Buchempfehlung: Louis Bouyer „Tagebücher“

Purgatorio[7

 

Wenn der Schreiber dieser Zeilen bei der Sonntagsmesse in seiner Gemeinde anwesend ist und wieder einmal die nicht nach den Rubriken zelebrierte Novus Ordo Messe über sich ergehen lässt, in welcher, so spürt er, außer der Wandlung und Teilen des Eucharistischen Hochgebetes wenig Heiligkeit ausströmt, so fragt er sich unbewusst und verärgert, wem wir das alles zu verdanken haben. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht und genannt. Diejenigen, die die Neue Messe konzipiert haben, waren:

  • Anibale Bugnini CM,
  • Carlo Braga CM,
  • Joseph Jungmann SJ
  • G. Marimort,
  • Vagagini O.S.B.,
  • Schmidt A. P., SJ,
  • P. -M. Gy, OP,
  • B. Botte, OSB,
  • Louis Bouyer.

Alles mit der tatkräftigen Unterstützung von kard. Montini, des späteren Paul VI. Die oben genannte Liste ist nicht ganz vollzählig. [1] Denn seit der Konstituierung des Conciliums am 11 bis 12 Oktober 1961 – der Kommission also, welche die liturgische Reform in Angriff nehmen sollte – sind einige Namen hinzu- andere wiederum weggekommen. Dies soll uns aber an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Ebenso wenig interessieren uns näher die Namen der protestantischen Beobachter, welche ebenfalls an den Arbeiten des Conciliums teilnahmen. Wir wollen sie dennoch nennen. Es waren:

  • Ronald Jasper,
  • Massey Shepherd,
  • Raymon George,
  • Friedrich Künneth,
  • Eugene Brand,
  • Max Thurian.[2]

Wir werden diese Themen irgendwann einmal aufgreifen und vertiefen. Man muss sich fragen, warum gerade es diese Männer wagten die Hand an die Heilige Messe zu legen. An die Messe, das Wertvollste und Heiligste, was die Kirche besitzt, deren Grundstruktur ins VI. Jahrhundert zurückreicht, deren Kanon aus der Apostelzeit überliefert wurde, welche vom Konzil von Trient dogmatisiert wurde, damit ja nichts verändert wird. Sie haben dieses Verbot dadurch umgangen, indem sie ihre eigene Messe machten und zwar eine solche, welche die eventuell anwesenden Protestanten nicht beleidigt. Die neu-katholische Liturgie wird also nach dem Geschmack der nicht-anwesenden Protestanten (Denn wieviele Protestanten sind schon bei einer katholischen Messe zugegen?) ausgerichtet. Eine Kommission traut sich also den Kanon der Messe selbst zu konzipieren und all das „nicht mehr Zeitgemäße“ rauszuwerfen. Man muss sich wirklich fragen, ob diese Geistlichen überhaupt ein geistliches Leben führten, wenn sie so etwas in Angriff nahmen. Wohl kaum. Benn bisher hat es niemand in der Kirchengeschichte gewagt die Messe, das Heiligste, was die Kirche besitzt, umzuschreiben und neu zu entwerfen. Es wurde höchstens kodifiziert. Spürten diese Männer nicht die Gnade, welche aus all den Teilen der Tridentinischen Messe ausströmt? Die Heiligkeit dieser Texte? Waren sie jeglichen sensus fidei bar? Wie kommt es, dass es andere im Vatikan es nicht erkannten? Gab es schon damals dort keine Heiligkeit mehr?

41WHUufQEEL._SX331_BO1,204,203,200_Vor einiger Zeit schrieb uns ein Leser, dass wir über die Absichten des Conciliums zu positiv schreiben, worauf wir entgegneten, dass ohne ein Quellenstudium über diese Absichten sich nichts Bestimmtes sagen lässt. Ein Quellenstudium ist aber durchaus möglich, weil seit kurzem die Tagebücher von Loius Bouyer, eines Concilium-Mitglieds, ins Englische übersetzt worden sind.[3] Auf Französisch waren sie schon länger erhältlich. Bouyer selbst, der über eine spitze Feder verfügt, wollte diese Memoiren nicht zu seinen Lebzeiten veröffentlichen. Die Übersetzung ins Englische scheint, aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten des französischen Originals, eine translatorische Meisterleistung zu sein. Denn die Memoiren Bouyers scheinen der Gattung der Literatur anzugehören.

