Neue Reihe: Predigten der Kirchenväter

The Sermon on the Mount. Ca. 1440-1445. Fresco.

Bei den letzten liturgischen Workshops Ars Celebrandi in Polen meinte einer der dort tätigen traditionellen Priester, dass in der traditionalistischen Bewegung die Laien wirklich alles machen. Sie organisieren die Alten Messen, kaufen die Paramente, stellen die Ministraten, die Kirchenmusiker und die Choralschola, sie stellen nur keine Priester, worauf jemand aus dem Publikum fragte, ob sie diese auch noch stellen sollten.

Das wäre am Schönsten,

meinte der Priester augenzwinkernd. Würden aber die Laien, vom letzten Konzil zum größeren „Engagement“ ermutigt, auch noch die Priester und Priesteramtskandidaten stellen, diese ausbilden und Weihen, dann wäre zwar das Problem gelöst, aber wir hätten dann weder Priester noch Laien. Dennoch können Sie sich wie Sie wollen anstrengen, organisieren und verausgaben. Sie kommen in eine Kirche in freudiger Erwartung, ja zur Alten Messe, welche Gott sei Dank, den Priester durch die Rubriken in Zucht und Ordnung nimmt und dann kommt die Predigt und es ist um Sie geschehen. Es ist wieder einmal grottenschlecht, ohne Tiefgang, ohne Einfall, das direkte Ergebnis eines flachen Lebens, einer flachen bis nicht vorhandenen Spiritualität. Kurz und gut: eine Katastrophe.

Es ist wirklich nicht schwierig über Gott zu reden oder zu schreiben. Sie müssen nur Ihm leben und in in Ihm leben, dann fließt es, dann kommen die Einfälle. Der Lateiner sagt: rem tene, verba sequntur – „halte Dich an die Sache, die Worte werden folgen“. Wenn Sie etwas zu sagen haben, werden Sie schon die Mittel finden.  Wenn es bei Ihnen aber noch nicht so weit sein sollte, so können Sie sich wenigstens belesen. Es gibt das alte Brevier, es gibt die Kirchenväter, Theologen, Predigtsammlungen. Durch Zitate kann man wirklich lange seine eigene Blösse verhüllen, wenn man um diese weiß. Es ist wirklich genauso bei Novus Ordo, wie im Tradiland. Keine Inhalte in den Predigten, Wortschwall und Geschwaffel und ein Gläubiger kommt niemals dahin die Fülle kennenzulernen, welche sich in der Heiligen Schrift verbirgt, weil ihm niemand diese auslegt.

Da wir uns alle mehr oder weniger in dieser Situation befinden, so beschlossen wir auf unserem Blog dieser Predigtnot abzuhelfen, indem wir die Predigten der Kirchenväter, wie sie in den alten Brevieren vorzufinden sind, in den kommenden Jahren auf Deutsch stückchenweise wiedergeben werden. Wir werden also die Predigten wie sie in der Matutin des Sonntags oder Feiertags im Tridentinischen Brevier oder im Brevier des Pius X. vorgesehen sind, publizieren, wobei wir den deutschen Text dem Buch: Das kirchliche Stundengebet oder Das römische Brevier. Übersetzt und erklärt von Erzpriester Stephan (2 Bände, Pustet 1926) entnehmen. Für einen Sonntag  wird es einen Dreijahreszyklus geben, indem die Väterpredigt dreifach unterteilt wird, sodass Sie beim demselben Evangelium und demselben Kirchengebet:

  • im Jahr 1, den ersten Teil der Väterpredigt,
  • im Jahr 2, den zweiten Teil der Väterpredigt,
  • im Jahr 3, den dritten Teil der Väterpredigt,

lesen werden. Für Feste ist ein 6-Jahreszyklus vorgesehen. Diese Predigtabschnitte werden kurz, aber prägnant sein, damit man sich diese merken kann. Die Predigttexte werden in der Zukunft von einer neuen Mitarbeiterin unseres Blog, die sich adeodata nennen möchte, im benediktinischen Fleiß eingetippt werden, damit wir sie alle lesen können. Wenn Sie die Texte der Kirchenväter durchlesen, merken und meditieren werden, so können Sie getrost die nächste Predigt schmerzfrei überstehen.

