Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (14) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (6) Gebet der Einfachheit und die Eignung dazu

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Der heutige Eintrag soll im Zusammenhang mit dem vorigen gelesen werden, da er vom Gebet der Einfachheit handelt. Ja, den letzten Poulain-Eintrag gab es in Februar 2016, was uns tiefst beschämt, aber mit der Verpflichtung zum spirituellen Mittwoch wird auch Pater Poulain SJ öfters erscheinen.

Warum kommt er denn nicht öfter?

Weil er dermaßen viel Kommentar abverlangt, wozu der Schreiber dieser Zeilen nicht immer in der Lage ist. So kämpft er zum Beispiel bei der Niederschrift dieser Worte mit einer anfänglichen Infektion, er fühlt sich abgeschlagen und kann sich schlecht konzentrieren. Außerdem glauben wir, dass leider sehr wenige unserer Leser über ein derartig fortgeschrittenes Gebetsleben verfügen, dass Sie von Pater Poulain SJ profitieren könnten. So sind diese Beiträge recht arbeitsaufwendig und werden leider wenig gelesen. Aber wenn man die fortgeschrittenen Stadien des Gebetslebens überhaupt nicht darstellt, denn wo sollen Sie es sonst hören, dann wird sich niemand weiterentwickeln, weil er keine Anleitung dazu findet. Mit Gebet ist es wie mit Singen oder mit Sprechen. Wir tun schon vieles automatisch, können es nur nicht benennen oder es fehlt uns die richtige Technik es richtig zu machen.

Pater Poulain SJ bespricht die Eignung zum Gebet der Einfachheit.

Was ist denn das Gebet der Einfachheit?

Davon war schon hier die Rede (S. 12 -13). Es ist ein mit wenigen Worten oder Affekten behaftetes Erfassen einer Glaubenswahrheit, dem ein längerer Prozess des Betrachtens und des Erwägens vorausgeht. Ein Beispiel? Nehmen wir das Gebet:

Deus in adiutorium meum intende.

Gott, komm‘ mir zu Hilfe.

 

Wenn der Schreiber dieser Zeilen in diesem Moment diesen Vers rezitiert, kommt ihm das Bild eines Adlers, der auf den Windwogen fliegend seinem auch fliegenden Jungadler zu Hilfe kommt, indem er ihm buchstäblich unter die Flügel greift als  er unter ihn fliegt und auf diese Art und Weise den Jungadler auf seinen eigenen, väterlichen Flügeln trägt. Diese Idee ist biblisch und stammt aus Deut 32,11 aus dem Canticum des Moses.

Wie kommt man aber dazu diese Bilder  bei einem solch einfachen Vers zu sehen?

Indem man früher viel Betrachtung geübt hat, also willentlich und seiner Vorstellungskraft die Glaubensbeheimnisse wie: die göttlichen Vorsehung, die göttliche Hilfe, das Verhältnis zwischen Mensch und Gott, Gnade (ihr theologischer Eigenname lautet adiutorium – „Hilfe“) und den Sinnbild des Adlers erwägt hat. Denn das Gebet der Einfachheit setzt meistens ein längeres, betrachtendes Gebet voraus, in welchem wir jeden Vers erwägen, ihn uns vorzustellen versuchen ihn schlichtweg betrachten.  Hat man das getan, so trägt man mit der Zeit die Früchte in der Form des Gebets der Einfachheit.

Aber Pater Poulain SJ sagt richtigerweise, dass es Menschen gibt, die gleich in das Gebet der Einfachheit kommen, weil sie so einfach sind, dass sie wenig zu vereinfachen haben. Sie wissen selbst, dass sie sehr einfach über etwas sprechen können, wovon sie kaum etwas wissen. Es fällt ihnen aber schwer etwas darzustellen, wovon Sie sehr viel Ahnung haben. Genauso ist es beim Gebet. Menschen, die den Fehler machen, wie der Schreiber dieser Zeilen in seiner Studienzeit, die Betrachtung mit einem Bibel- oder Theologiestudium zu verwechseln, weil man ja wissen wollte, wie z.B. die Kirchenväter den Adler deuteten, diese Menschen kommen sehr langsam zum Gebet der Einfachheit, weil sie zu lange und zu intellektuell betrachten. Und deswegen schreibt die benedikitinischen Regel, die beste von allen, wie wir meinen: sowohl oratio – das Gebet – als auch lectio – also die geistliche Lesung oder das Studium vor. Denn Wissensaneignung, was auch sein muss, ist etwas anderes als das betrachtende Gebet oder überhaupt ein Gebet. Beim Gebet treffen wir uns mit Gott und bitten ihn, z.B. beim betrachtenden Gebet, uns seine Geheimnisse, die in dieser Stelle verborgen sind, zu offenbaren. Nehmen wir doch den ersten Vers des Evangeliums vom ersten Adventsonntag im Alten Ritus (Lk 21, 25):

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.

Versuchen Sie sich die Sonne, den Mond und die Sterne vorzustellen und welche Zeichen damit gemeint sein können. Denken Sie an all die Unheilsprophezeiungen: La Salette, Fatima und Akita. Denken Sie darüber, was die Medien berichten. Diese Übung sollte mindestens 15 Minuten dauern, wenn man sie richtig ausübt. Das ist Betrachtung, welche die Grundlage unter das nachfolgende Gebet der Einfachheit legt. Denn später werden Sie an dieser Stelle vielleicht nur an Christus den Pantokrator, den Weltherrscher, denken, der kommen wird diese Erde zu richten.

Pater Poulain SJ ist recht zuversichtlich, indem er sehr viele Gruppen angibt, die schnell an das Gebet der Einfachheit kommen, wie z.B.

„Ordensleute, die ihr Offzium auf Lateinisch beten ohne es zu verstehen“ (S. 31)

welche den Vorteil haben, dass sie sich in keine Analysen verzetteln können, weil sie die Texte nicht verstehen oder nur ein paar Worte davon. Ja, das Alte Brevier macht es einfach.

 

 

 

 

 

 

Pater Poulain Poulain PDF, I Kap. I.2.2, 21-32

 

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