der Priester nicht mehr seine Worte, sondern die Worte Christi. Die Worte Christi also vollenden dieses Sakrament.“ […]

 Ad 4. Es meinten wohl einige, der Priester könne nicht mit diesen Worten allein das Sakrament herstellen, wenn er die anderen vorhergehenden, im Kanon zumal, auslässt. Doch das ist falsch, wie aus den Worten des Ambrosius hervorgeht und weil der Kanon der Messe nicht überall derselbe ist. Wenn also der Priester nur diese Worte sagte mit der Absicht, das Sakrament zu vollenden, so besteht das Sakrament und würden kraft der Absicht dann die Worte auf die Person Christi gehen, dass der Leib Christi da wäre und nicht der Leib des Priesters. Schwer aber würde der Priester sündigen, der so thäte und den Ritus der Kirche nicht beobachtete. […]“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Konsekration des Blutes also auch beim „verkorsten“ Blutwort stattfindet und daher die Novus Ordo Messen, bei Beobachtung der vorgeschriebenen Form, Materie und Intention des Spenders gültig sind. Daher hat die Piusbruderschaft, welche die Bedeutung des Blutwortes für die Konsekration dermaßen unterstreicht, dass sie die Gültigkeit der Neuen Messe infrage stellt,[6] unrecht, obwohl sie es, aufgrund der von ihr verlegten Dogmatik von Diekamp-Jüssen, eigentlich besser wissen sollte. Besser wissen sollte es auch Pfr. Cekada,[7] der in der Ungültigkeitsthese Henry Omlor folgt, welcher den berühmten Traktat mit dem Titel Questioning the Validity oft he Masses using the New All-English Canon verfasste.[8] Der Schreiber dieser Zeilen hat Omlor noch nicht gelesen, da aber die eigentliche Sakramentalform beibehalten worden ist und Thomas immer allen anderen vorzuziehen ist, so ist Omlors These irrelevant. Dufgrund der katholischen Dogmatik kann keine Ungültigkeit der Wandlungsworte wegen der fehlerhaften Form „für viele“ behauptet werden.

[1] Unter Theologen versteht man in diesem Kontext nicht jeden, der Theologie studiert oder häretischen Unsinn wie Arius oder Rahner verbreitet hat, sondern diejenigen rechtgläubigen kirchlichen Schriftsteller, die weder Kirchenväter noch Kirchenlehrer sind, deren Ansichten aber in den lehramtlichen Dokumenten und bei theologischer Beweisführung zitiert wurden. Einen Teil dieser Theologen kann man hier nachlesen: http://gloria.tv/media/93424kLSDhT J.B. J.B. Gener zählte in seinem Werk „Prodromo ad Theologiam“, Rom 1767 1000 Namen auf, u.a. Sanchey (gest. 1610), Lessius (gest. 1623), Cornelius a Lapide (gest. 1637), Kard. Lugo (gest. 1660). Dass in der nachkonziliaren Theologie diese Namen kaum genannt oder zitiert werden, versteht sich wohl von selbst. Man weiß ja alles selbst und besser.

[2] Diekamp-Jüssen, 911

[3] Ebd. 911.

[4] Ebd. 911-912 (Literaturangaben).

[5] Übersetzung ist hier zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel784-1.htm

[6] Diese Schlussfolgerung kann man aus der folgenden Lektüre ziehen. Katholischer Katechismus zur kirchlichen Krise, Jaidhof 2012, 127-129. Es handelt sich um Punkt 65. Ist die neue Messe gültig? S. 129: „Somit haben wir den Wandlungsworten tatsächlich einen Irrtum! Diese mussten zwar die Wandlung nicht unbedingt ungültig machen, vor allem dann nicht, wenn der Priester dass „für alle“ in einem Gläubigen sind versteht, nämlich an als Angebot des Heils für alle. Trotzdem bleibt das Anführungszeichen „für alle“ falsch und begünstigt die Häresie.“ Leider hegen die meisten der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgrund solcher Lehren, seien es nur Anspielungen, ernsthafte Zweifel an der Gültigkeit der Neuen Messe und aller Sakramente des Novus Ordo.

[7] Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 320-324.

