Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (4) „Eheliche Bedeutung des Leibes“ und Jungfräulichkeit.

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3. Die eheliche Bedeutung des Leibes

Nach der Theologie des Leibes ist die eheliche Bedeutung des Leibes die

“Fähigkeit des Leibes, Liebe auszudrücken: genau diese Liebe, in der die Person zum Geschenk wird …” (Päpstliche Ansprache vom 16 Januar 1980, West S.29).

In anderen Worten: die eheliche Bedeutung des Leibes ist eine Tatsache, dass er die sich völlig selbst hingebende Liebe ausdrückt. Der Papst fährt fort:

“… und – durch diese Gabe – erfüllt [der Leib] genau die Bedeutung seines Seins und seiner Existenz.”

An anderer Stelle im selben Diskurs beschreibt er die eheliche Bedeutung des Leibes als “das grundlegende Element menschlicher Existenz in der Welt.”[1] In einer späteren Ansprache (28. April 1982, West S.74) fügt er hinzu:

“Auf der Grundlage derselben ehelichen Bedeutung des Leibes … kann diejenige Liebe gestaltet werden, die den Menschen der Ehe für die Dauer seines gesamten Lebens überantwortet, aber es kann auch diejenige Liebe gestaltet werden, welche zu einem Leben der Enthaltsamkeit »um des Himmelsreiches willen« beiträgt.”

Überdies werden jene, die zum ewigen Leben auferstehen,

“die absolute und ewige Bedeutung des verherrlichten Leibes in Vereinigung mit Gott selbst”

erfahren. (24. März 1982, West S. 61.)

Vom Naturrecht darauf antwortend, lässt sich dazu sagen, dass sich die Bedeutung des Leibes für die Sexualität von dem, was der Papst vorschlägt, unterscheidet, denn dem Naturrecht nachz (siehe Anfang des Kapitels 4) ist alles, was man über den menschlichen Leib diesbezüglich sagen kann, dass

1) die sexuelle Verschiedenheit von Mann und Frau auf die sexuelle Vereinigung hin geordnet ist; und

2) die natürliche Folge dieser sexuellen Vereinigung die Zeugung von Kindern ist.

 Bezüglich der ersten Tatsache haben wir keinen Beweis auf der körperlichen Ebene, d.h. auf der rein natürlichen Ebene, dass dieser Akt der Vereinigung durch Geben, Nehmen oder beides charakterisiert wird. Bezüglich der zweiten Tatsache lässt sich feststellen, dass die Theologie des Leibes, wie auch der Personalismus, dessen Teils sie ist, in seiner Betonung des Subjektiven, d.h. des zweiten und mittelbaren Zweckes der Sexualität und Ehe, welcher die Liebe ist, dass [die subjektiv-personalistische Einstellung Red.] das Objektive vernachlässigt, und zwar den vorrangigen und endgültigen Zweck der Sexualität und Ehe, welchen die Fortpflanzung darstellt.

Was die Behauptung des Papstes betrifft, dass die eheliche Bedeutung Leibes die Grundlage sowohl für die Ehe als auch für ein Leben der vollkommenen Keuschheit bildet, so muss gesagt werden, dass falls – was wir verneint haben – der Leib auf die sich selbst schenkende Liebe hin geordnet ist, so wäre dies beim Leib von jemand, der sich für ein Leben in der vollkommenen Keuschheit entschieden hat eben nicht der Fall. In diesem Falle wäre die sich selbst hingebende Liebe die Grundlage. Und deswegen umfasst das Leben in der vollkommenen Keuschheit nicht die Liebe, die durch den Leib ausgedrückt, sondern vielmehr den Verzicht auf ebensolche Liebe.

Was die Behauptung des Papstes anbelangt, dass die eheliche Bedeutung des Leibes im Himmel erfahren werden wird, erinnern wir, dass die eheliche Vereinigung ein Zeichen der Einheit Christi mit der Kirche ist, hinsichtlich der Innigkeit, des Wohlwollens und der Heiligkeit der ehelichen Liebe, und nicht hinsichtlich der körperlichen Vereinigung; tatsächlich, da der Akt der körperlichen Vereinigung der Zeugung zugeordnet ist, existiert er nur für diese Welt und nicht für die andere, weshalb

“bei der Auferstehung [werden] sie nicht heiraten, noch verheiratet werden; sondern sein, wie die Engel Gottes im Himmel.” (Mt 22,30 Allioli)

Letztendlich die Annahme, dass die Theologie des Leibes im Allgemeinen und die eheliche Bedeutung des Leibes im Besonderen gleichsam den Sinn des Lebens ausmacht, beantworten wir wie wir es oben bei der Betrachtung der vollkommenen Keuschheit getan haben. Gesetzt den Fall, was wir verneinen, dass der Leib eine Hinordnung zur gänzlichen sich selbst schenkenden Liebe ausdrücken würde, so ist dies, was den Sinne des Lebens ausmacht nicht die Theologie des Leibes, nicht die eheliche Bedeutung des Leibes oder  gar etwas, das mit dem Leib wesentlich verbunden ist, sondern vielmehr die totale, sich selbst gebende Liebe selbst.

