Tradition und Glauben

Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (8). Acedia ist eine Todsünde (von der Gattung her)

Die Reihe über die Acedia ist recht arbeitsaufwendig und daher man darf der Acedia nicht verfallen sein. Die Redaktion freut sich über die jede Herausforderung und arbeitet der geistlichen und jeglicher Trägheit entgegen. Wie jemand treffend sagte „sogar über die Langeweile muss man interessant schreiben“ und bei der Acedia sehr fleißig sein. Hier also ein weiterer Abschnitt. Acedia als eine schwere Sünde. Nachdem wir geklärt haben, was eine schwere Sünde überhaupt ist, wollen wir dazu übergehen die Quaestio nach Thomas von Aquin zu erläutern, ob Acedia eine schwere Sünde sei. Obwohl wir uns bisher einer fertigen Übersetzung bedient haben, so ist leider zu sagen, dass die Bibliothek der Kirchenväter (BKV) doch nicht so fehlerlos ist, wie man annehmen könnte. Denn von der teilweise gewöhnungsbedürftigen Thomas-Übersetzung abgesehen, sind manche Teile der Summe überhaupt nicht übersetzt worden. Ob das am Übersetzer oder am „Eintipper“ liegt, sei dahingestellt, aber gerade bei der nächsten Quaestio liegen dermaßen große Mängel vor, dass wir sie fast gänzlich neu übersetzen müssen. Tja, entweder man macht alles selbst oder es macht keiner. Wir sparen uns den direkten Vergleich mit der BKV, wer möchte, kann die vorhandene Übersetzung oder eher Teilübersetzung dort einsehen.[1] Wir behalten den lateinischen Text bei, denn für alle die auch nur schwach Latein können, ist der hl. Thomas in der Originalsprache viel einfacher zu lesen als in jeder Übersetzung, weil fast jedes Wort ein Fachtermin ist. Dritter Artikel. Die geistige Trauer ist eine schwere Sünde. IIª-IIae q. 35 a. 3 arg. 1 Ad tertium sic proceditur. Videtur quod acedia non sit peccatum mortale. Omne enim peccatum mortale contrariatur praecepto legis Dei. Sed acedia nulli praecepto contrariari videtur, ut patet discurrenti per singula praecepta Decalogi. Ergo acedia non est peccatum mortale. Zum dritten (Artikel der Quaestio) ist Folgendes zu sagen. Es scheint, dass Acedia keine Todsünde sei. Jede Todsünde nämlich widersetzt sich dem Gebot des göttlichen Gesetzes (lex divina). Aber Acedia scheint sich keinem Gebot zu widersetzen, was man daraus ersehen kann, wenn man alle Gebote des Dekalogs einzeln durchstreift. Also ist die Acedia keine Todsünde. Dieser erste Einwand ist ganz rechtspositivistisch aufgehängt. Dies bedeutet z. B. im Strafrecht: „Keine Definition des Verbrechens“ – „Kein Verbrechen“ ganz einfach für Nichtjuristen ausgedrückt. In der Juristensprache spricht man von „Tatbestandsmäßigkeit“, also etwas ist dann eine Straftat, wenn es nach dem und dem Paragraphen des Strafgesetzbuches definiert wurde. Denn „Tatbestandsmäßigkeit setzt voraus, dass der Täter die Merkmale eines gesetzlichen Tatbestandes erfüllt hat,“[2] sagt man. Das göttliche Recht ist aber auch ein positives Recht und auch ein Gesetz. Dies bedeutet, dass es vorgelegt (von pono, ponere, positus – „legen“) wurde und zwar durch Moses am Berge Sinai und durch Jesus Christus. Um das katholische Rechtsverständnis hier ganz kurz darzustellen, so muss man wissen, dass es zuerst das: Ius divinum, dass es göttliche Gesetz im Sinne einer lex aeterna, eines ewigen Rechtsbeschlusses gibt. Dieses ist schlicht und einfach der göttliche Wille. In dieses Recht ist das natürliche Recht (ius naturalis) verankert, also dieses Recht, welches der Natur eines jeden Wesens zukommt. Wie alle anderen Entitäten ihre eigene Natur (natura) haben (Neutronen, Sterne, Pantoffeltierchen), nach der sie sich richten, so haben auch die Menschen ihre Natur, welcher manche Handlungen zuträglich, z. B. Schutz des Eigentums, andere wiederum abträglich (Mord, Ehebruch) sind. Natur bedeutet also nicht unter den Vögeln, Affen, Walen ist es auch so, z.B. es gibt dort Homosexualität, denn unter Tieren gibt es auch Kanibalismus oder das Verstoßen von Jungtieren, sondern „Natur“ (natura) im katholischen Sinne, der hier dem philosophischen Verständnis es Altertums folgt, bedeutet, dass es einen normativen Standard (tautologisch formuliert, aber doppelt hält besser) dafür gibt, was der Mensch an sich ist und wie er sich zu verhalten hat. Diese Norm ist letztendlich im Intellekt Gottes verankert und er hat sie in der Schöpfungsordnung verankert. Das positive Recht (ius positivum) ist schließlich das Recht, welches Gott als der Gesetzgeber den Menschen zuerst durch Moses und dann durch Christus geoffenbart hat. Inwiefern (3) das positive Recht, in (2) dem natürlichen Recht (ius naturalis) und dieses in (1) göttlichem Recht (ius divinum) verankert ist, insofern ist es moralisch und verbindlich. Fällt diese Verankerung von (3) in (2) und (1) weg, wie wir es seit der Aufklärung im Rechtpositivismus haben, wo keine Verankerung des verabschiedeten Gesetzes (lex) im ius naturale oder ius divinum gefordert wird, so herrscht ein reiner Rechtspositivismus. Denn als die oberste Rechtsnorm wird nicht der göttliche Wille oder das göttliche Gesetz, sondern der Gesellschaftsvertrag, also die Konvention gesehen. So kann man es sehr vereinfacht und verkürzt, aber dennoch richtig, darstellen. Nach dem Rechtsdenken der Neuzeit wird also nur die Legalität aber keine Moral einer Tat beachtet, sodass man zwangsläufig sagen kann: „Es ist zwar legal, aber es ist unmoralisch.“ Praktisch bedeutet dies, dass jedes, auch so abnormes verabschiedetes Gesetz nicht nur Geltung hat, sondern auch noch als moralisch oder…

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