Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (3 von 4)

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Lustig, falls Sie Autonomie erwähnen: Bioethik und die Auflösung „nicht lebensfähiger“ Klöster

Es ist witzig, dass das Schlagwort des Tages in Rom „Autonomie“ sein sollte. Wie wir sehen werden, ist das Dokument das, was ich oben einen „Hackklotz“ genannt habe. Vultum Dei quaerere machte klar, dass dieser Gesetzestext eine Reihe rechtskräftiger Kriterien bringen würde, durch die ein Kloster als lebensfähig – Ordensleben als wert zu leben gewissermaßen – betrachtet werden kann, und dass jene, die als beim Test „durchgefallen“ betrachtet werden, geschlossen werden.

Beachten Sie die Sprache, die hier verwendet wird:

Wenn die Situation der Unfähigkeit irreversibel ist, ist die Lösung [des Problems], ebenso schmerzhaft wie notwendig, die Auflösung des Klosters.

Dies rief eine Erinnerung in mir wach. „Unfähigkeit“ … wo hatte ich diesen Ausdruck zuvor schon einmal gehört? Die Meisten Anhänger der Pro-Life-Bewegung in Großbritannien werden Ihnen sagen, dass es der Mental Capacity Act” [übersetzt etwa: Denkvermögensgesetz] von 2005 war, das im Britischen Gesetz das Konzept einführte, dass eine Person mit dauerhaft „reduzierter Kapazität“ [des Denkvermögens] legal von den Ärzten verhungert und/oder verdurstet werden lassen kann, damit er stirbt.

Das ist die Welt, die Sprache, der Bioethik, angewendeter Utilitarismus, nach seinen drei bioethischen Kriterien „Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Autonomie[6]“ auch „Prinzipienethik“ genannt – d. h. Die Fähigkeit des Patienten, seine „Autonomie“ oder „Lebensqualität[7]“ zu beweisen, ob gegenwärtig oder potentiell, entscheidet über sein Schicksal. Diese Reihe von Kriterien werden nun in medizinischen Einrichtungen der gesamten westlichen Welt angewandt, ein „neues Paradigma“ der Ethik, welches die traditionelle Medizin-Ethik des „Hippocrates-“ oder „Naturrechts” ersetzt.

Unter diesem System liegt die Beweislast im Endeffekt auf dem Patienten, der nach den neuen Kriterien beweisen muss, dass er wert ist, medizinische Behandlung zu erhalten – weiter zu leben. Medizinische Behandlung (die nach der Rechtsprechung Essen und Trinken beinhaltet) kann Patienten entzogen werden, denen es nicht gelingt zu zeigen, dass sie sich genügend erholen werden, um zu einem autonomen Leben zurückzukehren.

Gesundheitssysteme wie das Großbritanniens haben Regierungsverordnungsbehörden die „Richtlinien“ herausgeben, um allgemein gültig zu bestimmen, wie die Gelder im Gesundheitswesen zugeteilt werden. Die Umsetzung dieser Richtlinien werden von professionellen Bioethikern kritisch begutachtet, die dabei ihre utilitaristischen Kriterien anwenden. Wenn die Beurteilung zu Ungunsten des Patienten ausfällt, beinhaltet die „Behandlung“, die man zum „besten Nutzen“ des Patienten empfiehlt, sein Ableben, häufig dadurch herbeigeführt, indem man ihm Nahrung und Flüssigkeit entzieht und/oder langsam tödliche Dosen von Beruhigungsmitteln verabreicht. Der Staatliche Gesundheitsdienst (NHS) in Großbritannien ist gerade mit der Erklärung vor Gericht gegangen, dass sie das Recht erhalten müssen, Patienten zu töten, welche den Bioethik-Test nicht bestehen, und hat gewonnen.

Das Ergebnis war eine stille Terrorherrschaft, in der ältere und behinderte Menschen begannen, Karten bei sich zu tragen, auf denen in Juristensprache geschrieben steht, dass sie nicht von ihren Ärzten getötet werden möchten. In einem Fall zog ein Mann mit ALS gegen den NHS vor Gericht, in einem letztendlich erfolglosen Versuch, seinen medizinischen Mord von vornherein auszuschließen, wenn seine Krankheit ihn unfähig macht. In anderen Worten, das System ist gegen den Patienten verbündet, zugunsten der Regierung, die alle Karten in der Hand hat.

Behalten Sie diese Tatsachen im Hinterkopf, wenn wir nun den Rest des Dokumentes lesen. Ich denke, wir können eine beinahe perfekte Analogie finden, indem wir den Begriff „Patient“ durch „Kloster“ ersetzen. Nun denken Sie darüber nach, wie man Konzepte wie „Autonomie“, „Lebensfähigkeit“, „Unfähigkeit“, „Lebensqualität“ und „gerechte Verteilung rarer Ressourcen“ auf diesen Kontext anwenden könnte.

Wenn die Sprache des Utilitarismus als Leitkriterien für das kontemplative Ordensleben in Dokumenten des Vatikans erscheint, muss man sich fragen, wann das ganze Projekt so verhängnisvoll entgleist ist.

Föderationen als Wachhunde des Vatikans

Nach diesem Gesetz müssen alle Klöster kontemplativer Nonnen zu einer Föderation gehören. Früher nur freiwillig und beratend, werden Föderationen nun die Macht haben, die Ausbildung der Kandidatinnen, Nonnen und ihrer Ausbilder zu überwachen, ebenso weitreichende Befugnisse bezüglich der zeitlichen Güter einzelner Klöster und die Macht, sie aufzuheben.