[8] Nachzulesen http://www.the-pope.com/qtv.html

 

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 2 von 8. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort?

papal-gallery61Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

Kommentar 3.2

2. Gültigkeit der Messe beim veränderten Blutwort?

Das Blutwort „für alle“ ist also biblisch, theologisch und von der Logik und gesunden Menschenverstand her schlichtweg falsch. Es stellt sich daher die Frage, ob die Sakramentenform durch das neue Blutwort („für alle“) dermaßen stark verändert worden ist, dass das Sakrament selbst und somit die ganze Neue Messe ungültig ist? Denn wie wir hoffentlich aus der Sakramententheologie wissen, muss die Form und Materie des Sakraments unverändert beibehalten werden, damit ein Sakrament stattfindet. Obwohl das Blutwort verändert worden ist, so betrifft dennoch diese Änderung nicht die sakramentale Form sensu stricto. Dies bedeutet, dass auch bei verändertem Blutwort die Neue Messe gültig ist. Diese These lässt sich ausschließlich aufgrund der vorkonziliaren Theologie beweisen.

Worin besteht eigentlich die Form der heiligen Eucharistie? Sie besteht, nach der Meinung der Theologen, in den Worten, durch die Christus selbst konsekriert hat. Er tat dies durch die Worte: „Dies ist mein Leib“, „Dies ist der Kelch meines Blutes“. Diese Auffassung ist eine sententia certa, d.h. eine sichere theologische Meinung, wie es die meisten vorkonziliaren Dogmatiker darlegen[1] und welche explizit beim Hl. Thomas von Aquin zu finden ist (Summ. Theol. III q. 68). Dies ist zweifelslos auch der Sinn der Aussage des Konzils von Trient (DH 1636, 1637):

„ […] dass unser Erlöser dieses so wunderbare Sakrament beim letzten Abendmahl eingesetzt hat, als er nach der Segnung von Brot und Wein mit klaren und deutlichen Worten bezeugte, dass er ihnen seinen eigenen Leib und sein Blut hingebe; da diese Worte, die von den heiligen Evangelisten berichtet [vgl. Mt 26, 26-29; Mk 14, 22-25; Lk 22, 19 f.] und später vom göttlichen Paulus wiederholt wurden [vgl. 1 Kor 11, 24 f.] jene eigentümliche und ganz offensichtliche Bedeutung an den Tag legen, in der sie von den Vätern verstanden wurden […]“. (DH 1637)

Liest man die oben genannten Bibelstellen nach, so kann man interessanterweise feststellen, dass genau dort der nachkonziliare Biblizismus aufhört, wo es den Reformern gerade passt. Denn nirgendwo können wir im Neuen Testament die Formulierung „für alle“, sondern ausschließlich „für viele“ nachlesen. Natürlich wurde von manchen Theologen viel Tinte vergossen, um zu beweisen, dass für viele gleichbedeutend mit für alle ist. Ein pseudoakademisches Diktat, leider kein dictatus papae, dem sich sogar Benedikt XVI als Papst verpflichtet sah, wie man seinem Schreiben vom 24.04.2012 an die deutsche Bischofskonferenz entnehmen kann:

„Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden. Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei. Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.“[2]

Es ist wirklich bedauernswert, dass ein amtierender Papst und höchster Vertreter des ordentlichen Lehramtes es sich mit den deutschen, akademischen Kreisen nicht verderben möchte und daher in seiner Stellungnahme sich gezwungen sieht zur längst überholten Exegese der 1960er Stellung zu nehmen. Welch ein abstruses Denken! Die deutschen und anderen Bischöfe sahen sich bei der Übersetzung des Missale einem damals modernen „exegetischen Konsens“ verpflichtet, um die gesamte bisherige liturgische Tradition der Kirche aber auch der Tradition anderer Länder infrage zu stellen. Wie viele Menschen hatten seit dem mit Skrupeln und Gewissensnöten zu kämpfen, da sie nicht wussten, ob aufgrund dieser Änderung die Neue Messe gültig sei! Wie viele Menschen haben sich aufgrund dieser Änderung zu ihrem geistlichen Schaden der Piusbruderschaft oder den Sedisvakantisten zugewandt! All dieses Leid und die daraus leider resultierenden Sünden fällt auf diese Bischöfe unter den „energetischen Konsens“ zurück.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will 2012, 908-909; Diekamp, F., Theologiae dogmaticae manuale, Vol. IV, Parisiis 1943, 146-147.

