Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (16) Selbstbeobachtung als erster Schritt.

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Nach einer wirklich langen Pause kehren wir zu der Geistesunterscheidung von Kardinal Bona zurück, welche seit nun an einem jeden Spirituellen Mittwoch abwechselnd mit anderen geistlichen Themen präsentiert werden wird.  Diejenigen Leser, die neu sind oder sich an die vorigen Beiträge von Kardinal Bona nicht erinnern können, mögen nachblättern oder es nochmals von vorne lesen.

In dem heute vorgestellten Text vom Richard von hl. Viktor, den Kardinal Bona zitiert, geht es darum, dass, um zu einer guten Geistesunterscheidung zu kommen, man eine sehr gute Selbsterkenntnis braucht und zwar sowohl im Natürlichen wie auch im Übernatürlichen, weil sich sowohl Gott als auch der Teufel unserer natürlichen Gegenbenheiten bedienen werden.

Es gibt einen Text eines anonymen Kirchenschriftstellers, welcher die Wirkung des hl. Geistes in den Gläubigen mit dem Tau in den Blumenkelchen vergleicht. Der Tau passt sich dem Baum, der Farbe, der Anatomie etc. der jeweiligen Blume an. Ebenso tut es der hl. Geist mit uns, obzwar er uns vorher ein wenig formt, ummodelt, umgießt etc., was manchmal sehr schmerzlich ist. Dennoch gratia supponit naturam – „die Gnade setzt die Natur voraus“. Ohne eine gute Selbsterkenntnis können wir oft nicht wissen, ob die Regungen von Gott, vom Teufel oder nur von unserer eigenen Natur stammen. Der Schreiber dieser Zeilen wurde im Winter geboren und verträgt, wie wohl viele andere Menschen auch, besser den Winter als den Sommer. Er leidet an so etwas, was man den Sommer-Blues nennt. Er ist im Sommer sehr erschöpft, gereizt, launisch und unausgeglichener als in anderen Monaten. Vielleicht dient der Sommer einfach der Erholung und nicht der Arbeit, aber manchmal muss man auch im Sommer arbeiten. Da er aber seine „sommerlichen Anlagen“ kennt, in denen ihn meistens der Teufel reitet, so unternimmt er keine bindenden Entscheidungen oder Änderungen in der Sommerzeit, weil er weiß, dass er in dieser Zeit weniger „zurechnungsfähig“ ist, was der Feind der menschlichen Natur geschickt ausnutzt. Ist das Geistesunterscheidung? Durchaus, denn man bringt sich in eine Verfassung, welche einem die Geistesunterscheidung ermöglicht, Sie treffen auch keine Lebensentscheidungen bei 39 Grad Fieber. Wie gelangt man zu einer guten Selbsterkenntnis? Durch eine häufige Gewissenserforschung und zwar nicht nur vor der Beichte, sondern, wie hl. Ignatius Loyola lehrt, zweimal am Tag: vor dem Mittagessen und am Abend. Man sollte sich aber nicht fragen:

„Was habe ich getan und wie effizient war ich“?

Sondern,

„Wo verspürte ich die süßen und ruhigen Regungen des hl. Geistes und wo die beißenden und harschen Bewegungen des Teufels?“

Falls die Letzteren kamen, wie habe ich sie abgewehrt, was habe ich unterlassen. Wenn Sie das einüben, werden Sie früher oder später die Strategien des Teufels Ihnen gegenüber erkennen, indem Sie ihn von Ihrer eigenen Persönlichkeit unterscheiden werden. Ja, es dauert, ist mühevoll, zahlt sich aber aus.

 

Drittes Kapitel

Wie weit sich die Unterscheidung der Geister erstrecke. – Mancherlei Bewegungen und Neigungen der Menschen. – Bedeutung des Wortes „Geist“. – Was und wievielerlei der Geist sei. – Es gibt hauptsächlich einen dreifachen Geist, einen in uns, einen zweifachen außer uns.

 

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