Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (4 von 10)

boschlastjudgementvicent

Warum ist es so schwierig gerettet zu werden? Weil die Welt schlecht ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat in vielen Branchen gearbeitet und hat kaum jemanden kennengelernt, den er als einen „einigermaßen anständigen Menschen“ hätte bezeichnen können. Die Interessen sind wie folgt gestaffelt:

(1) Sex,

(2) Geld,

(3) andere übers Ohr zu hauen,

(4) sich für den Größten zu halten.

Ja, wirklich überall, international, auch in der Akademie, auch in der Kirche. Der Mensch ist ein soziales Wesen und entschuldigt sich dadurch, dass „alle es so machen“. Das ist aber keine Entschuldigung. In der Hölle wird man auch allein, obwohl in der Gesellschaft sein. Dass die Anzahl der verdammten Priester sehr groß ist und ihnen die Dämonen sehr dankbar sind, braucht uns anno 2018 wirklich nicht zu verwundern. Wenn der hl. Johannes Chrysostomus (gest. 407) solch eine schlechte Meinung  über seine Amtsbrüder hatte, was sollen wir erst sagen?

Rettung in den verschiedenen Lebensständen

Aber ach, ich sehe, dass wenn ich auf diese Weise von Allen insgesamt spreche, ich mein Thema verfehle. Lasst uns also diese Wahrheit auf verschiedene Lebensstände anwenden, und ihr werdet verstehen, dass ihr entweder alle Vernunft, Erfahrung und den gesunden Menschenverstand der Gläubigen über den Haufen werfen müsst oder bekennen, dass die Mehrzahl der Katholiken verdammt wird. Gibt es irgendeinen Stand in der Welt, der günstiger für Unschuld ist, in dem Errettung leichter scheint und von dem die Menschen eine höhere Meinung haben als jener der Priester, die Stellvertreter Gottes? Wer würde auf den ersten Blick nicht denken, dass die meisten von ihnen nicht nur gut, sondern sogar perfekt sind; dennoch bin ich sprachlos vor Entsetzen wenn ich höre wie der Heilige Hieronymus erklärt, dass obwohl die Welt voller Priester ist, kaum einer von hundert auf eine Art und Weise lebt, die mit seinem Stand konform ist; wenn ich einen Diener Gottes Zeugnis geben höre, dass er durch eine Offenbarung erfahren hat, dass die Anzahl der Priester, die täglich in die Hölle fallen, so groß ist, dass es ihm unmöglich schien, dass noch welche auf der Erde zurückgelassen werden; wenn ich den Heiligen Chrysostomus mit Tränen in den Augen rufen höre:

„Ich glaube nicht, dass viele Priester gerettet werden; ich glaube im Gegenteil, dass die Anzahl derer, die verdammt werden, größer ist.“

Schaut weiter nach oben und seht die Prälaten der Heiligen Kirche, Hirten, welchen die Sorge für die Seelen anvertraut ist. Ist die Anzahl derer, die von ihnen gerettet werden größer als die Anzahl derer, die verdammt werden? Hört [Thomas von] Cantimpré [Theologe, gest. 1272] zu; er wird euch von einem Ereignis erzählen, und ihr mögt daraus Schlüsse ziehen. In Paris wurde eine Synode abgehalten, und eine große Anzahl von Prälaten und Pastoren, welchen die Sorge für die Seelen anvertraut war, waren zugegen; Der König und Fürsten kamen auch, um durch ihre Gegenwart der Versammlung Glanz zu verleihen. Ein bekannter Prediger war eingeladen zu sprechen. Während er seine Predigt vorbereitete, erschien ihm ein abscheulicher Dämon und sprach:

„Lege deine Bücher zur Seite. Wenn du eine Predigt halten möchtest, die diesen Fürsten und Prälaten nützlich sein wird, sage von uns: ‚Wir, die Fürsten der Finsternis, danken Ihnen, Fürsten und Prälaten und Seelenhirten, dass auf Grund Ihrer Pflichtvergessenheit die Mehrzahl der Gläubigen verdammt wird; wir werden euch auch für diesen Liebesdienst belohnen, wenn ihr bei uns in der Hölle sein werdet.’“