Auf die Frage, warum der Schreiber dieser Zeilen immer wieder solch ein Priester-Bashing betreibt, aber keine Klempner, Elektromonteure, Zahnärzte oder Anwälte kritisiert, so lautet die Antwort, dass die Letzteren Ihr Handwerk beherrschen, was man recht schnell und einfach feststellen kann.  Als Theologe weiß er aber, was die Priester falsch machen, was sie gar nicht machen, wie es zu machen wäre und leidet deswegen auch mehr, wenn er sie sieht oder hört. Außerdem verfällt ja seit 50 Jahren die Kirche, nicht das Klempnerwesen. Wie richtigerweise Martin von Cochem schreibt:

„Es ist Christus selbst, der im Priester predigt.“

Und Christus kann sich im Priester nur dann zum Ausdruck bringen, wenn der Priester christusförmig geworden ist.  Manchmal hören sie ein mittelmäßige Predigt, aber etwas rührt Sie so an als wäre es direkt an Sie gerichtet. Und das ist es auch. Manchmal kommt man mit Fragen zur Messe und geht mit Antworten nach Hause. Es ist wirklich wie beim Singen: Sie müssen nur die Töne durch Sie durchklingen lassen, ohne diesen im Wege zu stehen. Wenn man mit Großem zu tun hat, wird man automatisch klein. Und deswegen ist diese narzistische Novus Ordo Liturgie dermaßend verheerend, weil sie dermaßen menschen- und priesterzentriert ist. Steven Skojec erzählt in einem seiner Podcasts, dass eine Frau als sie ganz klein war lange glaubte, dass der Herr, zu dem man betet, der Priester ist, der da vorne steht. Sie dachte also, dass man den Priester anbetet, weil er dermaßen exponiert ist. Weil die Novus Ordo Priester dermaßen im Mittelpunkt sind, werden sie zwangsläufig narzistisch, haben nichts zu sagen und verhalten sich im Presbyterium wie ein Fernsehmoderator. Leider gilt das auch für viele Vetus Ordo Priester, die ja zwangsläufig vom Novus Ordo her kommen, wenn sie nicht gerade in der dritten Generation der Gläubigen der Piusbruderschaft aufgewachsen sind. Ann Barnhardt hat recht, dass der generational spirit, auf Deutsch in etwa mit Generationsdämon übersetzbar, der Menschen um die 40 der Narzismus ist. All das Internet, die Blogs, Twitter, Facebook, Instagram etc. entstammen dem Narzismus und bestärken ihn.  Es ist schwierig sich hinter den Inhalten zu verbergen, vorausgesetzt man hätte welche, ohne sich selbst zu exponieren. Die Kirchenväter, deren Predigten sorgfältig für die Alten Breviere ausgesucht wurden und ganze Generationen der Geistlichen nährten, waren nicht narzistisch und fast jeder von ihnen hatte eine Einsiedlerphase hinter sich, um sich von den weltlichen Einflüssen zu reinigen und sich mit Gott aufzuladen. So wurden sie mit der Zeit für Gott transparenter, denn heiliger. Wir können von ihren Überlegungen zehren und uns daran erinnern, dass im Alten Ritus die Predigt nicht zur Liturgie selbst gehört, sondern ein menschlicher Zusatz eines Priesters ist.

3 Gedanken zu „Neue Reihe: Predigten der Kirchenväter

  1. Ich habe einmal für kurze Zeit ein Fernstudium Katholische Theologie gemacht. Ein Abschnitt ging über die patristische und mittelalterliche Exegese. Ich kann mich noch gut erinnern, wie überwältigt ich war von dem Glanz, der Tiefe und der Schönheit dieser wenigen Beispiele der Schriftauslegung, die da angeführt wurden. Zwar hielt ich von der modernen Schriftauslegung auch früher schon größtenteils wenig, aber damals ist mir erst richtig bewusst geworden, was für einem Betrug wir heute durch die meisten Predigten von Priestern ausgesetzt sind. Denn es ist ja nicht so, dass die heutigen Priester von all dem nie etwas gehört hätten; wenigstens einen kleinen Teil kennen sie. Und doch halten sie bildlich gesprochen das Gold für wertlosen Unrat und geben uns stattdessen verrostetes Eisen, das sie aus irgendwelchen trüben Tümpeln hervorholen, in der Meinung, es wäre besonders kostbar.

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