Peter Kwasniewski, Der fünfzig Jahre dauernde Abstieg zu Fußnote 351 (2 von 2)

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Unsere 50 Jahre dauernde Desensibilisierung gegenüber der Heiligen Eucharistie

Heutzutage gehen zumindest in bestimmten westlichen Ländern beinahe alle zur Kommunion wenn die Zeit kommt. Es ist einfach das, „was man in der Messe tut.‟ Fast niemand geht zur Beichte; fast niemand bleibt der Kommunionbank wegen Sündenbewusstseins fern; und rar sind die Priester, die überhaupt einmal darüber predigen, dass man die rechte Disposition zum Kommunionempfang haben muss (im Gegensatz zum Heiligen Jean Marie Vianney, der unermüdlich über diese Dinge predigte und die Beichtpraxis und den regelmäßigen Kommunionempfang erhöhte. Nicht umsonst ist er der Patron der Gemeindepfarrer. Patrone sind dazu da, dass man ihnen nacheifert).

So wurde der Boden teuflisch für die Endphase vorbereitet, in der auch das allerletzte Hindernis für den Kommunionempfang theoretisch und praktisch aufgelöst wurde. In einer allgemeinen Situation, wo die wenigen Katholiken, die noch die Messe besuchen alle die Heilige Kommunion empfangen, erscheine es als eine grausame und ungewöhnliche Bestrafung einzelner  (aus ohnehin nur einer Handvoll Leute) sogenannter „Geschiedener und Wiederverheirateter‟ mit einer Sonderbehandlung: „Sie dürfen nicht zur Kommunion gehen, währenddessen die sich selbst missbrauchenden und unzüchtigen Teenager, die verhütenden Ehepaare, die Familien, welche manchmal die Sonntagsmesse zugunsten eine Sportveranstaltung ausfallen lassen — alle sind willkommen nach vorn zu kommen, wie üblich!‟

Dies ist das Gesamtbild, das meiner Meinung nach erklärt, warum die Liberalen oder Progressiven in der Kirche absolut unfähig sind zu sehen, wie jemand Kapitel 8 von Amoris Laetitia mit seiner atomaren Fußnote beanstandet.[1] Sie glauben nicht wirklich, dass die Messe ein wahres und eigentliches Opfer Jesu Christi an die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist; sie glauben nicht wirklich an die Transsubstantiation und die Realpräsenz; sie glauben nicht, dass man Leib und Blut Gottes isst und trinkt; sie glauben nicht, dass derjenige, welcher unwürdig isst und trinkt, seine eigene Verdammnis isst und trinkt, genauso wie [umgekehrt] jene, die würdig essen ihre Seelen und Leiber für eine glorreiche Auferstehung aussäen.

Die Amoriter, wie wir sie nennen könnten, sehen „die Eucharistie‟ als brüderliche Zusammenkunft, ein gesellschaftliches Ereignis, eine Bestätigung des Wertes des Menschen, eine „Feier‟ von Gottes „bedingungsloser Liebe‟, und welchen Slogan sie auch immer als Markenzeichen ausdenken können. Innerhalb der Beschränkungen dieser horizontalen und oberflächlichen Theologie ist kein Raum für irgendwelche Anforderungen oder Verbote; jeder ist willkommen, alles ist möglich! Denn die Eucharistie ist ein Mahl, das Gottes freundliche Aufnahme für den Sünder symbolisiert, es gibt keinen Grund, irgendjemanden aus irgendwelchen Gründen von der „Tafel der Vielfalt und des Überflusses‟ auszuschließen.

Amoris Laetitia passt in diesen größeren historischen Entwicklungsverlauf, wobei die Messe ihres transzendenten, geheimnisvollen, furchtbaren und herausfordernden opfernden Realismus‛ entkleidet wurde und fortwährend in Richtung eines normalen Mahls gedrängt wurde, mit normalem Volk, das normale Dinge tut für ein innerweltliches Ziel,[2] mit erzwungener Spontanität und beschämender Banalität, die es nicht geschafft hat, riesige Menschenmassen anzuziehen, wie es von Paul VI. vorhergesagt worden war. Gibt es bei einer solchen Messe irgendetwas zu tun – außer die Kommunion zu empfangen? Wer würde jemals daran denken: um der Anbetung Gottes willen, um Seine Schönheit zu verehren? Möglichkeiten und Anreize zur Anbetung sind im Novus Ordo praktisch nicht existent, und der Schönheit ist es nicht besser ergangen, oder vielmehr noch viel schlechter. Unter solchen Umständen eine Barriere zwischen einem freien Mahl und einem Gast aufzustellen, der denkt, es sei gut, dass er da ist – undenkbar![3]

In Wahrheit ist die Messe das unblutige Kreuzesopfer, in unserer Mitte gegenwärtig gesetzt; es ist gleichzeitig das himmlische, lebenspendende Hochzeitsmahl des nun verklärten Christus. Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit einer mit Gnade und Anmut geschmückten Braut mit einem Bräutigam, der ihre einzige Glückseligkeit ist, in einem Fleische.

Es überrascht mich nicht zu sehen, dass man in einer Lateinischen Messe auf der ganzen Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, zwei miteinander verbundene Phänomene sieht: eine große Anzahl der Gläubigen machen vor und während der Heiligen Messe Gebrauch von der Beichte; und eine große Anzahl von Gläubigen, die in den Bänken bleiben und nicht zur Kommunion nach vorn gehen. Die inneren Triumphe für den einen, die inneren Prüfungen für den anderen kennt nur Gott allein. Aber so viel liegt auf der Hand: sie alle kamen, um Ihn anzubeten. Sie kamen als Antwort auf Seine Majestät. Sie kamen, um eine feierliche Verpflichtung der Tugend der Religion zu erfüllen. Ob sie nun persönlich disponiert sind, [die Heilige Kommunion] zu empfangen oder nicht, ist eine Frage, die hier nicht gestellt ist. Es ist die Vernunft, die im Bereich der Tradition herrscht; es ist die Vernunft, die den Weg zur Heiligkeit ebnet.

[1] Oder vielleicht sollte man sagen Fußnoten, da es mehrere gibt, die ernsthaft problematisch sind.

[2] Dies stimmt überein mit der vor Liebe blinden freudigen Aufnahme der Vereinten Nationen und der „Greenpeace‟-Umweltschutzbemühungen in Laudato Si’.

[3] Wir können nun anfänglich die Größe der Veränderungen des Meeres sehen, wenn wir uns vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn die Vorschläge Kaspers 1965 lanciert worden wären – dem letzten Jahr, in dem wir wohl sagen können, dass wir noch einen integralen und authentischen Römischen Ritus in der ganzen Kirche hatten (obgleich bereits abgesehen von seinen Anfangs- und Schlussgebeten). Es hätte fassungslose Skepsis und gerechte Empörung gegeben. Der Vorschlag hätte nicht länger gedauert als ein Zündholz brennt. Kein Kirchenmann mit klarem Menschenverstand hätte dies unterstützt. Die Progressiven von heute attackieren die Traditionalisten gleichermaßen für unsere Liebe zur traditionellen Liturgie, unsere dogmatische Unnachgiebigkeit und unsere Bekenntnis zur objektiven Moral. Sie sehen zurecht eine tiefe und bleibende Bindung zwischen diesen Dingen — eine Verbindung, die feinsäuberlich zusammengefasst wird als lex orandi, lex credendi, lex vivendi.

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