Tradition und Glauben

Stabunt iusti oder nach dem Supergau von Amoris laetitia

  Die Liturgie gibt uns den Rhythmus vor, die Liturgie hält uns am Leben. Heute am 14.04 feiert die Kirche (nach dem vorkonziliaren Kalender) das Fest des hl. Justins, des Märtyrers, eines Philosophen, des ersten christlichen Philosophen und den Patron der Philosophen.  Er kam, so die zweite Nokturn des Tridentinischen Breviers, nach philosophischen Wirrungen zum Glauben.[1] Dennoch war die Philosophie seine erste Liebe (philosophiae amore correptus est). Nachdem er den Irrtum der falschen Weisheit erkannte (fallacem tantum sapientiam erroremque reperisset) traf er einen Greis, der ihn über die wahre Weisheit belehrte, sodass er die wahre Philosophie des christlichen Glaubens umfing (verae christianae fidei philosophiam amplexus est). Soviel sagt, paraphrasiert, die heutige Matutin-Lesung. Wir haben hier eine Geschichte vom intellektuellen Suchen und Finden der Liebe, die Liebe zur Weisheit, welche in den Glauben mündet. Justin war ein wahrer Philosoph, kein Amateur, was ihm auch neidlos weltliche Philosophiehistoriker zugestehen. Seine Werke zeugen von profunder Kenntnis des Platonismus, Heraklitismus und der Stoa. Er ist es, welcher die Theorie von logoi spermatikoi also den Samenkörnern des Logos entwickelte, also diesen Samen der Wahrheit, des Logos-Christus, welche auch den Heiden bekannt waren. Er ist es auch, welch den heraklitisch-stoischen Logos, der das All erschaffen hat und erhält mit Christus identifizierte. Bei Justin finden wir also die allererste Logos-Christologie und die ersten Überlegungen zu der Dimension der Gottheit Christi. Die Werke von Justin, die sich auch in der Bibliothek der Kirchenväter einfinden, sind sehr lesenswert.[2] Wie wurde aber Justin der Philosoph zu Justin dem Märtyrer? Er wurde vom Philosophen-Kollegen Crescentius, einem Kyniker und wohl auch Zyniker, angezeigt ein Christ zu sein und erlitt das Märtyrium. Wir wissen wenig über Crescentius und den tatsächlichen philosophischen Disput der beiden. Aber Crescentius war als Kyniker der Vertreter eines reinen Relativismus, weswegen Kyniker als Anarchisten par excellence nicht gerne von den anderen philosophischen Strömungen, aber auch nicht vom römischen Staat gern gesehen wurden. Was in diesem Kontext auffällt, ist die Tatsache, dass in dem ungetrübten Pluralismus des römischen Reiches, welches jede mögliche Religion gleich nach Rom importierte und „inkulturierte“, wie man wohl deuterovatikanisch sagen würde, die religiöse Toleranz für Christen nicht galt. Christen waren aber nicht die einzigen Monotheisten, es gab auch Juden. Warum wurden aber nur Christen gezwungen, entgegen ihren Bräuchen, den Staatsgöttern zu opfern und die Juden nicht, wenigstens nicht um das Jahr 165 als Justin starb? Eine interessante Frage, welche geschichtlich nicht ohne weiteres erklärbar ist. Wegen des Absolutheitsanspruchs des Christentums? Das konnten aber die Heiden in so einer frühen Zeit, welche die christliche Lehre nicht kannten, denn als erster schrieb ja Justin seine Apologie, nicht wissen. Die Apologeten schreiben: fraus daemonica – die List der Dämonen als den wahren Grund, was wohl stimmt,  denn er Ausmaß des Christenhasses ist rational gesehen nicht erklärbar, weswegen die Aufklärung versuchte die Anzahl der Märtyrer und der Christenverfolgung zu relativieren und zu minimieren. Justin wollte die absolute Wahrheit, die er durch Christus und in Christus erkannte, nicht den weltlichen Göttern des römischen Staates opfern. Er verfuhr also ganz anders als es Papst Franziskus mit der Adhortation Amoris laetitia und seinem sonstigen Lehramt tut.  Wir werden uns noch ausführlich der Adhortation widmen, welche, was wir jetzt schon leider sagen müssen, alle Merkmale einer formalen Häresie in forum externum trägt, aber vorher wollen wir uns etwas an der ewigen Liturgie laben, denn…

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