Hilary White oder die katastrophal-benediktinische Wochenendbeilage

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In der Zeit als DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) noch Die Zeit las, um seine Deutschkenntnisse auf dem Laufenden zu halten, wunderte er sich über den Umfang dieser Wochenzeitschrift, sowie über die Leute, welche wirklich die Zeit haben innerhalb des Wochenendes oder der ganzen Woche Die Zeit wirklich zu lesen. Dies ist ihm auch mehrmals gelungen, da diejenigen, die während der Woche einen Lesehunger aufbauen sich am Wochenende auf Gedrucktes stürzen können. Wir planen zwar keine regelmäßigen Wochenendbeilagen, dennoch wollen wir ab und zu längere Texte am Samstag voröffentlichen. Und so präsentieren wir den ausgezeichneten Text von Hilary White, zu welchem unserer eigener Beitrag Kayfabe, Teamplayer und „der gute, alte Benedikt“ lediglich ein Vorwort bildete. Wir bringen es radikaler auf den Punkt, aber Hilary White gebührt der Anfangsruhm, da sie die ganze Vorarbeit geleistet hat.

Worum geht es?

Darum, dass wir endlich, liebes katholisches.info, mit der Benedikt-Legende aufräumen müssen. Es gab keinen konservativen „lieben“ Benedikt, es gab einen Progressiven, der im Jahre 1964 stehengeblieben ist und so zu einem „Konservativen“ wurde. „Konservativ“ bedeutet in diesem Kontext, rechts von Küng aus gesehen. Aber das ist noch längst nicht katholisch. Wenn Hilary White „Et tu, Benedicte“ titelt, so spielt sie sicherlich auf Cäsars letzte Worte an, der unter den Verrätern seinen Ziehsohn Brutus entdeckte und verwundert ausrief: „Und Du auch Brutus?“ Da dieses Et tu Brute in allen Lehrbüchern als ein Fallbeispiel des Vocativus angegeben wird, so geben wir hier mit deutscher Gründlichkeit den Vokativ Benedicte anstatt des englischen Benedict wieder, wie es im The Remantant steht, um jeglicher Vokativ-Missachtung vorzubeugen. Ja, ja, lieber Kinder, wenn ihr die lateinische Deklination schleifen lasst und nicht schön aufesst, dann kommt das Dritte Vatikanische Konzil!

Benedikt ist also ein Verräter?,

werden manche fragen.

Natürlich ist er das,

antworten wir. Wer sonst hat uns den Bergoglio beschert? Aber ein echter Benedikt-Fan findet immer Ausflüchte, wie die geschlagene Ehefrau, welche ihren Mann immer rechtfertigt, obwohl er sie schlägt, betrügt und das Geld versäuft.

Er ist so gut, war es, wollte es sein, wird es irgendwann vielleicht..…

Das typische Stockholm-Syndrom oder das Syndrom der geschlagenen Frau sind in der letzten Zeit auch bei männlichen Benedikt-Fans anzutreffen. Eine geschlagene Frau sieht einfach nicht ein, dass ihr Mann schlecht ist und sie verteidigt ihn nicht aus Angst noch zusätzlich verprügelt zu werden, sondern wirklich aus Liebe. Polizei ist da machtlos, weil diese Frauen die Anzeige mit einem zusätzlichen blauen Auge immer zurückziehen. Und was hat das mit Benedikt zu tun? Dieses, dass ein „bekennender Benedikt-Fan“ sich in einer völlig zerrissenen und widersprüchlichen Wirklichkeit befindet, weil er einerseits seinen „geliebten Benedikt“, lieber Herr Nardi, rechtfertigen muss, andererseits die Welt nicht versteht und immer tiefer in Glaubenszweifel gerät. Man muss einfach die Grundprämisse ändern. Benedikt war kein guter orthodoxer Konservativer. Er war immer ein progressiver Modernist, der gemäßigten Couleur und deswegen so gefährlich, weil wir ihm seinen Katholizismus abnahmen. Deswegen ist er wahrscheinlich gewählt worden, damit er mehr Seelen zugrunde richten kann. Deswegen unterstützt er immer noch Bergoglio. Hilary White hat Recht, indem sie schreibt, dass kein Mensch heutzutage die genuine, vorkonziliare katholische Theologie ausreichend kennt, um einen Ratzinger auseinandernehmen zu können. DSDZ traut sich das durchaus zu, aber er arbeitet wieder beruflich, hat wenig Zeit (wie bei Loriots Eheberatung „Psychologin: Herr Blöhmann, küssen Sie Ihre Gattin gelegentlich? Herr Blöhmann: Weniger. Es ist zeitlich immer ungünstig. Frau Blöhmann: Gott, Ich habe auch meinen Haushalt“) und zieht es vor etwas Positives und Produktives zu schreiben anstatt in diesem ganzen Ratzingerianismus herumzuwühlen. Was ist darin denn gut? Das, was traditionell ist. Den Rest kann man vergessen. Es ist so als würde ein Rapper in seine Samples Kunst der Fuge von Bach einflechten. Die Jugend, die keine Ahnung von Bach hat, würde dies „voll krass eh…“ finden „abgefahren“ oder was man sonst so sagt, dabei ist es Bach, der den Unterschied ausmacht und nicht der Rapper. Weil kaum ein Mensch die Theologie kennt, so glaubt man Menschen, die einigem sympathisch sind, dass sie einen zur Heiligkeit und Wahrheit leiten. Das ist nur verständlich, zumal der Leiter – Ratzinger – (a) berühmt, (b) deutsch, (c) im Vatikan mit Amt und Würde versehen (Bischof, Kardinal, Präfekt) und (d) Papst war und es immer noch ist. Sind das nicht genug Referenzen? Wenn man einem berühmten Theologen Papst, dem „Mozart der Theologie“ (hüstel, hüstel) nicht glauben kann, wem denn sonst? Einem anonymen Blogger, der unter dem Pseudonym DSDZ schreibt? Ja, wo kämen wir denn da hin?

