Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (3 von 20). Häresien bei JP2?

Häresien in den Lehren von Johannes Paul II?

Der Satz, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben, hatte aber doch tatsächlich Johannes Paul II, im Stadion Mohammed V. von Casablanca (Marokko) vor 80.000 islamischen Jugendlichen am 19. August 1985 gesagt:

Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. […] Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt. […]

Es ist also Gott, auf Den sich mein Denken bezieht und zu Dem sich mein Herz erhebt: von Gott selbst möchte ich vor allem zu euch sprechen; von Ihm, weil Er es ist, an Den wir glauben, ihr Muslime und wir Katholiken, und ich möchte zu euch auch über menschliche Werte sprechen, die ihr Fundament in Gott haben, die Werte, welche die Entfaltung unserer Personen betreffen, aber auch die unserer Familien und unserer Gesellschaften wie auch die der Internationalen Gemeinschaft. […] So komme ich zu euch heute auch als Glaubender. Ich möchte hier ganz einfach ein Zeugnis davon geben von dem, was ich glaube, von dem, was ich für das Wohl meiner Menschenbrüder wünsche, von dem, was ich aus Erfahrung für alle als nützlich ansehe.“

Der Papst sagt also, dass wir Christen und Muslime „an denselben Gott glauben“. Dies ist sachlich falsch, denn Christen glauben an die Trinität und Muslime nicht. Außer der Dreifaltigkeit, so lehrt die Kirche, gibt es keine göttliche Natur (DH 188, 851). Aber es ist dennoch keine Häresie (sententia haeretica), weil die Kirche nirgend definiert hat:

„Wer behauptet, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben, der sei ausgeschlossen“.

Kein Mensch ist auf Idee gekommen, besonders im ordentlichen Lehramt eines Papstes, so etwas zu behaupten. Wenn es stimmen würde, dann wäre der Gott der Christen nicht trinitarisch und sie würden einen nicht näher spezifizierten Monotheismus vertreten, was sie nicht tun. Dies sagt der Papst aber nicht, indem er etwa behauptet:

Der christliche Gott ist einer, aber er ist nicht trinitarisch.

Deswegen ist die Aussage des Papstes keine Häresie, im Sinne einer sententia haeretica.

Unserer Einschätzung nach erfüllt der päpstliche Satz aus der Casablanca-Rede, nach dem o.a. Schema der Zensuren, die folgenden Kriterien:

I. Was die Glaubenslehre selbst (doctrina ipsa) anbelangt:

  1. Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)

II. Was die Art und Weise (modum) der Darstellung der Glaubenslehre anbelangt:

  1. Mehrdeutige Meinung (aequivoca)
  2. Unklare Meinung (ambigua)
  3. Vermessene Meinung (praesumptuosa)
  4. Trügerische Meinung (captiosa)
  5. Verdächtige Meinung (suspecta)
  6. Übel klingende Meinung (male sonans)
  7. Fromme Ohren verletzende Meinung (piarum aurium offensiva

III. Was die Auswirkung (effectum), welche diese Meinung auf die Gläubigen ausüben könnte.

  1. Ärgernis erregende Meinung (scandalosa)

Hat denn Papst Johannes Paul II eine formelle Häresie in forum externum durch diese Aussage begangen? Nein, er hat der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima) öffentlich geäußert, das zweitschlimmste Vergehen also.

 Man muss bei diesen Zensuren wie bei der Bestimmung des Strafmaßes im Strafrecht denken. Im deutschen Rechtskreis besteht eine Straftat aus drei Bestandteilen::

  1. Tatbestand,
  2. Rechtswidrigkeit und
  3. Schuld.

Angenommen jemand pustet jemandem bei einem Streit ins Gesicht. Ist der Tatbestand einer schweren Körperverletzung damit erfüllt? Nein.  Jemand gibt jemanden eine leichte Ohrfeige? Körperverletzung  – ja, schwere – nein. Jemand schlägt jemanden, der vorher Box trainiert hatte mit einem Schlagring ins Gesicht. Schwere Körperverletzung? Ja.

Ebenso muss man bei der Bestimmung der theologischen Zensuren zuerst den Tatbestand bestimmen:

  1. Hat er es geschrieben.
  2. Har er es tatsächlich gesagt und es autorisiert.
  3. Hat er offiziell und nicht privat gesprochen.

Danach die Rechtswidrigkeit anhand des Denzingers und der Notae theologicae, sowie die Schuld, welche bei einem Papst, also einem studierten Theologen recht hoch ist, einzuschätzen. Dennoch muss ein Papst tatsächlich eine Häresie sensu stricto im Sinne einer sententia haeretica begehen, wie es Franziskus mehrmals in Amoris Laetitia getan hat, um der Häresie angeklagt werden zu können, was leider niemand tut.

