Hilary White: Ein Neues Schisma für eine Neue Kirche (2 von 3)

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In diesem Abschnitt stellt die Autorin uns einen „guten konservativen Bischof“ vor, den es in Deutschland und Österreich nicht mehr gibt. Wie es in der Schweiz und in Liechtenstein aussieht, können wir nur mutmaßen, vielleicht ein wenig besser. Zu den Bischöfen dieser Art gehörten Bischof Dyba, Mixa, Kardinal Meisner, aber innerhalb der DBK gibt es kaum jemanden, der diesem Profil entspricht. „Wie gut haben es doch die Amerikaner, Kanadier, Polen und Italiener“, könnten man denken, aber so gut ist es nicht, denn diese Bischöfe halten an dem nachkonziliaren Paradigma fest, während die deutschen und die österreichischen nur das Geld krallen, denn katholische Auftritte gibt es von ihnen nicht (Kard. emer. Brandmüller und Kard. emer. Meisner mal ausgenommen). Der DBK ist die Lehre der Kirche und der Glaube wirklich egal, was sie mehr als einmal bewiesen hat. Wer an nichts glaubt ist gnadenlos pragmatisch und vielleicht hat er im Diesseits ein besseres Leben, frei von Gewissensbissen und Vorwürfen, das er „in vollen Zügen genießt“. Aber für jemanden, der in der nachkonziliaren Kirche groß geworden ist und an Gott und die Sendung der Kirche glaubt, bricht jetzt unter Bergoglio tatsächlich die Welt zusammen. Nach diesem Zusammenbruch, der noch längst nicht vollendet ist, werden diejenigen, die überleben, einsehen, dass die Spinner – d.h. die Traditionalisten – doch recht hatten. Dies wird für jedermann ein schmerzhafter Prozess werden.

Diejenigen, die sich fragen, woher Bergoglio gekommen ist, scheinen nicht bemerkt zu haben, was seit 1965 passiert ist. Ich habe die dämpfende Wirkung der Krankheit der religiösen Gleichgültigkeit – einer geistiger Taubheit, vergleichbar spirituellem Novocain [ein lokales Betäubungsmittel Red.] – in jeder Novus Ordo Gemeinde, die ich in Kanada, den USA, Deutschland und Großbritannien und besonders schlimm in den traditionell katholischen Nationen Italien und Malta besuchte, gesehen und gespürt. Mit dem Hauptstrom – durch die Nutzung der kirchlichen Infrastruktur injiziert – von Häresie, Neomodernismus, Nominalismus, säkularem Materialismus, Naturalismus… Wie konnten wir uns jemals vorstellen, dass es die Kirche versäumt, einen Papst wie Jorge Bergoglio hervorzubringen?

Mit seinen alltäglichen, widersprüchlichen, unbegreiflichen Äußerungen, seinem Drang, sich verbal zu entleeren, seinem unermüdlichen Emotionalismus, seinem Populismus, seiner totalen Hingabe an die säkularistischen, globalistischen Begründungen des Umweltschutzes und an das UN/EU Projekt eines weltweiten sozialistischen Staates –  und vor allen Dingen mit seiner offensichtlichen Abneigung und Aggression gegen den Katholizismus – identifiziert er sich selbst als die Verkörperung der nachkonziliaren Ziele. Wir sehen nichts anderes als das direkte, logische Resultat der Ausrichtung der Kirche der letzten 50 Jahre. Bergoglio ist unmaskierter Deuterovatikanismus.

Wir hätten ihn schon viel früher gehabt, wenn Johannes Paul – und die kompromittierende „konservative“ Position, die er pflegte – nicht so lange gedauert hätte. 26 Jahre lang folgten wir einem langsamen, unerbittlichen Zerfall. Die Hingabe Johannes Pauls an das neue Paradigma wurde teilweise von seinen Partisanen in den USA, die ihn vorab zu Lebzeiten kanonisierten und teils von der Presse, die ihn „ultrakonservativ“ nannte, weil er gegen Empfängnisverhütung und Abtreibung war, verdeckt. (Die Tatsache, dass er nichts tat, was der Lehre und der Disziplin der Kirche in dieser oder anderen Angelegenheiten Geltung verschafft, scheint sich in ihren Erzählungen nicht durchzusetzen.) Katholiken sind so empfindlich für medial erzeugte falsche Bilder wie jeder andere, besonders in einer Zeit, in der der Glaube niemandem mehr gelehrt wird.