Und dennoch sind die Taten von Ratzinger unerklärlich, wenn man seinen „Konservatismus“ annimmt. Sie sind hingegen völlig nachvollziehbar, wenn man mit der richtigen Prämisse (Ratzinger – Modernist) und unserer Kayfabe-Teamplayer-Theorie arbeitet. Wir gehen doch einige Schritte weiter als Hilary White. Sie meint, dass Ratzinger deswegen Ratschläge von Kardinal Martini annahm, weil es sich um „Kollegen“ handelte. Wir vermuten, dass Martini in der eigentlichen Machthierarchie höher als der Ratzinger-Papst stand und deswegen Benedikt befehlen oder etwas versteckt androhen konnte. Vielleicht ist der Satz: „Du hast die Kurie nicht reformiert“ nicht dahingehend zu deuten, dass Benedikt den Schmutz und die Effizient aus der Kurie nicht entfernte oder einfach formuliert:

Die haben dort tatsächlich Stricher und Kokain!

sondern die richtige Leseweise lautet:

Die haben dort tatsächlich zu wenig Stricher und zu wenig Kokain! Mach was dagegen!

Die bergoglianischen Reformen zeigen uns, worin die eigentliche „Reform der Kurie“ besteht. Und kein Monsignore muckt auf, da er wohl mit dem oben Dargestellten beschäftigt ist. Es ist wirklich keine Freude den Aufsatz von Hilary White zu lesen, doch er zeigt eine stringente Theorie, die Vieles, wenn nicht gar Alles erklärt. Wir müssen einfach aufwachen und kämpfen. Zuerst mit der eigenen Sentimentalität.

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5 Einträge zu „Hilary White oder die katastrophal-benediktinische Wochenendbeilage

  • Was theologisches Wissen betrifft, sehe ich mich tatsächlich mehr wie das sprichwörtliche Mütterchen, das in der Kirche sitzt und Rosenkranz betet.
    Dass Papst emer. Benedikt im Grunde eher progressiv als konservativ ist, das zu glauben, fiel mir bis vor einiger Zeit schwer. Und selbst heute ist dieser Gedanke nur schwer für mich zu ertragen.
    Aber auch, wenn es so ist: Hat Hilary White, haben Sie, haben wir das Recht, jemand nach unseren eigenen Maßstäben zu beurteilen?
    Ist es nicht denkbar, dass wir falsch liegen könnten?
    Können wir hinter Benedikts Stirne schauen und in sein Herz sehen und somit wissen, was er wirklich denkt und wie er zum Glauben, zur katholischen Lehre und zur Kirche steht?
    Jetzt, wo er alt ist und er sich im klaren darüber sein muss, dass er vermutlich bald vor dem Richter stehen wird?
    Allerdings, eines irritiert mich auch ziemlich: Dass er angeblich mit sich im reinen ist und im inneren Frieden lebt.
    Ich gönne ihm diesen inneren Frieden, aber wie ist solch ein Gemütszustand möglich, wenn er mitansieht, was Jorge Bergoglio anrichtet?

