Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (10) Geistesunterscheidung und Seelenschau kein Dauerzustand (habitus)

Wir leben in einer Zeit des ausufernden Paranormalen und Okkulten. Wer das bezweifelt, der sollte doch einmal ein paar Esoterik-Foren besuchen und nachschauen, welche Erlebnisse dort erzählt und kommentiert werden. Wenn wir dies nicht als Spinnereien oder psychische Krankheiten abtun wollen, so haben wir es in diesen Fällen mit paranormalen also übernatürlichen Erlebnissen oder Fähigkeiten zu tun. Eines davon ist Telepathie, sprich die Wahrnehmung von Gedanken, Gefühlen anderer Menschen oder das Wissen um verborgene oder entfernte (distantia et occulta) Dinge oder Ereignisse. Der Leitsatz der Aufklärung lautet diesbezüglich: (1) Diese Dinge kann es nicht geben und (2) Daher gibt es sie nicht. Dieser Ansatz ist gar nicht so falsch, denn auf dem natürlichen Wege kann es diese Dinge nicht geben, denn sie sind übernatürlich oder paranormal. Dennoch meint der nachaufklärerische Mainstream, dass, wenn es dennoch davon berichtet wird, dann handelt es sich dabei um:

a. Lügen

b. Autosuggestionen

c. Psychische Krankheiten

d. Anderes

Denn aus (1) folgt (2). Dennoch werden telepathische Fähigkeiten werden berichtet von:

  1. Wahrsagern, Okkultisten, Esoterikern
  2. Charismatikern
  3. Heiligen

ad 1.

Menschen, die zu ihrem Leidwesen irgendwelche Wahrsager aufgesucht haben, denn dies kann zu dämonischen Besessenheit führen, berichten manchmal, dass dieser Wahrsager oder diese Wahrsagerin tatsächlich alles über sie gewußt hat und ihnen die Zukunft  wahrheitsgemäß vorhergesagt hat. Natürlich handelt es sich bei 90% aller Wahrsager um psychologisch begabte Betrüger, welche aus Beobachtung und Lebenserfahrung auf Vieles schließen können und durch diese Random Methode auch wahre Zufallstreffer erreichen. Denn bei Frauen, die bei ihnen erscheinen, geht es meistens um Liebe, bei Männern hingegen um Karriere und Geld. Sagt man ihnen, was sie hören wollen, auf eine Art und Weise, welche sie annehmen, so ist der Kunde zufrieden und der Verdienst sicher. Aber ca. 10% der Wahrsager besitzen tatsächlich ein rational nicht erklärbares Wissen, welches menschliche Fähigkeiten übersteigt. Zum Christentum bekehrte Wahrsager und Okkultisten berichten, dass die Karten, Pendel etc. nur Requisite waren, sie aber sofort alles über denjenigen oder diejenige wußten, sahen dessen Aura oder hörten jemanden etwas vorhersagen. Interessanterweise verschwinden diese okkulten Gaben nach der Bekehrung, Taufe oder Beichte völlig und kommen nicht wieder.

ad 2.

In der charistmatischen Bewegung, welche der Schreiber dieser Zeilen recht gut kennengelernt hat, kommen Fähigkeiten dieser Art auch vor. Er hat es selbst erlebt, dass ihm unbekannte Menschen Wahres über ihn selbst, seine Vergangenheit oder Zukunft sagten. Er hält diese Phänomene zu 60% für natürlich, aber die restlichen 40 % für paranormal, da diese Personen dieses Wissen unmöglich auf einem natürlichen Wege erhalten haben können.

ad 3.

Von vielen Heiligen, wie Kardinal Bona selbst schreibt, werden telepathische Fähigkeiten, sprich die Seelenschau oder Unterscheidung der Geister überliefert.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob diese Phänomene, falls sie tatsächlich übernatürlich sind, von Gott oder vom Teufel kommen, das der Letztere auch vieles Übernatürliches (Seelenschau, Extasen, Wahrsagerei, Levitation, Stigmata etc.) produzieren kann. Die Antwort ist gar nicht so einfach, da diese Phänomene oft identisch sind. Was zählt, sind ihre langfristige Konsequenzen. Man muss sich aber klar machen, dass nicht alles tatsächlich Übernatürliche von Gott kommt. So ist ein heilender oder die Seelenschau besitzender Charismatiker noch nicht notwendigerweise ein Mann Gottes. Bei der Heiligkeit zählt der heroische Tugendgrad und nicht eventuelle Wunder oder paranormale Erlebnisse. Es heißt ja nicht umsonst:

„Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten, und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht? Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!“ (Mt 7,22-23)

Daher war die Kirche, leider bis zum Zweiten Vatikanum als die charismatische Bewegung auf die Menschheit losgelassen wurde, sehr vorsichtig mit der Anerkennung der übernatürlichen Phänomene und bei Menschen, die sie vollbrachten, sehr skeptisch. Es hat sich nämlich mehr als einmal herausgestellt, dass diese Phänomene vom Widersacher kamen, wie beispielsweise bei Magdalena vom Kreuz bzw. Magdalena von Cordoba (1487-1560), welche wohl als das teuflische Gegenstück zur ein wenig späteren Hl. Theresa von Avila angedacht war [1].

Da Kardinal Bona um diese Dinge wußte, so stellt er die Frage, ob die Seelenschau oder die Gabe der Geistesunterscheidung, wie sie von manchen Heiligen berichtet wird, einen ständigen Zustand (habitus) darstellt oder nur eine Gabe Gottes ist, die von mal zu mal geschenkt wird. Er behauptet das Letztere, da nur Christus selbst diese Gabe als habitus besaß. Dies ist natürlich nur eine Theologenmeinung (opinio theologica), welcher der Schreiber dieser Zeilen zustimmt. Warum? Weil die Gaben Gottes keine Superkräfte sind und der ontologischen Unterschied zwischen Christus dem Sohn Gottes und einem Gläubigen, der dieser Gaben erfährt, bestehen bleiben muss. Daher sind alle Dauergaben, wie sie bei den Esoterikern oder Charismatikern vorkommen unter einen Generalverdacht zu stellen und auch bei katholischen Charistmatikern als potentiell dämonisch zu sehen. Denn es ist doch unmöglich, dass jemand, der über solch eine Fähigkeit ständig verfügt, nicht stolz und überheblich wird und sich diese irgendwie selbst zuschreibt, was früher oder später zu seinem und seiner Anhänger Fall führt.

 

[1] http://www.mysticsofthechurch.com/2011/12/sister-magdalena-of-cross-nun-who-made.html

Kapitel II

Es gibt eine doppelte Gnade: die eine ist die rechtfertigende und gottgefällig machende (gratia gratum faciens); die andere ist die vorzugsweise frei verliehene Gnade (gratia gratis data). – Worin jede der beiden bestehe. – Die Unterscheidung der Geister hat unter den frei verliehenen Gnaden gaben den Vorzug.- Was diese Unterscheidung sei. .Ob sie nach Art einer bleibenden Eigenschaft (habitus) verliehen werden. Es gibt zwei Arten derselben, deren eine von Gott eingegossen, die andere aber als eine Fertigkeit durch Übung erlangt wird.

 

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