Ps. 1 Beatus vir oder der Anti-Dialogpsalm als die Grundlage des geistlichen Lebens (5) Exegese Vers 4

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1,4 Et fólium ejus non défluet: * et ómnia quæcúmque fáciet, prosperabúntur.

1,4 Und sein Blatt verwelkt nicht und alles, was immer er machen wird, wird gelingen.

Weitere Bilder der Fruchtbarkeit. Die ewig grünen Blätter, die eigentlich nur Tropenpflanzen vorweisen können, weil sie immer in der Feuchtigkeit verwurzelt sind. Wie „das Holz an den Wasserbächen“. „Und alles, was er machen wird, wird gelingen (prosperabuntur)“. Wir haben zweimal hier das Futur und das Wort prosperare, von welchem die englische prosperity herrührt. Es gibt auch die sog. Prosperity gospel, also das Wohlstandsevangelium, welche meistens in den pfingstlerischen Freikirchen aber auch in der charismatischen Bewegung gepredigt wird. „Mit der richtigen Religion wird Dir alles Weltliche gelingen“, so verspricht man. Dies ist grundfalsch, denn das Weltliche ist ohne Belang und es rührt meisten vom Teufel her, der er besitzt und geben kann, wem er will, siehe die Versuchung Christi. Gott fordert jedoch nicht von jedem Armut, denn Armut oder Reichtum sind für das Heil irrelevant, obwohl Armut für Gott freimachen kann. Aber niemand kann erwarten, dass ihm alles Weltliche immer gelingen wird. Tut es das, so ist es verdächtig. Irgendwo schreibt der hl. Thomas von Aquin, dass das weltliche Wohlergehen ein Zeichen von Reprobation sein kann, da Gott, wenn er jemanden nicht in der Ewigkeit belohnen kann, er dies im Diesseits tut. Manchmal steckt hinter einem dauernden Wohlergehen ein Teufelspakt, wörtlich und metaphorisch gesehen. Wenn es aber so ist, wie kann der Psalm sagen, dass alles „gelingen wird“ (prosperabuntur)? Weil alles richtig Aufgenommen uns zum Verdienst vor Gott gereichen kann und auf die lange Sicht der Ewigkeit es uns tatsächlich gelingen wird. Nehmen wir an, dass jemand arbeitslos und krank wird, sowie sein Hab und Gut verkaufen muss. Durch die Krankheit lernt er Geduld, durch die Arbeitslosigkeit wird er vom Weltlichen frei, hat mehr Zeit zum Lesen und Beten und durch den Verkauf wird er von der Habsucht und vom Geiz frei. Gereicht es ihm zum Guten? Ja, wenn er es für sein Seelenheil verwendet. Andersrum kann jeder, der gut in einer Schlüsselposition verdient mehr Almosen geben, weitreichende Entscheidungen treffen und auf mehr Menschen Einfluss haben. Was ist vorzuziehen? Das, was Gottes Wille ist und unserem Seelenheil nicht schadet. Man kann sich kein Heil kaufen und alles Unrecht muss abgebüßt werden, entweder hier auf Erden oder im Fegefeuer. Deswegen ist die Lösung: „Jetzt sündigen, weil es der Job fordert, später aber im Alter Buße tun“ immer verfänglich und falsch, weil wir erstens nicht wissen, ob wir das Alter überhaupt erleben und zweitens gewöhnt man sich an das Böse recht schnell und verformt sein Gewissen. Die moderne Theologie tut das ihre noch dazu und man landet auch mit diesem guten Vorsatz in der Hölle.

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