Der Schreiber dieser Zeilen wird wohl kaum in der nächsten Zeit dazu kommen sich diese Tagebücher auf Englisch durchzulesen, denn sein Französisch ist zu schwach, um diesem Text tatsächlich genießend gerecht zu werden. Es interessiert uns hier aber nicht die literarische Hülle, sondern der theologische Inhalt und zwar stellt sich die Frage: Welche spirituelle Grundstruktur hatte ein Mensch, der das Zweite Eucharistische Hochgebet[4] an einem Abend am Tisch einer römischen Taverne mit dem Benediktiner Botte geschrieben hatte?[5] Er schreibt über dieses Vorkommnis angeblich selbst in seinen Memoiren. Er schrieb also den Kanon der Heiligen Messe nicht in einer Verzückung, nach langem Fasten, sondern an einem Abend bei Wein und Pizza. Und das wird in den Kirchen gebetet. Vergleichen wir doch irgendwann einmal dieses Hochgebet mit dem römischen Kanon. Das ist doch kein Vergleich: menschengemacht gegen göttlich.

Die Tagebücher geben uns nähere Auskunft über Pater Boyuer und diejenigen, die sie gelesen und auf amazon.fr kommentiert haben, sind wenig von seiner Spiritualität begeistert.[6] Der Kommentator Par johan schreibt:

„Ein Buch, das Unbehagen verbreitet und wirklich betrüblich ist. […] Wenn „ein Mann Gottes“ seine Biographie veröffentlich, so ist es normalerweise kein sehr gutes Zeichen (Ich-Kult, Sünde des Stolzes), es sei denn dieses Buch ist erbaulich. Aber in den Memoires von Loius Bouyer gibt es keine Spur von Nächstenliebe, Vergebung nach dem Maß des Evangeliums, Dienst an Kleinen und Armen. Kein inneres Leben, welches ja, an die vorher genannten Tugenden gebunden würde. Es ist ein Buch, welches völlig den Bekenntnissen von Augustinus, den autobiographischen Schriften der beiden Theresas oder gar denen von Thomas Merton entgegensteht. Bei Bouyer ist es das „Ich“, egotisch oder grausam, es werden bittere Urteile oder Bosheiten (insbesondere dort deplatziert, wo sie körperliche Gebrechlichkeit von Menschen betreffen) fallen gelassen. War eigentlich Pater Bouyer in einem normalen Geisteszustand als er dies geschrieben hat? […]“

Dieser Kommentator beschreibt das Leben eines Intellektuellen, der nach dem Konzil verschiedene Reisen zu amerikanischen Universitäten unternimmt, von seinem Ruhm zehrt und sich ästhetischen Betrachtungen hingibt. Solche Biographien gibt es von Literaten zu Genüge, aber Bouyer ist der Mann, welcher die Messe verändert hat und dessen „Kanon“ die Kirche vor der Wandlung betet!!! War er ein gotterfüllter Heiliger? Sicherlich nicht. Warum also sollte er für uns die Liturgie machen? Welche Kompetenzen hatte er diesbezüglich. Anscheinend keine oder gerade die falschen: laizistisch – zerstörerisch. Er war einfach, als ein Konvertit vom Protestantismus und ein späterer Orionist, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Ein ästhetisierender Geistlicher, ein bisschen Schriftsteller, ein bisschen Philosoph, ein bisschen Dies-und-Das, ein bisschen Theologe auch noch. Ein bequemes weltliches Leben unter dem Deckmantel des geistlichen Standes führend. Wie viele andere auch. In der Ostkirche haben nur Heilige die heilige Liturgie verfasst: der Heilige Chrysostomus und der Heilige Basilios, beide große Kirchenväter und sog. Magni Egregii. Die Tridentinische Messe reicht bis in die Apostelzeit zurück und ist größtenteils anonym entstanden, unter der tatsächlichen Eingebung des Heiligen Geistes. Ist es nicht möglich, dass diese menschengemachte Messe und der Kanon von Louis Boyuer Gott beleidigt? Warum schreibt denn nicht jeder von uns eine Messe? Was einmal möglich war, kann man doch wiederholen.

Jeder möge sich selbst auch diese Frage antworte und falls er mag die Memoiren von Bouyer durchlesen, damit wir wissen, wer uns dies eingebrockt hat.

[1] Zusammengestellt nach Cekada, A., Work of Human Hands. A theological Critique of the Mass of Paul VI, Ohio 2010, 70. http://www.newliturgicalmovement.org/2014/02/the-consilium-ad-exsequendam-at-50_12.html#.Vjhsnm5_Sss

[2] Cekada, Work, 75 Fußnote 80.

[3] http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/08/louis-bouyers-memoirs-available-again.html http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/08/a-long-awaited-publishing-event-full.html http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/07/the-catholic-church-in-crisis-1978.html http://www.amazon.de/Memoirs-Louis-Bouyer-Conversion-Liturgical/dp/1621381420/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1446544014&sr=8-1&keywords=bouyer

[4] http://www.kathpedia.com/index.php?title=Hochgebet_II

[5] http://www.newliturgicalmovement.org/2014/09/fr-louis-bouyer-on-liturgical-reform.html#.Vjh1GW5_Sss

[6] http://www.amazon.fr/M%C3%A9moires-Jean-Duchesne/product-reviews/2204098752/ref=dpx_acr_txt?showViewpoints=1

3 Gedanken zu „Buchempfehlung: Louis Bouyer „Tagebücher“

  1. „Vor einiger Zeit schrieb uns ein Leser, dass wir über die Absichten des Conciliums zu positiv schreiben, worauf wir entgegneten, dass ohne ein Quellenstudium über diese Absichten sich nichts Bestimmtes sagen lässt. Ein Quellenstudium ist aber durchaus möglich, weil seit kurzem die Tagebücher von Loius Bouyer, eines Concilium-Mitglieds, ins Englische übersetzt worden sind“

    Nun, ein Quellenstudium ist aber nicht erst seit dem Erscheinen dieser Tagebücher möglich.

    Gibt es doch von Bugnini etwa sein umfangreiches Werk zur Liturgiereform wie auch Beiträge im OR.

    Gerade aus diesen letzteren geht z.B. das „ökumensiche“ Anliegen klar hervor, etwa den Protestanten entgegnzukommen.

    Auch gibt es hinreichend Aussagen von Lengeling oder anderen, die vielleicht nicht in vorderster Front standen resp. Mitglieder des Consilums waren, aber doch sehr eng mit der Liturgiedeform verbunden waren.

    Ja, es wäre wirklich mal eine Aufgabe, alle die verstreuten Zitate von einzelnen wichtigen Personen in diesem Zusammenhang zu sammeln und in einem Buch bzw. Artikel zu veröffentlichen.

    Übrigens freut es mich in den Fußnoten das Werk von Cekada zu finden – wobei ich zu meiner Schande gestehen muss, es noch nicht gelesen zu haben!

    1. @ dspecht

      Sie haben Recht. Quellenstudium ist schon teilweise möglich, aber nicht zurzeit für die Betreiber von Tradition und Glauben. Man kann nicht alles selber machen, da die Bugnini Memoiren über 800 Seiten betragen.

      Es stellt sich natürlich die Frage, wie ehrlich diese Menschen in ihren Erinnerungen sind.

      Wie sagte doch jemand: „Die Memoiren lügen immer, die Fiktion nie!“

      Und hier der zitierte Schriftwechsel

      Der Leser:
      Vielleicht muß ich mein Bild von der liturgischen Bewegung als einer Gruppe die das alles nicht gewollt hat revidieren. Das Studium trichtert diese Vorstellung ein und man will ihr bei aller Liebe zur alten Liturgie doch nicht widersprechen. Vielleicht ist der Vorwurf eines intellektuellen Snobismus gegen die Reformer doch angebracht. Und vielleicht ist der vor Freude weinende Bauer bei seiner, seit zwanzig Jahren ersten, lateinischen Fronleichnamsprozession der Stereotyp des in seinem Seelenleben tief verwundeten Menschen, wie ihn die Liturgiereform massenhaft hervorgebracht hat.

      Wir:
      @gregoriusbraun

      Wahrscheinlich hat ein Großteil dieser Gruppe das tatsächlich gewollt, aber um dieses mit Sicherheit sagen zu können, müsste man alle Bücher und alle Aussagen aller Betroffenen oder eher Täter gelesen haben, was der Schreiber dieser Zeilen noch nicht getan hat. Sonst kann man diese Behauptung nicht beweisen und in dubio pro reo. Das Buch von Bugnini „Die Liturgiereform: 1948-1975. Zeugnis und Testament” zählt in der neuesten Ausgabe mehr als 800 Seiten und ob sie wirklich ehrlich sind mag bezweifelt werden. Und es gibt auch andere „Reformer” mit ihren Werken. Ob beispielsweise aber Jungmann einen Bastel-Kindergottesdienst mit einer als Priester verkleideten Pastoralassistentin, die hofft auf diesem Wege sich doch noch zu verheiraten, gewollt hätte, darf wirklich bezweifelt werden, sonst wäre er wahnsinnig gewesen. Dennoch ist das eigentliche Thema dieses Aufsatzes ist Dom Prosper Gueranger als die Einleitung zu seiner „Antiliturgischen Häresie” und nicht die die „Linke” der Liturgischen Bewegung, so bitten wir um Nachsicht. Da uns diese Thematik auch interessiert, so bleiben wir am Ball.
      Danke für Ihr Kommentar und Ihr Anregung.

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