Podcasts. Leserfrage Nr. 10: Wie ist die Verehrung des „Barmherzigen Jesus“ nach den Erscheinungen der Hl. Faustina Kowalska zu bewerten?

Heute stellen wir unseren weiteren Podcast der Reihe vor:

„Alles über Katholizismus wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten?“

Eine Reihe also, welche darin besteht die Leserfragen ab 20 EUR pro Frage in mindestens 15 Minuten zu beantworten. Sie überweisen uns Geld, schicken Ihre Frage und diese wird per Podcast öffentlich beantwortet, wobei sich die Beantwortungs- und Bearbeitungszeit nach dem Arbeitsaufwand richtet.

Die hier behandelte Frage lautet:

Wie ist die Verehrung des „Barmherzigen Jesus“ nach den Erscheinungen der Hl. Faustina Kowalska zu bewerten?

Die ist negativ zu bewerten und der Podcast sagt auch warum.

Als Literatur zur Beantwortung dieser Frage wurden verwendet:

  • Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil: Alverna Verlag 2012
  • Poulain, A. SJ. The Graces of Interior Prayer. A Treatise of Mystical Theology, Westminster 1949
  • Poulain, A. S.J., Die Fülle der Gnaden, Freiburg in Breisgau 1909
  • Tanquerey A., Précis de Théologie Ascétique et Mystique, Paris 1924

Die deutsche Fassung des Tagebuchs von Fausina Kowalska befindet sich hier.

Die Scans der Verurteilungsdekrete von Faustinas Schriften (6 marca 1959 (Acta Apostolicae Sedis 51[1959] p. 271) finden sich hier und hier. Dass das Tagebuch auf dem Index stand ist hiermit bewiesen.

Podcast:

Wie ist die Verehrung des „Barmherzigen Jesus“ nach den Erscheinungen der Hl. Faustina Kowalska zu bewerten?

17 Gedanken zu „Podcasts. Leserfrage Nr. 10: Wie ist die Verehrung des „Barmherzigen Jesus“ nach den Erscheinungen der Hl. Faustina Kowalska zu bewerten?

  1. Danke für den interessanten Beitrag. In der Tat machen beispielsweise die (beinahe obzessive) Fixierung auf die Verehrung eines ganz speziellen Barmherzigkeitsbildes und die gleichsam automatisch eintretende schrankenlose Barmherzigkeit Gottes zu Jesu Todesstunde skeptisch, vermittelt sie doch eher den Anschein eines magischen Fetischkultes. Wie bei den meisten Privatoffenbarungen üblich (https://kirchfahrter.wordpress.com/2016/11/10/traditionalistisch-konservativ-oder-nur-einfach-katholisch-von-der-muehe-des-begriffes-8/), herrscht eine abschreckend süßlich-kitschige Atmosphäre vor (ältere Damen unterstreichen dabei nicht selten das forcierte „Kindsein“ – „wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ – durch aufgesetzt „helle“ Stimmlagen, unmotiviertes Gekicher und enervierend „gütiges“ Dauerlächeln), welche oftmals – wie im vorliegenden Fall – bis ins schwül-erotische geht. Auch die abrupte 180°-Wende der kirchlichen Autoritäten bei der inhaltlichen Beurteilungen scheint dubios, da der handelnde Papst Johannes-Paul II. bereits als Krakaus Erzbischof vom Gedankengut der Krakauer Ordensschwester eingenommen war.

    Aber noch eine kurze Frage: Bezüglich der „Erweiterung des Opfers der Eucharestie“ (so Mechthild Neiske, „Der Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit“, 1.A. 2015, Christiana-Verlag) fiel mir auf, dass dem Aufopfern des Leidens und Sterbens des Herrn auch von Pater Martin von Cochem in seiner „Erklärung des hl. Meßopfes“ (zit. nach 7.A.) ein „großer Nutzen“ zugesprochen wird, wenn auch außerhalb des Hl. Meßopfers natürlich mit geringerer Kraft, nämlich als lediglich geistiges Opfer. Das Aufopfers des Leidens Christi begründet, so der Herrn auch gegenüber der hl. Gertrud, trotz größter Sündenlast zumindest „die Hoffnung der Verzeihung“ (ebenda, S. 306), wenn auch natürlich keinen „Heilsmechanismus“. Wie würden Sie dies im Zusammenhang mit dem Chaplet einordnen?