[2] Nachzulesen bei http://www.dbk.de/nc/presse/details/?presseid=2091

Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (3): Kommentar 1 von 8. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung

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Anbei der Text des Abtes von Solesmes, welcher von der Einführung neuer liturgischen Formulierungen handelt. Wir wollen von dieser Warte aus die Thematik des „für alle“, statt „für viele“ bei dem Blutwort der Konsekration beleuchten und das Problem einer eventuellen Ungültigkeit der Novus Ordo Messe bei diesem unkorrektem Blutwort in mehreren Abschnitten prüfen. In diesem Teil wird derselbe Text von Gueranger erscheinen, unser Kommentar jedoch wird ein anderer sein.

[Und hier kommt] der dritte Grundsatz der Häretiker bezüglich der Liturgiereform. Nachdem sie die kirchlichen Formulierungen verjagt und die absolute Notwendigkeit ausschließlich die Bibelworte im Gottesdienst zu verwenden, verkündet haben, mussten sie dennoch anschließend feststellen, dass die Heilige Schrift sich nicht immer nach ihrem Willen verbiegen lässt; so führten sie den dritten Grundsatz ein, welcher, sagen wir es deutlich, darin besteht verschiedene [liturgische] Formulierungen zu fabrizieren und einzuführen. Formulierungen voll Tücke, durch welche die Gläubigen noch stärker an den Irrtum gebunden werden und wodurch das Gebäude der gottlosen Reform für ganze Jahrhunderte gefestigt wird.

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Kommentar 3.1

Die Aussage von Dom Guéranger stimmt. Die Heilige Schrift selbst stellt die „Reformer“ bloß und deswegen wurden die Schriftlesungen in der Novus Ordo Messe dermaßen stark zensiert, dass manche Passagen wegfielen und andere nur optional zu lesen sind.

1. „Für alle“ statt „für viele“ als Beispiel einer neuen Formulierung

Die Einführung neuer Formulierungen lässt sich sehr deutlich am Kelchwort darstellen, welches im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz trotz Anweisungen aus Rom wieder einmal nicht verbessert worden ist. Denn es heißt ja im normativen, lateinischen Original: „Dies ist mein Blut, das für euch und für viele (pro multis) vergossen wird.“ Im deutschsprachigen Raum heißt es aber seit wohl 1969: „Dies ist mein Blut, das für euch und für alle (pro omnibus) vergossen wird.“ Das Letztere ist nicht biblisch, es steht entgegen jeder kirchlichen Tradition und ist häretisch, denn es legt den Allerlösungsgedanken nahe, wonach alle unterschiedslos in den Himmel kommen werden. Die Allerlösungslehre ist aber falsch und sie wurde als sog. Origenismus mehrmals von der Kirche verurteilt und verworfen (DH 411). Aus der Verurteilung der Lehre des Origenes, welcher eine Aufhebung des Strafortes am Ende der Zeiten annahm, wodurch die ehemals Bestraften, d.h. die gottlosen Menschen, auch in den Himmel eingehen konnten, resultiert die ewige Wirklichkeit der Hölle, welche natürlich nicht leer ist. Die Hölle ist also keine Möglichkeit, sondern eine Wirklichkeit für die jene, die in einer aktuellen Todsünde sterben (DH 338, 342, 1002, 1306).

