Sex, Verhütung, Vat. II und malum intrinsecum (2 von 3)

Heilige_Familie2

Nachkonziliarismus und Sex

Im Nachkonziliarismus wird aber deswegen das Sexuelle dermaßen hoch gehalten, insbesondere durch die unglücksselige Theologie des Leibes von Johannes Paul II, damit niemand zur Erkenntnis des Geistigen kommt, damit niemand sehend wird. Der Psalm sagt: In lumine tuo videbimus lumen – „In Deinem Licht werden wir das Licht sehen“ (Ps 35, 10), denn wie beim natürlichen Sehprozess durch die Lichtreize die Sinneszellen der Retina aktiviert werden, so wird unser geistliches Sehvermögen durch die Gnade Gottes aktiviert, wenn, aufgepasst, unser Seelenauge durch nichts verdreckt, vereitert oder verdeckt wird. Wodurch wird es verdeckt? Durch die irdischen Leidenschaften, am meisten aber durch das geschlechtliche Begehren und deren Verwirklichung. Hier nochmals auf den Punkt gebracht:

Sie werden niemals zu einem höheren Grad der Gotteserkenntnis kommen, wenn Sie noch sexuell, wie auch immer, aktiv sind. Punkt.

Lassen wir dazu Clemens von Alexandrien (gest. 215) sprechen:

Denn wie sich die von der Erde und von Sümpfen aufsteigenden Dünste zu Nebeln und zu wolkenartigen Zusammenballungen verdichten, so erzeugen die Ausströmungen der fleischlichen Begierden in der Seele ein Übelbefinden, indem sie Trugbilder der Lust vor der Seele ausbreiten.

Sie sind also dem Licht der Vernunft im Wege und verdunkeln es, da die Seele die aus den Begierden emporsteigenden Ausdünstungen an sich zieht und die Zusammenballungen der Leidenschaften durch die ununterbrochene Folge von Lüsten verdichtet.

 Man kann aber keinen reinen Klumpen Goldes von der Erde aufheben, sondern das, was man aufhebt, wird durch Auskochen gereinigt und durchgeseiht; dann, wenn es rein geworden ist, heißt es Gold, gereinigte Erde.1 Denn „Bittet, denn es wird euch gegeben werden“2 wird zu denen gesagt, die aus eigener Kraft das Schönste wählen können. (Stromata II, 115,3-116,2)

Weil also der Neokonservatismus, unter der Standarte der Theologie des Leibes von JP2, den Menschen keinen reinen Wein bezüglich der göttlichen Wirklichkeit einschenkt, so kann er niemanden bekehren. Es ist ein Katholizismus light, von dem DSDZ lange annahm, dass es ihn gibt, dass er gut sei, dass er für ihn selbst machbar sei. Dies stimmt aber nicht, denn nur eine kleine Abweichung von der richtigen Umlaufbahn bringt in einiger Zeit eine große Abweichung, was die NASA – und nicht nur sie – bestätigen kann, welche durch minimale Berechnungsfehler manch einen Satelliten verloren hat. Wie wir bereits schrieben fand der „Berechnungsfehler“, der kein Fehler, sondern die volle Absicht war, in Gaudium et Spes 48 und 49 statt, Stichwort: Gleichstellung des ersten (Kinder) und zweiten (gegenseitige Hilfe) Ehezweckes statt. In dem Konzilsdokument lesen wir:

Dieses heilige Band unterliegt im Hinblick auf (1) das Wohl der Gatten und (2) der Nachkommenschaft sowie auf das Wohl der Gesellschaft nicht mehr menschlicher Willkür.[…]

Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institution der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung.  (Gaudium et Spes 48)

Die Nummerierung und Unterstreichung stammt zwar von uns, aber die kommt doch nicht von ungefähr. Zuerst ist das Wohl der Gatten (bonum conjugum), danach erst das Wohl der Nachkommenschaft (bonum prolis) genannt. Die eheliche Liebe, also der eheliche Sex, ist nur auf die Zeugung hingeordnet und „hingeordnet“ kann vieles bedeuten, wie wir bereits im Kontext der Umkehrung der Ehegüter  geschrieben haben.