  2. @ Kirchfahrter

    Bezüglich des Aufopferns, so wurde mir diese Frage schon gestellt. Aber in der Messe findet etwas statt, was aufgeopfert werden kann. Im Barmherzigkeitsrosenkranz ist Christus real nicht vorhanden.
    Die genauere Antwort werde ich mir noch überlegen. Ein deutsche Faustina-Zyklus wird noch folgen.

  3. … gibt es eine/n anerkannten Heiligen, der dement wurde? Maria Valtorta hat ja zum Ende ihres Lebens ihren Verstand nicht mehr wirklich beieinander gehabt und alle möglichen Zettelchen vollgeschrieben … Das hat sie dann angeblich aufgeopfert, weil ihre Schriften nicht die Imprimatur bekamen, wenn ich mich recht erinnere …

    • @ Eugenia

      Ich weiß nichts darüber. Alle Heiligen starben beim klaren Verstand. Lesen Sie bitten die pdf von den Kapiteln von Pater Poulain. Er gibt dort viele Beispiele.

      Die Demenz bestätigt, dass es Falschoffenbarungen waren. Warum sollte Gott so etwas tun? Der Teufel hingegen wirft sein Werkzeug weg, wenn er es nicht mehr braucht.

    • @ Eugenia

      Ähnlich war es bei Faustina 1937 wurde sie angeblich geheilt, 1938 wurde wieder krankt und starb. Also entweder war sie niemals krank oder sie wurde nicht geheilt. Ich habe aber ihre Krankengeschichte nicht gelesen.

      Unerklärliche Krankheiten sind auch Zeichen von Umsessenheit.

  4. (Entschuldigung, wenn ich jetzt abschweife) War Theresia (von Avila?), war Hildegard von Bingen nicht auch krank? – Beantwortung gerne in einem anderen Post, wenn’s zu ausführlich wird.

  5. … was mich – ohne die hier aufgeschriebenen und gesprochenen Fakten zu kennen – schon lange irritiert: Warum sollte Gott die Einführung des Barmherzigkeitssonntags ausgerechnet am „Weißen“ Sonntag fordern? Im Vetus Ordo haben alle Sonntage einen Namen, das ist jeweils der Anfang des Introitus‘. Der Introitus des 2.Sonntags nach Ostern beginnt mit den folgenden Worten:
    Misericordia Domini (plena est terra,alleluja) zu Deutsch:
    Von der Barmherzigkeit des Herrn (ist voll die Erde).
    Das sind dann gewissermaßen zwei Barmherzigkeitssonntage hintereinander, das ist unlogisch …

    • Es verschlägt mir zunehmend die Sprache, wie eine ohnehin in höchstem Maß geprägte liturgische Zeit wie die vom Karfreitag bis zum Weißen Sonntag auch noch von den Motiven dieser Privatoffenbarung bereichert werden soll.

      Johannes Paul II. hat da ähnlich wie mit der Einführung des Lichtreichen Rosenkranzes gehandelt, da dieser die Repräsentation der drei traditionellen Rosenkränze als Psalter »für die Kleinen« aufgelöst hat. Gewiß, Frömmigkeit kann im Laufe der Zeit ihren Betrachtungsgegenstand wechseln. Aber hier sehe ich ein bewährtes Gewebe zerstört, an dessen Stelle nichts Gleichwertiges tritt.