Weh euch, die ihr anderen befehlt! Wenn so viele durch eure Fehler verdammt werden, was wird euch geschehen? Wenn wenige von denen, die in der Kirche Gottes die ersten sind, gerettet werden, was wird euch geschehen? Nimm alle Stände, beide Geschlechter, jeden Umstand: Ehemänner, Ehefrauen, Witwen, junge Frauen, junge Männer, Soldaten, Kaufleute, Handwerker, Reich und Arm, Adlige und solche aus dem Volk. Was sollen wir über all diese Leute sagen, die ein so schlechtes Leben führen? Die folgende Geschichte des Heiligen Vincenz Ferrer [Dominikaner, Prediger, gest. 1419] wird euch zeigen, was ihr davon halten könnt. Er berichtet, dass ein Erzdiakon in Lyon sein Amt aufgab und sich an einen verlassenen Ort zurückzog, um Buße zu tun, und dass er am selben Tag und zur selben Stunde starb wie der Heilige Bernhard [von Clairvaux, gest. 1153]. Nach seinem Tod erschien er seinem Bischof und sagte ihm:

„Wisse, Monsignore, dass zu der selben Stunde, in der ich starb, auch  dreiunddreißigtausend andere Menschen starben. Von dieser Zahl gingen Bernard und ich ohne Aufschub in den Himmel, drei kamen in das Fegefeuer und alle anderen fielen in die Hölle.“

Unsere Chroniken berichten sogar ein noch viel entsetzlicheres Geschehen. Einer unserer Brüder, bekannt für seine Lehre und Heiligkeit, predigte in Deutschland. Er stellte die Abscheulichkeit der Sünde der Unreinheit so kraftvoll dar, dass eine Frau vor lauter Gram vor allen tot umfiel. Als sie dann zum Leben zurückkam, sagte sie:

„Als ich vor das Gericht Gottes geführt wurde, kamen gleichzeitig sechzigtausend Menschen aus allen Teilen der Welt; von diesen wurden drei gerettet, da sie ins Fegefeuer kamen und alle anderen wurden verdammt.“

O Abgrund der Urteile Gottes! Von dreißigtausend wurden nur fünf gerettet! Und von sechzigtausend gingen nur drei in den Himmel! Ihr Sünder, die ihr mir zuhört, in welcher Gruppe werdet ihr aufgezählt werden? … Was sagt ihr? … Was denkt ihr? …

Ich sehe fast alle von euch den Kopf senken, mit Erstaunen und Entsetzen erfüllt. Aber lasst uns unseren Stumpfsinn beiseitelegen und statt uns selbst zu schmeicheln lasst uns versuchen, einigen Gewinn aus unserer Furcht zu ziehen. Ist es nicht wahr, dass es zwei Wege gibt, die in den Himmel führen: Unschuld und Umkehr? Nun, wenn ich euch zeige, dass sehr wenige einen der beiden Wege wählen, werdet ihr als vernünftige Menschen daraus schließen, dass sehr wenige gerettet werden. Und um Beweise zu erwähnen: in welchem Alter, an welchem Arbeitsplatz oder unter welchen Umständen findet man, dass die Zahl der Gottlosen nicht hundertmal größer ist als die der Guten, und über die [Alter, Arbeitsplatz, Umstände] man sagen könnte:

„Die Guten sind so rar und die Gottlosen so groß an Zahl“?