Diese [menschlich-sexuelle] Liebe wird durch den eigentlichen Vollzug der Ehe in besonderer Weise ausgedrückt und verwirklicht. Jene Akte also, durch die die Eheleute innigst und lauter eins werden, sind von sittlicher Würde; sie bringen, wenn sie human vollzogen werden, jenes gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck und vertiefen es, durch das sich die Gatten gegenseitig in Freude und Dankbarkeit reich machen.  (Gaudium et Spes 49)

Was macht die Ehe aus? Nach GS 49 – Sex und nicht die Zustimmung (consensus), wie in der traditionellen Ehelehre, denn durch den ersteren wird das „gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck“ gebracht. Aber man kann sich doch niemandem übereignen? Man ist doch kein Ding, das dem anderen überschrieben wird. Und schon gar nicht durch Sex!  Wie soll das gehen?

Leider wird durch Johannes Paul II. im neuen Kirchenrecht, Codex iuris canonici (1983) die Umkehrung des ersten und zweiten Ehezweckes im Canon 1055 § 1 festgelegt, welcher lautet:

Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf (1) das Wohl der Ehegatten und (2) auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.“ (Can. 1055 § 1)

Und was ist das Wohl der Ehegatten nach JP2? Sex, je mehr desto besser. Und die Nachkommen, die sind zweitrangig, denn in der Ehe geht es um „eheliche Liebe“, welche JP2 in seiner Theologie des Leibes in höchsten Tönen preist. (Woher kann er es eigentlich wissen?) Interessanter- und paradoxerweise wurde Katholizismus durch JP2 auf die „Familie“ reduziert. Aber bei den oben vorangestellten Prämissen ist diese Familie sehr klein, mit ein bis zwei Kindern, weil man natürlich verhütet, was keine Sünde ist. Das letzte katholische Dogma, das in der nachkonziliaren Kirche geblieben ist, lautet:

„Nicht künstlich zur verhüten und keine Abtreibung vorzunehmen, falls es mit der natürlichen Verhütung doch nicht klappte“.

Hilary White bringt es richtig auf den Punkt:

[L]angsam wurde der Boden, auf dem diese “Neokatholiken” standen, abgetragen, bis die einzige Metrik als Kennzeichen ihres Katholizismus, die ihnen blieb, die Lehre der Kirche zur Sexualmoral war. Solange der Papst fortfahre, diese zu verteidigen und hochzuhalten, so erzählte ihnen ihr Narrativ, sei es gleichgültig, wie viele Korane er küsse. All dieses Zeug sei verhandelbar. Sex, Ehe und Kinder ist der letzte, größte gemeinsame Nenner, der nicht unterschritten werden darf – die Grundlinie des Katholizismus.  Es sei denn, dass diese Grundlinie des gemeinsamen Nenners in Kreide auf dem falschen Boden gezeichnet wurde. Und Franziskus begonnen hat, sie auszuradieren. Die Position des “konservativen Katholiken” war in dieser Demarkationslinie sicher – zumindest bis Amoris Laetitia.

 

Ironischerweise hat vielleicht gerade das Festmachen katholischer Rechtgläubigkeit ausschließlich an der Lehre der Kirche zur Sexualmoral dazu geführt, dass sie [d.h. die Neokonservativen] exakt die Linie der Mainstream-Medien genommen haben: Der katholische Glaube kümmert sich nur um die Unterrockgeschichten [d.h. das Sexuelle] (pelvic issues). Weder ein katholischer Neokonservativer noch der Herausgeber der New York Times, der für die religiösen Seiten verantwortlich ist, hat je etwas vom Sozialen Königtum Christi gehört. 

Und dieses letzte katholische Dogma, der Nichtverhütung und der Nichtabtreibung, fällt jetzt auch noch. Der Mailänder Moraltheologe und Priester Maurizio Chiodi, ein von Franziskus neuernanntes Mitglied der päpstlichen Akademie für das Leben, sagt nämlich:

„Künstliche Methoden der Geburtenkontrolle können als verantwortungsvolle Handlung anerkannt werden, wenn natürliche Methoden unmöglich oder unanwendbar sind.“

Diese Ansichten, die bislang, wie Professor Seifert richtig darstellt, als häretisch galten, sind natürlich mindestens seit Humanae vitae im deutschen Sprachraum in der akademischen Welt zu finden und sie werden von den hiesigen Moraltheologen mehr oder weniger offen gelehrt. Aber dass ein Mitglied der Akademie für das Leben, das „das Leben“ seit JP2 den Katholizismus ausmacht, so etwas offiziell von sich gibt, ist doch ein starkes Stück Häresie. Was wird jetzt alles freigegeben?

