Father Ripperger, Warum verhüllen wir etwas? Die Theologie des Verhüllens (1 von 7)

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Anbei ein sehr tiefgründiger Text von Father Ripperger, welchen Eugenie Roth mit benediktinischen Fleiß abgehört, zusammengetragen und übersetzt hat, wofür ihr Lob und Dank gebührt. Dieser Text führt in die theologischen Tiefen der Schleier-Symbolik ein und wird hoffentlich die Anzahl der Mantilla-Trägerinnen verdoppeln. Aber es geht hier nicht um Mode, es geht um Theologie und daher ist dieser Text auf für Männer geeignet, da der per Umkehrschluss erklärt, warum nach dem Konzil alle Schleier als Zeichen der unzugänglichen göttlichen Heiligkeit entfernt wurden.

Anm. des Übersetzers: Das englische Wort veil kann „Schleier, Hülle, Velum, Mantilla“ bedeuten und wird hier auch für das Anlegen der priesterlichen Kleidung verwendet. Daher wird es jeweils verschieden übersetzt, kann aber auch im selben Zusammenhang möglicherweise mehrere Bedeutungen haben. Dies ist eine leicht zusammenfassende Übersetzung eines etwa einstündigen Films

Verhüllen spielt eine bedeutende Rolle in der Göttlichen Liturgie des traditionellen Ritus‘, so wie es sein sollte. Im neuen Ritus ist das Verhüllen jedoch weitgehend verschwunden. Was bedeutet das für die Heilige Liturgie? Lex orandi, lex credendi (vgl.  kathpedia) wovon wir bereits gesprochen haben.

Bevor wir uns mit den liturgischen Regeln befassen, dem Gregorianischen  Gesang, dem Gebrauch des Weihwassers und all diese Dinge, schauen wir zurück ins Alte Testament, da sich dort die Wurzeln unserer Liturgie befinden.

Wenn man im Alten Testament vom „Verhüllen“ spricht, denkt man zunächst an das Allerheiligste, wo sich der Thron Gottes befand. Dies war vom übrigen Tempel durch einen riesigen Vorhang abgetrennt und nur der Hohepriester betrat es einmal im Jahr, um nach den vorgeschriebenen Ritualen Opfer darzubringen. Im Allerheiligsten war die Bundeslade wiederum in einem Zelt (= Tabernakel). Es gab noch verschiedene Bereiche mit limitiertem Zugang, so gab es einen Hof für die Priester, einen für die Israeliten, einen für die Frauen und einen für die Heiden. Wozu dient also das Verhüllen? Um das Weltliche vom Göttlichen zu trennen, um das Profane vom Heiligen zu trennen, um das Heilige zu kennzeichnen. Jedes Mal also, wenn man einen Schleier sieht, sollte man denken: da ist etwas Heiliges. Das gehört fundamental zur Theologie des Verhüllens. Die Bundeslade stellte für die Israeliten die heilige Gegenwart Gottes dar. Gott hat schon ganz von Beginn, als er den Israeliten die liturgischen Vorschriften gab, gesagt, dass sie in Gottes Gegenwart verhüllen sollten, um dies als etwas Heiliges zu kennzeichnen.

Ein Schleier ist ein sehr konkretes physisches Symbol wie ein Sakramentale, das heilig ist wegen der heiligen Gegenwart Gottes. Dies sollte man immer bedenken, denn man kommt nicht vorwärts im Verständnis der Theologie des Verhüllens oder gar im Verstehen des Schleiers der Frauen, der Mantilla, die sie während des Gottesdienstes tragen, wenn man nicht zunächst diesen sehr wichtigen Schritt versteht: Dies hat Gott es bestimmt, so sollen wir vor Gott leben, so sollen wir vor Gott handeln.

Viele Menschen verstehen das Verhüllen nicht. Denn wir verhüllen uns nicht, weil das ein Brauch oder Tradition ist, oder weil andere dies tun. Wir wollen sicher sein, dass wir das verstehen, warum wir dies tun. Sonst wird unsere Seele davon nie erschüttert, und nur wenn wir dies in unserer Seele verstehen, können wir dies anderen wirklich erklären.

