Tradition und Glauben

Nicht drauf los beten oder die rechte Meinung

Da wir hoffen, dass wir durch diesen Blog einige unserer Leser zum regelmäßigen auch liturgischen Geben, im Sinne der vorkonziliaren Breviere, inspiriert haben, so wollen wir an dieser Stelle einen Punkt erläutern, der uns erläuterungsbedürftig erscheint. Zwar wird dieser Blog im Jahre 2016 durchschnittlich von 199 Lesern pro Tag aufgesucht, aber nach unserem Ermessen, beten zwischen 2 und 5 Personen das Alte Brevier regelmäßig und bis 10 ab und zu. Dies sind natürlich keine Spitzenwerte, denn jemand muss auch in deutschsprachigen Ländern das fehlende Gebetspensum unserer geistlichen Stände „rausreißen“, da wir von denen wirklich nichts zu hoffen haben. Dennoch gibt es bei Gott keine Demokratie und zahlreicher bedeutet noch lange nicht besser. Aber mehr und besser bedeutet schon besser.  Daher hier ein paar Hilfestellungen. Sich in die Gegenwart Gottes versetzen Sollte sich jemand von unseren Lesern das Diurnale, welches die Tagesgebete, ohne die Matutin, nach dem Brevier von 1962 enthält, zugelegt haben (und er oder sie tat gut daran, da es zurzeit d.h.am 24.07.2016 das Diurnale ausverkauft und eine Neuauflage ist für Herbst 2016 geplant ist), dann wird er die Erfahrung gemacht haben, dass er oder sie oft automatisch zu beten, d.h. zu rezitieren, anfängt, ohne sich innerlich klar gemacht zu haben, dass man überhaupt betet. Ist denn solch ein automatisches Rezitieren überhaupt ein Gebet? Ja, es ist eins, aber der niedrigsten Observanz, sozusagen und am wenigsten wirkungsvoll. Das Breviergebet und je älter, desto besser, ist wirklich eine fühlbare Allzweckwaffe, es ist ein geistlicher Springbrunnen, den man mit einer guten Meinung noch besser einsetzen kann, damit möglichst viele Gnaden zuerst auf die Kirche und dann auf die Welt niedergehen können.  Es ist in etwa mit einem Geldbetrag zu vergleichen, welcher an sich einen Wert hat, aber durch eine gute Geldanlage seinen Wert steigern kann. Bevor man also mit dem guten, vorkonziliaren Breviergebet zu beten anfängt, soll man sich zuerst vergegenwärtigen, dass man vor Gottes Thron steht und sich vor Majestät Gottes befindet. Es ist hilfreich dabei an die Theophanie von Jesaja zu denken (Is 6), welcher die Erscheinung des dreimal heiligen Gottes, der Trinität, erlebt hat. Man kann natürlich auch sich ein Bild der Heiligen Trinität, wie oben beigefügt, ins Gedächtnis rufen. Wir beten also nicht drauf los, wir beten zum Dreieinigen Gott, der allgegenwärtig also auch direkt vor uns anwesend ist. Gott ist also immer schon da. Es sind wir, die uns sammeln müssen. Wie ist denn eigentlich das christliche Gebet geordnet? Die  Ordnung  wie folgt, man betet: Zum Vater, über den Sohn, durch die Vermittlung der Muttergottes in der Gemeinschaft der Kirche.     So sieht es nun mal aus und daher betete man bis zu der unseligen Brevierreform von 1955 zuerst ein Vater unser, Ave Maria und Credo, natürlich auf Lateinisch, bevor man mit den Incipit, also mit „Herr öffne meine Lippen“, überhaupt anfing. Warum? Um sich sozusagen warm zu beten. Macht es denn etwas aus? Natürlich, sonst wäre es nicht reduziert worden. Von mehr kommt mehr.  Bevor man aber das erste Pater noster zu beten anfing, wurde es sehr empfohlen und war auch zeitweise mit Ablässen versehen, dass man Gott bat von vornherein alle Unaufmerksamkeit, welchen man beim Breviergebet eventuell unterliegen sollte, zu verzeihen. Der Schreiber dieser Zeilen hat heute die Zeit seines Sonntags-Matutins-Gebet nach dem Tridentinischen Brevier gestoppt und ist bei einer Stunde 15 Minuten Gebetszeit angekommen, bei zügiger Rezitation und fast ohne Unterbrechung für Meditation. Ja, es ist wirklich sehr lange und das normale Sonntags-Matutin ist das längste Breviergebet überhaupt, obwohl es nicht so oft vorkommt. Ein Duplex-Heiligen-Fest steht nämlich über dem gewöhnlichen Sonntag, sodass an einem Sonntag mit einem Duplex-Fest das kürzere Festoffizium (nur 9 Psalmen im Matutin plus Anfangspsalm) und nicht das Sonntagsoffizium (18 Psalmen im Matutin plus Anfangspsalm) gebetet wird. Wie man es auch immer dreht und wendet, es ist wirklich sehr lange oder versuchen Sie ohne Unterbrechung und konzentriert irgendeinen Text eine Stunde 15 Minuten laut vorzulesen. Es ist also kaum möglich, dass irgendjemand permanent aufpasst, jede gelesene Zeile so meint und niemals mit Gedanken abschweift. Aber Zerstreuung ist menschlich und nicht einmal eine lässliche Sünde. Eine lässliche Sünde ist eine freiwillige Zerstreuung natürlich dann, wenn sie freiwillig ist und zwar bei denjenigen, die zum Breviergebet verpflichtet sind. Damit man aber Gott nicht durch irgendwelche fehlende Aufmerksamkeit auch unwillentlich beleidigt, so betet man noch vor dem ersten Pater noster kniend das folgende Gebet: Apéri Domine, os meum ad benedicéndum nomen sanctum tuum: munda quoque cor meum ab ómnibus vanis, pervérsis et aliénis cogitatiónibus; intelléctum illúmina, afféctum inflámma, ut digne, atténte ac devóte hoc Offícium recitáre váleam, et exaudíri mérear ante conspéctum divínæ Majestátis túæ. Per Christum Dóminum nostrum. Amen. Dómine, in unióne illíus divínæ intentiónis, qua ipse in terris laudes Deo persolvísti, has tibi Horas (vel hanc tibi Horam) persólvo. »Öffne meinen Mund, o Herr, und hilf mir Deinen hl….

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