  • Kommunion für Ehebrecher,
  • Ehebruch
  • Konkubinat
  • Pille
  • Abtreibung
  • Euthanasie
  • Homosexualität,
  • Homoehe, siehe Bischof Bode
  • Pädophilie
  • ???

Und die armen Neukonservativen, die Johannes Paul II–Treuen, sehen wie ihr Glaube davon schwimmt, wie dem sprichwörtlichen Lohngerber die Felle. Denn alles, d.h. „das Leben“, wofür sie die letzten 50 Jahre die Lanze brachen, ist jetzt irrelevant geworden, nicht mehr zeitgemäß, dank papa Bergoglio. Diese armen Menschen haben opfervoll die natürliche Verhütung angewandt, welche in der vorkonziliaren Lehre höchstens als kleineres Übel zugelassen wurde. Die lehramtlichen Entscheidungen darüber sind in DH (Denzinger – Hünermann) 3148, 3748 i 4478 zu finden. Die erste Lehrentscheidung lautet wie folgt:

Antwort der Hl. Pönitentiarie, 16. Juni 1880

Frage: Ist es erlaubt, die Ehe nur an jenen Tagen zu vollziehen, an denen eine Empfängnis schwieriger ist?

Antwort: Eheleute, die die vorgenannte Weise anwenden, sollen nicht beunruhigt werden, und der Beichtvater kann die Auffassung, um die es sich handelt, jenen Eheleuten – jedoch vorsichtig! – andeuten, die auf eine andere Weise vom abscheulichen Frevel des Onanismus wegzuführen er vergeblich versucht hat. (DH 3148)

Ein Beichtvater fragt also, was er in einem Falle zu tun habe, wenn die Eheleute den „ehelichen Onanismus“ praktizieren, womit wohl der Coitus interruptus oder andere Weisen der Empfängnisverhütung gemeint sind. Die Hl. Pönitentiarie gibt an, dass der Priester diesen Ausweg andeuten könne. Aber doch nicht als ständige Methode. Diese Lehre wird in DH 3748 wiederholt, aber erst Pius XI. sagt in Castii connubii (1930) (Kapitel II, 3) folgendes deutlich:

Aber treten Wir nunmehr, Ehrwürdige Brüder, an die Einzelheiten heran, mit denen man gegen die Güter der Ehe angeht. Das erste dieser Güter ist das Kind. Viele gehen so weit, die Nachkommenschaft eine beschwerliche Ehelast zu nennen und den Rat zu geben, die Eheleute sollten das Kind nicht durch ehrbare Enthaltsamkeit (die mit beiderseitigem Einverständnis auch in der Ehe erlaubt ist), sondern durch Verkehrung des natürlichen Aktes fernhalten. Solche verbrecherische Freiheit nehmen einige für sich in Anspruch, weil sie aus Widerwillen gegen den Kindersegen die Last vermeiden, aber trotzdem die Lust genießen wollen; andere, weil sie angeblich keine Enthaltsamkeit beobachten, aber auch nicht den Kindersegen zulassen können, da es ihre persönlichen Verhältnisse oder die der Mutter oder die schwierige Vermögenslage nicht gestatten.

Aber es gibt keinen auch noch so schwerwiegenden Grund, der etwas innerlich Naturwidriges zu etwas Naturgemäßem und sittlich Gutem machen könnte. Da nun aber der eheliche Akt seiner Natur nach zur Weckung neuen Lebens bestimmt ist, so handeln jene, die ihn bei seinem Vollzug absichtlich seiner natürlichen Kraft berauben, naturwidrig und tun etwas Schimpfliches und innerlich Unsittliches.

