Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (6) Ehelicher Akt als Abbild der Beziehung zwischen Kirche und Christus?

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B. Eheliche Liebe im Verhältnis zu Christus und Seiner Kirche

Der Papst vergleicht die Einheit zwischen Christus und Seiner Kirche einerseits und der ehelichen Liebe andererseits in mehreren, unterschiedlichen Darstellungen.

 1.  Die gegenseitige Unterordnung der Eheleute

In seinem Kommentar zu Eph 5. 21-2, dass Ehemänner und Ehefrauen “einander untertänig in der Furcht Christi” (V. 21) sein sollen und “die Frauen [seien] ihren Männern untergeben wie dem Herrn”, behauptet der Papst, dass gegenseitige Unterordnung eine “gegenseitige Schenkung des Selbst” bedeute, dass der Ehemann “gleichzeitig der Frau untergeben” sei (11. Aug. 1982), und dass diese Ehrerbietung “keine andere ist als eine geistlich gereifte Form” der gegenseitigen Anziehung der Geschlechter (4. Juli 1984, West S.81).

Als Antwort hierauf ist zu sagen, dass es in diesen beiden Versen nichts gibt, das auf einen Akt der ehelichen Vereinigung hinweist. Sie mögen ohne Weiteres im Bezug auf die eheliche Liebe im Allgemeinen interpretiert werden, d. h. die gegenseitige Hilfe der Eheleute (als zweites Ziel der Ehe). Diese Interpretation wird bestätigt durch die gleiche Geisteshaltung, ausgedrückt in Röm 12. 10: honore invicem servientes: kommet einander in Ehrerbietung zuvor. (Allioili).

 Bezüglich der Unterordnung der Frau unter ihren Mann erinnert St. Thomas (in Summa I q. 96 a.4) daran, dass jede Gesellschaft eine Form der Autorität braucht, um die Aktivitäten dieser Gesellschaft zum Gemeinwohl hin zu leiten. In der Tat ist christliche Autorität nicht gebieterisch oder egoistisch, sondern beinhaltet Dienst und Hingabe nach dem Beispiel des Menschensohnes, der nicht kam um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (Mt 20, 25-8). Was die Ehrerbietung Christus gegenüber betrifft, so drückt diese den Geist aus, der die Eheleute bewegen sollte, sich einander unterzuordnen, einen Geist, der weit entfernt von Servilität ist.

2.   Die Einheit des einen Fleisches

Wir wenden uns nun der Interpretation des Papstes der Einheit “des einen Fleisch” [d.h. „sie werden ein Fleisch“] (Eph.5.31, cf. Gen. 2.24, Mt.19.5). Er versteht diesen Satz Als einen Akt der geschlechtlichen Vereinigung als ein Zeichen der Einheit Christi mit Seiner Kirche. In seiner Auslegung schreibt Mr. West:

“Reine Männer und Frauen …  erkennen, dass der Ruf zur Vereinigung, eingeschrieben in ihre Sexualität, ein ‘großes Geheimnis’ ist, das die Einheit Christi mit Seiner Kirche verkündet”.

Diese Aussage kommentierend, erstens stellen wir fest, dass dies ein weiteres Beispiel der Vermengung zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Ordnung darstellt: ein rein natürliches Phänomen [sexueller Akt] wird als ein Zeichen für etwas rein Übernatürliches gehalten; zweitens interpretiert das Konzil von Trient die Vereinigung zu einem Fleisch nicht als einen Akt der sexuellen Liebe, sondern als die Einheit, welche die erste Eigenschaft der Ehe darstellt, so wie es die Worte des Heilands interpretiert (im nachfolgenden Vers in Mt 19,6) ‚was Gott vereint hat, darf der Mensch nicht trennen‘ als die Unauflöslichkeit, welche die zweite Eigenschaft der Ehe darstellt (Trient S. 24)

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