Tradition und Glauben

Rüdiger Altmann, Abschied von den Kirchen

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Manchmal lohnt sich das Lesen des Portals gloria.tv durchaus, da es dort außer der obligatorischen Apokalyptik auch ab und zu tiefergehende Beiträge gibt, die das Nachdenken anregen. Unter anderem deswegen publizieren wir auch dort, um ein wenig das Niveau zu beeinflussen, hoffentlich in der positiven Richtung. Dank gloria.tv haben wir einen Aufsatz von Rüdiger Altmann entdeckt,  der am 06.07.1970 im sage und schreibe dem Spiegel veröffentlicht wurde. Der Aufsatz wurde also fünf Jahre nach dem Konzil und im Jahr der Einführung der Neuen Messen verfasst, welche sicherlich schon auf die eine oder andere Art und Weise vorher in Deutschland ad experimentum zelebriert wurde. Dieser Aufsatz ist sicherlich prophetisch zu nennen, denn es stellt das Bild der heutigen Kirche dar, wofür die Weichen spätestens im Jahre 1965 gestellt wurden. Rüdiger Altmann war kein Prophet, sondern nur ein politischer Analytiker. Er sah schon damals, unter Paul VI. voraus, dass die Katastrophe der säkularistischen Selbstzerstörung der Kirche eingeleitet wurde, wie der zündende Zeitmechanismus einer Bombe. Vielleicht gab es im Jahre 1970 noch katholische Denker, die meinten, dass das Experiment-Konzil noch gut gehen kann und wird. Sie wurden spätestens seit Papst Franziskus eines Besseren belehrt. Altmann hatte nicht geirrt, obwohl er im Jahre 1970 die vermeintlich „konservativen“ Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. nicht voraussehen konnte. Aber es war, wie sich jetzt mehr als deutlich herausstellt, nur eine Fassade, welche den inneren Zusammenbruch verdecken sollte. Steven Skojec und Hilary White bringen es auf den Punkt. Und wie hilft es uns weiter? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Ferner ist die Diagnose von Rüdiger Altmann sehr zutreffend: „mit der Liturgie wurde die Kirche zerstört, mit der Liturgie wird sie wieder aufgerichtet“.

Man braucht nicht das Urteil künftiger Historiker abzuwarten, um das Ende des europäischen Kirchentums vor sich zu sehen.

Es ist nicht das Ergebnis von Kulturkämpfen und diktatorischer Unterdrückung. Zumal auf dem Schauplatz der Bundesrepublik sind die wesentlichen Kompromisse zwischen Staat und Kirche, der Kirchen untereinander, zwischen Säkularisation und Theologie zufriedenstellend formuliert, die Konfessionen Teilhaber des legalisierten Pluralismus, kein Gegner weit und breit. Der Fluch Voltaires ist verhallt, der philosophische Atheismus und die ideologische Entlarvung des Christentums gehören schon zu den Antiquitäten des XX. Jahrhunderts.

Aber jetzt, nachdem die großen Stürme abgeflaut sind und die heroischen Illusionen des Widerstandes ihre organisierende Kraft verlieren, suchen die Kirchen selbst die Erlösung von ihrer geschichtlichen Existenz. Der Abschied der Kirchen von der Gesellschaft vollzieht sich nicht im Kampf, höchstens im Kampf um Anpassung.

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