Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe

 

Evangelium des Festes Mariä Himmelfahrt

Lk 1, 41 – 50

Sobald Elisabeth den Gruß Marias vernahm, frohlockte das Kind in ihrem Schoße. Elisabeth wurde vom Heiligen Geiste erfüllt und rief mit lauter Stimme: „Du bist gebendeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Woher wird mir die Gnade, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, sobald dein Gruß an mein Ohr drang, frohlockte das Kind vor Freude in meinem Schoße. Selig, die geglaubt hat, daß in Erfüllung gehen wird, was ihr vom Herrn gesagt ward.“ Da sprach Maria:

Hochpreiset den Herrn meine Seele, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heil. Denn er hat in Gnaden herabgeschaut auf seine niedrige Magd. Seht, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter. Denn Großes hat an mir getan, der mächtig und dessen Name heilig ist. Sein Erbarmen waltet von Geschlecht zu Geschlecht über denen, die ihn fürchten.“

Betrachtung zum Evangelium des Festes Mariä Himmelfahrt

Maria, Königin des Himmels und der Erde! Du hast den beßten Theil erwählt; denn dein Scheiden von dieser Welt ist die Uebernahme der Herrlichkeit, die dir dein Sohn bereitet hat. Du empfängst nun für die Reinigkeit und Unschuld deines Wandels ein neues, unvergängliches Leben; für deine Demuth die Erhöhung über alle Geschöpfe; für deine Frömmigkeit und Gottesfurcht die Anschauung Gottes; für deine Ergebung in den Willen des Höchsten den Genuß einer unveränderlichen Glückseligkeit, und für deine Treue in Bewahrung der Gnade Gottes das Recht, auch denen Gnade zu erbitten, die als deine Verehrer, als Nachahmer deiner Tugenden auf dich ihr Vertrauen setzen. —

Hier im Hause Gottes, wo ich meinem himmlischen Vater meine Klagen, meine Bitten und meine Anbetung mit kindlicher Offenheit und Ergebung darbringe, erhebe ich heute meine Blicke voll Entzücken nach den obern Räumen: denn heute ist das Fest deiner Himmelfahrt; heute bist du aufgeschwebt von dieser Erde in die geheiligte Wohnung des ewigen Friedens und der ewigen Herrlichkeit. —

Du bist an dem heutigen Tage zur schönsten Ehrenstufe erhoben, du bist zur geliebten Fürbitterin, zur Ausspenderin der göttlichen Gnaden erwählt worden. Die Blicke meiner freudetrunkenen Augen begleiten deine Himmelfahrt, und ich flehe dich an, aus dem Meere der Gnaden, die du bei Gott gefunden, auf mich und alle meine Mitmenschen einen Tropfen niederträufeln zu lassen. Nimm auf mit mütterlicher Liebe mein heißes Flehen, für mich und alle meine Mitmenschen bei Gott zu seyn eine listige Fürbitterin in diesem und dem künftigen Leben. Von deiner Fürbitte bei unserm himmlischen Vater hofft der Kranke auf Genesung, der Kleinmüthige auf Stärke, der Bedrängte auf Hilfe, der Traurige lauf Trost, der Gefahrleidende auf Beistand und Rettung, durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, der uns nach seiner großen Erbarmung und durch seine Auferstehung vom Tode neu geschaffen hat zur Hoffnung des ewigen Lebens und zur Erwartung eines unvergänglichen Erbgutes im Himmel. Amen.

Hymne

Jauchzt mit Siegesgetön, Bürger des Himmels!

Heut‘ an jenes Triumph’s festlichem Tage,

Wo im Arme des Tod’s friedlich entschlummert,

Ward die Mutter des Herrn himmlisch verklärt.

Welch Entzücken ergreift jetzt bei dem Glanz Dich!

Deren Leben so still floß, wie der Wiesbach;

Die in’s irdische Kleid hüllte den Ew’gen,

Wird vom Ew’gen geschmückt jetzt mit dem Urlicht!

Hehren Trostes Gestirn leuchtet zur Erde

Von der Höhe, wo Du, Heilige! strahlest.

Du, die erste im Chor aller Erlösten,

Stehst dem Sohne zunächst, hell wie die Sonne.

Bitt, o bitte für uns, Mutter des Heiland’s!

Daß vom Irdischen uns läut’re die Tugend,

Auf dem dornigten Pfad zu der Verklärung,

Uns — die Brüder des Sohn’s — leite, wie Kinder!

Kirchengebet

Verzeihe, o Herr! wir flehen, die Fehler deiner Diener, auf daß wir, die wir durch unsere Thaten, dir nicht gefallen können, gerettet werden durch die Fürbitte der Mutter deines Sohnes, unsers

Herrn! Amen. —

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen