Hl. Leonard: Die kleine Anzahl derer, die gerettet werden (6 von 10)

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Warum haben wir solche Probleme mit dieser Predigt? Weil wir erstens glauben selbst zur den Verworfenen zu gehören, da wir nicht ausreichend viel tun und zweitens sind wir durch das dumme, demokratische Denken verzogen. Dieser Egalitarismus, diese Gleichmacherei. Alles ist für jeden, jeder ist gleich gut, jeder ist jedem unter jedem Gesichtspunkt ebenbürtig. Das ist doch blanker Unsinn! Schauen Sie sich um! Es gibt überall Hierarchien, nach der Gauß-Kurve angeordnet.  Wenn also die Natur und das Natürliche so angeordet ist, warum sollte denn das Übernatürliche anders angeordet sein. Bis Amoris Laetitia war Ehebruch Todsünde, Homosexualität himmelschreiende Todsünde. Glauben Sie wirklich, dass sich das durch die Federzüge von Bergoglio geändert hat? Mitnichten. Wer soll denn aus der heutigen Schar noch gerettet werden?

Als der Heilige Johannes Chrysostomus eines Tages in der Kathedrale von Konstantinopel predigte und diese Verhältnisse bedachte, konnte er nicht anders als vor Entsetzen schaudern und fragen:

„Was glauben Sie, wie viele aus dieser großen Anzahl von Menschen gerettet werden?“

Und ohne auf eine Antwort zu warten, fügte er hinzu:

„Unter so vielen tausenden Menschen würden wir keine hundert finden, die gerettet werden, und ich zweifle sogar, dass diese hundert [gerettet werden].“

Was für eine entsetzliche Sache! Der große Heilige glaubte, dass von so vielen Menschen, kaum einhundert gerettet würden; und selbst dann war er sich der Anzahl nicht sicher. Was wird mit euch geschehen, die ihr mir zuhört? Großer Gott, ich kann nicht ohne Schaudern daran denken! Brüder, das Problem der Errettung ist eine sehr schwierige Sache; denn nach den Leitsätzen der Theologen erreichen nur wenige ein Ziel, wenn es große Anstrengungen erfordert.

Deshalb folgert der Heilige Thomas [von Aquin, gest. 1274], der Doctor Angelicus, nachdem er in seiner großen Belesenheit alle Für und Wider abgewogen hat, letztendlich, dass die größere Anzahl der erwachsenen Katholiken verdammt werden. Er sagt:

„Weil die ewige Seligkeit das Stadium des Natürlichen übersteigt, besonders seit ihm die ursprüngliche Gnade entzogen wurde, wird nur diese kleine Anzahl gerettet werden.“

Also nimm die Binde von deinen Augen, die dich mit Eigenliebe blendet, die dich davon abhält so eine offensichtliche Wahrheit zu glauben, indem sie dir sehr falsche Ideen über die Gerechtigkeit Gottes vermittelt. „Gerechter Vater, die Welt hat Dich nicht erkannt“, (vgl. Joh 17, 257) sagt Unser Herr Jesus Christus. Er sagt nicht „Allmächtiger Vater, bester und barmherziger Vater.“ Er sagt „gerechter Vater“ (vgl. Ps 119/118, 1378), so dass wir verstehen können, dass aus all den Attributen Gottes keines weniger bekannt ist als Seine Gerechtigkeit, weil die Menschen sich weigern zu glauben, weil sie sich fürchten, dem unterzogen zu werden. Deshalb, nimm die Binde von deinen Augen weg und sage tränenreich: Ach! Die größere Anzahl der Katholiken, die größere Anzahl derer, die hier leben, vielleicht sogar jene, die in dieser Versammlung sind, werden verdammt! Welches Thema könnte deine Tränen mehr verdienen?

König Xerxes, der auf einem Hügel stand und auf seine Armee von einhundert tausend Soldaten in Schlachtordnung sah, und dabei erwägte, dass von all diesen in hundert Jahren kein einziger Mann leben würde, war nicht in der Lage, seine Tränen zurückzuhalten. Haben wir nicht mehr Grund zu weinen, wenn wir daran denken, dass von so vielen Katholiken die größere Anzahl verdammt wird? Sollte dies unseren Augen nicht Flüsse von Tränen entlocken, oder zumindest in unserem Herzen das Gefühl des Mitleids hervorbringen, wie es ein Augustinerbruder, der ehrwürdige Bruder Marcellus vom Hl. Dominikus gefühlt hat? Eines Tages, als er über die ewigen Qualen meditierte, zeigte ihm der Herr, wie viele Seelen in diesem Moment in die Hölle kamen und ließ ihn eine sehr breite Straße sehen, auf der zweiundzwanzigtausend Verdammte in Richtung Hölle rannten und dabei aneinander prallten. Der Diener Gottes war bei dem Anblick bestürzt und rief aus: „Oh, welch eine Menge! Welch eine Menge! Und es kommen noch mehr! O Jesus! O Jesus! Welch ein Wahnsinn!“ Lass mich mit Jeremia wiederholen:

„Wer wird meinem Kopf Wasser geben und eine Tränenquelle meinen Augen? Und ich werde Tag und Nacht weinen um die Geschlachteten der Tochter meines Volkes.“ (vgl. Jer 9, 1, bei Henne Rösch Jer 8, 239).

Arme Seelen! Wie könnt ihr so eilig Richtung Hölle rennen? Um der Barmherzigkeit willen, haltet an und hört mir einen Moment zu! Entweder versteht ihr was es bedeutet, gerettet zu sein und [was es bedeutet] in alle Ewigkeit verdammt zu sein, oder nicht. Wenn ihr versteht und euch dennoch nicht  entscheidet, heute euer Leben zu ändern, eine gute Beichte abzulegen und die Welt [mit ihren Verlockungen] niederzutrampeln, in einem Wort, alle Anstrengungen zu unternehmen, zu der kleinen Zahl derer gezählt zu werden, die gerettet werden, dann sage ich, dass ihr nicht den Glauben habt. Ihr seid mehr entschuldbar, wenn ihr das nicht versteht, denn dann muss man sagen, dass ihr den Verstand verloren habt. [Zu wissen, was es bedeutet:] Für alle Ewigkeit gerettet zu sein, für alle Ewigkeit verdammt zu sein, und nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, das eine zu vermeiden und das andere sicherzustellen, ist etwas Unvorstellbares. (vgl. Hos 13, 910)

7    Joh 17, 25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt. Ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast.

8    Ps 119/118, 137. Gerecht bist du, o Herr, und dein Gericht ist gerade.

9    Jer 9, 1 (bei Henne/Rösch: Jer 8, 23) O daß doch ganz Wasser wäre mein Haupt, mein Auge ein Tränenquell! Weinen wollte ich Tag und Nacht um der Tocher, meines Volkes, Erschlagene!

10  Hos 13, 9. Das ist dein Unheil, o Israel: Wer kann dich schützen vor mir?

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