[…] Es ist darum auch nicht zu verwundern, daß die Hl. Schrift bezeugt, die göttliche Majestät hasse und verabscheue solch verwerfliches Tun, ja habe es sogar schon mit dem Tode bestraft. Darauf macht auch der hl. Augustinus aufmerksam, wenn er schreibt: „Unerlaubt und unsittlich ist der eheliche Verkehr selbst mit der rechtmäßigen Gattin, wenn dabei die Weckung neuen Lebens verhütet wird. Das hat Onan, des Judas Sohn, getan, und darum hat ihn Gott getötet.“[48]

[…] Jeder Gebrauch der Ehe, bei dessen Vollzug der Akt durch die Willkür der Menschen seiner natürlichen Kraft zur Weckung neuen Lebens beraubt wird, verstößt gegen das Gesetz Gottes und der Natur, und die solches tun, beflecken ihr Gewissen mit schwerer Schuld.

Kraft Unserer höchsten Autorität und wegen der Uns obliegenden Sorge um das Heil aller Menschen ermahnen wir daher die Beichtväter und die übrigen Seelsorger, die ihnen anvertrauten Gläubigen über dieses schwer verpflichtende göttliche Gesetz nicht im Irrtum zu lassen, noch mehr aber, sich selber von derartigen falschen Meinungen freizuhalten und ihnen nicht aus Schwäche nachzugeben. Sollte aber ein Beichtvater oder Seelenhirte, was Gott verhüte, selber die ihm anvertrauten Gläubigen in solche Irrtümer führen oder durch seine Zustimmung oder durch böswilliges Schweigen sie darin bestärken, so möge er wissen, daß er dereinst Gott, dem höchsten Richter, ernste Rechenschaft über den Mißbrauch seines Amtes wird ablegen müssen. Er möge sich das Wort Christi gesagt sein lassen: „Blinde sind sie und Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.“[49]

Was nun die Gründe betrifft, mit denen man den Ehemißbrauch verteidigt, so werden – um von den unsittlichen ganz zu schweigen – nicht selten erdichtete oder doch übertriebene vorgebracht. […]

Die heilige Kirche weiß ferner sehr gut, daß nicht selten der eine Eheteil das sündige Tun nur leidet, nicht vollbringt, indem er aus gewichtigen Gründen die Verkehrung der rechten Ordnung geschehen läßt, ohne sie selber zu wollen, und daß er darum keine Schuld auf sich lädt, wofern er nur des Gebotes der Liebe eingedenk bleibt und es nicht unterläßt, dem Ehegefährten von der Sünde abzuraten und ihn davon zurückzuhalten. Auch jene Eheleute handeln nicht wider die Natur, die in ganz natürlicher Weise von ihrem Recht Gebrauch machen, obwohl aus ihrem Tun infolge natürlicher Umstände, seien es bestimmte Zeiten oder gewisse Mängel der Anlage, neues Leben nicht entstehen kann. Denn es gibt in der Ehe selbst wie in dem Gebrauch des Eherechts auch Zwecke zweiter Ordnung: die wechselseitige Hilfe, die Betätigung der ehelichen Liebe und die Regelung des natürlichen Verlangens, Zwecke, die anzustreben den Ehegatten keineswegs untersagt ist, vorausgesetzt, daß die Natur des Aktes und damit seine Unterordnung unter das Hauptziel nicht angetastet wird.

Tief erschüttern Uns auch die Klagen der Eheleute, die unter dem Druck bitterer Armut kaum wissen, wie sie ihre Kinder aufziehen sollen.

Aber trotzdem muß man sich davor hüten, daß die verhängnisvolle Vermögenslage Anlaß zu einem noch verhängnisvolleren Irrtum wird. Es kann keine Schwierigkeiten geben, die die Verpflichtung des göttlichen Gebotes, Handlungen zu unterlassen, die ihrer inneren Natur nach sündhaft sind, aufzuheben vermöchten. Es sind keine Verhältnisse denkbar, unter denen die Gatten nicht mit Hilfe der göttlichen Gnade ihrer Pflicht treu bleiben und die eheliche Keuschheit von jener entehrenden Makel rein bewahren könnten. Denn fest bleibt die Wahrheit des christlichen Glaubens, die das Trienter Konzil in seiner Lehrentscheidung also ausgedrückt hat: „Niemand darf sich des verwegenen und von den Vätern unter der Strafe des Bannes verbotenen Wortes bedienen: die Gebote Gottes zu beobachten, sei dem Gerechtfertigten unmöglich. Denn Gott befiehlt nichts Unmögliches; indem er befiehlt, mahnt er zu tun, was du tun kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und er hilft, daß du kannst.“[51] Die gleiche Lehre wurde von der Kirche wiederholt und feierlich bestätigt gelegentlich der Verurteilung der jansenistischen Irrlehre, die sich gegen Gottes Güte den blasphemischen Satz aufzustellen erdreistet hatte: „Einige Gebote Gottes sind den Gerechten, auch denen, die ernstlich wollen und versuchen, mit den Kräften, die sie gegenwärtig haben, unmöglich; es fehlt ihnen auch die Gnade, durch die sie ihnen möglich würden.“[52]

Was bedeutet das im Klartext? Dass Sie in der Ehe auch an unfruchtbaren Tage Sex haben dürfen, denn in der Ehe dürfen Sie Sex haben, aber nicht als Methode der Verhütung, denn jegliche bewusste Verhütung ist ein intrinsecum malum, als „ihrer inneren Natur nach sündhaft“. Und leider stellt die Enzyklika Humanae Vitae einen Traditionsbruch dar, indem sie behauptet:

Die Kirche bleibt sich und ihrer Lehre treu, sowohl wenn sie urteilt, daß es Gatten erlaubt ist, die (1) Zeiten zu berücksichtigen, die von Empfängnis frei sind, als auch wenn sie den (2) Gebrauch solcher Mittel als stets unerlaubt mißbilligt, die eine Empfängnis direkt verhindern, auch wenn für diese andere Handlungsweise immer wieder Argumente angeführt werden, die ehrbar und schwerwiegend zu sein scheinen. Diese beiden Fälle unterscheiden sich nämlich völlig voneinander: im ersten bedienen sich die Gatten rechtmäßig einer ihnen von der Natur gegebenen  Möglichkeit; im zweiten aber verhindern sie, daß der Zeugungsvorgang seinen natürlichen Verlauf nimmt. (DH 4478)

Aber die Kirche bleibt eben nicht „sich und ihrer Lehre treu“, denn sie hat den ehelichen Verkehr an unfruchtbaren Tagen höchstens als Notlösung zugelassen, nicht aber, siehe Castii connubii, als Methode! Dier „erlaubte Geburtenregelung“, wie es Humanae vitae nennt, ist also unkatholisch, denn es ist ja Verhütung. Humanae vitae gibt Gründe an, welche in Castii connubii verworfen wurden:

  1. … Wenn es also triftige Gründe gibt, für Abstände zwischen den aufeinanderfolgenden Zeugungen zu sorgen – Gründe, die sich aus der körperlichen oder seelischen Verfassung der Gatten oder aus äußeren Umständen ergeben –, so lehrt die Kirche, daß es dann den Gatten erlaubt ist, dem natürlichen Zyklus, der den Anlagen zur Zeugung innewohnt, zu folgen, indem sie lediglich zu den Zeiten ehelichen Verkehr haben, die von Empfängnis frei sind, und damit die Geburt der Nachkommenschaft so zu planen, daß die Sittenlehre, die wir eben dargestellt haben, keineswegs verletzt wird1. (DH 4477)

Hier steht wirklich Enzyklika Castii connubii gegen Enzyklika Humanae vitae, Papst Pius XI. gegen Papst Paul VI., ordentliches Lehramt gegen ordentliches Lehramt. Wie ist das zu entscheiden? Anhand der inneren Konsistenz und fehlendem Widerspruch und anhand der Folgen.