Das 34-jährige Interregnum, das die Revolutionäre gewinnbringend nutzten, ließ eine ganze Generation von Menschen aufwachsen, die nichts anderes als die Neue Normalität [die nachkonziliare Kirche Red.] kannten. Während Johannes Paul II. sich um die weltliche Politik seines Vaterlandes bemühte, nutzten die Revolutionäre die Herrschaft der Kirche, eine Sperre in den Geist der Gläubigen einzubauen. Kleine alte Damen sind heutzutage die ersten, die sich beim Bischof beklagen, wenn in ihren wöchentlichen Tambourin-Festivals lateinisches Halbwissen erscheint.

Denken Sie nur an die allwöchentliche Liturgie: Was alles haben wir inmitten dieser schrecklichen Krise als normal anzusehen gelernt: Ministrantinnen, Handkommunion weibliche Lektoren, Messen zum Volke hin, das seltsame Ritual der “Gabenbereitung”, den Kindergottesdienst – und all das fällt in die Kategorie der ehrfürchtigen “Liturgie” einer gewöhnlichen katholischen Gemeinde.

Die Architekten dieser “Neuen Normalität” waren Männer, die von den beiden großen “konservativen” Päpsten der nachkonziliaren Pause eingeführt wurden. In der Tat wurden die Hauptfiguren der sogenannten Sankt-Gallen-Mafia, die Kabalen [Intrigen] der hochrangiger Prälaten, die Jorge Bergoglio 2013 auf den Petrusstuhl puschten, alle von Johannes Paul II. zu Kardinälen gemacht: Kasper, Daneels, Martini, Hume und Bergoglio selbst. Und heute wissen wir, dass wir Bergoglio schon 2005 gehabt hätten, wenn diese Kabalen ihren Willen bekommen hätten.

Während die winzige Handvoll katholischer Laien, die wir heute als Traditionalisten bezeichnen, versuchten, laut zu warnen, geschah all das mit der warmherzigen Zustimmung fast jedes Bischofs in der Christenheit. Das ist die Neue Normalität [der Nachkonziliarismus von JP2 Red.], die sie kennen und das ist die Neue Normalität, die sie zurück haben wollen. Und deshalb hören wir auch jetzt noch nichts von unseren „guten konservativen“ Bischöfen.

Ich habe viele Gespräche mit Leuten in verantwortlichen Positionen geführt, Dozenten in Philosophie an päpstlichen Universitäten, Rektoren katholischer Hochschulen, Diözesanbeamte, die mir gesagt haben, dass dies das „normale“ ist zu dem die „guten“ Bischöfe zurückkehren wollen. Immer wieder habe ich das gleiche gehört:

„Ich habe mit meinem Bischof gesprochen und er sagte nur, dass wir warten müssten, bis das alles vorüber ist und dass wir unsere Köpfe einziehen müssten. Päpste bleiben nicht für immer“.

Offensichtlich gibt es kein Verständnis über die Tiefe und das Ausmaß der Krise,  was kaum verwunderlich ist, da es sich um dieselben Bischöfe handelt, die weder in der Lage waren, den Zerfall der Kirche in ihren eigenen Territorien zuzugeben, geschweige denn ihn aufzuhalten.

Es ist vielleicht verständlich. Auch die, die keine aktiven Unterstützer des Neuen Paradigmas waren, sind in diesem Paradigma aufgewachsen und erkennen nichts wesentlich Falsches in seinen Prinzipien. Wer heutzutage Bischof ist, ist in den Fünfzigern oder Sechzigern. Er hat nichts anderes als die neue Kirche kennengelernt. In seinen Ministrantenjahren nahm er an nichts anderem als an der Neuen Messe teil. Im Priesterseminar wurde er nach den Grundsätzen der neuen Religion ausgebildet, auch wenn diese in den alten Termini formuliert wurden. Die Existenz der verlorenen Stadt unter dem falschen Boden des Novus Ordo nahm er niemals wahr. Sein priesterliches Leben verbrachte er in vorstädtischen Gemeinden und auf Kanzeln, in denen die alte Kirche niemals erwähnt wurde. Die mürrischen Dinosaurier, die sich über die Veränderungen in den 60er und 70er Jahren beklagten, sind längst entweder gestorben oder verschwunden. Er ist ihnen nie begegnet. Als Bischof hat er gelernt, diese „Traditionalisten“ als reaktionäre Sonderlinge zu betrachten, die eine fremde und unsinnige Sprache sprechen, unfähig zur Toleranz sind, und zweifellos an ihrem Platz, weit weg von der normalen Mainstream Kirche, zu halten sind.

Tatsächlich kann er sogar im Großen und Ganzen ein „Konservativer“ sein. Er geht zum Marsch für das Leben in Washington oder schickt zumindest eine Delegation Jugendlicher dorthin. Er führt Gespräche mit dem Diözesanen Ausschuss für Recht auf Leben und unterstützt das Projekt Rachel. Er hat sich gegen die Euthanasie und die Todesstrafe ausgesprochen und denkt das alles in eins mit einer ganzheitlichen Pro Life Positionierung.