Natürlich kann man sagen, dass die Formulierung „für alle“ nicht direkt gegen die Wirklichkeit der Hölle und für die Allerlösungslehre steht. Da aber Liturgie als gefeiertes Dogma das theologische Denken prägt, so ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland und in denjenigen Ländern, wo es „für alle“ heißt, der Glaube an die Hölle und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis schwindet, besonders bei Priestern, die diese Messen zelebrieren. Bei der Untersuchung der Unterscheidung zwischen „für viele“ und „für alle“ muss festgestellt werden, dass die wahre katholische Theologie zwischen redemptio (Erlösung) und salus (ewiges Heil) unterscheidet. Christus hat zwar – und dies ist die Erlösung (redemptio) – für alle Menschen sein Blut vergossen und ihnen die Möglichkeit gegeben, wenn sie wollen, sich zu bekehren, nach seinen Geboten zu leben und zum ewigen Heil (salus) zu gelangen. Da aber nicht alle dieses Angebot angenommen haben oder annehmen werden, denn man hat ja einen freien Willen auch zum Sündigen und Gott zu widerstehen, so wurde das Blut Christi nicht für absolut alle, sondern faktisch für euch, d.h. für die Apostel und für viele, d.h. für künftige Christen vergossen. Es wurde jedoch nicht für alle vergossen, da nicht absolut alle Menschen bis zum Jüngsten Gericht die Früchte der Erlösungstat Christi annehmen werden. Daher ist Rahners Lehre von den „anonymen Christen“, welche überall unter Atheisten, Agnostiker und andere Religionen existieren, ohne bewusst zu wissen dass sie Christen sind, schwer häretisch. Sie ist eigentlich auch für die Vertreter anderer Religionen beleidigend. So sagte angeblich zu Rahner ein buddhistischer Mönch: „Ich bin kein anonymer Christ. Sie sind auch kein anonymer Buddhist“. Natürlich führt diese rahnerische Lehre dazu, dass sich viele, wenn nicht alle, Kirchenbeamten und Gremienkatholiken in ihren Sesseln tiefenentspannen, denn da alle sind anonyme Christen sind und alle in den Himmel kommen werden, so brauchen wir wirklich nichts zu tun. Scholastisch und katholisch gesprochen stehen aber die Früchte der Erlösung in potentia (der Möglichkeit nach) allen offen, in actu (der Verwirklichung nach) aber werden sie nur von manchen, nicht von allen, angenommen. Und da beim letzten Abendmahl Christus Gott war und es immer noch ist, so wusste er bei der Einsetzung des Blutwortes wie die Zukunft der Menschheit sich bis zur Ende der Zeiten gestalten wird. Es werden viele, aber nicht alle gerettet werden und zum ewigen Heil (salus) gelangen. Dies zu verneinen würde nicht nur die gesamte kirchliche Tradition infrage stellen, sondern auch den menschlichen freien Willen, welcher von der Allmacht Gottes aufgehoben worden wäre. Da Gott aber die Menschen frei erschuf und wir uns von der Möglichkeit unserer Freiheit täglich überzeugen können, so muss auch die Freiheit sich für oder gegen Gott zu entscheiden angenommen werden.

(Fortsetzung folgt)

Pius XII, Mediator Dei. Einleitung. (2) Der Hohepriester Jesus Christus. Das Priesteramt der Kirche.

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Was ist die wahre Barmherzigkeit? „Das Menschengeschlecht mit übernatürlichen Wohltaten zu überhäufen“, d.h. ihnen die Teilnahme am trinitaren Leben Gottes zu geben. Wozu dient die Liturgie? Eben dazu, die Menschen in das übernatürliche göttliche Leben einzutauchen. Die Liturgie ist ja nicht nur die reale Gegenwart des eucharistischen Christus, sondern die Fortsetzung seiner Mission, denn er selbst ist es, der durch die Hände des Priesters segnet, konsekriert, durch seinen Mund das Evangelium liest und verkündet. All diese Priesterzentriertheit des wahren katholischen Ritus rührt daher, dass der Priester in persona Christi also wortwörtlich an Christi statt in der Liturgie und außerhalb natürlich auch handelt. Tja, ihr lieben Geistlichen, die ihr uns lest, so ist es nun mal. Diese Würde schafft Pflichten und ein viel härteres Strafgericht. Die Hölle soll ja mit den Köpfen der schlechten Priester gepflastert sein. Einige werde es selbst erfahren, ob es stimmt.

Einleitung:

  1. Der Hohepriester Jesus Christus, 212.

  2. Das Priesteramt der Kirche, 213-214.

212. Der Mittler zwischen Gott und den Menschen[1], der Hohepriester, der die Himmel durchmessen, Jesus, der Sohn Gottes[2] hat das Werk der Barmherzigkeit auf sich genommen, das Menschengeschlecht mit übernatürlichen Wohltaten zu überhäufen. Seine Absicht war es dabei zweifellos, die zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer durch die Sünde gestörte Ordnung wiederherzustellen und die unglückliche, durch die Erbschuld belastete Nachkommenschaft Adams dem himmlischen Vater, dem Ursprung und letzten Ziele aller Geschöpfe, wieder zuzuführen. Deshalb verkündete er während seines Wandels auf Erden nicht allein den Anbruch der Erlösung und erklärte das Gottesreich für gekommen, sondern er trachtete, durch beständiges Beten und Opfern das Heil der Seelen zu erwirken, bis er schließlich am Kreuze sich als makelloses Opfer Gott darbot, um unser Gewissen von toten Werken zu reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen könnten.[3] So wurden alle Menschen vom Weg, der zu ihrem völligen Verderben führte, zu ihrem Glück zurückgerufen und Gott wieder zugeführt; durch das persönliche Mitwirken eines jeden zur Erlangung der eigenen Heiligkeit, die dem Blute des unbefleckten Lammes entsprießt, sollten sie Gott die ihm gebührende Ehre erweisen.