Wir könnten über unsere Zeit sagen, was Salvianus [von Marseille, Theologe, gest. 475] über die seine sagte: es ist leichter, eine unzählbare Vielzahl an Sündern zu finden, die in alle Arten von Ungerechtigkeiten eingetaucht sind, als einige unschuldige Menschen. Wie viele Diener sind absolut ehrlich und treu in ihren Pflichten? Wie viele Kaufleute sind fair und gerecht in ihrem Handel; wie viele Handwerker genau und ehrlich; wie viele Händler uneigennützig und ehrlich? Wie viele Juristen geben die Gerechtigkeit nicht auf? Wie viele Soldaten treten nicht die Unschuld mit Füßen; wie viele Herren behalten nicht ungerechterweise den Lohn derer ein, die ihnen dienen, oder versuchen nicht, ihre Untergebenen zu beherrschen? Überall sind die Guten rar und die Niederträchtigen groß an Zahl. Wer weiß nicht, dass es so viel Libertinage unter den Erwachsenen gibt, Freiheit unter jungen Mädchen, Selbstgefälligkeit unter Frauen, Zügellosigkeit im Adel, Korruption im Mittelstand, [Sitten-] Verfall im Volk, Respektlosigkeit unter den Armen, dass man sagen könnte, was David von seiner Zeit sagte:

„Alle sind abgewichen, alle verdorben. Keiner ist da, der Gutes getan, auch nicht einer!“ (Ps 14/13, 3; Ps 53/52, 4).

Geht auf die Straßen und Plätze, in Paläste und Häuser, in die Städte und auf das Land, in das Strafgericht und den Gerichtshof, und sogar in den Tempel Gottes. Wo wird man Tugend finden?

„Ach“ ruft Salvianus, „außer einer sehr kleinen Zahl, die das Böse fliehen, was ist die Versammlung der Christen anderes als ein Sündenpfuhl?“

Alles was wir überall finden können ist Selbstsucht, Ehrgeiz, Maßlosigkeit und Aufwand. Ist nicht der größere Teil der Menschen besudelt mit dem Laster der Unreinheit (vgl. Hos/Os 4, 21), und sagt nicht der Heilige Johannes zurecht:

„Die ganze Welt“ – wenn man etwas so Verdorbenes so nennen kann – „hat in der Schlechtigkeit Platz genommen.“ (vgl. 1 Joh 5, 192).

Nicht ich bin es, der euch das sagt; die Vernunft zwingt euch zu glauben, dass von denen, die so schlecht leben, sehr wenige gerettet werden.

1        Hos 4, 2. Meineid und Lüge, Mord, Diebstahl und Ehebruch sind im Schwang. Bluttat reiht sich an Bluttat.

2        1 Joh 5, 19. Wir wissen, das wir aus Gott sind die Welt dagegen sich ganz in der Gewalt des Bösen befindet.

16 Gedanken zu „Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (4 von 10)

  1. Ja, bei Klerikern, umgeben von allzu leichtgläubigen BetSchwestern, kann allzuleicht ein Zynismus entstehen, höchstwahrscheinlich ist heutzutage unsere geliebte Hl.Mutter Kirche, d.h. RattenRom, wirklich voll von Satanisten, die den sadistischen deSADE noch übertreffen.

  2. p.scr.:
    Auch schon in besseren Zeiten – und zwar beim Aufkommen der gnostischen Katharer, die in kürzester Zeit fast ganz Europa eroberten – feierte die Schwester des Papstes im NebenRaum heimlich die katharische SatansMesse…

  3. die Zahl der Geretteten ist uns nicht bekannt. Die imText genannten Zahlen scheinen mir aber aus folgenden Gründen völlig unglaubwürdig:

    1. Ein Verhältnis von 1:20.000 oder 1:6.000 würde bedeuten,dass von den ca. 300.000 Menschen, die weltweit täglich sterben nur 15 bis 60 NICHT in die Hölle kommen, also auch abgetriebene Kinder, Babys, kleine Kinder, alle gehen in die Hölle.

    2. Sind die Visionen,soweit sie überhaupt stattgefunden haben dämonischen Ursprungs? Woher wissen wir das?

    3. Stimmen die Geschichten überhaupt? Sie könnten auch von interessierten Kreisen oder Christen-oder Kirchenhassern quasi als „fake news“ platziert worden sein.

