Tradition und Glauben

Was ist eine Häresie? Die kirchlichen Zensuren: (2) Zensuren, welche die Glaubenslehre selbst betreffen.

Ad a. Zensuren, welche die Glaubenslehre selbst (doctrina ipsa) betreffen Die hier angeführten Zensuren werden hierarchisch, als von der schädlichsten bis zu der am wenigsten schädlichen dargestellt.[1] Wir zählen sie zunächst auf, bevor wir sie kurz besprechen. Häretische Meinung (sententia haeretica) oder Häresie Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima) Nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens) Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens) Irrige Meinung (sententia erronea) Leichtfertige Meinung (sententia temeraria) Ad 1. Häretische Meinung (sententia haeretica) oder Häresie Dies ist die schwerstwiegende Zensur. Eine häretische Meinung (sententia haeretica) ist diejenige Meinung, welche sich direkt (directe) und unmittelbar (immediate) der geoffenbarten katholischen Glaubenswahrheit widersetzt und zwar (i.) als ihr entgegengesetzt (contrarie) oder (ii.) ihr widersprechend (contradictorie). Im Falle, dass die Glaubenswahrheit lautet:              „alle Menschen werden auferstehen“ Dann lautet (i.) die entgegengesetzte Meinung (propositio contraria):             „kein Mensch wird auferstehen“ Die (ii.) widersprechende Meinung (propositio contradictoria) hingegen lautet:             „ein bestimmter Mensch wird nicht auferstehen“. Sowohl (i.) als auch (ii.) sind häretisch, denn sie negieren die oben angeführte Glaubenswahrheit, prädikatenlogisch ausgedrückt mit Hilfe (ii) eines Existenzquantors ($ oder ˅) „es gibt mindestens einen Menschen, der nicht aufersteht…“ oder mit Hilfe (i) eines Allquantors (“ oder ˄)  „Für alle (Menschen) gilt: sie werden nicht auferstehen.“[2] Besteht eine Glaubensaussage aus mehreren Elementen wie z.B.: „Christus ist (A) wahrer Gott, (B) wahrer Mensch, (C) geboren von der (D) Jungfrau Maria“ dann ist die Negierung nur eines Element die Negierung der ganzen Aussage, denn man kann nicht behaupten, dass (A) bis (C) zwar stimmen, aber (D) nicht, dass Maria keine Jungfrau war. Der Gegenstand einer Häresie ist die Verneinung dessen, was lehramtlich als verbindlich definiert wurde und vereinfacht ausgedrückt eine Häresie richtet sich dagegen, was sich im Denzinger-Hünermann befindet. Es muss also etwas explizit definiert worden sein, um es explizit, im Sinne von (i.) und (ii.) zu verneinen, nur dann ist es eine Häresie oder eine häretische Meinung (sententia haeretica). Ad 2. Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima) Eine der Häresie nahe Meinung widerspricht dem, was nach der übereinstimmenden Meinung (ex communi sensu) der Theologen für eine Glaubenswahrheit gehalten wird, aber noch nicht dogmatisch festgelegt wurde. Mit der übereinstimmenden Meinung (sensus communis) meint man die Meinung der Kirchenväter, der Kirchenlehrer, der rechtgläubigen Theologen in der ganzen Kirchengeschichte. Ad 3. Eine nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens) Dies ist eine mehrdeutige (aequivoca) Aussage, welche eine rechtgläubige oder häretische Aussage, abhängig vom Kontext zulässt. Wie z.B. „einer der Hl. Dreifaltigkeit hat gelitten“ oder „der Glaube rechtfertigt“. Ad 4. Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens) Diese Meinung begünstigt eine Häresie, welche schon explizit verurteilt wurde. So wurde in Auctorem fidei die Meinung: XVI. Die Lehre der Synode vom Stand der glücklichen Unschuld, wie sie diesen in Adam vor dem Sündenfall darstellt: nicht allein die Reinheit umfassend, sondern auch die innere Gerechtigkeit mit dem Antrieb zu Gott durch die Liebe (per amorem) der höheren Liebe (caritas), und die nach dem Sündenfall in irgendeiner Weise wiederhergestellte ursprüngliche Heiligkeit, insofern sie, im Zusammenhang genommen, annimmt, dieser Zustand sei eine Folge der Schöpfung, gebührend aus natürlicher Erfordernis und durch die Beschaffenheit der Menschennatur, nicht aber als ein Gnadengeschenk Gottes, als FALSCH, SCHON IN DU BAY UND QUESNEL VERDAMMT, IRRIG, UND DIE HAERESIE DES PELAGIUS BEGÜNSTIGEND.  (DH 2616) bezeichnet, weil diese verurteilte Meinung die Lehre von der Erbsünde in Frage stellt, wofür schon Pelagius verurteilt wurde. Ad 5. Irrige Meinung (sententia erronea) Dies ist eine Meinung, welche direkt einer theologischen Schlussfolgerung oder einer Wahrheit, welche implizit in dieser Schlussfolgerung geoffenbart wird, entgegensteht. So hat Pius VI die folgende Meinung als irrig (sententia erronea) verurteilt: Die Lehre der Synode, wo sie bekennt, sie sei überzeugt, ein Bischof habe von Christus alle zur guten Führung seiner Diözese notwendigen Rechte empfangen, so, als ob zur guten Führung einer Diözese nicht die höheren Anordnungen gehören würden, die sich auf den Glauben und die Sitten oder auf die allgemeine Disziplin beziehen, wozu das Recht bei den Päpsten und den Allgemeinen Konzilien für die ganze Kirche liegt, als SCHISMATISCH, MINDESTENS ABER IRRIG. (DH 2606) Diese Meinung ist deswegen irrig (erronea), weil ein Bischof nur mit der Verbundenheit mit dem Papst und dem Kollegium der Bischöfe seine Rechte wahrnehmen kann, da ansonsten jede Diözese autark, also selbstgenügsam, hinsichtlich der Disziplin und Lehre wäre und somit eine protestantische Landeskirche abbilden würde. Eine Unterart der irrigen Meinung (sententia erronea) bilden: eine dem Irrtum nahe Meinung (sententia errori proxima) und eine nach Irrtum schmeckende Meinung (sententia errorem sapiens) Ad 6. Leichtfertige Meinung (sententia temeraria) Dies ist eine Meinung, welche sich einer allgemein anerkannten Glaubenswahrheit entgegenstellt, welche sich auf wahrscheinliche Prämissen stützt. Und so hat Pius VI, in Übereinstimmung mit dem vorhergehenden Lehramt (DH 184, 219, 780, 224, 1008) die Meinung als leichtfertig (temeraria) verworfen, welche den Limbus puerorum in Frage stellt: XXVI. Die…

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