Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (1 von 4)

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Wir präsentieren hier den Originaltext von Hilary White in der ausgezeichneten Übersetzung von Eugenie Roth, welche viele Opfer bringen musste, um diesen Text übersetzen zu können. Beten Sie für die beiden.

Ein Aspekt des Charakters von Papst Franziskus, der sowohl von den katholischen als auch den weltlichen Medien noch wenig erforscht scheint, ist seine offensichtliche Verachtung für das kontemplative Ordensleben – eine Facette des katholischen Lebens, die man als das am reinsten religiös von allen Unternehmungen der Kirche beschreiben könnte. Die Welt versteht es nicht oder will es nicht. Daher ist es so etwas wie ein Dorn im Fleisch von Bergoglio, und er hat wiederholt seine Verachtung dafür ausgedrückt. Als er z. B. 2016 ein Dokument über kontemplative Nonnen herausgab, machten sich die Gläubigen auf einen Anschlag gefasst.

Die Art und Weise der Herangehensweise an das kontemplative Leben vom Vatikan des Franziskus ist vermutlich das anschaulichste unserer gesamten Krise. Das Ziel des kontemplativen Lebens ist ein rein übernatürliches. Es hat keinen „Nutzen“ in dem Sinn, den die Bergoglianer – in den Worten ihrer politischen Machenschaften – oder die Welt verstehen könnte. Es gibt vermutlich keinen anderen Ort, wo die Unterschiede zwischen den beiden Programmen – das katholische Programm Christi und das Programm von Bergoglio/Kasper – sich deutlicher unterscheiden.

In seinem jüngsten Dokument „Gaudete et exultate“, angeblich über die Heiligkeit, attackierte der Papst den Wunsch der Ordensleute nach Stille und Einsamkeit, um im Gebet mit Gott allein zu sein, die Einheit mit Ihm zu suchen, indem er im Wesentlichen sagte, dass es der Natur des christlichen Lebens entspricht, gesellschaftlich aktiv zu sein, sich um materielle, weltliche Ziele zu sorgen. Bezüglich dieser Pfeiler des kontemplativen Lebens – tatsächlich jeder Form des Ordenslebens in der Kirche – setzte Franziskus eine weitere seiner falschen Dichotomien, Kontemplation im Gegensatz dazu, anderen zu dienen, indem er eine jesuitische Maxime als Imperativ für alle Katholiken ausrief: „Wir sind berufen, kontemplativ zu sein inmitten der Aktion, und in der Heiligkeit zu wachsen, indem wir verantwortlich und großzügig unsere besondere Mission ausführen.“

Der italienische Vaticanist Marco Tosatti kommentierte trocken:

„Freuet euch und frohlocket … aber nicht, wenn ihr klausurierte kontemplative Ordensleute seid.“

2016 schrieb ich, dass Franziskus‘ Apostolische Konstitution „Vultum Dei quaerere“ in gewisser Hinsicht das schädlichste Objekt des Abrissbirnen-Pontifikats bis dato war. Unglücklicherweise behandelte es ein Thema, das die Welt, und damit die moderne Kirche, so wenig kümmert, dass kaum jemand davon Notiz nahm. Das Dokument, das insbesondere an kontemplative Ordensfrauen gerichtet war, drohte damit, dass in etwa einem Jahr ein weiteres [Dokument] folgen würde, das genau darlegen sollte, was nun von den Nonnen verlangt würde, um ihre Berufung weiter ausüben zu können.

Das neue Dokument, das letzte Woche herausgegeben wurde, „Cor orans“, ist ein Gesetzestext, das bedeutet, es ist nicht mehr als eine Liste besonderer Normen oder Regeln – 289 an der Zahl! – die alle Gemeinschaften kontemplativer Nonnen nun befolgen müssen.

