Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (5) Ehelicher Akt als Abbild der Trinität?

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III

Eheliche Liebe im Verhältnis zu Gott betrachtet

Die eheliche Liebe und Gott

Papst Johannes Paul II bringt den Akt der ehelichen Liebe auf zweierlei Weisen in Verbindung mit Gott: erstens mit der Liebe Gottes zu sich selbst in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, zweitens in der Liebe Christi zu der Kirche.

A. Eheliche Liebe im Verhältnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Der Papst stellt fest, dass Gottes Geheimnis der Liebe

“zur sichtbaren Realität durch die Vereinigung des ersten Mannes und der ersten Frau wird” (Rede vom 13. Okt. 1982, West S. 89).

In seiner Darstellung der Theorie des   Papstes behauptet West, dass

“eheliche Vereinigung gewissermaßen als  Ikone Bild des innerentrinitatischen Lebens gedacht ist” (West S. 25),

und erklärt, dass “ein Fleisch werden” sich daher nicht nur auf die Vereinigung zweier Leiber beziehe (wie unter den Tieren), sondern

“ein ‘sakramentaler’ Ausdruck sei, welcher der Kommunion (communion) von Personen entspreche” (Rede vom 25. Juni 1980, West S.25);

Der Mensch bilde Gott

“nicht nur durch seine/ Menschheit sondern auch durch die Gemeinschaft (communion) von Personen, welche Mann und Frau ja von Anfang an bilden” (14. Nov. 1979, West S.25).

Hier haben wir folglich die Theorie, dass der Akt der ehelichen Liebe der Ausdruck bzw. das sakramentale Zeichen der innertrinitarischen göttlichen Liebe sei. Zu sagen, das eine Sache der Ausdruck oder das sakramentale Zeichen einer anderen sei, setzt zumindest voraus, dass:

1) eines mit dem anderen in einem direkten kausalen Zusammenhang verbunden ist,

2) eine die andere Sache darstellen muss.

Dies ist jedoch für den Akt der ehelichen Liebe nicht der Fall, da

1) er nicht direkt von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit verursacht wird, sondern vielmehr von dem Ehepaar, die in Freiheit handeln; und

2) offenbart dieser Akt nicht die die innertrinitarische Liebe, da (wie wir weiter ausführen werden) er dazu zu unähnlich ist.

Der Akt der ehelichen Liebe ist der innertrinitarischen göttlichen Liebe zu unähnlich, um ein Ausdruck derselben zu sein, da, nicht wie die göttliche Liebe,

a) die erstere ist Liebe zwischen zwei menschlichen Personen (statt Liebe zwischen zwei göttlichen Personen zu sein);

b) der Akt hat nicht notwendigerweise an der Liebe Gottes für sich selbst Anteil, denn es könnte sein, dass ein oder beide Eheleute nicht im Stand der Gnade sind;[1]

c) der Akt der ehelichen Liebe ist kein Akt der vollkommenen Selbsthingabe;

d) der Akt wird durch Konkupiszenz verdorben;

e) der Akt ist Mittel zu einem Zweck, namentlich der zur Zeugung der Nachkommenschaft in dieser Welt.

Weit davon entfernt, die Liebe zwischen Menschen als einen Ausdruck der innertrinitarischen Liebe zu sehen, weist die Kirche hierfür auf das Wort Gottes – Christus, Der der Ausdruck des Vaters ist:

“…, welcher das Ebenbild Gottes ist, des Unsichtbaren” (Gottes) (Kol.1.15),

den wie der Heilige Johannes sagt (1.18):

“Gott hat niemand je gesehen; der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist, er hat es uns kund getan.”

Kurz gesagt, alles, was wir über die  innertrinitarische Liebe wissen können, die Liebe zwischen Vater und Sohn, ist das, was wir von der Lehre und von den Werken unseres Herrn Jesus Christus lernen können.

Nach der Tradition der Kirche ist stellt die Liebe des Menschen im Gnadenstand zu Gott diejenige Form der menschlichen Liebe, welche am ehesten an die innertrinitarische Liebe heranreicht:  dies ist caritas – die christliche Liebe, deren vollkommene Form die Heiligkeit ist. Denn durch eben diese Caritas-Liebe ahmt der Mensch Gottes Liebe zu Sich selbst nach (so wie er durch den Glauben Gottes Selbstwissen nachahmt. Summa I q.93 a.4 cf. die Diskussion über die natürliche und übernatürliche Würde des Menschen, siehe Kapitel 2 oben). In der Tat es ist  im Hinblick auf diese Form der Caritas-Liebe, wenn die Kirchenväter die Bibelstelle “der Mensch wurde geschaffen nach dem … Ebenbild Gottes” interpretieren.