213. Der göttliche Erlöser wollte, dass das Priesterleben, das er in seinem sterblichen Leibe durch sein Gebet und Opfer begonnen hatte, durch die Jahrhunderte in seinem mystischen Leibe, der Kirche, ununterbrochen weitergeführt werde. Daher setzte er ein sichtbares Priestertum ein, damit an jedem Ort ein reines Speiseopfer dargebracht werde[4] und so die Menschen vom Aufgang bis zum Niedergang, befreit von der Sünde, dem Ruf des Gewissens folgend, frei und willig Gott dienten.

214. Die Kirche führt also, getreu dem von ihrem Stifter erhaltenen Auftrag, das Priesteramt Jesu Christi vor allem durch die heilige Liturgie weiter. In erster Linie tut sie dies am Altare, wo das Kreuzesopfer ständig dargebracht[5] und erneuert wird,[6] wobei einzig die Art der Darbringung verschieden ist; dann durch die Sakramente, besondere Mittel, durch welche die Menschen des übernatürlichen Lebens teilhaftig werden; endlich durch den Lobpreis, der täglich dem allgütigen und allmächtigen Gott dargebracht wird. „Welch wundervolles Schauspiel – sagt Unser Vorgänger ehrwürdigen Andenkens Pius XI. – bietet dem Himmel und der Erde die betende Kirche, wenn ohne Unterlass Tag und Nacht die unter göttlicher Eingebung geschriebenen Psalmen auf Erden gesungen werden; wenn keine Stunde des Tages gezählt wird, die nicht durch ihre eigene Liturgie geweiht wäre; wenn jedes Lebensalter seine Rolle hat beim Dank-, Lob-, Bitt- und Sühnegebet, diesem gemeinsamen Flehen des mystischen Leibes Christi, der Kirche“ [7].

 

[1] 1 Tim. 2, 5.

[2] Vgl. Hebr. 4,14.

[3] Vgl. Hebr. 9,14.

[4] Vgl. Mal. 1, 11.

[5] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 1. Denzinger Nr. 938.

[6] Vgl. Konzil von Trient, Sess. XXII, c. 2. Denzinger Nr. 940

[7] Pius XI., Rundschreiben Caritate Christi compulsi vom 3. Mai 1932. AAS XXIV (1932) 185. Vgl. HK Nr. 1005.

 

 

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (9) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (1) Gebet der Affekte

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Da wir in unserem Surfbeispiel die Gebetsarten, die Pater Poulain SJ verwendet bereits vorgestellt haben, so schreiten wir jetzt zur 3. Gebetsart, welche schon in die mystische Erfahrung hinübergeht. Es ist das Gebet der Affekte. Was ist das? Kurz und gut: Ich lese und betrachte einen Teil der Passionsgeschichte, z.B. Jesus vor dem Hohen Rat  und erwecke oder verspüre verschiedene Affekte – Gefühle – die diese Betrachtung begleiten. Schmerz über die Behandlung des Heilands, Mitleid mit ihm, Angst der Hohenpriester, die Christus genehm waren etc. Danach erwecke oder verspüre ich die Affekte der Dankbarkeit für diese Erlösungstat, des Lobes für die Güte Christi und den Ratschluß Gottes etc.  Dies ist, wie richtig der französische Jesuit darstellt, keine eigentliche intellektuelle Leistung, sondern eine emotionale. Nachdem der Intellekt und die Anschaungskraft mir das Feld gleichsam vorbereitet haben, lasse ich den Gefühlen mehr oder weniger freien Lauf. Natürlich braucht man eine längere Meditationspraxis, um auf diese Ebene zu kommen und man wird zuerst mit vielen Ablenkungen kämpfen müssen. Wichtig ist es sich dabei nicht zu hetzen, sondern sich so viel Zeit für diese Affekte die auf Gott gerichtet sind zu lassen, wieviel man eben braucht. Man wird zuerst nicht nur ablenkende Gedanken, sondern auch ablenkende Affekte erleben oder gar keine Affekte. Deswegen soll man bei dieser Gebetsart treu bleiben und die Betrachtung selbst auf eine Zeit legen, in der man weder zu müde noch zu gehetzt ist. Auf diese Weise schafft man einen Raum, in welchem das zwarte Pfänzchen der Betrachtung gedeihen kann.

Erster Teil

Vorfragen

Zweites Kapiel: Vorstufen der Mystik? 

