Correctio Filialis Deutsch (2 von 5)

Peter and Paul popup 1

Um ganz kurz darzustellen, was an den vorgestellten Stellen von Amoris Laetitia falsch ist, werden wir in violett den jeweiligen Abschnitt einfach wiedergeben und kommentieren, wobei natürlich diese Fragmente nicht den Inhalt von Correctio filialis ausmachen.

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Wir wollen nun aufzeigen, wie einige Stellen von Amoris laetitia zusammen mit Handlungen, Worten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit dazu dienen, sieben häretische Thesen zu verbreiten.3

Die Stellen, auf die wir uns beziehen, sind folgende:

AL 295: Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte »Gesetz der Gradualität« vor, denn er wusste: Der Mensch »kennt, liebt und vollbringt [. . . ] das sittlich Gute [. . . ] in einem stufenweisen Wachsen«.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen.

Seit AL gilt es kein „Ja“ oder „Nein“ bezüglich der göttlichen Gebote, sondern sie werden graduell, d.h. stufenweise erreicht. Und so erfüllt man z.B. das Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“, indem man sich in der „angemessenen Ausübung dieses Gesetzes“ auf dieses Gesetz zubewegt. Durch:

  1. wahllosem Sex mit jedem und allen
  2. gleichgeschlechtlichen Sex mit wechselnden Partnern
  3. gleichgeschlechtlichen Sex mit einem festen Partner, wo man „Verantwortung füreinander übernimmt“ O-Ton Erzbischof Koch, Woelki und Schönborn)
  4. heterosexuellen Sex mit wechselnden Partnern
  5. heterosexuellen Sex mit einem, festen Partner
  6. heterosexuellen Sex mit einer zweiten oder dritten Ehe
  7. heterosexuellen Sex in ersten und einzigen Ehe mit gelegentlicher Untreue
  8. heterosexuellen Sex in ersten und einzigen Ehe ohne Untreue (Sie haben das Ziel erreicht: Das sechse Gebot ist erfüllt!)

Diese Lehre von der Gradualität, analog zur subsistit (verwirklicht) in der Lehre des Vat. II, hat doch tatsächlich Kardinal Schönborn vorgebracht. Nein, kein Witz! Demnach sind wir direkt bei der häretischen Lehre Luthers simul iustus et peccator, wonach jeder zugleich „ein Gerechter und ein Sünder“ ist, da graduell, nach Schönborn, in jeder Sünde die Erfüllung des Gebotes besteht. Dies ist natürlich ein blanker Unsinn, welcher den Satz vom Widerspruch hegelianisch auflöst. Denn entweder man ist ein Gerechter oder man ist ein Sünder, entweder man begeht Ehebruch oder man begeht ihn nicht. AL 295 verwirft auch die katholische Lehre vom Naturrecht, wonach die Grundgesezte Gottes, die in den 10 Geboten zusammengefasst sind, jedem Menschen in seine Natur eingeschrieben sind, sodass sie jeder erkennen kann.

AL 298: Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können«. [Anm. 329: Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden (kann).« Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und [. . . ] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war«. Etwas anderes ist jedoch eine neue Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung immer »angemessen zu unterscheiden« haben, mit einem »differenzierten Blick« für »unterschiedliche Situationen«. Wir wissen, dass es keine Patentrezepte« gibt.

Weil sich also „Geschiedene“, die es nach katholischer Lehre nicht gibt, da die Ehe unauflösbar ist, schwer tun mit dem Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“, weil sie ja ehebrechen, deswegen soll das Moralgesetz der Kirche samt dem 6. Gebot so verändert werden, dass sie es leichter haben, damit also die Sünder weiter schwer sündingen können in der Überzeugung, dass es keine Sünde sei, weil „sie es nicht so sehen“. Aber Sünde ist etwas Objektives, weil das Gesetz Gottes etwas Objektives ist, deswegen ist es gleich, wie man es persönlich findet. Natürlich gibt es Patentrezepte. Den anderen Ehebrecher verlassen, zum eigentlichen Ehemann oder Ehefrau zurückkehren, falls das nicht geht, allein bleiben und keusch leben und die Kinder, falls welche da sind, alleine erziehen. Ja, es ist hart, aber dies sind die Konsequenzen der Sünde und die Buße und Sühne dafür. Die Alternative lautet ewige Höllenqualen, denn Ehebruch und Leben im Ehebruch ist eine schwere Sünde.