Wenn der eheliche Akt, also Geschlechtsverkehr innerhalb der Ehe, der Fortpflanzung dient und der erste Ehezweck die Kinder sind, dann ist jeder eheliche Akt innerlich verkehrt, der die Fortpflanzung bewusst ausschließt und das tut man, wenn man ausschließlich an den unfruchtbaren Tage Sex hat,  weil dieser Verkehr sein eigentliches Ziel, die Zeugung, ausschließt. Die Intention der Verhütung macht also die Sünde aus, nicht das Zusammenleben an unfruchtbaren Tagen. Verhütet man, auch natürlich, so hat man Angst vor der Fruchtbarkeit, Angst vor dem Kind und sündigt zusätzlich noch schwer. Dabei ist die sog. natürliche Verhütung auch biologisch gesehen unnatürlich, weil man da recht selten Sex haben kann und zweitens die Frauen an ihren unfruchtbaren Tagen keine Lust aus Sex haben, wenn sie die Pille nehmen übrigens auch nicht. Die natürliche Methode macht die ehelichen Akte selten und wenig zufriedenstellend. Eine unserer polnische Leserinnen legte klar dar, dass bei der natürlichen Methode bei großer Selbstdisziplin einmal bis zweimal Sex im Monat möglich sind, während die vorkonziliaren Moraltheologen für bis dreimal pro Woche Sex die Erlaubnis gaben.[1] Diese seltene Aussicht auf etwas, was in der Ehe probat ist, führt die Eheleute in die zusätzliche Sünde der nicht mehr natürlichen Verhütung oder der Masturbation, weil man gezwungenermaßen eine halbe Josephsehe führt, die niemand wollte. Stellt man das Nachkonziliare mit dem Vorkonziliaren zusammen, so hat man beim ersteren einmal bis zweimal pro Monat Sex, beim letzteren hingegen achtmal bis zwölfmal pro Monat.

„Da kann aber ein Kind gezeugt werden“,

wird jemand einwenden,

„Ja“, antworten wir, „dazu ist Sex ja da“.

Über die Perspektive von 14 bis 16 Kindern, die man trotz Kindergeld nicht zu ernähren weiß, braucht man sich dennoch keine Sorgen zu machen, denn dies kommt selten vor. Wenige Menschen wissen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung am fruchtbarsten Tag des Zyklus nur bei 25% liegt und mit dem Alter abnimmt. Schauen wir uns die Statistik der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit an:

7 Tage vor dem Eisprung 0,3%

6 Tage vor dem Eisprung 1,4%

5 Tage vor dem Eisprung 2,7%

4 Tage vor dem Eisprung 6,8%

3 Tage vor dem Eisprung 17,6%

2 Tage vor dem Eisprung 23,7%

1 Tag vor dem Eisprung 25,5%

Am Tag des Eisprungs  21,2%

Es ist doch wirklich ein Wunder, dass Kinder überhaupt gezeugt werden, obwohl ein regelmäßiger ehelicher Verkehr die Wahrscheinlichkeit natürlich erhöht. Gibt man dem Kind noch die Brust, bis das Kind und nicht die Mutter es nicht mehr will, dann kann die Zeitspanne zwischen zwei Geburten bis zu drei Jahren verlängert werden, während man in dieser ganzen Zeit des Brustgebens natürlich Sex haben kann.[2] Ist das nicht Verhütung? Nein, das ist Natur: Sex haben, Kinder gebären, die Brust geben. Viele Menschen wissen das nicht, denn man wird ja seit den Kindesbeinen darauf getrimmt (1) zu verhüten, (2) zu verhüten und (3) zu verhüten (the malthusian drill in 1984 bei Orwell), was die Kirche seit Humanae vitae leider auch mitmacht. Warum brauchen wir jetzt die „Flüchtlinge“? Darum, aufgrund der Unterbevölkerung, die in den letzten 50 Jahren produziert wurde, indem keine Kinder gezeugt wurden. Ist es nicht besser Gott den Zeitpunkt der Zeugung zu überlassen, wie es die Traditionalisten tun? Erfüllen Sie also ihre ehelichen Pflichten ohne auf den Kalender zu schauen und ohne Stress und wenn ein Kind dabei herauskommt, dann umso besser. Man kann es dem wahren Glauben zuführen.

[1] Peeters, Hermes O.F.M., Manuale theologiae moralis, Vol. II, Pars Specialis, Roma 1962, 270-271

[2] http://www.llli.org/nb/nbsepoct08p4.html https://dev.llli.org/ https://www.babycenter.com/0_lactational-amenorrhea-method-lam_1477017.bc

 

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