  6. Na ja, wenn der gute GOTT uns am (Vor-)Tag des „Barmherzigkeits-Sonntags“ über diesen Blog vor Falschmystik warnen lässt, so ist das im Ergebnis ja tatsächlich Seiner barmherzigen Tat am Kreuze zu verdanken, so dass wir trotzdem die Barmherzigkeit GOTTES preisen dürfen. Damit kann man auch aus dem „Barmherzigkeits-Sonntag“ noch das Beste machen 😉

    Ich selbst gebe jetzt einmal subjektive Einschätzungen an: Die großen Fans des „Barmherzigen Jesus“ sind doch sehr oft stark charismatisch angehaucht. Ich habe früher auch an ihm gehangen – und auf Seine „Barmherzigkeit“ hin vielleicht vermessenen gesündigt (denn für einen guten Tod würde ja allein die Verehrung des Bildes genügen). Und in der katholischen Tradition meiner Region sieht man diesen Kult auch oft eher skeptisch.
    Aber die theologischen Argumente des DSDZ sind natürlich einfach objektiv nicht zu widerlegen.
    Für diese Mühe herzlichen Dank!

  7. Leider mußte ich heute auch beim Besuch der Heiligen Messe im Vetus Ordo bei der Petrusbruderschaft anschließend den sogenannten Barmherzigkeits-Rosenkranz erleben, den ich bisher gar nicht kannte. Auf Grund göttlicher Fügung hatte ich aber am frühen Morgen diesen Podcast zum Teil gehört und ich war entsprechend vorbereitet und habe das Gotteshaus dann verlassen. Mir ist völlig unerklärlich, wie so am Weißen Sonntag diese merkwürdige Verehrung stattfinden soll. Vielen Dank an DSDZ für diesen Podcast!

  8. Vortrag ab Minute 51;
    Kritik am Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit.
    In diesem Rosenkranz betet man bei den großen Perlen:
    Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zur Sühne für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.

    Nun betet man den Akt der Aufopferung auch beim Gebet des Engels von Fatima:
    „Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“

    Worin besteht der wesentliche Unterschied dieser beiden Gebete?
    Jedesmal opfern wir Jesus Christus dem Vater bzw. der heiligsten Dreifaltigkeit außerhalb der hl. Messe auf. Wir opfern Gott Gott auf.
    Ist der Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit abzulehnen, weil wir dem Ewigen Vater (und nicht der Allerheiligsten Dreifaltigkeit) aufopfern oder weil wir (als Menschen) die Gottheit aufopfern oder beides?

    • Diese Frage wurde schon mehrmals gestellt.
      Antwort
      1. Dieses Gebet gehört nicht zu Kernoffenbarungen.
      2. Bitte bei Poulain die Möglichkeiten einer Verfälschung von echten Offenbarungen ansehen.
      3. Bei dem Gebet aus Fatima wird auf den Eucharistischen und Gegenwärtigen Christus Bezug genommen, bei Fatima nicht.
      4. Warten Sie den ganzen deutschen Faustyna-Zyklus ab. Ich habe dort die Aufopferungsgebete der Tridentinischen Messe aufgeführt, die wesentlich moderater im Ton sind als die des Engels und bei Faustina.
      5. Man braucht an das Engelsgebet von Fatima nicht glauben, was ich auch nicht tue.
      6. Ich arbeite an der endgültigen Antwort und suche nach liturgischen Präzedenzfällen, wo man Gott seine Gottheit aufopfert. Bisher kenne ich das Aufopfern nur aus der Frömmigkeitsliteratur.
      7. Ich bleibe dran.

  9. Bei den 7 bzw. 15 Vaterunsern, die uns Birgitta von Schweden gebracht hat, betet man jeweils ein Vater unser, ein Gebet, das mit den Worten beginnt: „Ewiger Vater, durch die unbefleckten Hände Mariens und das göttliche Herz Jesu opfere ich dir … (z. B. die Leiden Jesu auf seinem Kreuzweg) auf …“. anschließend ein Ave Maria. Auch hier wird der Hl. Geist nicht erwähnt …

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