Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (7) Eros oder Agape? Eros.

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3.   Die Sprache der Agape

Der Papst fährt fort, die sexuelle oder “fleischliche Liebe” zu supernaturalisieren und nennt sie: “die Sprache der Agape”, und behauptet, dass sie die Liebe Christi und der Kirche verkündet

“mittels Gesten und Reaktionen, mittels der ganzen Dynamik … von Spannung und Vergnügen.” (22. Aug. 1984, West S.91).

Er zählt vier Vergleichspunkte auf zwischen den zwei Formen der Liebe: beide sind frei, gänzlich, treu und fruchtbar.

Hierauf ist zu antworten, dass alle Formen der Liebe von Natur aus frei sind; jede Liebe, die den Menschen zum Ziel hat, ist fruchtbar (wie wir in Kapitel 2 erörtert haben im Teil über die Natur der Liebe); es ist wahr, dass beide Formen der Liebe treu sind; Christi Liebe für Seine Kirche ist gänzlich, wohingegen wir erwiesen haben, dass eheliche Liebe es nicht ist.

Der Römische Katechismus vergleicht Christi Liebe zu seiner Kirche nicht so sehr mit dem Akt der ehelichen Liebe im Allgemeinen: Er vergleicht Christi intimste Vereinigung mit der Kirche, Seine immense Güte zu uns, und die Göttlichkeit des Geheimnisses mit der Tatsache, dass das eheliche Band das intimste Band ist, das zwischen Menschen besteht, dass keine Liebe starker als diese ist, und dass diese Vereinigung heilig ist.

Bezüglich des Aktes der ehelichen Vereinigung im Besonderen spricht der Katechismus in seiner Erörterung des zweiten Segens der Ehe, welche die Treue ist, von einer “besonderen, heiligen, reinen Liebe” … einer Liebe, die “immens” ist. Am Ende des Abschnitts über den Ehestand führt er aus, dass diese [eheliche] Liebe sowohl maßvoll als auch sittsam sein sollte.

4.   Das tiefgreifendste Zeichen der Agape

„Nirgends tun Eheleute Gottes Liebe tiefergreifender kund als wenn sie ‚ein Fleisch‘ werden“,

erklärt Mr. West (S.104), und fügt später hinzu:

“Johannes Paul sagt, dass das wesentliche Element der Ehe als eines Sakraments die Sprache des Leibes ist, welches in Wahrheit ausgesprochen wird. Auf diese Weise ‘konstituieren‘ die Eheleute das sakramentalen Zeichen der Ehe.” (12. Jan. 1983).

Wenn man die linguistische Metapher beiseitelässt, könnte man antworten, dass wenn Gottes Liebe die Liebe der Caritas ist, so kommen die Eheleute dieser Caritas-Liebe in ihrer Liebe durch die Nächstenliebe (Caritas) am nächsten. Der Akt der ehelichen Liebe kann ein Akt der Caritas-Nächstenliebe sein (wie oben ausgeführt), aber, wenn dem so ist, so zeichnet sich dennoch der eheliche Akt, der weniger durch seine Caritas-Nächstenliebe als durch seine Sinnlichkeit aus: der eheliche Akt, ist weniger durch die Caritas-Nächstenliebe als durch die sinnliche Liebe gekennzeichnet. Zweifellos: je größer die Caritas-Liebe eines Ehegatten zum andern ist, desto mehr nähert er sich der Caritas Gottes. Daraus folgt, ironischer weise, dass wenn ein Ehepartner aus einem bestimmten Grund aus der Caritas-Liebe zum Andern auf seine ehelichen Rechte verzichtet, er näher zu an die Caritas-Liebe Gottes kommt als wenn er von seinen Rechten Gebrauch gemacht hätte.

Allgemein gesprochen, je größer die Leiden, die eine Person für eine andere auf sich nimmt, desto größer ist die Caritas-Nächstenliebe. Dies stimmt im höchsten Maße was die Liebe Christi zu seiner Kirche angelangt, somit stimmt es ebenso für die eheliche Liebe. In diesem Kontext spricht Jolivet (wie oben in Kapitel 4 zitiert) von “den härtesten Opfern, welche die Treue zur Pflicht auferlegt”.

Was den Akt der ehelichen Vereinigung betrifft, wird dieser in der Tradition weniger als das Paradigma der Liebe als vielmehr ein Ersatz (compensation) für Liebe betrachtet. Der Katechismus von Trient stellt fest, dass die drei Güter oder Segen der Ehe: Kinder, Treue und das Sakrament für die “Drangsale des Fleisches” entschädigen, auf die sich der Heilige Paulus bezieht (1 Kor 7.28). Der Hl. Thomas kommentiert (in Suppl.q.49), dass der Segen der Treue für die sollicitudo molesta (das beschwerliche Bemühen, des sexuellen Aktes) der Eheleute um einander und hinsichtlich der [Zeugung] des Kindes.

Zusammenfassung

Alles in Allem sehen wir klar, dass die Theologie des Leibes ein personalistisch-phänomenologisches System ist. Als solches konzentriert es sich auf dem Subjektiven, was die Person und dies Liebe darstellen, es vernachlässigt aber das Objektive, sei es katholisches Dogma (wie die Lehre, dass das Hauptziel der Sexualität und Ehe die Fortpflanzung ist oder die Unterscheidung zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Ordnung) oder sei es die ewige oder scholastische Theologie, Philosophie oder Moral (wie die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen der Liebe). Das Resultat ist ein Wechsel von der Tugend der Liebe zur Leidenschaft der Liebe, von der übernatürlichen Liebe zur natürlichen Liebe, und letztendlich von der Heiligkeit zur Sexualität.

 Bei diesem Mangel an Katholizität wird die Theologie des Leibes, obwohl sie als das Lob der katholischen ehelichen Liebe präsentiert wird, stattdessen zu einem Lobgesang des Eros[1], mit größerer Bedeutung für die Welt als für die Kirche. Als solche stellt sie sicher eine der bemerkenswerteren Früchte des vielgerühmten rapprochement[2] zwischen der Kirche und der Welt dar[3] 5.

Quelle auf Englisch: http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/01/theology-of-body-explained-traditional.html

[1] Wenn man es nicht wüsste, dass dies vom Papst selbst zusammengestellt wurde, so könnte man dadurch entschuldigt werden diese Ansichten dem personalistischen Philosophen Max Scheler zuzuschreiben, der auch durch das Christentum beeinflusst wurde.

[2] Oder aggiornamento.

[3] Siehe Kapitel 6 des vorliegenden Buches. Darin wird dargestellt wie die sexuelle Liebe das Hauptthema ist, welches von der Welt besungen wird – obwohl charakteristischerweise als außereheliche Sexualität (fornicatio).

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