Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (21) Kapitel: Vorstufen der Mystik? (11) Gebet der Einfachheit und Beschauung (vii). Einwände gegen dasselbe.

Wir kommen langsam in spirituelle Höhen, obwohl es sich eigentlich nur um fortgeschrittene Stufen des Gebetslebens handelt, bei denen die Luft buchstäblich dünn wird und die meisten Leser die mühsam eingescannten Buchseiten nicht einmal lesen.

Woher wissen wir das?

Weil die letzte Folge inmitten eines Satzes abbrach, was niemanden zu stören schien. Pater Poulain SJ führt wieder wiederholt und systematisch die Einwände gegen das Gebet der Einfachheit auf. Die Vorwürfe, dass „man nichts tue“ wurden in der letzten Folge entkräftet, jetzt befasst er sich mit dem Einwand, dass man nicht fortschreite. Obwohl das Priester-Bashing, das DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hier betreibt ihn selbst ermüdet, so muss man leider sagen, dass wohl zu jeder Zeit, insbesondere nach Vat. II die Priester sich nicht besonders freuten, wenn jemand über ein tieferes Gebetsleben verfügte oder sich darum bemühte als sie selbst. In der Heimat von DSDZ spricht man in einer Redewendung vom „Hund des Gärtners“, welcher selbst in den Garten nicht eintreten darf, um Obst oder Gemüse zu fressen, das ihm nicht schmeckt, er lässt aber auch keine anderen herein, damit es denen ja nicht besser gehe als ihm selbst. Christus sagt es anders:

Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel (der Tür) zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert. (Lk 11, 52)

Die Dynamik ist dieselbe. Wenn also Pater Poulain SJ sich dermaßen intensiv mit den Vorwürfen gegen das Gebet der Einfachheit auseinandersetzt, so spiegelt dies doch sein Leben wieder, sowie das Leben der Jesuiten von damals, welche sich gegen dieses Gebet sträubten. Warum taten sie dies? Wohl aus dreierlei Gründen:

  1. Sie missdeuteten es als den verurteilten Quietismus, welcher in Frankreich sehr breit Fuß fasste.
  2. Sie hatten Angst, dass man jemanden schaden könne, indem man ihm die höheren Gebetsstufen empfiehlt.
  3. Sie führten selbst kein fortgeschrittenes Gebetsleben und fühlten sich nur in diesen Gefilden wohl, welche sie selbst nachvollziehen konnten.

ad 1.

Was ist Quietismus? Ganz einfach und schlagwortartig zusammengefasst, es ist die Auffassung, dass wir nur ruhen müssen (quies – Ruhe) und Gott alles für uns macht. Ausführlich und theologisch korrekt ist es natürlich komplizierter, aber beim Nichtstun im Gebet machte man sich schnell des Quietismus verdächtigt.

ad 2.

Bei diesem Einwand vergisst man schlicht die Allmacht und die Vorsehung Gottes, der die Seele wirklich selbst führt, wenn diese keinen Seelenführer findet, was heutzutage wirklich die Regel ist.

Woran erkennt man, dass man weitergehen kann? Wenn man:

a. eine dauernde Neigung zu dem Gebet der Einfachheit entwickelt,

b. eine dauernde Abneigung gegen die  Betrachtung entwickelt.

All das gilt für Menschen, die sich mindestens 30 Minuten am Tage dem Gebet der Einfachheit widmen, sonst können sie es überhaupt nicht beurteilen. Man darf aber

  1. nicht am bisherigen Gebetsgrad, z.B. der Betrachtung, allzu sehr hängen,
  2. den bisherigen Gebetsgrad zu früh verlassen,
  3. den bisherigen Gebetsgrad zu spät verlassen.

Stellen Sie sich vor Sie sind eine Kuh, wenn Sie in Ihrer Nähe alles abgegrast haben, dann müssen Sie weitergehen. Das Gras kommt nicht zu Ihnen, der Heilige Geist auch nicht, der kommt nur zu den Willigen, denn wir müssen mit der Gnade mitarbeiten. Und mühevoll ist es all zumal. Denn beim Eintritt in den höheren und neuen Gebetsgrad kommt die Trockenheit und die Zerstreuung. Ihre Natur, Ihre Seele muss sich umstellen, der Teufel wird Sie auch hindern und Gott lässt es zu, damit Sie sich der nächsten Stufe würdig erweisen. Von nichts kommt wirklich nichts. Manchmal segelt man mit dem Wind, manchmal muss man hart rudern. Deswegen ist der Quietismus auch eine Häresie, weil er die permanente Passivität und Mühelosigkeit voraussetzt. Diese ist aber nicht möglich,

a. weil es die Erbsünde gibt und alles Gute uns schwer fällt,

b. weil es den Teufel gibt, der uns daran hindert,

c. weil es den freien Willen gibt und die Mitarbeit mit der Gnade, sowie die Verdienstlichkeit der guten Werke zu denen das Gebet gehört.

Deswegen ist jede höhere Stufe mühevoll, im Irdischen wie im Geistlichen.

 

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