Zunächst müssen wir sicher sein, dass die Menschen die Theologie des Verhüllens verstehen und die tiefe Bedeutung des Enthüllens/Zeigens der heiligen Gegenwart Gottes. Es gibt einen erleuchteten Satz von C. G. Chesterton:

„Was das Reformieren von etwas belangt, unterschieden davon, es zu deformieren, gibt es ein schlichtes und einfaches Prinzip; ein Prinzip, das man wohl ein Paradoxon nennen kann. In einem solchen Fall gibt es eine bestimmte Institution oder ein Gesetz; lassen Sie uns um der Einfachheit willen sagen, ein Zaun oder ein Gatter sei quer über eine Straße hinweg aufgerichtet worden. Der moderne Reformer geht unbekümmert hin und sagt: ‚Ich sehe darin keinen Nutzen; lasst es uns wegnehmen.‘ Der intelligentere Reformer wird gut tun, diesem zu antworten: ‚Wenn du den Nutzen dessen nicht siehst, werde ich es dich sicher nicht wegräumen lassen. Geh und denke nach. Dann, wenn du wiederkommen und mir sagen kannst, dass du den Sinn dessen siehst, erlaube ich dir vielleicht, es zu zerstören.’“

Das ist ein wirklich wichtiges Prinzip. Wenn man etwas reformiert, sollte man genau wissen, für was es ist und was es bewirkt; insbesondere dann, wenn es sich um unseren Glauben und um unsere Traditionen handelt. Erst dann, wenn man wirklich ein Verständnis, ein authentisch katholisches Verständnis, für etwas hat, kann man es reformieren. Wer aber nichts davon versteht, sollte es bleiben lassen. Wer zum Beispiel nicht weiß, für was ein Kühlschrank ist, sollte ihn nicht wegwerfen. Denn er hält unsere Lebensmittel kühl.

Doch so viele Menschen, welche die Mantilla ablehnen, haben nicht die geringste Ahnung zu was diese dient. Sie sollten also nicht Hand an sie legen, bevor sie wissen, für zu was sie dient.  Dann können sie entscheiden, ob sie diese los werden möchten oder nicht. Wenn Sie also mit jemandem über die Mantilla sprechen müssen Sie sicher sein, dass der andere weiß, über was Sie sprechen.

Im Neuen Testament gibt es ein Schlüsselereignis, das verhüllt ist: Die Auferstehung Christi. Wer hat die Auferstehung gesehen? Niemand. Sie ist und bleibt verhüllt. Und Christi Auferstehung ist mit dem Kreuzestod Christi die Ursache unseres Glaubens. Was ist noch verhüllt? Die Gottheit des Sohnes Gottes wird durch Seine menschliche Natur verhüllt. Die Menschheit Christ ist eine besondere Art des Verhüllens. Gott wohnt unter uns, aber Seine Gottheit ist durch Seine menschliche Natur verhüllt. Christus wohnt im Tabernakel, aber Seine Gottheit und Menschheit ist in der Gestalt des Brotes verhüllt.

Jeder erinnert sich sicherlich an das Schlussevangelium, denn das hören wir ja täglich bei der Heiligen Messe. Der kennt auch Joh 1, 14: „et verbum caro factum est et habitavit in nobis. – und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Wenn man das im griechischen Original liest, liest man: „und das Wort wohnte in (griechisches Wort) Wenn man dieses (griechische Wort) Wort übersetzt, so bedeutet dies auch Tabernakel. Man könnte also übersetzen: „Und das Wort ist Fleisch geworden und tabernakelte unter uns.“ Tabernakel, die Bundeslade. „Tabernakel“ kommt von „verschleiern“. Daher macht es Sinn, zu sagen: Das Wort ist Fleisch geworden, und Gott ist unter uns tabernakelt. Er wohnt unter uns, aber er tut dies auf eine verhüllte Art und Weise.