Wir schließen diesen Teil ab, indem wir die  Sicht von Papst Johannes Paul II. auf diejenige Liebe, in welcher der Mensch Gottes Liebe für sich selbst nachahmt mit der traditionellen Sicht dieser Liebe vergleichen, anders ausgedrückt wir vergleichen seine Sicht des Aktes der ehelichen Liebe mit der traditionellen Sicht der Liebe als caritas.

Der Papst stellt den Leib als das  Abbild Gottes dar und zwar sowohl als das Abbild Gottes an sich als auch im Verhältnis der göttlichen Personen zueinander (communio): der Leib ist ein “Sakrament”[2], er

“in der Lage das Unsichtbare sichtbar zu machen: das Geistliche und das Göttliche” (20. Feb. 1980, West S.5);

darüber hinaus

“wird der Mensch zum Abbild Gottes weniger im Moment des Alleinseins als im Moment der Gemeinschaft (communio)” (14. Nov. 1979, West S.25).

Die katholische Tradition versteht im Unterschied hierzu die Seele als das Abbild Gottes, sowohl an sich als auch im Verhältnis zur Gemeinschaft (communio): im Penny Katechismus (TAN 1982 Kapitel 1 q.4) lesen wir:

“Befindet sich diese Ebenbildlichkeit Gottes in deinem Leib oder in deiner Seele? Diese Ebenbildlichkeit Gottes befindet sich hauptsächlich in meiner Seele”;

Im Großen Katechismus des Hl. Pius X (Questio 55) lesen wir:

“Warum sagen wir, dass der Mensch geschaffen wurde nach dem Bild und Abbild Gottes? Wir sagen, dass der Mensch nach dem Bild und Abbild Gottes geschaffen wurde, weil die menschliche Seele geistlich und vernünftig, frei in ihrem Taten, fähig, Gott zu kennen und zu lieben und Ihn für immer zu genießen: Vollkommenheiten, welche in uns den Strahl der unendlichen Größe des Gottes wiederspiegeln.”

Die erstere Liebe [d.h. die eheliche Liebe] wird dargestellt (fälschlicher Weise, wie wir dargelegt haben) als sich völlig selbst schenkende Liebe; die letztere Liebe [d.h. caritas], in ihrer höchsten Form, das ist die Vollkommenheit der Caritas, welche Heiligkeit ist, kann man in der Tat als solche bezeichnet werden.

Die erstere Liebe [die eheliche Liebe] wird dargestellt (wieder fälschlicher Weise, wie wir dargelegt haben) als ein Ausdruck der innertrinitarischen Liebe; die letztere [caritas] wird verstanden (nicht als Ausdruck, sondern) als Nachahmung und Teilhabe an dieser Liebe.

Wenn die eheliche Liebe nicht Ausdruck oder sakramentales Zeichen der göttlichen Liebe ist, in welchem Verhältnis steht sie dann zu ihr? Nach der katholischen Tradition stehen die Dinge im demjenigen Verhältnis zu Gott, in welchem sie Gott nachahmen: die Engel und Menschen stehen im Verhältnis zu Ihm als Sein Bild und Abbild; während der Rest der Schöpfung zu Ihm als Seine Spur (vestigium) steht. Eheliche Liebe, wie oben bereits ausgeführt, wird durch die Tatsache charakterisiert, dass sie eine radikal sinnliche Form der Liebe ist, die nur als “Liebe” in Analogie zur vernünftigen Liebe bezeichnet werden kann. Als solche kann man eheliche Liebe in einer sehr entfernten Weise im Verhältnis zur innertrinitarischen Liebe stehen und zwar als eine Spur (vestigium) dieser Liebe.

[1] Es stimmt, dass dieser Akt der menschlichen Liebe, wenn er im Gnadenstand ausgeführt wird, auch einen Akt der Caritas-Nächstenliebe darstellt und daher eine gewisse Nachahmung und Teilhabe an der göttlichen Liebe darstellt; dennoch ist aber der Akt der ehelichen Liebe eine radikal sinnliche Form der Liebe und ist daher eher durch diese Form [der sinnlichen] Liebe charakterisiert als durch die Caritas-Liebe. Aus diesem Grunde kann der Akt der ehelichen Liebe nicht, auch in diesem Fall nicht, als ein Ausdruck der göttlichen Liebe angesehen werden.

[2] Sowohl der Terminus ‘Sakrament’ hinsichtlich des Leides als auch der Terminus ‘Theologie des Leibes’, die eine Theorie darstellt, welche eine Sakramentalität dem Leib zuschreibt, stellt eine Tendenz dar die natürliche und die übernatürliche Ordnung zu vermischen.

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