Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (2) Exegese Vers 1

beatus vir 2

Exegese: Beátus vir, qui non ábiit in consílio impiórum

Aber widmen wir uns der Exegese des ersten Psalms übersetzt aus der Vulgata-Fassung des Breviers:

Beátus vir, qui non ábiit in consílio impiórum

Glücklich ist der Mann, die nicht weggeht in den Rat der Unfrommen.

Wir haben hier das Lateinische vir – was „Mann“ bedeutet und nicht „Mensch“ oder „Person“. Bevor sich die Pastoralreferentinnen, die uns eventuell lesen über diese „total frauenfeindliche Bemerkung, echt, jetzt“ empören, wollen wir etwas klären. Die Heilige Schrift handelt in erster Linie vom Geistlichen, nicht vom Geschlechtlichen und demnach nicht vom Irdischen. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich tatsächlich eine längere Zeit lang mit der feministischen Exegese beschäftigt, um zu erfahren „wie sie ticken“. Das Fazit lautet: Bei der feministischen Theologie geht es ausschließlich um Frauen und nicht um Theologie! Es ist eine narzisstische, Selbstbezogenheit und Selbstzentriertheit im Sinne „Frau und XYZ“. Kein Gott, kein Christus, kein gar nichts. Viele der ehemals katholischen Theologinnen, diesmal nicht TheologInnen, wurden zu irgendwelchen Gaia oder Wicca-Priesterinnen, da dort das Weibliche oder das Ewig-Weibliche noch mehr wuchert und weil das Christentum mit Gott Vater dem Sohn und dem Heiligen Geist für Frauen angeblich nicht annehmbar ist. Doch das ist ein anderes Problem, dem wir uns woanders widmen werden. Dennoch ist die Heilige in Bildern und Metaphern verfasst und wo, so lehrte schon ganz früh Origenes in seiner Exegese zum Exodus-Buch, das Weibliche für das Schwache, Weimerliche, Emotionale, das Männliche hingegen für das Verstandesmäßige, Kämpferische und Geistige steht. Das geistliche Leben ist ein Kampf und daher sollen wir, geistig gesehen, alle Männer (viri) werden. Dies hat jedoch nichts mit Transgenderismus und anderen Unsinn zu tun, auch nicht mit der Verleugnung des eigenen Geschlechts, sondern mit der geistigen Entwicklung. Gott ist Vater und Christus war und ist ein Mann. Wenn Gott als Mann Mensch wurde und nicht als Frau, dann hat er sich etwas dabei gedacht.

Warum muss man denn ein Mann nach dem ersten Psalm (vir) sein? Um nicht „in den Rat der Unfrommen vom Weg abzuirren“. Das Lateinische abire bedeutet „vom Weg abgehen“, „weggehen“, „sich vom richtigen Weg abwenden“, denn ab ist „weg“ und íre – „gehen“. Man wechselt die Richtung, um der Gruppe anzugehören, eine Neigung, die bei Frauen wirklich viel stärker als bei Männern ausgeprägt ist. Die Gruppendynamik, der Gruppenzwang, Mitgegangen, Mitgefangen, Mitgehangen. Ja, wir ahnen es schon das Wort „Miteinander“ muss in diesem Kontext auch fallen. Der französische Mathematiker, Philosoph, Schriftsteller und leider auch Jansenist Blaise Pascal schrieb einmal, dass Problem des Menschen darin besteht nicht alleine in seinem Zimmer bleiben zu können. [1]

„Tout le malheur des hommes vient d’une seule chose, qui est de ne savoir pas demeurer en repos dans une chambre“.

Aber Menschenmassen oder Gruppen richten sich immer nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Das Mittelmaß kann sehr hoch sein, aber es ist immer ein Mittelmaß. „Der Rat der Unfrommen“, sie wollen uns beraten. Aber bevor man einen Rat empfängt, sollte man überlegen: Wer rät es mir? Ein Frommer oder ein Unfrommer. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich von einem unfrommen, windigen Anwalt in einer schwierigen Angelegenheit beraten lassen, las diesen Psalm und tat genau das Gegenteil von dem, wozu man ihm geraten hatte und ist sehr glücklich mit seiner Entscheidung. Auch wenn es jetzt melodramatisch klingen mag: durch die Sünder spricht der Teufel und er will uns mit ihrem Rat verderben. Denn die Unfrommen oder die Frevler gehen ja den teuflischen Inspirationen nach, sonst wären sie ja gerecht und fromm. Also wirklich bei der Beraterwahl zweimal hinschauen oder per Umkehrschluss handeln.

et in via peccatórum non stetit, * et in cáthedra pestiléntiæ non sedit

der auf dem Weg der Sünder nicht steht und auf dem Lehrstuhl der Seuche nicht sitzt.

Während der Anfang des ersten Verses den Mann lobte, der nicht nach dem Rat der Unfrommen von seinem Weg abirrt, steigern die weiteren Aussagen sich, indem man vom fehlenden Stehen und Sitzen spricht. Denn, wenn er schon nicht abgeirrt ist (non abiit), dann kann er „auf dem Weg der Sünder nicht stehen“ (non stetit) und auf dem Lehrstuhl der Pest nicht sitzen (non sedit). Die Sünde liebt das Bequeme: zuerst das Stehen, dann das Sitzen. Er steht wohlgemerkt nicht „den Sündern im Wege“, sondern „er steht auf ihrem Wege“. Er hat also die Fronten gewechselt. Schon Clemens von Alexandrien (Stromata II 67,4) identifizierte cathedra pestilentiae als „das Katheder oder den Lehrstuhl der Seuche“ mit Häresien. Er besetzt keine häretischen Lehrstuhl sozusagen, also keinen in den deutschsprachigen Ländern, obwohl wir nicht ausschließen wollen, dass es auch ein paar orthodoxe katholische Lehrstuhlinhaber gibt. Und wie fing es an? Mit dem Rat der Frevler und es endet mit einem häretischen Lehrstuhl. So einfach geht das.

[1] http://www.wildmind.org/blogs/quote-of-the-month/blaise-pascal-solitude

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen