Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (18) Kapitel: Vorstufen der Mystik? (10) Gebet der Einfachheit und Beschauung (iv). Einwände gegen dasselbe.

In diesem Teil setzt sich Pater Poulain SJ mit den Vorwürfen gegen das Gebet der Einfachheit auseinander, welche dem Beter vorwerfen, dass er nichts tue und nicht „arbeite“. Wenn Sie sich in eine Gruppe von Menschen setzten, werden Sie über kurz oder lang, früher oder später von ihnen hören:

  1. wie schwer sie arbeiten,
  2. wie toll sie sind,
  3. was sie alles erreicht haben.

Der Punkt 1., dass sie arbeiten und andere es nicht tun, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ja, ja, wir alle wollen unsere Anerkennung und wir alle wollen ein wenig besser als unsere Mitmenschen sein. Da wir alle ein wenig vom Sozialismus gezeichnet sind, in Westdeutschland durch die Frankfurter Schule, durch die „soziale Marktwirtschaft“ etc., so denken wir fast alle, wenn wir von der Arbeit reden an den Bau oder das Bergwerk. Ja, dort arbeitet man richtig, alle anderen führen nur Scheinarbeiten durch. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) ist in der glücklichen Lage wirklich in vielen Bereichen gearbeitet zu haben, auch auf dem Bau, auch in der Fabrik und er kann feststellen, dass körperliches Arbeiten zwar am Anfang bis der Körper sich umstellt anstrengend ist, aber unter dem Strich doch sehr erholsam. Das Schwierigste und Anstrengendste ist die intellektuelle Arbeit, in der man kreativ Neues schafft, wie es in der stricte wissenschaftlichen Arbeit der Fall ist. Das ist dermaßen anstrengend, dass Sie in diesen Höhen maximal drei Stunden pro Tag weilen können. Viele Schriftsteller meinen, dass man nur drei wirklich kreative Stunden am Tage habe. Dies trifft wirklich zu und es ist so anstrengend, als würden Sie mit kurzen Verschnaufpausen immer 400 m laufen.

Was hat das aber mit dem Gebet der Einfachheit zu tun?

Alles. Das Gebet der Einfachheit, in welcher man z. B. 15 Minuten lang seine geistlichen Eindrücke oder sein religiöses Wissen vereinfacht, indem man von der Betrachtung der z. B. Auferstehung Christi nur einen Aspekt zu sich kommen lässt und diesen liebend betrachtet, all das ist Schwerstarbeit. Es wird längere Zeit dauern bis Sie alle Ablenkungen ausschalten und sich wirklich auf das Eine konzentrieren können. Aber wie gesagt, das Gebet der Einfachheit setzt meistens jahrelanges, vorheriges Betrachten voraus, damit es etwas zu Vereinfachen gibt. Da wirklich die wenigsten Menschen kreativ arbeiten, sodass sie überhaupt dazu kommen Vergleichsmöglichkeiten zwischen dem kreativen „Hochleistungssport“ und z.B. einem gemäßigten Büroalltag zu haben, so glauben die Meisten nicht, dass es etwas geben kann, was anstrengender sein kann als das, was sie tun. Ebenso ist es mit dem Gebetsleben. Im Novus Ordo Land sieht es wie folgt aus:

  1. Zu wenig vorgeschriebene Gebete – zu wenig Stoff.
  2. Zu wenig betrachtendes Gebet, das dieses auf 1. fußt.
  3. Kein Gebet der Einfachheit, von den nachfolgenden Schritten ganz zu schweigen.

Menschen, die in ihrem Gebetsleben nicht vorankommen, wenden sich an irgendwelche dubiosen New Age Meditationspraktiken à la Pater Grün oder fortschrittliche Jesuiten, was in Apostasie, Atheismus, Depressionen und/oder Besessenheit endet.

Was raten wir?

  1. Kaufen Sie sich ein Diurnale und beten Sie wenigstens die Laudes und die Vesper auf Lateinisch laut.
  2. Lesen Sie sich täglich das Tagesevangelium durch.
  3. Betrachten Sie es 15 Minuten lang, falls Sie das mehrere Jahre oder Monate getan haben.
  4. Ersetzen Sie die Betrachtung durch das Gebet der Einfachheit.

Ja, so einfach ist das und Sie werden merken, dass die Anstrengung von 1. zu 4. verläuft. Das mündliche Beten ist schon anstrengend, aber das Betrachten ist es viel mehr, ebenso wie das Gebet der Einfachheit. So arbeitet unser Gehirn: je abstrakter umso anstrengender, je geistlicher umso anstrengender. All diesen Ausführungen von Pater Poulain SJ ist zu entnehmen, dass sich seine Mitbrüder gegen das Gebet der Einfachheit wehrten und Gegenargumente brachten, hauptsächlich deswegen, weil sie es nicht einübten. Man will ja als Mann und Jesuit tätig sein und nicht „nur so Herumsitzen“. Wohin uns alle der Aktivismus gebracht hat, sehen wir an „Papst“ Franziskus dem Jesuiten, leider Gottes. Kein Glaube, kein geistliches Leben, Chaos im Kopf und eine wilde Zerstörungswut allem Heiligen gegenüber. Hätten die Jesuiten in den Zeiten Poulains, also um das Jahr 1900, sich mehr dem Gebet der Einfachheit als dem Aktivismus hingegeben, so wäre uns Vieles erspart geblieben.

Sie meinen das ist ein übertriebenes Moralisieren?

Nein, denn kommen Sie in eine Stellung, wo Sie Einfluss auf andere ausüben, so müssen Sie instinktmäßig handeln und Sie sind all das, was Sie in den vorigen Jahren und Jahrzehnten zusammengetragen haben. So schreibt DSDZ diesen Beitrag wieder einmal schnell, bevor er zu seinem Brotberuf fährt und muss so alles möglichst einfach zusammenfassen, was er zum Thema geistliches Leben weiß.  Er muss also nicht nur sein Wissen abrufen, sondern auch das geistlich weitergeben, was er hat und was in einigen Jahren zusammengetragen wurde. Deswegen ist das geistliche Leben immer ein Stückwerk, dass uns in die Ewigkeit führt.

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