4. Die Berufung zu Ehe oder zur Jungfräulichkeit/ zum Zölibat

In Familiaris Consortio 11 (West S.65) schreibt der Papst:

“Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Wege der Berufung der menschlichen Person, in ihrer Ganzheit, zur Liebe: Ehe und Jungfräulichkeit oder Ehelosigkeit.”

Wieder hat der Papst die gänzlich sich selbst schenkende Liebe im Sinn, hier als wesentlichen Bestandteil sowohl für die Ehe als auch Jungfräulichkeit/ das Zölibat. Wir beobachten, dass er hier nicht konkretisiert, wie er woanders tut, dass diese Jungfräulichkeit/ das Zölibat für das Reich Gottes ist und daher auf das geweihte Leben hinausläuft. Diese Auslassung ermöglicht die Interpretation seiner Aussage im Sinne des Naturalismus.

Während aber die Liebe der Ehegatten nicht als völlig selbstschenkende Liebe bezeichnet werden kann, kann die Liebe zu Gott bei denen, die ein geweihtes Leben führen, so bezeichnet werden, weil sie eine Liebe eines ungeteilten Herzens darstellt (cf. 1 Kor 7, 33 wie von Papst Pius XII in Sacra Virginitas 15, 20, 24, 30-1 erklärt. Siehe Kapitel 4 des vorliegenden Buches).

Sofern es die Berufung betrifft, ist das Konzept der Berufung zur Ehe als Alternative zur Berufung zum geweihten Leben ein weiteres Beispiel für eine naturalistische Tendenz der Darstellung, oder, deutlicher, sie stellt ein Durcheinander der natürlichen und übernatürlichen Ordnung dar, denn sie stellt das rein Natürliches mit dem rein Übernatürlichen auf dieselbe Stufe. Wir haben diese Tendenz am Ende von Kapitel 4 analysiert, wo wir ausgeführt haben, dass eine religiöse Berufung im traditionellen, offensichtlichsten und auch tiefsten Sinne des Wortes das Folgende bedeutet:

 1) einen Berufung

2) von einer Person sondergleichen,

3) id est direkt von Gott

4) um die Möglichkeiten der menschlichen Natur [nach Sex und Ehe Anm. der Red.] absolut zu übersteigen;

wohingegen das Streben nach der Ehe

 1) ein Instinkt ist,

 2) der in der menschlichen Natur grundgelegt ist,

3) und daher nur indirekt von Gott herrührt,

4) und dazu dient das Potential der reinen menschlichen Natur zu verwirklichen.

Wir schließen mit der folgenden Frage: wenn diese beiden Stände [der Jungfäulichkeit/des Zölibats und der Ehe] die völlig sich selbstschenkende Liebe beinhalteten und beide der Gegenstand einer Berufung wären, in welchem Sinn wäre das Leben der Jungfräulichkeit oder des Zölibats “besser und gesegneter” als das eheliche Leben, wie das Konzil von Trient dogmatisch erklärt?[2]

[1] In ähnlicher Art und Weise stellt der Papst fest, die Theologie des Leibes sei “wesentlich und gültig das Verständnis des Menschen im Allgemeinen: für das grundlegende Problem ihn zu verstehen und für das Selbstverständnis seines Seins  in der Welt.” (15. Dez. 1982, West S. 2.)

[2] Si quis dixerit…non esse melius ac beatius manere in virginitate aut caelibatu quam iungi matrimonio…Anathema sit (S.24 Can.10).

 

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Ein Eintrag zu „Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (4) „Eheliche Bedeutung des Leibes“ und Jungfräulichkeit.

  • „In ähnlicher Art und Weise stellt der Papst fest, die Theologie des Leibes sei “wesentlich und gültig das Verständnis des Menschen im Allgemeinen: für das grundlegende Problem ihn zu verstehen und für das Selbstverständnis seines Seins in der Welt.” (15. Dez. 1982, West S. 2.)“
    Wenn unser Herr vor über 2000 Jahren so gepredigt hätte wäre keine Katze vom Dach gesprungen und es hätte keine Erlösung gegeben. Wie wäre es hiermit. „Der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach“.
    Wenn der Geist nicht über das Fleisch triumphiert dann war alles umsonst denn der Leib ( Fleisch ) ist unwiderruflich dem Untergang geweiht aber der Geist nicht. Die Mutter Gottes ist die Braut des Heiligen Geistes was sollte sie mit einer „Theologie des Leibes“ anfangen. Päpste die dem Konzilsgeist aufsitzen sind vor dem Herrn nicht ernst zu nehmen. Das war sehr diplomatisch ausgedrückt.
    Per Mariam ad Christum.

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