    4. Die Zahlen sind dazu geeignet sogar sehr eifrige Christen zu entmutigen. Sie haben eine defätistische Wirkung und könnten zu dem Schluß führen,dass es sowieso keinen Sinn hat nach Heiligkeit zu streben und man dann besser die paar schönen Jahre, die man auf Erden hat geniest.

    5. Die Zahlen beleidigen die Passion Christi. Jesus Christus wäre quasi umsonst gekreuzigt worden. Was beliebt ist unendliches Leid einer unendlich großen Zahl von Seelen.

    6. Gott würde würde uns praktisch chancenlos ins Rennen schicken. Das Ziel ist wie im Hochleistungssport, es wäre so gesetzt, dass die Mehrheit es von vornherein nicht erreichen kann.

    7. Auch das „pro multis“ in der Hl. Messe wäre falsch. Es müsste dann korrekterweise heißen: „für wenige“ oder „für einige“ oder „für Auserwählte“. Es heißt aber ausdrücklich „für viele“, also für alle, die ihre Chance nutzen und sich Mühe geben.

    8. Wenn es stimmt,dass die Plätze der gefallenen Engel von Menschen besetzt werden sollen, dann würde das bedeuten, dass bei ca. 70-100 Milliarden Menschen,die bisher gelebt haben, die Zahl des Drittels der gefallenen Engel weniger als 10 Millionen wäre. Dann wäre die Zahl der zwei Drittel der Engel Gottes unter 20 Millionen. Damit wäre es nicht möglich, dass jeder Mensch einen eigenen Schutzengel hat.

    Sicher heute gibt es nur noch wenige, die sich um ein wirklich christliches Leben bemühen und der sittliche Verfall nimmt Überhand. Aber ich halte es für wahrscheinlich, dass die Zahl der Geretteten letzendlich irgendwo zwischen 1/3 oder 2/3 liegt, aber wohl kaum unter 10%. Ich glaube eher, dass Gott in solchen Fällen in denen die Zahl zu gering wird, in die Weltgeschichte eingreift Katastrophen zuläßt, damit wieder viele zum Glauben zurückfinden und gerettet werden.

    1. @ AT
      Sie können Ihre Ansichten vertreten, denn es ist kein Dogma. Mir erscheinen 2/3 wirklich allzu optimistisch.

      ad 1.
      Natürlich kommen die abgetriebenen Kinder in die Vorhölle, einem Teil der Hölle, dem Limbo, da ihre Erbschuld nicht getilgt wurde. Sie sind ja ungetauft. Sie sind von den positiven Höllenstrafen (Höllenpein, etc-) frei, aber kommen auch nicht zum Angesicht Gottes. Das ist die Lehre der Kirche, Limbo ist ein Dogma und da kann Ratzinger und die vatikanische Theologenkommission leugnen, wie sie nur will. Sie haben also hier Unrecht.

      Christus ist nicht umsonst gekreuzigt worden und ist auch nicht nur für die Auserwählten oder Gerechten gestorben, wie es die Jansenisten wollten. Er ist für alle gestorben, an alle geht das Angebot der Erlösung, aber die allermeisten lehnen dieses Angebot aufgrund ihres freien Willens ab. Daher die Hölle als Konsequenz.

      ad 6.
      Das ist die Thematik der gratia efficax – der wirksamen Gnade gegen gratia sufficiens- die zureichende Gnade.
      Ich lese zurzeit eine sehr gründliche Darstellung der Gnadenlehre und werde noch vieles dazu schreiben oder Podcasts machen. Also Geduld.

      ad 8.

      Theolgisch sicher ist, dass jeder Getaufte einen Schutzengel hat. Manche Theologen meinen auch alle Menschen, aber das ist keine sichere Lehre. Aber Schutzengel hin oder her, der freie Wille bleibt. Dieses Himmel mit Menschen nach dem Engelssturz auffühlen ist eine sententia pia oder Theologenmeinung. Keine sichere Lehre.

      a. Es ist kein Dogma, dass es genau 1/3 der Engel waren.
      b. Die Anzahl der Engel ist uns unbekannt.
      c. Es ist kein Dogma, dass die geretteten Menschen genau dieses 1/3 auffühlen werden.