Eine kleine Bemerkung in Artikel 19 ist möglicherweise die knappste Beschreibung der Richtung, die für die Kontemplativen geplant wird:

„Ein Nonnenkloster wird wie jedes Kloster im Hinblick auf seinen Nutzen für die Kirche und für das Institut errichtet.“ (Hervorhebung vom Verfasser)

Moment mal … sein „Nutzen“? Ich denke, es ist berechtigt, wenn die Gläubigen dieses Vatikanische Dikasterium fragten:

„Nach welchen besonderen Kriterien wird der „Nutzen“ eines Klosters denn tatsächlich bestimmt?“

Man kommt nicht umhin, den Kriterien Beachtung zu schenken, die den Klöstern erlaubten, die revolutionären Säuberungen Europas im 18. und 19. Jahrhundert zu überleben. Ein Kloster, das den Säkularisten beweisen konnte, dass es „nützlich“ war, dass es für bedürftige Alte sorgen, Kinder unterrichten oder Kranke pflegen konnte, durfte bestehen bleiben. Jene, die rein kontemplativ waren – allein das Ziel der Anbetung Gottes hatten – wurden geschlossen.

Dies ist keine bedeutungslose Spitzfindigkeit der modernen Geschichte, sondern eine, die uns mehr über die Natur des gegenwärtigen Pontifikats sagt, dass die Häuser kontemplativer Orden von weltlichen Regimen immer angegriffen werden, angefangen bei Heinrich VIII. bis zur Sowjetunion.

Bruch? Was für ein Bruch?

Das erste, was Cor orans tut ist Kontinuität zu behaupten, sowohl mit der Theologie vor als auch nach dem II. Vatikanum. Im Vorwort scheint es ängstlich bemüht, eine „Hermeneutik der Kontinuität“ mit Pius XII und seinem Dokument Sponsa Christi Ecclesia von 1950 zu schaffen. Die Autoren bestehen darauf, dass es zwischen den beiden keinen Widerspruch gebe – außer, natürlich, wo es Widersprüche gibt – und dass beide, Pius XII und Franziskus, leidenschaftlich zu sehen wünschen, dass die Nonnen das „Ziel ihrer besonderen Berufung“ erreichen. Es beschreibt Franziskus als den, der dieses Dokument „im Kielwasser“ von Pius XII veröffentlicht[1].

Tatsächlich lud Papst Franziskus, indem er die Apostolische Konstitution Vultum Dei quaerere am 29. Juni 2016 veröffentlichte, um den Kontemplativen zu helfen, das Ziel ihrer besonderen Berufung zu erreichen, dazu ein, über den genauen Inhalt des geweihten Lebens allgemein und die monastische Tradition im Besonderen nachzudenken und ihn zu erkennen, aber er beabsichtigte nicht, Sponsa Christi Ecclesia zu widerrufen, das nur in einigen Punkten beeinträchtigt wurde. Als Konsequenz sind die beiden päpstlichen Dokumente als normgebend und in Kraft für Frauenklöster zu betrachten und müssen im Zusammenhang gelesen werden.

Aber selbstverständlich wird das ganze Spiel im nächsten Absatz verraten:

Im Kielwasser der Lehre von Papst Pius XII und bekräftigt durch das Ökumenische II. Vatikanische Konzil, beabsichtigte Papst Franziskus, den starken und fruchtbaren Weg, den die Kirche in den letzten Jahrzehnten eingeschlagen hat, im Licht der Lehren des selben Konzils und in Anbetracht der veränderten soziokulturellen Veränderungen in Vultum Dei quaerere darzulegen.

Ja, das sagt es aus.

Hier meine Übersetzung:

„Der ‚Weg‘ der Kirche in den letzten 50 Jahren war ‚fruchtbar‘. Woher wissen Sie das? Weil wir Ihnen das sagen.“

Mit anderen Worten, es gab seit dem II. Vatikanum keinerlei Probleme mit dem eingeschlagenen Weg, weder der Kirche noch des Ordenslebens. Alles, was geschehen ist, war in vollständiger und perfekter Kontinuität zwischen der Kirche vor und der Kirche nach [dem II. Vatikanum. Wörtlich: der Vor-Kirche und der After-Kirche]; Es gab keinen Riss oder Bruch mit der Vergangenheit. Alle Veränderungen, die von Klöstern vorgenommen wurden, waren vollkommen legitim und gut – „fruchtbar“ wenn, vielleicht ein wenig „intensiv“ – und wurden im „Licht der Lehren“ von Vatikan II und der „veränderten soziokulturellen Bedingungen“ vorgenommen. Es gibt also keinen legitimen Grund welcher Art auch immer für irgendein Kloster zu versuchen, die „Uhr zurückzudrehen“ in die Zeit der Normen oder Stile, die vor dem II. Vatikanum für das Ordensleben galten. Wer auch immer dies versucht, sind schlechte Nonnen (fügen Sie hier eine Reihe unverständlicher päpstlicher Beschuldigungen ein).

