Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe

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Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Lk 14, 1 – 11

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers ging, um zu speisen, gaben sie genau auf ihn acht. Und siehe, vor ihm war ein Mann, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: „Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?“ Sie schwiegen. Da faßte er ihn an, heilte ihn und hieß ihn von dannen gehen. Dann sprach er zu ihnen: „Einem von euch fällt sein Sohn oder Ochs in eine Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?“ Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Da er bemerkte, wie die Geladenen die ersten Plätze auswählten, trug er ihnen folgendes Gleichnis vor: „Wenn du zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz. Es könnte ein Vornehmerer als du geladen sein, und dein und sein Gastgeber könnten kommen und zu dir sagen: „Mach diesem Platz.“ Dann müsstest du beschämt den letzten Platz einnehmen. Wenn du geladen bist, so geh und setz dich lieber an den letzten Platz. Dann mag dein Gastgeber kommen und zu dir sagen: Freund, rücke höher hinauf! Das wird dir zur Ehre gereichen vor allen, die mit dir zu Tische sitzen; denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.“

Betrachtung zum Evangelium des sechzehnten Sonntags nach Pfingsten

Danken wir Gott, wenn wir von der Krankheit, mit der ein Mann nach dem heutigen Evangelium behaftet war, frei sind, und bitten wir ihn, daß er uns vor derselben, noch mehr aber, daß er uns vor dem aufblähenden Stolze bewahre, von welchem die Wassersucht ein Bild ist. Da nun auch der Stolz der Pharisäer Eigenthum war, so nahte auch diesen sich Jesus, um sie zu heilen. Er ließ ihnen Zeit zum Nachdenken, auf daß sie gute Gesinnungen äussern möchten; sie aber schwiegen aus Stolz, aus Bosheit, aus Verstellung oder List. Konnten sie aber auch ihr Herz Gott verbergen? Nein! Er durchschaute ihr Innerstes, heilte den Kranken, und demüthigte ihren Stolz. — O lasset uns nie nach Ehre vor Menschen trachten, sondern nach Ehre vor Gott! Der Stolze macht sich wegen seiner eingebildeten Unabhängigkeit von

Gott, der göttlichen Wohlthaten ganz unwürdig; der Demüthige hingegen macht sich durch die lebhafte Empfindung seiner gänzlichen Abhängigkeit von Gott und seiner Unwürdigkeit des göttlichen Beistandes empfänglich und theilhaftig. Demuth sey unser Vorzug!

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! daß deine Gnade uns immer zuvorkomme und begleite, damit wir nie aufhören, Gutes zu wünschen und zu thun! Amen.

 

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