Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (5 von 5)

Crucifixus jansen

Wie groß ist denn die Zahl der Prädestinierten?

Das weiß nur Gott, aber es gibt dazu drei theologische Lösungsvorschläge:[1]

  1. Die Mehrzahl der Väter und der Theologen ist der Meinung, dass die Lücke, die durch den Fall der bösen Geister entstanden ist, mit Menschen ausgefüllt sein wird, sodass die Anzahl der zu Seligkeit prädestinierten Menschen mindestens so groß sei wie die der gefallenen Engel (Augustinus, Enchir, 62; Gregor d. Gr., Moral XXXI, 49, 99; Bernhard, De adv. Domini sermo 1, 5).
  2. Andere meinen die Zahl der seligen Menschen werde mit der der seligen Engel übereistimmen.
  3. Andere vermuten, es würden so viele Menschen selig, wie Engel gefallen seien und dazu noch so viele, wie Engel erschaffen worden sind.

Wir halten 1. für die wahrscheinlichste Lösung, weil die Anzahl der Engel die Anzahl der Menschen wohl übersteigt.

Ist die Anzahl der Prädestinierten größer als der Reprobierten?

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema der nachfolgenden Predigt. Obwohl das auch nur Gott wissen kann, so glauben wir, dass leider die Anzahl der Reprobierten, insbesondere in unseren Tagen, viel größer als die Zahl der Prädestinierten sei. Hl. Thomas von Aquin (Summ. Theol. I, q. 23 a. 7 ad 3) sieht es genauso:

III. Das Gute, was im Verhältnisse steht zum gewöhnlichen Zustande der Natur, existiert immer in der Mehrzahl der einzelnen Exemplare und mangelt nur in einer geringen Minderzahl. Das Gute, was aber den gewöhnlichen Zustand der Natur überschreitet, ist immer in der Minderzahl der Exemplare und die Mehrzahl ermangelt dessen. So ist es immer die große Mehrzahl der Menschen, die da genügendes Wissen haben, um unter den gewöhnlichen Verhältnissen ihre Lebenstätigkeit zu leiten; und eine geringe Zahl ist es, welche dieses Wissens entbehrt und die deshalb als einfältig oder närrisch bezeichnet wird. Sehr wenige aber im Vergleiche zu den anderen gibt es, die eine tiefe, die gewöhnliche Natur überragende Kenntnis der Dinge besitzen. Da also die ewige Seligkeit das Maß der menschlichen Natur durchaus überschreitet und zumal noch in Anbetracht der Tiefe des Falles und der durch die Erbsünde verursachten Verderbnis, sind es wenigere, die gerettet werden. Und darin erscheint in besonders hohem Grade die Barmherzigkeit Gottes, daß Er einige zu jenem Heile aufrichtet, von dem die meisten abfallen gemäß dem gewöhnlichen Laufe und der natürlichen Neigung der Natur.

Was will hl. Thomas damit sagen?

Dass sich wirklich nur wenige bemühen auch im Natürlichen zu einer Exzellenz zu kommen, weil es anstrengend ist. Die meisten Menschen sind selbstzufrieden und faul und nach Gauss und seiner Normalverteilung sind nur 2% in irgendetwas herausragend. Wenn es aber im Natürlichen so ist, wie viel mehr dann im Übernatürlichen, das unsichtbar, transzendent und unsicher ist. Unsere Natur, ihr Fall, die Welt und der Teufel stehen uns entgegen. Christus sagt es selbst:

Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt. (Mt 22,14)

Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. (Mt 7,13)

Ferner lesen wir im Neuen Testament:

Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden? (1 P 4, 18)

 

Müht euch mit Furcht und Zittern um euer Heil! (Phil 2, 12)

St. Paulus fragte sich auch, ob er, der so viele rettet, selbst gerettet wird:

Vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde. (1 Kor 9, 27)

Wenn Sie geistlich fortschreiten werden, wird ihre Gottesfurcht ebenfalls wachsen, weil Sie immer mehr wahrnehmen werden, wie heilig doch Gott ist und wie schmutzig Sie selbst in diesem Lichte erscheinen. DSDZ glaubt, dass wenn er in diesem Moment sterben sollte (er war vor zwei Tagen beichten und ist im Gnadenstand), er doch ins Fegefeuer kommen würde. Sonst wäre der Verlauf seiner Lebensgeschichte, die noch nicht zu Ende ist, völlig sinnlos. Dennoch hat er aber Angst vor der Verwerfung und dem Höllenfeuer, denn Gott stellt an jeden andere Ansprüche, deswegen ist es sinnlos sich mit anderen zu vergleichen.

Wenn wir uns aber die Situation in Januar 2018 anschauen, mit Papst Franziskus, Kommunion für Ehebrecher, schweigenden Bischöfen, dem fast völligen Glaubensabfall, so können wir doch kaum annehmen, dass die Mehrheit unserer Zeitgenossen prädestiniert sei. Wie wenige Menschen kümmern sich überhaupt um Gott? Bei wie wenigen ist er tatsächlich an erster Stelle. Wie viele von Gott erwählte Menschen, im Priester- oder Ordensstand, leben entgegen ihrer Berufung. Gott lässt doch seiner nicht spotten. Wie wenige Katholiken bemühen sich mit Seeleneifer um die Bekehrung anderer und um ihr eigenes Seelenheil. Am 15.01.2018 haben nur 7 Bischöfe von 5237, also lediglich 0,1% aller Bischöfe das Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe und somit die Kritik an Antipapst Franziskus unterschrieben. Und das sind die Wächter der Orthodoxie und Seelenhirten? Die haben doch einen anderen Umrechnungsfaktor bei Gott, weil durch sie so viele Menschen in die Hölle gehen. Und Sie glauben, dass die Mehrheit wirklich prädestiniert ist? Freut uns die große Anzahl der Reprobierten? Nein, aber es ist irgendwie beruhigend, dass in manchen Fällen wirklich nichts zu machen ist (weil man sich augenscheinlich umsonst bemüht und daher ein schlechtes Gewissen hat) und man sich selbst in guter Verfassung halten sollte.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, 226

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2 Einträge zu „Die kleine Anzahl der Geretteten oder was ist wahrscheinlicher? (5 von 5)

  • Lukas 13:

    22 Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.

    23 Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:

    24 Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.

    Ich finde, damit ist die Frage beantwortet. Nähere Details in Lukas 14;

    25 Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:

    26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.

    27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.

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