AL 299: Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die darauf hinweisen wollten, dass »Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, [. . . ] auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen], wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. […] Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.«

Warum soll man schwere Sünder in die kirchliche Gemeinschaft integrieren? Damit man den Unterschied zwischen Sünde und Tugend vermischt. Die einen quälen sich in der ersten Ehe, weil sie Gott treu bleiben wollen, die anderen lassen sich scheiden, leben in einer neuen „Verbindung“, d.h. im Ehebruch und haben dasselbe. Oder? Sehr richtig sagt Ann Barnhardt, dass nichts einen Sünder so freut als das, dass seine Sünde von den Gerechten anerkannt wird. Und darum geht es hier: Verwischung des Unterschieds zwischen richtig und falsch, Ärgernis und spirituelle Verpestung der Kirchen, denn jeder Sünder strahlt eine Dunkelheit aus. 

AL 300: Und da »der Grad der Verantwortung [. . . ] nicht in allen Fällen gleich [ist]«, müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. [336: Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt.]

Wenn man das ernst nehmen würde, so würde es heißen, dass alle moderne Menschen dermaßen unzurechnungsfähig sind, dass sie keine gütlige Ehe eingehen können. Aber in anderen Bereichen: Arbeit, Finanzen, bürgerliche Pflichten oder Pfarrleben gilt diese Vorraussetzung nicht, da sind wir alle „mündige Menschen“.  Natürlich liegt dort Schuld vor, wo ein freier Wille vorliegt, sonst gäbe es überhaupt keine Sünde.

AL 301: Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben »im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht«, oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.

Natürlich leben alle in der Todsünde, die in der Todsünde leben. Deswegen wird auch in der nachkonziliaren Kirche nicht verkündet, damit die Menschen in den Sumpf hineinschlittern, und dies auch noch mit dem Segen ihres Pfarrers. Interessanterweise spüren diese Menschen selbst, dass mit ihnen irgendetwas nicht in Ordnung ist.  Ein Katholik, der kirchlich verheiratet ist, weiß doch, dass seine Ehe unauflöslich ist. Wenn er sich scheiden lässt und wieder heiratet, dass weiß er auch genau, dass er sündigt.

AL 303: Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.

Das Gewissen ist keine absolute Norm, denn es kann irren. Jeder Psychopath handelt seinem Gewissen konform. Dennoch ist es falsch. Und deswegen muss man sein Gewissen formen und nicht verformen. Die Gebote sind kein „objetives Ideal“, sondern etwas erfüllbares, sonst wäre Gott ungerecht uns etwas aufzulegen, was für uns unerfüllbar ist.

AL 304: Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: »Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt [. . . ] Im Bereich des Handelns [. . . ] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt [. . . ] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt.« Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.

Dieses Thomas-Zitat ist, wie noch dargelegt werden wird, wurde verfälscht, und es ist auch logisch ein Unsinn, dass etwas, was auf der übergeordneten Ebene richtig ist auf den untergeordneten Ebenen, die von der Ebene 1 abhängen, falsch wird. So müsste doch eine jede Ableitung einer Formel zu Fehlern führen, auch wenn man richtig vorgehen würde. Eine gültige Norm gilt immer.

AL 305: Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. [351: In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb »erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn«. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie »nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen« ist.].

Es gibt zwar mildernde Umstände, aber wer in Todsünde lebt, bleibt ohne Gnade. Wenn ich 180 statt 50 Kilometer fahre, habe ich objektiv die Geschwindigkeit überschritten, gleich welche Ausflüchte ich habe. Beichtstuhl ist eine Folterkammer für den Dämon und einen schweren Sünder, für normale Menschen ist es immer eine Befreiung.

AL 308: Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter, die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich »nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen«.

Unerbittliche Pastoral“ ist wirklich gut. Welche Möglichkeiten hat denn ein katholischer Priester:

Der Mensch lebt in einer schweren Sünde.

  1. Wenn er in diesem Zustand stirbt, kommt er in die Hölle.
  2. Ich bin wahrscheinlich der einzige, der ihn warnen kann.
  3. Es ist meine Standespflicht es zu tun.
  4. Wenn ich es nicht tue, werde ich dafür bestraft werden, für seine Seele, die in der Hölle aufgrund meines Versagens landet.
  5. Ich selbst komme auch in die Hölle.

So sieht die Situation nunmal aus. Wie möchte Franziskus ihr entgehen? Indem er durch AL die erste Prämisse in Frage stellt. Er lebt nicht in seiner schweren Sünde und er kommt auch nicht in die Hölle, die es nach Franzikus nicht gibt, er eine häretische Vernichtung der Seelen verkündet. Entweder hat also Bergoglio recht und das Alte Testament, das Neue Testament und die ganze Tradition der Kirche bis Bergoglio irren, samt allen heidnischen Religionen, die an ein Weiterleben der Seele nach dem Tode glauben oder er irrt. Wollen Sie es riskieren?

AL 311: Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören, diese Betrachtungen in sich aufzunehmen.

Natürlich nicht, wenn man die Überlegungen von AL in die Moraltheologie aufnimmt, bleibt von dieser nichts übrig, wie Professor Seifert richtigerweise darlegte

 

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