      Sie können es sich bei Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 372-374 [Anzahl der Engel], 383-386 [Engelssturz], 396-389 [Engelslehre] durchlesen oder auf unsere Angelologie-Reihe warten. Diekamp ist sehr gründlich und besser als Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010, 179-189. Ihre Prämissen sind teilweise unrichtig.

      Ja, es ist schrecklich und schockierend. Für mich auch. Aber man kann nicht alle erreichen, weil nicht alle es wollen.

      1. Ich hake noch einmal nach und komme
        1. auf die getauften Babys zu sprechen. Ein solches Kind im Stand der Gnade hätte in den in der Predigt genannten Stunden also weltweit nicht sterben dürfen (denn in das Fegefeuer müssen sie ja nicht). Ist dies wahrscheinlich – früher war die Kindersterblichkeit viel höher?
        2. Auch das Argument „pro multis“ empfinde ich als beeindruckend. Das hl. Meßopfer ist doch DAS Gebet schlechthin, wenn ich meine bisherige Christenlehre richtig verstehe. Wieso sollte in diesem wichtigsten Gebet von vielen Geretteten gesprochen werden, wenn es tatsächlich nur ein Promillesatz wäre? Würde das Hochgebet die Gläubigen dann nicht quasi „verarschen“ (ich entschuldige mich, aber das Ausdruck ist doch irgendwo passend).
        3) Auch das Argument hinsichtlich der Entmutigung empfinde ich als ziemlich zutreffend. Ja, man schließt immer von sich auf andere – leider -, aber irgendwo gibt es doch auch eine Art objektive Psychologie. Ich möchte nicht in die Hölle – aber bei absoluter Minimalchance keimt doch irgendwo (wenn auch nicht offen) eine Wut und ein Zorn auf GOTT auf, dass er uns überhaupt erschaffen hat. Ich habe so etwas schon gebeichtet – hoffe aber auch, dass es einfach nur Versuchungen sind. Ich selbst habe mich allein aus Angst vor der Hölle bekehrt und weiß, wie heilsam die Predigt dieser Wahrheit ist. Aber eine so geringe Chance kann doch echt bei etlichen Leuten das Gegenteil bewirken und zur Sünde führen, oder?

  4. Nachtrag:

    Ein weiterer Gedanke ist noch, dass nur ein kleiner Teil der Menschen von Gott für eine höheren Rang in seinem Reich bestimmt hat, von denen er dann mehr verlangt (z.B. Heilige, Märtyrer), wie von demjenigen, der für einen der vielen Plätze des „einfachen Volkes“ im Himmel bestimmt ist.

    1. @ AT
      Ein sehr demokratischer Gedanke, der ein „Heilsminimum“ qua Existenzmininum per H-IV seitens Gottes vorraussetzt.

      Die ist aber falsch. Gott schenkt jedem die Möglichkeit durch die zureichende Gnade – gratia sufficiens, es hängt aber vom Menschen ab, was er damit macht. Und das ist ein Dogma.

      1. Das Argument war nicht als Heilsminumun, sondern so gemeint, dass aus dem obigen Text der Eindruck entstehen könnte, nur ein extrem buß- und fastenstrenger Eremit oder ein Märtyrer überhaupt eine Chance hat, der Hölle zu entgehen.

        Ich vermute dass Gott von den meisten Menschen aber nicht das Martyrium oder ein Eremitenleben, sondern einen ordentlichen christlichen Lebensstil, also geordnetes Familienleben, pflichtbewußte Berufsausübung, Einhaltung der 10 Gebote, Nutzung der Sakramente, Gebet und das Nicht-Annehmen falscher Zeitgeisteinflüsse oder Ideologien erwartet. Und das ist schon eine ganze Menge und würde eine völlig andere Gesellschaft und Lebensweise hervorbringen, als wir es heute haben.