Er hat vielleicht sogar gelernt, den alten Ritus zu feiern, den er ein oder zweimal im Jahr zelebriert. Er findet diese Handkuss Sache [traditionell wird die Hand des Priesters oder des Bischofs, der Christus verkörpert von Gläubigen geküsst Red.] etwas unangenehm, aber er ist ganz froh darüber, einmal mitzuspielen, damit sie Ruhe geben. Ihr Gerede vom “Eifer für die Seelen” und ihre eucharistische Frömmigkeit empfindet er als gezwungen und archaisch. Er lächelt und schüttelt den Kopf darüber, dass Erwachsene so besessen von Fatima-Verschwörungen sein könnten. Es ist offensichtlich eine Truppe von mental unausgeglichenen Spinnern, wie eine Gruppe von historischen Wiederherstellern-Nachahmern-Gauklern, die mit gezwirbelten Schnurrbärten und langen Kleidern eine kostümierte Fantasy-Welt für sich selbst kreieren. Ihm sind die Treffen mit den charismatischen Gemeinschaften, mit Communione e Liberatione, St. Egidio Gruppen und dem örtlichen Pro-Abtreibungssenator viel lieber, bei denen er sich über wirtschaftliche Gerechtigkeit, die Menschenrechte der Einwanderer und die Abschaffung der Todesstrafe unterhalten kann. Das ist die wirkliche Welt.

Für einen solchen Mann ist der Zusammenbruch der kirchlichen Institutionen nichts mehr als Statistik. Das ist die Kirche, die er kennt. Das ist normal. Er erinnert sich an die tröstliche Bemerkung Papst Benedikts über die „kleinere, aber lebendigere Kirche“ und meint, dass es das ist, worauf es hinausläuft. Und es ist in Ordnung. Das Ausbluten der Kirche durch Millionen von kleinen Wunden ist normal. Die leeren Bänke, die ein oder zwei Priesterweihen pro Jahr, die Schließung der Schulen, die Abwanderung der Pfarrkinder zu den megakirchlichen Protestanten, die Fusionierung von Gemeinden und der Verkauf von nicht mehr genutzten Grundstücken, die gediegene jährliche Messe zum Andenken an die Arbeit der Schulschwestern, die längst in Pflegeheime entschwunden sind…Alles das ist die Neue Normalität. Die Alte Kirche hatte ihre Tage und gleitet höflich zurück in die Geschichte, ihre Arbeit des Zivilisationsaufbaus ist vollendet.

Für einen solchen Menschen sind die Fragen, von denen die Traditionalisten sprechen, höchst irrelevant. Ihre Ablehnung des II. Vatikanischen Konzils; ihre ständigen, peinlichen Meckereien in überholten und veralteten Formulierungen der kirchlichen Lehre, die das Konzil in einer nuancierteren und modernen Bedeutung aufgehoben oder „entwickelt“ hatte (Extra ecclesiam nulla salus? Ist es wirklich so?), Ihre Weigerung, in der realen Welt zu leben – all das hält er für vereinfachend-simplizistisch und kontraproduktiv. Diese Denkweise ist das Produkt unausgewogener Persönlichkeiten, Menschen dieser Art, deren Rücken zu sehen er glücklich war als sie aus dem Priesterseminar gekickt wurden. Er liest First Things [ein weitverbreitetes amerikanische Journal für Religion und Öffentlichkeit Anm. d. Übers.] und bewunderte den Kampf Johannes Paul II. gegen den Kommunismus. Er mag die ökumenischen Versammlungen der Diözesen; er mag Tweets über das Abhängen mit „der Jugend“ bei den Weltjugendtags-Planungs-Veranstaltungen.

Das einzige, wovor er Angst hat, und wovor er ständig in seinen Predigten warnt, ist “Spaltung und Entzweiung”.

Für diesen Mann muss die Explosion des Bergoglianismus – dieser seltsame und extreme Rückfall zu den Modeerscheinungen und Obsessionen der 70er Jahre – wie ein Asteroid aus einem strahlend blauen Himmel gekommen sein, eine bizarre und unerklärliche Anomalie, die man mit gesenktem Haupt und mit umsichtig geänderter Sprache aussitzen kann. Natürlich werden die Dinge wieder ins Lot kommen. Wir werden zur Normalität zurückkehren.

 

Das Original erschien in The Remnant: https://remnantnewspaper.com/web/index.php/fetzen-fliegen/item/2788-a-new-schism-for-a-new-church

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