„Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“: Görres, Dämonen, Novus Ordo und das Barnhardt-Axiom (2 von 4)

Bonifatius

Der Untergang des katholischen Staates und die Alternative

Das Fehlen einer Identität, auch einer nationalen Identität, ist gefährlich, weil jeder Mensch eine Identität braucht wie die Luft zum Atmen. Man ist als „der Mensch an sich“ kein Abstraktum. Man ist Mann oder Frau, dort und dort geboren, dieser und dieser Herkunft, dieser Sprache, Nationalität etc. Zwar ist es möglich sich eine autark-autonome Identität zu schaffen, ein solipsistisches Ich sozusagen, welches jedoch mit der Außenwelt, die es leider Gottes auch gibt, nicht kompatibel sein wird, weil eine absolute ideelle Selbstversorgung nicht möglich ist. Man braucht Bezugspunkte, Ausrichtung, Identität, was sicherlich Variablen sind und innerhalb eines Sinngefüges gut oder schlecht sein können. Und was ist das richtige Sinngefüge? Ein katholischer Staat, der innerhalb eines katholischen Staatsgefüges verwurzelt und der rechten katholischen Lehre (natürlich der vorkonziliaren) und einem katholischen Papst als dem Stellvertreter Christi untergeordnet ist. Das soziale Königtum Jesu Christi, lautet das Stichwort. Warum? Weil im Falle, dass sich die Staaten nicht Jesus Christus und Seiner Kirche unterordnen, sie sich jemandem anderen unterordnen müssen und zwar dem „Herrscher dieser Welt“, Satan, welcher viele politische Systeme schuf und inspirierte, um die Menschen zu versklaven. Schauen wir uns diese Entwicklung verkürzt historisch an:

  • Der protestantische Staat (nach 1517), bei dem der politische Herrscher auch der höchste religiöse Gesetzesgeber ist. Nach Luther ist der Landesherr der Bischof. So entstehen die protestantischen Staaten mit einer Staatskirche und dem Herrscherkult als dem Religionsersatz. Wir haben also den Menschenkult Nr. 1. Beispiele:
    • Deutsche Konfessionsstaaten
    • Skandinavische Staaten
    • England
    • Preußen
    • Andere
  • Der katholische absolutistische Staat, der mit dem Ausspruch von Ludwig XIV. „der Staat bin ich“ (l’etat c’est moi) zusammenzufassen ist. Konsequenterweise gab es in allen absolutistischen, katholischen Staaten (Frankreich, Österreich, deutsche Staaten etc.) eine sehr starke „Weg-von-Rom“-Bewegung, welche sich als Gallikanismus, Jansenismus, Febronianismus und Josephinismus äußerten.
  • Der nachnapoleonische nationale Staat, welcher sich, nachrevolutionär und liberal, als die höchste Einheit gebärdete, die höchste Souveränität auch im Bereich der Moral und Sitten beanspruchte, sodass er keine Belehrung seitens der Kirche dulden wollte. Dies stellt die Lage fast aller Staaten bis 1945 dar und von dieser Perspektive aus lässt sich die Bekämpfung des Liberalismus seitens der Kirche verstehen.
  • Die ideologieabhängigen Staaten zwischen 1945 bis 1989, welche entweder der Ideologie des Kommunismus oder des Liberalismus angehörten. Da die katholische Kirche praktisch den Leitungsanspruch über die Staaten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil aufgab, was die Revision aller Konkordate nach sich führte,[1] betrachteten die Staaten und ihre „Gutmenschen“ eine Ideologie (Marxismus oder Liberalismus) und nicht die katholische Wahrheit als ihr höchstes Gut.
  • Die NGO-„Soros“-Neue Weltordnung Staaten nach 1989. Durch den Zusammenbruch des Kommunismus entstand eine Neue Weltordnung (New World Order), in der sich die Staaten an die wohl geheimen oder höchst undurchsichtigen Vorgaben irgendwelcher Eliten halten. Was daraus kommt ist:
  1. Antichristliche und antikatholische Einstellung.
  2. Legalisierung der Verhütung und Abtreibung, konsequenterweise Entvölkerung.
  3. Legalisierung der Scheidung, konsequenterweise kein Familienbild durch die „Alleinerziehenden“.
  4. Legalisierung der Homosexualität, konsequenterweise Abgleiten in noch schwerwiegendere sexuelle Perversionen: Pädophilie, Zoophilie, etc.
  5. Legalisierung der Euthanasie, konsequenterweise Selbstmord auf Verlangen und wohl auch die „Endlösung“ des Altenproblems. Die Alten und psychisch Kranken werden in den Altersheimen „auf ihren Wunsch hin“ euthanasiert.
  6. Masseneinwanderung des Islams, konsequenterweise islamischer Terrorismus und Aufhebung der christlich-kulturellen Identität Europas.
  7. „Environmentalismus“, der Umweltschutz als Religion, konsequenterweise Eliminierung des Menschen als des ökologischen Hauptstörers und Vergöttlichung der Natur.