    2. Zur Frage, wie viele gerettet werden:

      (1) Das Konzil von Florenz (1439 – 1445) erklärt mit der Unionsbulle der Kopten: „Cantate Domino“: „Die römische Kirche glaubt fest, bekennt und verkündet:
      Alle Menschen, die sich außerhalb der katholischen Kirche befinden, nicht nur Heiden, sondern auch Juden, Häretiker oder Schismatiker, können des ewigen Lebens nicht teilhaftig werden; vielmehr werden sie ‚in das ewige Feuer‘ kommen, ‚das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist‘, es sei denn, sie schließen sich ihr vor ihrem Lebensende an. …
      Und von den Katholiken werden natürlich nur die gerettet, die ihren Glauben „nach alter Herkunft“ praktizieren: Halten aller Gebote und Annahme aller Dogmen.
      Nach diesem Dogma werden (wenigstens in unserer Zeit) nur wenige gerettet.
      (2) Wiederholung der Vorredner: Das „pro multis“ in der hl. Messe ist ein gutes Argument für eine größere Zahl Geretteter.
      (3) Im Hinblick auf (1) fallen die getauften, unvernünftigen und verstorbenen Kinder wohl nicht ins Gewicht.
      (4) Auch wenn der Großteil der Menschen nicht gerettet wird, so ist der Himmel doch „reich bevölkert“. Es könnte sonst in der Geheimen Offenbarung (7,4) nicht heißen: „Ich hörte die [Symbol] Zahl der Besiegelten: 144 000 Besiegelte aus allen Stämmen Israels“ (Judenchristen?) und in 7,9: „Darauf sah ich eine große Schar, die niemand zu zählen vermochte, aus allen Völkern, Stämmen, Geschlechtern und Sprachen. Sie stehen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Gewändern und mit Palmzweigen in ihren Händen.“ (Heidenchristen?)
      (5) Bibelzitate:
      -Viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt. (Mt 22,14)
      -Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. (Mt 7,13)
      -Wirkt euer Heil mit Furcht und Zittern! (Phil 2, 12)
      -St. Paulus: „Vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.“ (1 Kor 9, 27)
      -Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden? (1 Petr 4, 18)
      -Gleichnis vom Unkraut und vom Weizen (Mt 13,3-8): Nur „ein Viertel“ des Samens fiel auf fruchtbaren Boden!
      Mit diesen Bibelstellen (inspirierte Text!) stehen die Aussichten wieder nicht so gut.
      (6) Die Kinder von Fatima sahen die Sünder wie Schneeflocken in die Hölle fallen. Darum bat die Muttergottes um viel Gebet für die Sünder. Sie hat Wege (auch ohne die ominöse Begierdetaufe) noch viele Sünder vor dem Abgrund zu retten. Dennoch hat man den Eindruck, dass die Verdammten in der Überzahl sind.
      Letztlich bleibt die Zahl der Geretteten ein Geheimnis!
      Eines ist aber klar: Wir müssen und mächtig anstrengen, um in den Himmel zu kommen!

  5. Meines Wissens besuchen nur 10 Prozent der Katholiken in D halbwegs regelmäßig die Heilige Messe, von diesen glauben nur 10 Prozent z.B. an die Realpräsenz. Ein Teil dieser wird wohl in schwerer Sünde leben (Ehebruch, unversöhnlicher Hass…) und nicht den „Willen tun des Vaters im Himmel“- somit reduziert sich die Zahl derer mit Chance auf den Himmel ziemlich.
    Man könnte auch sagen, wer reines Herzens ist, wird Gott schauen. Und wie wird jemand leben, wenn er ein reines Herz hat!ö

    1. @ Uli
      Genau. Zählen wir noch dazu die deutschen Priester und Bischöfe, die sich gegen Amoris Laetitia ausgesprochen haben, die Zulassung der Kommunion für Ehebrecher und dann sind wir bei den Zahlen, die hl. Leonard abgibt.