    • @ marienzweig

      Sie sind ein sehr guter Mensch, aber Sie irren. Natürlich haben wir das Recht Benedikts Handeln und seine Theologie zu beurteilen, da wir die objektiven Maßstäbe haben: die Lehre der Kirche.

      Es ist doch völlig uninteressant, was ein Mathematiker im Herzen trägt, wenn er die falsche Lösung präsentiert. Er rechnet falsch und Flugzeuge stürzen ab, wobei viele Menschen sterben. Und Ratzinger rechnet seit eh falsch. Zwar ein paar Stellen hinter dem Komma und nicht wie Bergoglio vor dem Komma.

      Sie antworten auch selbst auf Ihre eigene Frage. Er ist mit sich selbst im Reinen, weil ich mit der Einschätzung seiner Person Recht habe und Hilary White auch. Wie könnte denn ein katholischer Papst da still sitzen, immer noch in weißer Sutanne, weil sich innerhalb der letzten fünf Jahre keine andere finden oder näher ließ. Das ist doch lachhaft.

      • Sie nennen mich in Ihrer Antwort einen guten Menschen.
        Dabei hoffe ich sehr, dass Sie dies nicht im Sinne von Gutmenschentum gemeint haben.
        Gut im christlichen Sinne möchte ich schon gern sein, doch leider gelingt dies nur unzureichend.
        Abschließend wünsche ich Ihnen eine gesegnete Heilige Woche.

      • @ Marienzweig

        Ich habe es positiv gemeint und wollte Ihnen ein Kompliment machen. Wie kann man heutzutage jemanden schreiben, dass er gut ist, ohne dass es verdächtig klingt?

        1. Sie sind ein guter Mensch – „Sie sind ein Gutmensch“
        2. Sie sind ein fromme Seele – „Sie sind dumm/naiv/ etc.“
        3. Sie sind ein einfälitges Gemüt – „Sie sind unbebildet“.

        Ich meinte es positiv.

  • Ein Kommentar eines Lesers D.F., der uns angeschrieben hat:

    Sie haben mit heutigem Datum den Artikel von Hilary White,”Et Tu, Benedicte? (Einige abschließende Gedanken zu Joseph Ratzinger)

    veröffentlicht. Er wurde von „Eugenie Roth“ eingestellt.

    Gestatten Sie mir einige grundsätzliche Bemerkungen dazu. Wie immer so gibt es auch auch für Benedikt zwei Formen der öffentlichen Wahrnehmung:

    1. Es gilt das gespochene Wort und

    2. es gilt das geschriebene Wort.

    Beides hat gleiche Berechtigung und keines kann bevorzugt werde. Beides stammt von demselben Denker. Die Öffentlichkeit aber ist etwas bequem und

    versucht sich in der Reaktion auf das gesprochen Wort zu beschränken. Dies ist die Ursache für viele nicht vorurteilsfreie Beurteilungen.

    Dies kann gerade bei Papst Benedikt zu beobachtet werden und führt zu manchen dramatische Fehlurteil.

    Seine bekannten Reden, wie die Regensburger Rede, die Rede vor dem Bundestag, die Freiburger Rede, die Rede vor der römischen Universität Sapientia etc.

    haben einen prophetischen Charakter und geben weitgehend Antworten auf die Fragen der Zukunft. Nur niemand will Sie hören, vor allem die nicht, die im Hintergrund die

    Fäden der Politik ziehen. Auch die Mehrzahl der Kardinäle und Bischöfe der katholischen Kirche sperrren sich für das geschrieben Wort Benedikts. Sie öffnen sich

    lieber für die Banalisierung und Trivialisierung der Lehre und lehren sie so. Geht man wirklich in die Tiefe und vergleicht die Reden Benedikts mit denen seiner Vorgänger,

    sucht die innere Evidenz in den Worten, so erkennt man die einmalige Bedeutung dieses Papstes und vermisst das aktuell gesprochen Wort nicht.

    Ich sollte hinzufügen: Seine Rücktrittsdeclaratio zähle ich dem geschriebenen Wort nicht zu. Stilistisch vermute ich einen anderen Schreiber, derweil Benedikt eher kürzere Sätze prägte.

    Aber er hat sie sicher an einigen Stellen überarbeitet, und zwar auch dort, wo Synthaxfehler im gesprochenen Wort zu hören waren.

    Mit freundlichen Grüßen und Gottes Segen

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