Dies könnte als der leitende Grundsatz des Dokuments betrachtet werden:

„Hier gibt es nichts zu sehen. Und wenn Sie sagen, sie sehen etwas, sind Sie das Problem.“

Selbstverständlich passt diese Art der mutigen Verkündigung sehr gut zu der Gewohnheit dieses Pontifikats, einfach zu behaupten, es gebe keine Probleme, und schwer beleidigt und wütend zu werden, wenn man auf das Gegenteil hinweist. Es ist Ihr Fehler, wenn Sie Widersprüche finden, nicht deren; sie haben gesagt, es gibt keine Widersprüche, also gibt es keine. Letztendlich ist dies das Pontifikat, in dem 2 + 2 = 5, wenn der Papst das sagt.

Die Ironie liegt selbstverständlich in der Sache, da dieses Dokument als legaler Hackklotz für die Auflösung eines jeden Hauses kontemplativer Nonnen dienen soll, das aus dem einen oder anderen Grund als kurz vor der Auslöschung stehend beurteilt wird oder aus irgendeinen Grund den Axthieb braucht. Warum braucht wohl der Vatikan ein Dokument, das umfassende Normen für die Klausur von Klöstern erlässt, die zu wenige Nonnen haben oder nicht ihren ursprünglichen Charismen folgen, wenn alles im Ordensleben seit dem II. Vatikanum erste Sahne war?

Erinnern Sie sich, dass dies von der Kongregation für das Geweihte Leben von Braz de’Aviz und Jose Rodriguez Carballo kommt. Dies ist der Kardinal Braz de’Aviz[2] der keine Zeit verschwendete und sich nach dem Neuen Paradigma richtete, als er gleich nach dem Konklave den Versuch seines Vorgängers endgültig abwies – und somit auch Papst Benedikt – den Vorsitz in der berüchtigten  Leadership Conference of Women Religious in the US [Anm. d. Übers. Vereinigung der progressiven Nonnen in den USA] innezuhaben. Er beklagte sich, dass er unter Kardinal Rode von dem Prozess ausgeschlossen worden war,  und später machte er große und öffentliche Anstrengungen, die ganz offen häretischste und politisierteste Organisation von Ordensschwestern auf der ganzen Welt zu beschwichtigen und zu besänftigen. Offensichtlich hatte der totale statistische Kollaps des Ordenslebens, der auf das II. Vatikanum folgte,[3] nichts mit den massiven Systemänderungen dieser Lebensform zu tun – von denen man immer behauptete, sie seien „vom Konzil verfügt“.

Und selbstverständlich sprechen wir über die Prioritäten eines Papstes, der sagte, dass der Anblick einer “restauratorischen” [d.h. traditionellen] Gemeinschaft, die sich einer großen Anzahl von Berufungen erfreut, ihn „quält“. Offensichtlich war diese Qual ernsthaft genug in dazu zu bewegen, eine der blühendsten Gemeinschaften in der modernen Kirche zu torpedieren; die hagere Erscheinung der Franziskaner und Franziskanerinnen der Immakulata spukt durch dieses Dokument.

[1] Daher scheint es für jemanden, der darüber schreibt was der Papst mit den Nonnen vorhat, eine nützliche Aufgabe zu sein, Sponsa Christi Ecclesia ebenso zu lesen wie Franziskus’ Apostolische Konstitution und diese aufmerksam zu vergleichen. Ich werde dies hier nicht tun, aber es wäre sicher hilfreich, die beiden Dokumente irgendwann einmal mit der Hilfe eines Experten zu untersuchen.