Wenn man auf die [frühe] Kirchengeschichte sieht, findet man die Hauptgründe, warum wir verhüllen. Wir verhüllen immer den Kelch, in dem sich das Kostbare Blut befindet. Wir verhüllen immer das Ziborium, in dem sich die Kostbaren Hostien befinden. Und wir verhüllen den Tabernakel. Diese drei enthalten den Kostbaren Leib unseres Herrn, die Realpräsenz. Wenn der Tabernakel verhüllt ist und Sie in die Kirche hineingehen, bedeutet die Verhüllung nicht, dass es Ihnen verboten ist zu wissen, was sich hinter der Verhüllung befindet. Wir wissen alle, dass sich dahinter der Tabernakel [und darin] die Realpräsenz unseres Herrn verbirgt. Der Schleier „vernebelt“ also nicht unsere Augen, so dass wir nicht wissen, was sich dahinter verbirgt, sondern der Schleier möchte es offenbaren, wie in Heiligenbildern, auf denen  man die Heiligen sieht; damit man erkennt, dass dies ein Heiliger ist, malt man einen kleinen Halo; dieser Heiligenschein ist eine bildliche Art und Weise, die Heiligkeit dieser Person darzustellen, die Heiligkeit, die in ihrer Seele gegenwärtig ist.

Aus demselben Grund verhüllen wir den Kelch, damit wir die heilige Gegenwart Gottes erkennen. Wenn Sie das verhüllte Ziborium sehen, denken Sie an die heilige Gegenwart Gottes. Wenn Sie den verhüllten Tabernakel sehen, denken Sie an die heilige Gegenwart Gottes.

In der Ostkirche ist sogar eine Wand [Ikonostase] vor dem Heiligtum [dem Altarraum, Anm. d. Übs.].  Wenn der Priester im römischen Ritus ad orientem betet, dient sein Rücken als eine Art Schleier für die allerheiligsten Geheimnisse, die auf dem Altar geschehen.

Wir alle wissen, was auf dem Altar geschieht. Wie alle kennen die Worte der Transsubstantiation, die bei der Wandlung des Brotes in den Leib Christi und der Wandlung des Weines in das Blut Christi geflüstert werden. Aber es gibt dabei eine gewisse Verhüllung. In der östlichen Liturgie wird selbst der Leib des Priesters durch die Ikonostase [die Wand zwischen Volk und Altarraum] verhüllt. Auch die priesterliche Kleidung ist eine Art Verhüllung, heilige Stille ist eine Art der Verhüllung. Die Tatsache, dass der Kanon in der römischen Kirche geflüstert wird, dass er auf Lateinisch gesprochen wird, ist eine Art der Verhüllung des heiligsten Gebetes, das unsere Kirche hat. Denken Sie an den Karfreitag, an dem das Kreuz verhüllt wird, wenn es hereinkommt, in der Passionszeit sind die Statuen und Kreuze in der Kirche verhüllt, oft auch andere Objekte der Verehrung. In der frühen Kirche wurden viele Dinge verhüllt … aber heißt das, dass sie nichts wert sind, dass sie nichts bedeuten? Natürlich nicht! Solch ein Gedanke ist einfach lächerlich, ohne jeden Realitätsbezug. Der Schleier sagt immer: Dies ist etwas Heiliges, etwas Besonderes und etwas Sakrales, dem wir Verehrung zeigen müssen. Das ist die Quintessenz unserer Antwort.

Warum verhüllen wir also? Um zu zeigen, dass dies etwas Heiliges ist, das wir vom Profanen unterscheiden und absondern. Um unsere Verehrung auszudrücken. Verhüllen ist ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Verhüllung ist ein Zeichen dieses Halos [Heiligenscheins], der Gnade. Denn das ist unsichtbar für die menschlichen Augen und wir müssen das [den Menschen] zeigen. Deshalb legen wir einen Schleier darüber. Die Norm ist in der Kirche also die, dass, indem wir etwas verhüllen, wir es enthüllen. Wir enthüllen seine wahre Natur, was es wirklich ist. Wenn man in der Kirche etwas verhüllt, enthüllt man  die wahre Natur, dessen, was da ist [an dieser Stelle sind im Video zahlreiche Frauen abgebildet, die alle eine Mantilla tragen Anm. d. Übs.], wir lenken die Aufmerksamkeit auf die Realpräsenz Gottes, Der da ist.

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