Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (2 von 10)

Warum sind all diese unten genannten Heiligen und Theologen so streng?,

könnte man fragen. Weil sie Bescheid wissen. Weil sie durch ihre eigene Heiligkeit und Gelehrtheit dermaßen nahe an der objektiven Wirklichkeit sind, dass sie wissen, wer Gott ist und was er will. Ja, Heiligkeit ist auch ein Wachstum an Erkenntnis. Es gibt ja zuerst den Weg (1) der Reinigung, dann (2) der Erleuchtung und (3) der Vereinigung. Die Tugend der Gottesfurcht, die aller Weisheit Anfang ist (Ps 111,10), ist diejenige Tugend, die im Laufe des ganzen spirituellen Weges wächst. Sie fürchten sich nicht weniger vor Gott. Sie fürchten sich mehr, weil in der Perspektive des göttlichen Lichtes jedes Staubkörnchen sichtbar wird und weil Sie Angst haben Gottes Anforderungen nicht zu erfüllen. Es ist doch nicht möglich, dass der ewige, vollkommene Gott im Jahre 1962 seine Regeln und Anforderungen ändert, weil es seit 1962 den „modernen Menschen gibt“ für den jetzt auf einmal nichts mehr gilt, was vor ihm galt. Deswegen hat das letzte Konzil so viele Seelen auf dem Gewissen, weil die Normen verändert worden sind. Gott ändert sich aber nicht und passt sich auch nicht an. Seine Gesetze der Gnade sind so unveränderlich wie seine Naturgesetze. Stellen Sie sich vor, die Planck-Konstante würde von einem Tag auf den anderen um mehrere Dezimalstellen verschoben werden. Das gesamte Universum würde aus den Fugen geraten. Naturgesetze sind etwas Objektives und Verifizierbares. Die Gesetze der Gnade sind es ebenso und das Übernatürliche können wir analog zu dem Natürlichen erkennen. Dies nennt man die Analogia entis (Analogie des Seins) oder die Analogia Fidei (Analogie des Glaubens). Die Hölle wird mit den Manchern des jetzigen Pontifikats, mit den feigen Kardinälen, Bischöfen und Priestern, sowie mit Laien gut gefüllt werden. Gott ändert weder sich selbst noch seine Gesetze.

Die Lehre der Kirchenväter

Es ist nicht die blanke Neugierde, sondern heilbringende Vorsorge, von der Höhe der Kanzel bestimmte Wahrheiten zu verkünden, die wundervoll dazu dienen, die Trägheit der Freidenker [Orig. Libertiner, Red.] einzudämmen, die immer von der Gnade Gottes sprechen und davon, wie leicht es ist, sich zu bekehren, die in alle Arten von Sünde verstrickt leben und auf dem Weg zur Hölle fest schlafen. Um sie zu desillusionieren und sie aus ihrer Dumpfheit zu wecken, lasst uns heute diese große Frage untersuchen: Ist die Anzahl der Christen, die gerettet werden größer als die Anzahl der Christen, die verdammt werden?

Fromme Seelen, ihr könnt gehen; diese Predigt ist nicht für euch. Ihr einziger Zweck ist, den Stolz der Freidenker einzudämmen, welche die heilige Furcht vor Gott aus ihren Herzen jagen und sich dem Teufel anschließen, der – nach der Meinung des Eusebius [von Cäsarea, gest. 340, Theologe und Geschichtsschreiber] – Seelen verdammt, indem er sie beschwichtigt. Um die Zweifel zu zerstreuen, lasst uns die Kirchenväter, die griechischen und die lateinischen, auf eine Seite stellen; auf die andere, die gelehrtesten Theologen und gebildetsten Historiker; und lasst uns die Bibel in die Mitte stellen, damit alle es sehen können. Nun hört [also] nicht auf das, was ich euch sagen werde – denn ich habe euch bereits gesagt, dass ich nicht für mich sprechen oder die Frage entscheiden möchte – sondern hört auf das, was große Geister euch zu sagen haben, jene, welche die Leuchten in der Kirche Gottes sind, um anderen Licht zu geben, so dass sie den Weg zum Himmel nicht verfehlen. Auf diese Weise, geleitet durch das dreifache Licht des Glaubens, der Lehrautorität und der Vernunft, werden wir fähig sein, diese schwerwiegende Angelegenheit mit Sicherheit zu lösen.

