Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage I

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
Lk 1:57-69

Für Elisabeth erfüllten sich ihre Tage, und sie gebar einen Sohn. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr ihr große Huld erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. am achten Tage kamen sie, das Kind zu beschneiden, und wollten es nach seines Vaters Namen Zacharias nennen. Doch seine Mutter entgegnete: „Nein, Johannes soll es heißen.“ Sie sagten zu ihr: „Es trägt doch niemand in deiner Verwandtschaft diesen Namen.“ Nun winkten sie seinem Vater, wie er es genannt wissen wollte. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf die Worte: „Johannes ist sein Name.“ Alle wunderten sich darüber. In demselben Augenblicke ward sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst. Er konnte sprechen und pries Gott. Da kam Furcht über alle, die in der Nähe wohnten, und im ganzen Gebirge von Judäa sprach man von all diesen Begebenheiten. Alle, die davon hörten, überdachten sie im Herzen und sagten: „Was wird wohl aus diesem Kinde werden?“ Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Zacharias, sein Vater, wurde vom Heiligen Geiste erfüllt und sprach die prophetischen Worte:

Gepriesen sei der Herr, Israels Gott!

Heimgesucht hat er sein Volk,

Ihm Erlösung bereitet.

Ein Horn des Heils hat er errichtet für uns

Im Hause seines Knechtes David.

4. Lesung, Predigt vom Heiligen Bischof Augustin:

Nach jenem hochheiligen Geburtstag des Herrn lesen wir von keinem Menschen, daß seine Geburt gefeiert wird, als allein vom heiligen Johannes dem Täufer. Von anderen Heiligen und von Gott auserwählten Personen wissen wir, daß der Tag gefeiert wird, an dem sie dieses Leben nach Beendigung der Mühen und nach siegreichem Triumph über die Welt zum nie endenden Ewigkeitsleben einziehen läßt. Bei anderen werden die am letzten Tage beendeten Verdienste gefeiert; bei diesem ist auch der erste Tag und selbst der Anfang des menschlichen Daseins geheiligt, zweifellos aus dem Grunde, weil der Herr wollte, daß seine Ankunft beglaubigt würde durch ihn, damit ihm die Leute bei einem plötzlichen und unerhofften Kommen die Anerkennung nicht versagten. Johannes war aber ein Bild des Alten Testamentes und trug an sich ein Nachbild des altbundlichen Gesetzes. Und darum kündigte Johannes den Heiland an, wie der Alte Bund dem Bund der Gnade voranging.

5. Lesung:

Wenn er aber noch vor der Geburt aus der Verborgenheit im Mutterschoße göttliches Wissen zeigte, und ohne das Licht zu sehen, ein Zeuge für die Wahrheit ist, so ist das in dem Sinne zu verstehen, daß der unter der Hülle und unter dem leblosen Buchstaben Verborgene uns sowohl den Heiland mit reinem Geist geoffenbart, als auch unseren Herrn uns aus dem altbundlichen Gesetz gleichsam wie aus einem Schoß bekannt gemacht hat. Weil also die Juden vom Mutterschoße abirrten, d. h. vom Gesetze, welches mit Christus angefüllt war, irrten sie auch ab vom Schoße und redeten Falsches; und darum kam dieser zur Beglaubigung, um denjenigen zu beglaubigen, der das Licht war.

6. Lesung:

Wenn aber der im Kerker weilende Johannes seine Jünger zum Herrn gehen läßt, so ist er gleichsam der Alte Bund, der auf das Evangelium hinweist. Dieser Alte Bund war gemäß dem Bilde in Johannes gleichsam im Kerker der Unwissenheit gefangen und lag im Dunkeln und im Verborgenen, und durch die Blindheit der Juden wurde der Sinn innerhalb des Buchstabens eingeschlossen gehalten. Davon redet der heilige Evangelist: Er wear eine leuchtende Fackel, d. h. angezündet vom Feuer durch den Heiligen Geist, damit er der von der Nacht der Unwissenheit festgehaltenen Welt das heilbringende Licht zeigte und gleichsam bei der  dichtesten Finsternis des Sünden auf die gar glanzvolle richtige Sonne mit seinem Lichtstrahl hinwies; und so sagte er auch von sich selbst: „Ich bin die Stimme des Rufers in der Wüste.“

Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Band II, S. 903 ff.

 

 

 

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