§ 1. Definition dieser Gebetsarten

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Wir sind nicht allein – tatsächlich katholische Hierarchen über die gegenwärtige Kirchenkrise

Wir freuen uns dank Rorate Caeli hier ein Film mit den Aussagen tatsächlich katholisch denkenden und handelnden Hierarchen zu präsentierten, die zur gegenwärtigen Kirchenkrise frei und frank sprechen. Der Film, der von einer polnischen Zeitschrift gemacht wurde, ist zwar auf Englisch, aber wir gehen davon aus, dass die meisten unserer Leser ihn verstehen werden. Ein schöner Beitrag zum Thema Polonia semper fidelis – Polen ist immer [dem Glauben] treu.

 

Buchempfehlung: Obras raras do Catolicismo Datenbank

bannercampanhadigitalizDank der Information auf Rorate Caeli können wir eine weitere, diesmal portugiesische Datenbank Obras Raras do Catolicismo – Seltene Werke des Katholizismus empfehlen, welche alte, seltene katholische Bücher digitalisiert und kostenlos zur Verfügung stellt.  Außer auf Portugiesisch, finden sich dort Materialien auf Lateinisch, Französisch, Englisch, leider (noch?) nicht auf Deutsch. Man kann alles kostenfrei downloaden, spenden sind erwünscht.

Die Adresse lautet: http://www.obrascatolicas.com/

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (9) Unterscheidung der Geister vs Prophezeiung und Herzensschau

 Eeckhout,-Gerbrand-van-den-xx-Der-Prophet-Eliseus-und-die-SunamitinKardinal Bona stellt in diesem Kapitel verschiedene Ansichten der Theologen über das Wesen der Unterscheidung der Geister dar. Einige Autoren sehen sie als Prophetie, d.h. als die Erkenntnis künftiger Ereignisse oder eine genaue Erkenntnis des Gegenwärtigen, andere wiederum betrachten sie als die Herzensschau, d.h. die genaue Erkenntnis des psychischen oder geistlichen Zustandes einer Person.  Natürlich stellt sich für alle Leser die Frage, wo das Natürliche aufhört und das Übernatürliche anfängt. Anders formuliert, kann man fragen, ob ein Analytiker eines Geheimdienstes der eine bestimmte kommende Bedrohung richtig erkennt die Gabe der Prophetie ausübt? Kann ein Psychoanalytiker mit viel Erfahrung oder ein Beichtvater mit ebenfalls viel Erfahrung, der die inneren Beweggründe erleuchtet von sich sagen, dass er die Gabe der Herzensschau hat? Die Antwort dazu lautet: „Nein“.

Bei der Prophetie und der Herzensschau handelt es sich um Dinge, die, wie Kard. Bona schreibt, „über die Vernunft hinausliegen und Bestätigung über eigentlich göttliche Kraft bedürfen“.  Dies bedeutet, dass man mit natürlichen Mitteln dorthin nicht gelangen kann. Es wird von vielen Heiligen überliefert, dass ihre persönlichen, analytischen Fähigkeiten nicht dazu ausreichten bestimmte Ereignisse, sei es innerer oder äußeren Art vorauszusehen. Andere wiederum hatten sehr gute Anlagen, welche durch die Gnade noch verstärkt wurden. Jeder, der im Gnadenstand lebt und ein ausdauerndes Gebetsleben führt, wird mit der Zeit erkennen, dass er auch bei natürlicher Erkenntnis bestimmte Perspektiven sieht oder manche Gegenstände der Erkenntnis vom göttlichen Licht erleuchtet erfährt, welche ihm eine äußere und innere Erkenntnis ermöglicht, die ein Sünder oder Ungläubiger einfach nicht hat. Diese Erkenntnis betrifft natürlich theologische und spirituelle „Dinge“ für das eigene Leben, nicht den Börsenkurs oder den prophetischen Dienst für die Kirche.

Kapitel II

Es gibt eine doppelte Gnade: die eine ist die rechtfertigende und gottgefällig machende (gratia gratum faciens); die andere ist die vorzugsweise frei verliehene Gnade (gratia gratis data). – Worin jede der beiden bestehe. – Die Unterscheidung der Geister hat unter den frei verliehenen Gnaden gaben den Vorzug.- Was diese Unterscheidung sei. – Ob sie nach Art einer bleibenden Eigenschaft (habitus) verliehen werden. Es gibt zwei Arten derselben, deren eine von Gott eingegossen, die andere aber als eine Fertigkeit durch Übung erlangt wird.

 

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