Bitte beachtet, dass es hier weder um die menschliche Rasse als Ganze geht, noch um alle Katholiken ohne Ausnahme, sondern ausschließlich um volljährige Katholiken, welche die freie Wahl haben und auf diese Weise in der Lage sind, in der großen Sache ihres Seelenheils mitzuarbeiten. Lasst uns zunächst die Theologen konsultieren, die dafür bekannt sind, Dinge sorgfältigst zu untersuchen und in ihrer Lehre nicht zu übertreiben: Lasst uns zwei gelehrten Kardinälen zuhören, Cajetan [Dominikaner, Theologe, gest. 1534, Begründer des Neuthomismus] und Bellarmin [Heiliger, Kirchenlehrer, Theologe, Kardinal, gest. 1621, Hauptvertreter der Barockscholastik]. Sie lehren, dass die Mehrzahl der christlichen Erwachsenen verdammt werden, und wenn ich die Zeit hätte, die Gründe aufzuführen, auf die sie ihre Meinung aufbauen, wäret ihr selbst davon überzeugt. Aber ich will mich hier darauf beschränken, Suarez [Theologe, gest. 1617, Hauptvertreter der Barockscholastik] zu zitieren. Nachdem er alle Theologen konsultiert hatte und das Thema sorgsam studiert hatte, schrieb er:

„Die häufigste Meinung die vertreten wird ist die, dass unter den Christen mehr verdammte Seelen als auserwählte Seelen sind.“

Wenn man die Autorität der griechischen und lateinischen Väter zu jener der Theologen hinzuzählt, o wird man feststellen, dass beinahe alle dasselbe sagen. Das ist die Ansicht des Heiligen Theodor [wahrscheinlich ist der hl. Theodoret von Kyrrhos gemeint, gest. 460, Kirchenhistoriker und Theologe], Basilius [der Große, Heiliger, Kirchenvater, gest. 379], Ephräm [der Syrer, Heiliger, Kirchenvater, gest. 373] und Johannes Chrysostomus [Heiliger, Kirchenvater, gest. 407]. Darüber hinaus war es, laut Baronius [Kardinal, Kirchenhistoriker, Schüler des hl. Philip Neri, gest. 1607], eine allgemeine Ansicht unter den griechischen Vätern, dass diese Wahrheit ausdrücklich dem Heiligen Simeon Stylites [Säulenheiliger, gest. 459] geoffenbart wurde, und dass er sich nach dieser Offenbarung um seines Seelenheiles willen dazu entschied, vierzig Jahre lang auf einer Säule zu stehen, dem Wetter ausgesetzt, ein Vorbild der Buße und Heiligkeit für jeden. Lasst uns nun die lateinischen Kirchenväter konsultieren. Ihr werdet den Heiligen Gregor [der Große, Heiliger, Papst, Kirchenvater, gest. 604] klar sagen hören:

„Viele nehmen den Glauben an, aber wenige erreichen das himmlische Königreich.“

Der Heilige Anselm [von Canterbury, Heiliger, Kirchenlehrer, Vater der Scholastik, gest. 1109] erklärt:

„Wenige sind es, die gerettet werden.“

Der Heilige Augustinus [Heiliger, Kirchenvater, gest. 430] stellt sogar noch klarer fest:

„Deshalb werden wenige gerettet im Vergleich zu denen, die verdammt werden.“

Am furchterregendsten ist jedoch der Heilige Hieronymus [Heiliger, Kirchenvater, gest. 420]. Am Ende seines Lebens, in Gegenwart seiner Jünger, sprach er diese entsetzlichen Worte:

„Von einhundert tausend Menschen, deren Leben immer schlecht war, wirst du kaum einen finden, welcher der Gnade würdig ist.“

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