Peter Kwasniewski, Der fünfzig Jahre dauernde Abstieg zu Fußnote 351 (1 von 2)

Cl.Coello.La_Sagrada_Forma.1685-90.Sacristy,_El_Escorial

Quelle

Unsere 50 Jahre dauernde Desensibilisierung gegenüber der Heiligen Eucharistie

Wir sind nicht eines schönen Tages im Jahr 2017 aufgewacht, um uns plötzlich mit dem eucharistischen Sakrileg konfrontiert zu sehen, das von oben beworben wurde. Es war ein langer, langsamer Prozess, der zu diesem Moment führte. Er bestand in der schrittweisen Verwässerung der Heiligkeit des Heiligen Messopfers und des Allerheiligsten Sakramentes als seinen wesentlichen Kern, mit institutionell tolerierten Sakrilegien auf dem Weg dorthin. Fünfzig Jahre der Entsakralisierung haben in der Dreistigkeit geendet, der gesamten katholischen Tradition über das Allerheiligste aller Geheimnisse der Kirche zu widersprechen.

Der erste entscheidende Schritt war die Erlaubnis, die Kommunion in die Hand zu empfangen, während man stand – ein scharfer Bruch von der tief verwurzelten Praxis vieler Jahrhunderte, in Anbetung an der Kommunionbank zu knien und [die Heilige Eucharistie] auf die Zunge zu empfangen, wie ein Vogeljunges, das von seinen Eltern gefüttert wird (wie wir es in zahllosen mittelalterlichen Darstellungen des Pelikans sehen, der seine Brust verwundet, um seine Jungen zu füttern). Diese Veränderung hatte den offensichtlichen Effekt, dass die Leute dachten, dass die Heilige Eucharistie doch gar nicht so geheimnisvoll und heilig war. Wenn man sie einfach in die Hand nehmen kann wie ganz normales Essen, könnte das genauso gut ein Kartoffelchip sein, der auf einer Party verteilt wird.[1] Das Gefühl der Ehrfurcht und Verehrung gegenüber dem Allerheiligsten Sakrament wurde systematisch abgeschwächt und unterminiert durch diese modernistische Wiedereinführung einer alten Praxis, die seit langem schon in pastoraler Weisheit von der Kirche eingestellt worden war. Wie gut dokumentiert ist, haben die Gläubigen selbst nicht die Abschaffung des Brauchs erbeten, die Heilige Eucharistie knieend auf die Zunge zu empfangen; dies wurde von den  selbsternannten „Experten‟ angeordnet[2]

Der zweite große Fortschritt war die Erlaubnis von Laien als Kommunionhelfer. Dies bestärkte die Auffassung, dass die Kirche diesen Quatsch aufgegeben hatte, dass der Priester wesentlich anders sei als die Laien, dass die Messe ein göttliches Opfer sei und die Eucharistie das Brot der Engel, das nur gesalbte Hände berühren dürfen. Es ist wahr, noch immer hatte ein Priester die magischen Worte zu sprechen, aber danach durften Hans und Grete hochkommen, Schüsseln und Tassen nehmen und diese Symbole der Club-Mitgliedschaft austeilen.

Der Effekt dieser und ähnlicher „Reformen‟ (wie das Ersetzen des majestätischen und geheimnisvollen Latein durch die Volkssprache, den Ersatz von Pfeifenorgel und Gesang durch Liedchen, die von Gitarre und Klavier begleitet werden, die „Kehrtwendung‟ des Priesters, der nun wie der Gastgeber einer Talkshow den Leuten ins Gesicht sieht, das Entfernen der Kommunionbank, das Zurseitestellen des Tabernakels, die Entstellung von Gewändern und Gefäßen und noch vieles mehr) waren dazu da, den Glauben der Leute an die Heilige Messe als wahres und echtes Opfer und an die Eucharistie als wahren Leib und wahres Blut Jesu zu erweichen und zu verderben. Kein Wunder, dass nach alldem der Gedanke der eucharistischen Nüchternheit, des Sich-Vorbereitens vor dem Empfang der Heiligen Kommunion durch die Beichte, für die überwiegende Mehrheit der Leute verdunstet sind. Die der Kirche eigenen Hirten handelten nicht, als würden sie all diese Dinge noch glauben, warum sollten also ihre Herden?

