Prof. Plinio Correa de Oliveira: Gut angezogen – Eitelkeit oder Tugend?

 

Leon Bouthilier (1608-52) Comte de Chavigny, after 1643 (oil on canvas)

Mir wurden einige Fragen über die Art und Weise, sich selbst zu präsentieren, gestellt. Diese Fragen will ich alle hiermit beantworten

Frage: Warum sollen wir uns gut kleiden? Spricht es nicht für Eitelkeit, sich darum zu sorgen, sich selbst gut zu präsentieren?

Antwort: Der Hintergrund für diese Frage ist folgender: Der Mensch sollte alles vermeiden, was zur Sünde führt. Nun, sich gut zu kleiden, kann durch Eitelkeit, die eine Form der Sünde ist, motiviert sein. Dann sollte man es vermeiden, sich gut zu kleiden.

Lassen Sie mich diese Argumentation auf das Thema des Studierens anwenden. Studieren kann die Eitelkeit befriedigen. Dann sollte man das Studium meiden.

Das Gleiche könnte auch für die Hygiene gelten. Sich sauber zu halten, kann Eitelkeit befriedigen. Dann sollte man Duschen und Baden vermeiden.

Wenn man diese Argumentation auf die verschiedenen Bereiche des menschlichen Verhaltens anwenden würde, wäre die ideale Situation für die Ausübung der Tugend am Ende die Barbarei. Barbarei ist die logische Konsequenz dieser Argumentation. Aber das ist eine absurde Schlussfolgerung. Nun, alles, was zum Absurden führt, ist falsch. Von daher ist dieser Syllogismus falsch.

Die wahre Antwort ist, dass in allem, was der Mensch tut, ein Missbrauch eintreten kann. Man kann Intelligenz, Höflichkeit, gute Kleidung und sogar Tugend missbrauchen, da ein Mensch stolz auf seine Tugend sein kann. Das ist kein Grund, zivilisierte Bräuche aufzugeben; vielmehr sollten sie mit wachsamem Blick geübt werden, um die Eitelkeit zu zügeln und zu kontrollieren.

Ein zivilisierter Mensch präsentiert sich als sauber und ehrbar mit der Würde, die sein sozialer Stand erfordert. Indem er dies tut, zeigt er den Respekt, den er für sich selbst und für Gott hat, in dessen Gegenwart er sich immer befindet. Jeder von uns ist es wert, respektiert zu werden, denn wir wurden nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, in die katholischen Kirche hinein getauft, in einen Tempel des Heiligen Geistes verwandelt und von der Gottesmutter auserwählt, ihr zu dienen. Deshalb müssen wir uns dieser Würde entsprechend präsentieren.

Frage: Was sind die tieferen Motivationen, die mich dazu verpflichten mich gut zu kleiden?

Antwort: Das erste grundlegende Motiv ist, dass es angemessen für Dinge, die gut sind, ist, dass diese ihr inneres Gutsein in ihrem Äußeren widerspiegeln. Der großartigste Ausdruck davon ist die göttliche Majestät und männliche Schönheit, die sich im Gesicht unseres Herrn im heiligen Grabtuch von Turin widerspiegelt.

Das Gesicht Jesu Christi ist eine passende Übersetzung der hypostatischen Vereinigung seiner menschlichen Natur mit Gott. Auf dem Grabtuch erscheint Er in Seiner menschlichen Natur so gut, freundlich, würdig, vornehm, majestätisch und souverän, in einer Weise, die Seine göttliche Schönheit in Seinem Gesicht transparent macht.

Dieses Prinzip, das für das Gesicht und den Körper gültig ist, gilt auch für die Kleidung. Die Kleidung ist eine Ergänzung des Körpers. Für Menschen, die in der Erbsünde empfangen wurden, ist Kleidung unverzichtbar. Es sollte also eine Ergänzung zum Körper sein, welche die Ernsthaftigkeit, Würde und Vornehmheit der Seele widerspiegelt. Deshalb sollte sie ernst, würdevoll und ehrbar sein.

Das zweite Motiv, sich gut zu kleiden, ist, dass es angemessen ist, dass das Aussehen eines Dinges seiner Realität entspricht. Die Kleidung einer Person sollte zeigen, was sie ist. Daher sollte die Kleidung, die immer würdevoll sein sollte, auch mehr oder weniger kultiviert und hübsch gemacht sein, je nach der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Person. Es gibt Personen, die sehr gut angezogen sein müssen, weil sie eine hohe soziale Stellung bekleiden. Andere Personen müssen sich nicht dieser Ebene entsprechend kleiden.

Jeder sollte sich in Einklang mit seiner sozialen Schicht kleiden: weder über seinem Niveau noch darunter. Kleidung soll eine Person nicht wie etwas aussehen lassen, was sie nicht ist. Es gibt keinen Grund, sich für sein soziales Niveau zu schämen. Wir sollten uns mit dem sozialen Stand zufrieden geben, in den uns die göttliche Vorsehung hineingeboren hat. Ein Mann oder eine Frau sollte authentisch sein und sich entsprechend ihrem Niveau kleiden.

Frage: Es gibt Momente, in denen eine Person sich wohlfühlen und entspannen möchte. Ist es in Ordnung, dieser natürlichen Tendenz zu folgen?

Antwort: Jeder von uns wird in der Erbsünde empfangen. Aus diesem Grund gibt es in jedem von uns etwas, das die Regeln der Zivilisation beiseite lassen und zur Barbarei zurückkehren möchte. Wir möchten den Mantel ausziehen, die Krawatte lösen, den Kragen öffnen, die Schuhe ausziehen, die Person auf dem Stuhl neben uns wegschicken, damit wir dort die Füße hinlegen können, vor Langeweile gähnen und der Person sagen: sei still, wir sind müde und wollen eine Pause. Die menschliche Natur verlangt nach diesen Dingen, aber wir sollten sie kontrollieren und überwinden, indem wir die notwendigen Anstrengungen unternehmen.

Unsere Natur empört sich gegen Höflichkeit, raffinierte Manieren und auch würdevolle Kleidung. Warum sollte man diese Reaktionen zurückhalten? Wir sollten dies als eine Verpflichtung der Nächstenliebe gegenüber unserem Nächsten und auch als eine Verpflichtung der Gerechtigkeit ihm gegenüber tun. Man ist seinem Nächsten gegenüber respektvoll. Sich gut in der Gesellschaft zu präsentieren und unseren Nächsten gut zu behandeln, tun wir nicht nur, weil wir ihm Gutes zeigen wollen, sondern auch, weil er das Recht auf eine würdevolle Behandlung hat. Er ist auch als Ebenbild Gottes geschaffen.

Sich so zu verhalten, dass wir unsere schädliche Spontaneität nicht beschränken, bedeutet, direkt in die Barbarei zu marschieren. Es verleugnet tausende Jahre katholischer Bemühungen, schädliche menschliche Tendenzen zu korrigieren, um eine Zivilisation aufzubauen. So etwas weist die kulturellen Eroberungen zurück, die wir der dekadenten menschlichen Natur dadurch abgerungen haben, dass wir  unseren Herrn nachahmten. In letzter Konsequenz ist es die Zurückweisung der Früchte seines Blutes, des Christentums.

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