Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (17) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (9) Gebet der Einfachheit und Beschauung (iii)

Wir kommen langsam in solche Tiefen des Gebetslebens, von welchen wir leider annehmen müssen, dass kaum einer unserer Leser über dieses verfügt.

Angeberei? Nein, Realismus.

Wir sehen, wie oft die einzelnen Beiträge gelesen werden. Denn die von Pater Poulain SJ sehr präzise dargelegten Inhalte können nur von denen nachvollzogen werden, die es selbst durchmachen. Leider werden die Beiträge dieser Reihe dermaßen selten gelesen, dass sich DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) die Frage stellt, ob er sie noch fortführen sollte. Es ist als würde man Menschen, die nur 10 m tief tauchen können, Taucheruhren, sonstige Ausrüstung und Ratschläge anbieten, die für 80 m geeignet sind. Der Weltrekord  im Tauchen liegt zurzeit bei 334,35 Meter. Aber das geistliche Leben unserer Leser kann ja wachsen und tiefer werden und dann kommt dieses Kapitel wie gerufen. Um aber überhaupt tauchen zu können, brauchen Sie Wasser, viel Wasser und tiefes Wasser. Um tief ins Gebet einzutauchen, brauchen Sie viel Gebetszeit und Gebetsinhalt. Geht denn die Rechnung: „mehr Gebetszeit – besseres Gebet“ überhaupt auf? Natürlich! Mehr ist mehr, sonst hätte doch die Novus Ordo Kirche die vorgeschriebene Gebetszeit für die geistlichen Stände nicht dermaßen gekürzt. Als Priester oder Ordensschwester beten Sie, falls Sie überhaupt die vorgeschriebenen Gebete verrichten – und im Orden können Sie es gar nicht anders -, einfach viel zu wenig, um in eine Tiefe zu kommen. In einer Pfütze brauchen Sie keinen Taucheranzug und kein Atemgerät. Mehr ist mehr und länger ist länger. DSDZ hat früher oft gehört, dass er viel zu wenig übe, was bezüglich seines Hauptinstruments stimmte. Sie können niemals dasselbe Stück genauso gut spielen, wenn Sie es 10 Minuten pro Tag, statt 45 Minuten pro Tag üben. Es geht um unsere Natur, welche in mehrfacher Übung sich der Gnade Gottes unterordnen muss. Da reichen keine 15 Minuten pro Tag, gleich was Ihnen die wie immer fortschrittlichen jesuitischen Exerzitienmeister sagen. Das ist gelogen.

Wer führt denn heutzutage noch ein Gebetsleben?

Zölibatär lebende Weltleute, vielleicht manche kontemplativen Ordensleute.

Meint DSDZ damit sich selbst?

Ja, auch, aber nicht ausschließlich. In seiner Jugend kannte er einige junge Menschen unter 30, die zölibatär lebten, wohl eine Ordensberufung hatten, wirklich viel beteten und ein sehr asketisches Leben führten. Solche Menschen gibt es, wir haben auch solche Leser, die älter als 30 sind. Wie es in den kontemplativen Klöstern aussieht, entzieht sich unserer Kenntnis, da sie aber oft von Exerzitienmeistern von außen frequentiert werden und auch irgendwie „modern“ sein wollen, so kann es gar nicht gut aussehen, siehe die Erlebnisse von Hilary White, wenn gar Äbtissinnen hinschmeißen und zurück ins weltliche Leben zurückkehren. Es stimmt nicht, dass heutzutage Menschen keine Ordensberufung oder eine kontemplative Berufung haben. Es gibt einfach kaum Klöster, wo sie diese verwirklichen könnten.

  • Unsere Bischöfe, falls sie überhaupt gläubig sind, beten nicht, weil sie Besseres zu tun haben,
  • unsere Priester beten nicht, weil sie viel zu beschäftigt sind und
  • unsere Ordenleute beten auch nicht, weil sie ebenfalls viel zu viel zu tun haben.

Sie haben sich alle nach Vat. II dermaßen dem „Dialog mit der Welt“ hingegeben, dass sie gar nicht zum beten kommen, vom vorgeschriebenen Mindestmaß abgesehen. Aber das Novus Ordo Mindestmaß ist viel zu wenig, um eine geistliche Initialzündung zu ermöglichen. Deswegen gibt es auch kaum Menschen, die Sie bei Ihren Gebetsschwierigkeiten beraten könnten. Absolutes Flachland, wo man nur hinschaut. Aber gehen wir zum Eigentlichen über.

Das ist das Gebet der Einfachheit? Die Konzentration auf einen Aspekt, ein Gefühl, eine Eingebung. Es ist kein Hin-und-Her-Springen es ist ein „Losschälen“, wie richtigerwiese Pater Poulain SJ sagt. Je mehr Sie sich in Ihrem übrigen Leben losschälen können und einfacher werden, desto besser kommen Sie in das Gebet der Einfachheit, weil Sie einfach einfacher werden und zwar in jedem Bereich. Wenn Sie mit dieser Ebene noch nichts anfangen können, dann bleiben Sie einfach bei der Betrachtung, die Einfachheit wird irgendwann, so Gott will, noch kommen.

 

 

4 Gedanken zu „Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (17) Kapitel 2: Vorstufen der Mystik? (9) Gebet der Einfachheit und Beschauung (iii)

  1. Ich bitte darum, die Reihe fortzusetzen. Demnächst werde ich meine Arbeitszeit stark reduzieren – auch um mehr Zeit und Muße für Gebet zu haben 🙂

  2. @ Tom

    Ja, ja, die Grenze zwischen Reduktion der Arbeit und Arbeitslosigkeit ist manchmal sehr fließend, aber ganz im Ernst, wenn man längere Zeit das mündliche Gebet im Sinne der Rezitation der Psalmen eingeübt hat, dann kommt man leicht ins betrachtende Gebet oder man bleibt eigentlich den ganzen Tag lang im Gebetsmodus, weil man alles auf Gott bezieht. Es gibt Leser, die sogar im Schlaf beten, d.h. sie beten unbewußt im Traum, was ihnen klar wird, wenn sie aufwachen.

    Wie sehen die Stufen aus:

    1. Kaufen Sie sich das lateinische Brevier von 1960, nach Summorum Pontificum und beten Sie alles mündlich.
    2. Kaufen Sie sich das lateinische Brevier von 1911 Divino afflatu und beten alles mündlich.
    3. Kaufen Sie sich das lateinische tridentinische Brevier 1570 bis 1910 und beten alles mündlich.

    Ich bin seit einigen Jahren bei 3. und das ich recht schnell spreche, bin ich bei 3,5 Stunden Gebet pro Tag, wenn ich alles an einem Tag bete. Das ist wirklich für jeden zu schaffen. Dieses „ich habe keine Zeit“ ist immer eine Ausrede.

    Das Interessante dabei:
    – es wird nicht langweilig,
    – man kommt schnell in die Betrachtung,
    – es nährt sehr.

    Falls Sie kein Latein können, kaufen Sie sich das Diurnale von der Petrusbruderschaft herausgegeben. http://introibo.net/diurnale.php

    http://www.sarto.de/product_info.php?info=p2136_Diurnale-Romanum.html

    1. Ja, ich werde mir das Diurnale wohl bestellen. Danke für den Vorschlag. Zusammen mit dem Rosenkranz dürfte es wohl zu einer unschlagbaren Kombination führen 😉

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