  6. Wenn ich eine innige Gottesbeziehung habe, die mich dazu bringt, diese auch im Alltag wirken zu lassen und wenn ich alles, was mich als Menschen ausmacht, Gott übergebe, dann will ich von Herzen darauf vertrauen, dass Gott mich nicht fallen lassen wird.
    Er kennt mein Herz, meine Absichten und meine Bemühungenen, auch wenn sie trotz aller guten Vorsätze wieder einmal gründlich daneben gingen.
    IHM alles hinhalten, IHM vertrauen, IHM treu sein – bei allen vorhandenen Mängeln und begangenen Sünden, deren ich mir sehr bewusst bin und die ich nie aus eigener Kraft werde ausmerzen können …
    Was kann ich also mehr tun als hoffen und vertrauen?
    Glaube, Hoffnung, Liebe – dies sollte unser Leben bestimmen und nicht eine niedersschmetternde Angst vor der Hölle.
    Es ist doch sicher eher die Hoffnung, wohlgemerkt keine leichtfertige, die uns näher zu Gott bringt als nur die pure Angst?
    Wenn ich vor einem Menschen Angst habe, entfremde ich mich ihm.
    Wenn ich ihm vertraue, trägt das zu einem guten Miteinander bei.
    Sollte es bei Gott anders sein?

    1. Sehr schön geschrieben! Oder kürzer: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. (aus 1.Joh. 4)
      Aber dort steht auch: Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.
      Ich meine, so wie es einfach ist zu sagen: Ich liebe dich, aber nicht so einfach ist, selbstlos zu lieben in den Anfechtungen des Lebens, so ist es auch mit der Liebe zu Gott. Gott kennt unser Herz und weiß,wie wir es meinen – das kann ein Vorteil oder ein Nachteil sein.

  7. Ist es nicht so, dass, wenn wir zu einem tiefen, innigen Glauben gekommen sind, sich dies fast zwingend auch in unserem Verhalten dem „Bruder“ gegenüber niederschlägt?
    Natürlich sind wir nicht davor gefeit, uns total falsch, bzw. sündhaft zu verhalten und mir ist bewusst, dass es Im Gericht einmal richtig zur Sache gehen wird. Vermutlich werde ich entsetzt sein, wenn ich erfahre, wie lieblos, egoistisch und verletzend ich in Wirklichkeit oftmals gehandelt und wie vielen Menschen ich damit sehr geschadet habe.
    Ganz klar möchte ich sagen: Ich hoffe dennoch nicht auf einen Richter, der mir sagt: „Schwamm drüber, macht doch nichts!“
    Ich hoffe auf einen Richter, der mir den Spiegel vorhält und ich dann mein Leben mit Seinen Augen sehen und beurteilen kann.
    Dass ER mich dennoch nicht verurteilt – darauf hoffe ich.
    Ihnen, geehrter Uli, Gottes Segen!

    1. WIssen Sie, ich kenne ein Ehepaar, die auf ihre Weise wirklich fromm sind (sie traditionalistisch, er charismatisch), und die sich wirklich ohne jede Rücksicht auf ihre sechs Kinder bekriegen, dass es dem Teufel graust, möchte man sagen. Und weil ich nicht denke, dass ich nicht besser bin als diese, wenngleich es mir in dieser Angelegenheit wohl besser geht, deshalb meine ich, dass man durchaus mit Furcht und Zittern sein Heil suchen soll (cum metu et tremore vestram salutem operamini, Philipper 2).
      Ich glaube ja auch, dass Gott mir Gnade schenken wird, aber diese werde ich auch brauchen.
      Auch Ihnen, lieber Marienzweig, Gottes Segen!

  8. Ein kleiner Hinweis zum Schluss, lieber Uli – Marienzweig ist weiblich.
    Wir alle sind auf einen mehr als barmherzigen Gott angewiesen.
    In dieser Hoffnung nochmals für Sie und uns alle Gottes Segen und Beistand!

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