Die oben genannten sieben Stichpunkte sind sicherlich jeder Ausführung wert, dennoch ist es ersichtlich, dass die liberale Verhütungs- und Abtreibungsmentalität Nr. 2 die nachfolgenden Punkt 3. bis 7. erst möglich machte. Wenn Sex an sich moralisch zu billigen ist und nicht der Zeugung der Nachkommenschaft dient, sondern Lustgewinn seinen primären Zweck bildet, dann ist sexuell alles möglich (anything goes), was die nachfolgende Entwicklung in Sachen Homosexualität, Pädophilie, Zoophilie und des Pansexualismus zeigt. Weil aufgrund dieser Einstellung erstens weniger Kinder gezeugt werden und somit keine Familien oder Großfamilien entstehen können, so gibt es weniger Menschen, welche etwas produzieren und das soziale Gefüge, somit auch die Renten, schultern können. Daher ist, seitens der eigentlichen Machthaber, eine Masseneinwanderung nötig, koste es, was es wolle und eine schöngeistig verpackte Euthanasierung der „unnützen Esser“ ist es auch: der Alten und der Kranken, wie im Dritten Reich. Weil ferner der Mensch nichts gilt, obwohl alle oben dargestellten Entwicklungen von der Reformation angefangen des Menschen wegen ausgingen und zum Menschenkult führten, so braucht man im Jahre 2017 einen Religionsersatz, welcher durch die Umwelt dargestellt wird und welchen wir hier den Environmentalismus nennen wollen. Was ist heutzutage gut? Etwas, was „gut für die Umwelt ist“. Daher die Betreibung der Depopulation, d.h. der Entvölkerung, durch die NGO und die UN, in der letzten Zeit auch durch Papst oder eher Antipapst Franziskus.

Was wir durch all diese Beispiele sagen wollen, ist dies: unterwirft sich der konkrete Mensch, der sozial in einem nationalen Staat organisiert wird, nicht unter die Wahrheit Jesu Christi und der katholischen Religion, so unterwirft er sich, durch das soziale Gefüge des Staates bedingt, dem er nolens volens angehört, unter eine Ideologie der Lüge, welche letztendlich vom Teufel stammt. Während die Wahrheit aber, liebe Nachkonziliaristen, unveränderlich ist, so ist die Lüge wandelbar und wird uns in verschiedener Verpackung oder Aufmachung präsentiert. Auf diese Art und Weise zerstört der Mensch, der sich von Gott abwendet, sich selbst. Er tut es nicht nur im irdischen Leben, siehe die Leichenberge der Französischen Revolution, der napoleonischen Kriege, des Nationalsozialismus, des Kommunismus, die Milliarden-Abtreibungen des Liberalismus, sondern er bereitet sich auch die ewige Qual in der Hölle vor, da er, durch diese Ideologien verblendet, wohl kaum gerettet werden wird und somit nicht zur Anschauung Gottes kommt. Satan denkt halt sehr langfristig. Er möchte nicht nur die Menschen auf dieser Welt quälen, auch wenn er manche von ihnen recht gut leben lässt, sondern er möchte so viele, wie es geht, zu sich in die Hölle kommen lassen, damit sie sein Los teilen.

„Die Seelen fallen wie Schneeflocken in die Hölle“,

sagte Schwester Lucia, die Seherin von Fatima, womit wir die echte Lucia meinen, ohne in die ganze Kontroverse hier einsteigen zu wollen.[2] Das ist Satans Ziel: die Verderbnis möglichst vieler Seelen.  Um wieder auf die politische Ebene zurückzukommen, muss man sagen, dass im Falle, dass ein Staat, wie beispielsweise das Dritte Reich (1933-1945), sich als eine autarke Einheit betrachtet, welche sich seine Moral selbst macht, so kann diese Moral eine von dem Machthabern willkürlich gewählte sein, weil sie nichts und niemanden über sich selbst haben wollen. Der Staat wird zur Religion und der oberste Machthaber wird zu Gott mit dem absoluten und totalitären Anspruch. Wir haben dieses Schema schon oft in der Geschichte gesehen:

  • Der quasi-göttliche Kult aller absolutistischen Herrscher vor der Französischen Revolution:
    • Gott-Ludwig der XIV.
    • Göttin Katharina die Große
    • Gott- Friedrich II
    • andere
  • Gott-Napoleon
  • Gott-Bismarck
  • Gott Hitler
  • Gott Stalin
  • Gott Mao Tse Tung
  • Gott Kim Il-Sung
  • andere

Inwiefern sich aber die vorabsolutistischen Herrscher dem Papst in Sachen Sitten und Religion (nicht der Politik) unterordneten, welcher den höchsten sittlichen Garanten darstellte, insofern war eine der Politik übergeordnete, moralisch-religiöse Einheit gegeben und ein totalitärer Staat an sich war langfristig unmöglich. Dies änderte erst die Französische Revolution mit der Lehre von der angeblichen Volkssouveränität, wobei Gott als der höchste Garant der moralischen und rechtlichen Norm abgeschafft wurde und die politische Klasse samt ihrer aufklärerischen Ideologie, die recht schnell und abwechselnd auf der Guillotine endete, zum Gott  erhoben wurde, bevor der Gott-gleiche Napoleon auftrat. Wenn man die päpstlichen Schreiben durchliest, welche die Französische Revolution und den nachfolgenden Liberalismus verurteilen,[3] so entdecken wir den o.a. verurteilenden Duktus.[4] Er findet sich:

