Tradition und Glauben

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (13) Geistesunterscheidung ex effectibus und ex gratia.

Kardinal Bona stellt fest, dass obzwar es das Charisma der untrüglichen Geistesunterscheidung gibt, dieses dennoch sehr selten vorkommt. Das Übernatürliche, welches von Gott kommt, ist selten. Das Paranormale dämonischen Ursprungs kommt häufiger vor. Warum ist es so? Weil Gott die Regeln, die er selbst für das Natürliche und Übernatürliche, im Sinne des Gnadenlebens, aufgestellt hat, höchst selten selbst außer Kraft setzt und falls er es doch tut, dann nur als eine Bestärkung der Verkündigung. Beim Fest des Hl. Vinzenz von Ferrara (1350-1419), das gestern am 5.04 gefeiert wurde, spricht die zweite Nokturn von vielen Wundern, die er getan hat, was mit seinen Kanonisationsakten übereinstimmt.[1] Aber er war vor allem ein großer Prediger (siehe oberes Bild) und die Wunder bestätigten die katholische Lehre , die er verkündete und zwar in der harten Zeit des abendländischen Schismas. Deswegen sind Wunder um der Wunder Willen im Katholizismus stets verdächtig, da sie, falls sie wirklich stattfinden und es sich um keinen Betrug handelt, vom Bösen stammen können. Wunder sind also selten und echte Charismen auch und deswegen sind wir darauf ausgelegt ex effectibus also von den Wirkungen her zu beurteilen. Bei der Unterscheidung der Geister genauso wie in anderen Bereichen. Deswegen hat sich Kardinal Bona diese Mühe gemacht all die Regel, unter Verweis auf Autoritäten, niederzuschreiben und wir machen uns die Mühe seine Regel zu kommentieren. Denn mühevoll ist es schon! Dennoch muss man sagen, dass mit dem eigenen geistlichen Fortschritt die eigene Geistesunterscheidung auch wächst, weil man in der Gnade und aus Gnade (ex gratia) lebt, sich mit Gnade nährt, die Gnade sozusagen atmet und daher das Andere, welches von der Gnade fern ist, weil es sündigt, recht einfach erkennen oder eher erspüren kann. Natürlich gilt hier das rechte, katholische Verhältnis der Gnade zu den guten Werken und das katholische, nicht das lutherische, Verständnis der Gnade. Aber lebt man in der Gnade, hauptsächlich durch das Gebet, so ahnt man Vieles, aber beweisen kann man in der Theologie etwas erst dann, wenn man einen Autoritätsbeweis anführen kann. Da die Gnade auf dieselbe gleich bleibende Art und Weise verfährt, wie der Widersacher Gottes es tut, so kann es Regeln für das geistige Leben geben.  Daher ist die Rede davon, dass Gott, so in etwa seit Papst Franziskus, „neue Wege gehen will“ immer verdächtig und häretisch. Denn seit Pfingsten, welches schon lange vorbei ist, geht Er die erprobten Wege. Die Neuheit des Evangeliums galt für Juden und Heiden, aber sie gilt doch nicht für Christen. Wir leben nicht mehr in der Apostelgeschichte, meine Damen und Herren! Daher die Tradition der Kirche, an welcher man sich, wie an dem Erprobten, richtet. Und das praktische Verwerfen der Tradition nach dem letzten Konzil stellt uns und besonders viele deutsche Bischöfe, wie Kard. Woelki, „der nicht weiß, wohin die Reise gehen wird“, buchstäblich vor das Nichts. Denn es gibt die erprobten Wege der Gnade, genauso wie es die Wege der Ungnade gibt und daher die Möglichkeit der Formalisierung der Moraltheologie, wie es z.B. der hl. Thomas von Aquin aber auch Kassianus oder Evagrius Ponticus es tun. Führt man kein geistiges (intellektuelles) und geistliches (spirituelles) Leben, so sieht man – spirituell gesehen tatsächlich nicht – und ist man Bischof, Pfarrer, Kardinal oder Papst so ist es tatsächlich von Nachteil. Mit „nichts sehen“ meinen wir nicht nur das fehlende geistliche Gespür des Spirituellen, sondern auch die falsche Wahl beim Intelektuellen. Man kann sich natürlich Berater suchen, aber man wählt sie ja nach dem eigenen Geschmack aus, weswegen auch viele Konzilsväter so abstruse Periti sich beim letzten Konzil wählten. Wie der Herr, so’s Gescherr! Deswegen überrascht es nicht, dass manche Bischöfe schon in der Vergangenheit sich an zweifelhaften Mystikern orientierten, wie es der Bischof von Regensburg, Ignatius von Senestréy (1858-1906)[2] tat, der sich an eine „Seherin“ Louise Beck (1822-1879)[3] band, nach deren Tod er äußerte „er wisse nun nicht mehr, wie er die Diözese leiten solle“. Ein kurzer Blick in die „Akten“ der Louise Beck (rechts sitzend) genügt dem Schreiber dieser Zeilen zu vermuten, der wirklich nicht allwissend ist und auch nicht so überheblich, wie es scheint, dass diese Visionärin eher aus der hysterisch-dämonischen Medium-Ecke kam als von Gott herrührte. Warum hat man ihr denn geglaubt? Weil es wirklich mystische begabte Frauen gibt – die Bezeichnung „mystisch begabt“ ist hier ernst gemeint, denn manche haben halt diese Anlage – die sich zum Guten oder Bösen entwickeln kann, es gibt Frauen also, welche extrem darin begabt sind Männer, vornehmlich Geistliche, in ihren Sog des Mystizismus zu ziehen, besonders jene Männer, die selbst über ein unzureichendes Seelenleben verfügen und in der mystischen Theologie nicht ausreichend gebildet und belesen sind. Es handelt sich also um die Fortsetzung der Verführung mit anderen Mitteln, um den guten von Clausewitz auch an dieser Stelle zu paraphrasieren. Und das leider, was einem selbst fehlt, sucht man bei Anderen und glaubt es…

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