[2] Es ist wert sich daran zu erinnern, dass es der „konservative“ Benedikt war, nicht Franziskus, der Braz de’ Aviz in die Behörde berief, um Kardinal Rode zu ersetzen – vermutlich unter der guten alten „konservativen“ Rubrik des „großen Regenschirms“ – unter dem diese schuldhaft verspäteten Versuche begonnen wurden, das Ordensleben in den USA zu retten.

[3] Wir betrachten selbstverständlich nur die Zahlen und lassen lehramtliche Fragen außen vor.

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3 Einträge zu „Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (1 von 4)

  • Mir erscheint es, kurz ausgedrückt, als emblematischer Konflikt zwischen dem theozentrischen Mittelalter und der anthropozentrischen Moderne. Im (alles andere als „finsteren“, vgl. Pfarrer Milch) Mittelalter begriff sich der Mensch, wenn er gläubig war, als „im Glauben geborgenes“ Geschöpf Gottes. Als fehlbares, sündhaftes, aber als Geschöpf Gottes. Referenzmaßstab für sein Handeln waren Gottes Gebote und die Vorgaben der Kirche, welche zu diesen Zeiten noch über die kulturelle Hegemonie verfügten – abweichendes Gedankengut pflanzte man in Geheimgesellschaften, um kommende Generationen heranzuziehen. Als diese „Pioniere“ in Schulen, Universitäten etc. Fuß faßten und ihr Gedankengut verbreiten konnten, schlug die Stunde der sog. „Aufklärung“. Seitdem begann „die Moderne“: der „ideale“ (also nicht: der „reale“), also „eigentliche“ Mensch emanzipierte sich von Gottes Geboten und begann seitdem fieberhaft an den Grundlagen zu arbeiten, sich selbst auf den Thron des Schöpfers setzen zu können. Zuerst theoretisch (Erklärung der sog. „Menschenrechte“, Unterminierung des Königstums von Gottes Gnaden und der Kirche mit Durchbruch in den 1960ern, Erklärung des Volkswillens als Rechtsquelle, jüngst „Gender-Ideologie“) und mit Zunahme der naturwissenschaftlichen Expertise praktisch (Biotechnologie, Gen-Technik, Transhumanismus).
    Vor diesem Hintergrund ist klar, dass alleine auf des Lob und die Anbetung Gottes gerichtete Kontemplation „nutzlos“ für den „Aufbau einer humanen Gesellschaft“ (das Grundmotiv freimaurerischen Handelns schlechthin) erscheint. War dies Atheisten seit jeher klar, verbreitet sich dieses Denken nunmehr auch in der kirchlichen Hierarchie immer offener. Der Maßstab der rein diesseitsorientierten Nützlichkeit ist im weltlichen Bereich bereits absolut dominant geworden, im kirchlichen wird er im aktuellen Pontifikat nun für jeden sichtbar übernommen. Als Waffen werden vermehrt abfällige Bemerkungen über „untätige“ Kontemplative eingesetzt, „Frömmlertum“ und (heute geradezu brandgefährlich) „Fundamentalismus“ sind die gängigen Kampfbegriffe, Gläubige auszugrenzen und als „Sonderlinge“ darzustellen. Die eingeschlagene Richtung ist klar erkennbar und wird so manchem Schlafmützchen noch schmerzhaft bewußt werden (https://kirchfahrter.wordpress.com/2018/03/14/in-acht-und-bann-eine-unangenehme-gedankenskizze-zu-einer-vielleicht-gar-nicht-allzu-fernen-zukunft/ – anklicken, Zugriff wünschen, jeder wird zugelassen 😉 )

  • Ja. stimmt. Aber es ist auch Faulheit. Beten ist anstrengend. Man würde nicht gegen etwas vorgehen, was einen selbst nicht betrifft.

  • Wenn man die Kardinäle kennt die Bergoglio gewählt haben weiß man wer er ist. Wenn man Bergoglio kennt weiß man wer die Kardinäle sind die ihn gewählt haben.
    „Die Welt versteht es nicht oder will es nicht.“
    Diese Welt liebt solche Päpste wie Bergoglio sie kann gar nicht genug von ihnen bekommen.
    Per Mariam ad Christum.

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