Tradition und Glauben

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (14) Der böse Geist „mischt mit“.

  Damit wir bei aller theologischen Polemik nicht das eigentliche Ziel unseres Lebens verlieren, welches darin besteht die Gottesebenbildlichkeit, soweit es uns möglich ist, in diesem Leben zu erreichen und Verdienste vor Gott zu erwerben, so wollen wir wieder eine Passage aus Kardinal Bona vorstellen. Das dritte Kapitel fängt mit einer grundsätzlichen Anthropologie (Lehre vom Menschen) an, wonach der Mensch aus Verstand und Seele besteht. Soweit, so gut, können wir denken, aber schon an dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Gefühle hier nicht aufgeführt werden. Warum? Weil sie zur Entscheidungsfindung und zum Treffen einer Entscheidung nicht beitragen sollten. Der Verstand richtet sich nach der erkannten Wahrheit (veritas), der Wille nach dem erkannten Guten (bonum), welches mach der Erkenntnis angestrebt wird. Wenn aber der Verstand das Falsche oder die Lüge für die Wahrheit hält, dann muss er irren und einem angeblichen Gut (bonum), welches an sich ein Übel (malum) ist folgen. Denn wenn jemand ein Übel (malum), wie z.B. Konkubinat, für ein Gut (bonum) hält, dann wird das Übel nicht automatisch zum Guten. Übel bleibt Übel und es richtet sich danach aus, wie Gott es sieht und nicht wie der Mensch es sieht. Deswegen ist das Verkünden von Irrlehren, wie Amoris laetitia, so verfänglich, weil sich die Menschen an der Lüge ausrichten und somit kein objektives Gut (bonum) anstreben können. Die katholische Theologie und Metaphysik sagt: verum, bonum et pulchrum convertuntur, d.h. „das Wahre, Gute und Schöne fallen in eins zusammen“. Das eine führt zum anderen. Ebenfalls fallen das Falsche, das Böse und das Hässliche zusammen, weil hier auch eins zum anderen führt. Wir nehmen hier mit hl. Thomas den Vorrang des Intellekts vor dem Willen an, da der Wille nur danach streben kann, was er vorher erkannt hat. Man muss zwar streben wollen, aber der Wille ist, unserer Meinung nach, nur eine zu verwirklichende Potenz. Es bleibt hier festzuhalten, dass ohne die richtige, d.h. die katholische im Sinne von thomistische, Anthropologie niemand ein gesundes, katholisches geistliches Leben führen kann. Und deswegen sind jegliche Anleihen aus der fernöstlichen Spiritualität dermaßen verhängnisvoll und zerstörerisch, wie uns viele Orden,[1] besonders aber die Jesuiten mit ihrem Zen-Buddhismus und Niedergang vormachen,[2] weil der Buddhismus von einer völlig anderen Anthropologie und einem völlig anderem Gottesbild, einem heidnischen eben, ausgeht. Buddhismus und Katholizismus sind nicht kompatibel, Joga und Christentum auch nicht. Soweit, so gut: man muss also sich an die richtige katholische Lehre im Sinne der Wahrheit (veritas) intellektuell halten und willentlich dem erkannten Guten (bonum) folgen. Wo aber, könnte man fragen, ist hier Platz für Unterscheidung der Geister? Viele Menschen, von der aufklärerischen Sicht eines losgelösten menschlichen Verstandes geprägt, glauben nicht, dass der Teufel, d.h. der böse Geist, auf unseren Verstand oder unseren Willen Einfluss nehmen kann. Sie glauben vielmehr, dass sich der dämonische Einfluss höchstens in dem unspezifizierten „Seelischen“ (was auch immer dies sei) niederschlagen kann und dieser Einfluss bei manchen Menschen beispielsweise in falschen Visionen zu Tage tritt. Vertraut man, so diese Meinung, seinen fünf Sinnen und dem gesunden Menschenverstand, dann ist man von solchen dämonischen Einflüssen sicher. Dies ist aber nicht der Fall. Man ist vor ihnen niemals sicher. Man erkennt sie nur nicht, weil der Teufel ein meisterhafter Manipulator ist und uns seine Gedanken und Einfälle als die unsrigen vorstellt. Der Teufel kann den Intellekt verblenden, er kann den Willen beeinflussen. Wie das? Indem er uns die Lüge (mendacium) für die Wahrheit (veritas) ausgibt und das Böse (malum) als das Gute (bonum) darstellt. Denn es ist nicht möglich, dass man sittlich zu irren anfängt ohne zuerst intellektuell zu irren. Und daher ist die Häresie, also das Verbreiten von Irrlehren und intellektuellen Sünden, die schlimmste aller Sünden, nach hl. Thomas ist sie schlimmer als Abgötterei (Summ. Theol. II IIae q. 10. a. 6. c. et q. 94. a. 3. ad 4.), weil aus falschen Ansichten nur falsche und böse Taten resultieren können. Der Teufel gibt etwas an, was, um mit Kardinal Bona zu sprechen, „wahr oder gut erscheint“, es aber nicht ist. Er tut es:  „jedoch so, dass das Wahre und Gute an demselben nicht offenbar und wenigstens einige Gefahr zu fürchten ist, es könnten dem Falschen und Bösen dadurch der Weg gebahnt werden.“ Er mischt also unter das Gute ein wenig Böses und Falsches mit. Man selbst weiß es einfach nicht und meistens niemanden, den man fragen kann. In der katholischen Spiritualität bedeutet der Ausdruck „Falschoffenbarungen“ nicht, dass die Visionäre immer lügen und betrügen, sondern dass die Quelle des Übernatürlichen, welches ja manchmal tatsächlich gegeben ist, siehe die Falschoffenbarungen von Garabandal, dämonischen Ursprungs ist. Da Kardinal Bona davon ausgeht, dass man überhaupt weiß, dass der Dämon unseren Verstand und unseren Willen insoweit beeinflussen kann, dass er uns die ersten Impulse zum Bösen vorgibt, denn dies ist die Versuchung, so zählt er die Möglichkeiten der dämonischen Einflussnahme im Übernatürlichen auf, also in jenem…

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