  • Bei Pius VI.
    • Quod Aliquantum(1791) – Verurteilung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
    • Caritas (1791) – Verurteilung der Zivilkonstitution des Klerus
  • Bei Pius VII.
    • Diu satis (1800) – Aufruf zur Rückkehr zur den Werten des Evangeliums
    • Ecclesiam a Jesu Christo (1821) – Verurteilung der Carbonari und der Freimaurer
  • Bei Gregor XVI.
    • Mirari vos (1832) – Gegen Liberalismus und religiösen Indifferentismus
  • Bei anderen päpstlichen Schreiben bis ca. Johannes XIII.[5]

Während die Französische Revolution den herrschenden Anspruch der katholischen Kirche über die Politik eher praktisch änderte, denn der philosophische Hintergrund der Revolution war eher dürftig und die Guillotine erledigte, wie bei allen Revolutionen, das Praktische, so kam die eigentliche philosophische Begründung des vergöttlichten Staates erst durch Hegel (1770-1831), der die Gleichung Gott = Welt = Geschichte = der Staat aufstellte. Ja, liebe Leserinnen und Leser, nach Hegel ist die höchste Manifestation Gottes auf Erden der preußische Staat. Weil Gott qua Welt veränderlich ist, so ist der Lauf der Geschichte göttlich und notwendig zu nennen. Deswegen ist der moderne Mensch immer das Primäre, welchem alles untergeordnet werden muss. Erkennen wir hier etwas? Jawohl, es ist der „Geist des Konzils“ es ist der Duktus der Schriften des Vat. II. Dies ist der eigentliche philosophische Hintergrund der konziliaren und nachkonziliaren Aufgabe des unveränderlichen, transzendenten Gottes zugunsten des ewig wandelbaren, modernen Menschen. Nicht der unveränderliche, transzendente Gott und seine Offenbarung sind das Primäre, sondern „die heutigen Zeiten“, „die Zeichen der Zeit“, das Hier und Heute, siehe Amoris Laetitia.  Wie äußert sich aber praktisch das Hier und Heute? In der Gesellschaft. Und konkreter? Im Staat und in der Politik. Das ist auch der Grund, weswegen die heutigen Kirchenfürsten, wie Marx, Kasper, Martini und die jesuitischen think tanks etc., womit wir hier diejenigen meinen, die noch nachdenken können – Bergoglio schließen wir davon aus -, überhaupt kein Problem damit haben, als Handlanger der Politik zu fungieren, weil sie über diesen hegelianischen mind set, wie der Amerikaner sagen würde, verfügen, welchen sie seit Mitte des XIX. Jhdts. auf den deutschen Universitäten lernen konnten. Ja, ja, wir sind wieder bei den Deutschen und Hegel kann als ein Beispiel eines entwurzelten Deutschen fungieren, der nur eine kleine Heimat (Stuttgart, Württemberg, Tübingen, Jena, Bamberg, … Berlin) kannte, über keine deutsche Identität verfügte, wie wohl kaum einer in seiner Zeit und sich diese Identität, zu Leidwesen uns aller, in seiner Philosophie erschuf.

[1] Treffend dargestellt von Romano Amerio, Iota unum. Eine Studie über die Veränderung in der katholischen Kirche im XX. Jahrhundert, Stuttgart 20112, Punkte 75-76 [falls jemand eine andere Ausgabe besitzt], 176-181. Durch Umkehrschluss wird die Aufgabe der katholischen Positionen auf der folgenden Seite aufgezeigt: http://www.concordatwatch.eu/showsite.php?org_id=843 Vgl. http://www.pass.va/content/dam/scienzesociali/pdf/acta17/acta17-fumagalli.pdf http://www.concordatwatch.eu/showtopic.php?org_id=851&kb_header_id=38321 https://www.nzz.ch/schweiz/noch-kein-konkordat-liechtensteins-mit-dem-vatikan-1.18451279

[2] http://www.traditioninaction.org/polemics/F_03_Lucy02.html Vgl. https://onepeterfive.com/?s=Fatima https://whatisupwiththesynod.com/?s=Fatima

[3] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Entchristianisierung http://www.historytoday.com/gemma-betros/french-revolution-and-catholic-church

[4] Vgl. http://www.history1700s.com/index.php/articles/12-french-revolution/126-pope-pius-vi-and-the-french-revolution.html

[5] http://www.newadvent.org/cathen/09212a.htm Unter: Condemnation of Liberalism by the Church. Päpstliche Schreiben, leider meistens nur auf Italienisch, finden sich hier: http://w2.vatican.va/content/vatican/de.html

 

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