Kurz gesagt, wir durchleben seit einem halben Jahrhundert eine rituelle Herabsetzung und ein Widersprechen in Symbolen des Glaubens der Kirche in dem ehrfurchtgebietenden Geheimnis von Leib und Blut Christi und leiden darunter. Wie Johannes Paul II und Benedikt XVI beklagten, gibt es eine dürftige Beweislage in unseren Gemeinden von dem Gewahrwerden der Unterscheidung  zwischen würdigem und unwürdigem Kommunionempfang — einer der grundlegenden Lehren, die man Kindern im Katechismusunterricht beibrachte.

Den Kindern in diesen „primitiven Tagen vor dem II. Vatikanum‟ brachte man bei, Tugend zu praktizieren und die Todsünde zu meiden, weil sie den Wunsch haben sollten, den Herrn empfangen zu können und immer vollkommener mit Ihm vereint zu sein, bis sie die Herrlichkeit des Himmels erreichen würden, wo sie Ihn für immer besitzen würden. Man lehrte sie, dass, wenn man den Herrn im Stand der Todsünde empfing, man eine weitere und schlimmere Sünde beging. Man lehrte sie, dass, wenn man eine gute Beichte mit Betrübnis über seine Sünden ablegte und mit der Intention, sie in Zukunft zu vermeiden, dies genügte, um diese schlechte Situation zurechtzurücken und ihnen Gottes Freundschaft wiederzuerlangen. Wer könnte ernsthaft behaupten, dass die meisten Katholiken heute noch irgendetwas davon glauben, oder dass sie diese Gedanken überhaupt noch anerkennen, und noch viel weniger, dass sie diese verstehen?[3]

[1] In einer bewegenden Szene in Robert Hugh Benson’s Roman Mit welcher Befugnis? lesen wir das Folgende über den Charakter von Isabels Erfahrung eines calvinistischen Kommuniongottesdienstes: „Der Tisch aus Mahagoniholz war von der Ostwand heruntergebracht worden unter die Kuppel, und stand da mit einer riesigen weißen Tischdecke bedeckt, die auf allen Seiten beinahe bis zum Boden reichte; und eine Reihe Silbergefäße, flache Platten und große neue Kommunionkelche und Kannen glänzten auf ihm. … Die drei Diener hatten inzwischen kommuniziert; und es gab ein Rascheln und Klappern von Füßen, als die leeren Sitze vor ihm, behängt mit Tüchern für das Abendmahl, sich zu füllen begannen.‟ Isabel sieht einige Leute, die kniend empfangen, andere stehend. Und all dies bei einer Zeremonie von Protestanten, die ausdrücklich die Realpräsenz und die Opfernatur der Messe verneinen.

[2] Es gibt einen offensichtlichen Unterschied zwischen einer ursprünglichen Praxis, wie die frühen Christen in die Hand empfingen und einer späteren Wiedereinführung einer solchen Praxis, als diese längst obsolet geworden war. Im früheren Fall ist die Praxis züchtig. Im späteren Fall läuft es auf eine Ablehnung und einen symbolischen Widerspruch der Werte hinaus, die durch das Knieen vor der Hostie und das sich-nicht-selbst-Bedienen ausgedrückt werden.

[3] Msgr. Benson schrieb dies über seine Anglikanischen Tage: „Ich war ein Amtsträger in einer Kirche, die ihren eigenen Geist nicht zu kennen schien, sogar in Dingen, die direkt mit der Rettung der Seele in Zusammenhang stehen … Darf ich oder darf ich nicht meinen Sündern sagen, dass sie vor der Kommunion ihre Todsünden beichten müssen? … Das kleinste Römisch-Katholische Kind wusste genau, wie man mit Gott versöhnt wird, und Seine Gnade erhält …” (Eine Stadt auf einem Berg). Klingt diese Anglikanische Beschreibung des Problems in seiner eigenen Gemeinschaft nicht dem furchtbar ähnlich, was man heute in der Römisch-Katholischen Kirche findet?

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