Um auf JP2 zurückzukommen, so sagt er den muslimischen Jugendlichen, quasi seine private Meinung, indem er seinen, persönlichen Glauben mit ihnen teilt. Er tut dies mit den Worten:

Es ist also Gott, auf Den sich mein Denken bezieht und zu Dem sich mein Herz erhebt: von Gott selbst möchte ich vor allem zu euch sprechen; von Ihm, weil Er es ist, an Den wir glauben, ihr Muslime und wir Katholiken, und ich möchte zu euch auch über menschliche Werte sprechen, die ihr Fundament in Gott haben

Der Papst spricht also hier von seiner eigenen Gottesvorstellung, die leider keine katholische Gottesvorstellung ist. Und er tut dies als Papst. Dies ist dennoch immer noch keine Häresie. Unserer Meinung nach hat die assistentia negativa auch Johannes Paul II, da er Papst und kein Antipapst war, davor bewahrt formelle Häresien zu verkünden, obwohl ihm, unseres Erachtens, die zweit schlimmste theologische Zensur – der Häresie nahe Meinung (sententia  haeresi proxima) mehr als einmal zugeschrieben werden kann. Dennoch zog Gott die Reißleine und, unseres Erachtens, ist es bei JP2 zu keiner Häresie gekommen, was nicht bedeutet, dass er orthodoxe katholische Lehre lehrte. So kompliziert kann es werden nach Vat. II.

Die Gottesvorstellung von Johannes Paul II

Wir wollen hier möglichst kurz auf die Gottesvorstellung und die Gotteslehre von Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II eingehen, wie sie vom Prof. Dr. Johannes Dörmann in seinem Buch Johannes Paul II. Sein theologischer Weg zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi, [1] dargestellt wurde. Dörmann (gest. 2009) ein Priester und Professor der Missionswissenschaften aus Münster (sic!) hat in Jahren 1990-94 ein drei Bänden seine theologische Analyse der theologischen Grundlagen für „Assisi“ dargelegt, welche der Sarto-Verlag in einem einzigen Band verlegt. Dörmann sah beim Pontifikat von JP2 wie der Lohngerber seine Felle, so er als Missionswissenschaftler sein Lehrfach davon schlimmen, da bei dem extremen Ökumenismus des polnischen Papstes keine Mission im katholischen Sinne übrig geblieben ist. Dörmanns Buch zählt 856 Seiten, leiden an Wiederholungen, ist manchmal sehr langatmig geschrieben, sodass es wirklich an fleißige und geduldige Fachtheologen gerichtet ist. Es enthält dennoch so viel Dynamik und ein präzises, analytischen Auseinandernehmen des wojtylianischen Pontifikats, dass sie wirklich am vermeintlichen Katholizismus des Papstes kaum ein gutes Haar lässt. Dörmann ist sehr gründlich und präzise, zieht keine voreiligen Schlüsse und wägt seine Aussagen sehr. Dennoch was unter dem Strich übrig bleibt lautet:

Johannes Paul II vertrat weder vor dem Pontifikat noch währenddessen die katholische Lehre, sondern interpretierte diese um, indem er ihre Kernbegriffe mit eigenen Ideen, die leider nicht katholisch waren, ersetzte und sie als solche aushöhlte.

Hat aber Johannes Paul II. Häresien, im Sinne einer sententia haeretica, verbreitet?

Nein, dies meint weder Dörmann, noch wir.

Haben denn irgendwelche nachkonziliaren Päpste vor Bergoglio Häresien, im Sinne einer sententia haeretica, verbreitet?

Unserer Meinung nach nicht. Insbesondere Johannes Paul II. ist fast aller nachfolgenden Kategorien wie:

  1. Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)
  2. Nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens)
  3. Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens)
  4. Irrige Meinung (sententia erronea)
  5. Leichtfertige Meinung (sententia temeraria)

schuldig geworden, aber einer formelle Häresie hat er nicht begannen?

Spielt das eine Rolle?

Ja, denn nur eine formelle Häresie ist der Grund einen Papst als Häretiker abzusetzen.

[1] Stuttgart: Sarto Verlag 2011.

4 Gedanken zu „Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (3 von 20). Häresien bei JP2?

  1. „Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. […] Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt. […]“
    Also wenn ich dieses sagen würde dann würde ich die Mutter Gottes um Verzeihung bitten weil ich ihren Sohn und sein ganzes Opfer am Kreuz unterschlagen hätte. Und danach würde ich mich an den Heiligen Geist wenden und ihm sagen das er nicht der Erzengel Gabriel ist wie der Koran behauptet. Diese Konzilspäpste sind eine Spezies für sich und man sollte ihnen nicht allzuviel Vertrauen entgegenbringen. Ich habe es lange genug getan bis es mir gereicht hat. Irgendwann sagte mir mein Gott dieses „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.“ Und dieser Gott ist wahrhaft dreifaltig auch wenn der „Geist des Konzils“ Krämpfe dabei bekommen tut. Eine Frage am Rande. Muß man eigentlich als Papst nach dem Konzil vorher eine Schauspielschule besuchen?
    Per Mariam ad Christum.

  2. Paul VI.:
    „Die Kirche hat sich zur „Dienerin der Menscheit“ gemacht, und der „Reichtum der Lehre“ will nur eines, dem Menschen dienen.“
    Jetzt weiß ich auch warum sie die Kommunionbänke abgesägt haben. Sie wollen den Menschen dienen und ein Kniefall vor Christus ist der Menschheit nicht mehr zuzumuten. Schließlich ist der Mensch der Mittelpunkt der neuen Lehre und der Herr unser Gott hat nur noch das Recht unsere Betten zu machen wenn wir ausgeschlafen haben.
    Per Mariam ad Christum.

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