Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage 1 – 2. Adventssonntag

Evangelium des zweiten Adventssonntags

Mt 11, 2 – 10

Als Johannes im Kerker vom Wirken Christi hörte, entsandte er [zwei] von seinen Jüngern und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir einen andern erwarten?“ Jesus antwortete ihnen: „Geht hin und kündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündigt. Wohl dem, der keinen Anstoß an mir nimmt!“

Als jene weggingen, sprach Jesus zu den Volksscharen über Johannes: „Wozu seid ihr in die Wüste hinausgezogen? Ein Schilfrohr zu sehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder wozu seid ihr hinausgezogen? Einen Mann in weichlichen Kleidern zu sehen? Nein. Leute, die weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige. Wozu seid ihr also hinausgezogen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten. Er ist es, von dem geschrieben steht:

Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, auf dass er deinen Weg vor dir bereite.

Predigtext des Kirchenvaters, Auslegung vom heiligen Papst Gregor.
Hom. 6 zu den Evangelien, nach dem Anfang

Nachdem man so viele und so große Zeichen der Macht geschaut hatte, hätte man doch vom Anstoß frei bleiben können und eher in Staunen geraten sollen. Aber der Sinn der Ungläubigen hat darin an ihm einen schwerwiegenden Anstoß genommen, da er ihn nach so vielen Wundern sterben sah. Darum sagt auch Paulus 1 Kor 1,23: „Wir jedoch predigen Christus, den Gekreuzigten, für die Juden ein Anstoß, für die Heiden eine Torheit.“ Töricht ist es nämlich den Menschen vorgekommen, dass für die Menschen der Urheber des Lebens gestorben ist; und der Mensch hat gegen ihn an der Tatsache Anstoß genommen, auf Grund derer er ihm sich mehr hätte verpflichtet fühlen sollen. Denn umso ehrfurchtsvoller muss Gott von den Menschen gefeiert werden, je mehr er seiner Unwürdiges für die Menschen auf sich genommen hat.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Da nun, o Herr! die katholische Kirche in Erinnerung deiner ersten Ankunft auf Erden uns hinweist auf jene, durch welche Du in deiner Gnade bußfertige Seelen besuchest, so bitten wir Dich: reinige unsere Herzen von allen Sünden, damit wir Dir treu dienen! Gieb uns Gnade, daß wir uns nicht wie ein schwaches Rohr von falscher Lehre und Irrthümern, von Begierden und Erdensorgen hin- und hertreiben lassen, sondern an der anerkannten Wahrheit festhalten, damit wir Dich mit deiner Gnade in unsere Seelen empfangen und nimmermehr von Dir geschieden werden. Amen. —

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