Das Dokument lässt keinen Zweifel daran, dass die Hauptaufgabe der Föderation sein wird, Konformität zu einem bestimmten Programm herzustellen und zu überwachen – der „starke und fruchtbare Weg“ der Kirche seit 1965 – sowohl innerhalb der verschiedenen Orden als auch zwischen ihnen:

141. Die Föderationsversammlung: 

  1. behandelt Themen von großer Wichtigkeit;
  2. trifft Entscheidungen und erlässt Normen, die von allen Nonnen befolgt werden sollen, nach der der definitiven Bewilligung durch den Heiligen Stuhl;

Mehr als einfach nur Föderationen; ein vielfältig bindendes Kontrollsystem

  1. Konferenz von Klöstern bedeutet eine Struktur der Gemeinschaft zwischen autonomen Klöstern, die zu verschiedenen Institutionen gehören und in derselben Gegend gelegen sind … insbesondere geographisch und sprachlich.

In anderen Worten, benediktinische Föderationen einer bestimmten Gegend werden eine „Konferenz“ bilden mit karmelitischen, dominikanischen und franziskanischen Föderationen, etc. Dies wird insbesondere für die Häuser der Karmelitinnen von Interesse sein, da diese generell mehr „konservativen“ Zielen zugeneigt sind. Stellen Sie sich ein Haus traditioneller Karmelitinnen vor, die regionalen Konferenzen beiwohnen – und versuchen, ihre Gebetszeiten einzuhalten – mit den Franziskanerinnen und ihren Break-Dance mit Luftballons und Gitarren … was für ein Spaß!

Und schließlich, im Falle, dass eine gesamte Föderation sich entscheidet, die Uhr zurückzudrehen, wird es einen Regenschirm für die Regenschirme geben; es wird Wächter geben, welche die Wächter überwachen:

  1. Konföderation bedeutet eine Verbindungsstruktur unter den Föderationender Klöster, errichtet vom Heiligen Stuhl, der die Statuten genehmigt, für das Studium der Themen, die mit dem kontemplativen Leben in Bezug auf das selbe Charisma zusammenhängen, um eine einheitliche Richtung und eine gewisse Koordination vorzugeben für die Tätigkeit der einzelnen Föderationen.

Weitreichende Macht

Föderationen werden nun besonders weitreichende Macht haben, sowohl über Finanzen und Besitz, und, insbesondere, über die Ausbildung der Nonnen. Die Föderation hat nun die Macht, die Erfüllung der Regeln zu überwachen, Regelverstöße dem Heiligen Stuhl zu berichten, neue Klöster zu gründen und dies, offensichtlich, um einzelne Klöster dazu zu „ermutigen“, ihre Güter „mitzuteilen“.

  1. Die rechtmäßig errichtete Föderation ist eine öffentliche juristische Person in der Kirche und daher in der Lage, zeitliche bewegliche und unbewegliche Güter zu erwerben, besitzen, verwalten und zu verkaufen, die in Übereinstimmung mit dem allgemeinen und besonderen Gesetz kirchliches Eigentum sind.

  1. Um die Einheit der Klöster am Leben zu erhalten und ein Ziel der Föderation umzusetzen, wird zu einem gewissen Austausch von Gütern unter den Klöstern ermutigt, der von der Föderationspräsidentin koordiniert wird.

  1. Der Austausch von Gütern in einer Föderation wird ausgeführt in Form von Spenden, Geschenken und Leihgaben,die Klöster andern Klöstern anbieten, die finanzielle Schwierigkeiten haben, und für den allgemeinen Bedarf der Föderation.

  1. Die Föderation betrachtet die Güter in ihrem Besitzals notwendige und nützliche Mittel, um ihre Ziele zu erreichen.

Finanzielle Anreize

Angesichts der Tatsache – wie wir unten sehen werden -, dass die Mittel zur Aufhebung von Klöstern vage und undefinierbare Begriffe wie „Lebensfreude und Förderung des Charismas“ und „dynamische Treue“ zum Charisma des Ordens beinhalten, und dass die Güter aufgelöster Klöster von der Föderation übernommen werden, mag einem die Frage vergeben werden, ob dies einen Anreiz schafft dafür zu sorgen, dass bestimmte Häuser aufgelöst werden[8]. Da das Dokument mehrere Mechanismen bestimmt, durch die eine Föderation Schwestern aus einem Kloster entfernen kann, könnte dies eine der unbedeutenden Fragen sein, die manche Oberinnen im Gedächtnis behalten möchten.

Artikel 94 fordert, dass, wenn eine Föderation kanonisch errichtet ist, sie danach streben muss, „rechtliche Anerkennung auch im bürgerlichen Bereich zu erhalten.“ Dies wird vermutlich auf Rechtsstreitigkeiten in Zivilgerichten über das Eigentum aufgelöster Klöster beruhen.

Artikel 73 über die Aufteilung der materiellen Güter eines Klosters, das komplett aufgelöst wurde:

Bei der Auflösung eines komplett aufgegebenen Klosters, wenn es keine überlebenden Nonnen gibt, wird bestimmt, dass die materiellen Güter eines aufgelösten Klosters in Übereinstimmung mit dem kanonischen und zivilen Recht in das Eigentum der nächsthöheren juristischen Person übergehen, dies ist die Föderation der Klöster, oder eine andere gemeinsame Struktur über den Klöstern, die ihr [der Föderation] oder der monastischen Frauenkongregation entsprechen, außer es wird vom Heiligen Stuhl anders bestimmt.

 

  1. Das Kapital (der Föderation)wird genährt durch die freiwilligen Spenden der Klöster, die Spenden der Wohltäter und durch die Einnahmen, die von der Veräußerung der Güter aufgelöster Klöster gewonnen werden, wie von der vorliegenden Instruktion festgesetzt.

 Verantwortung der Föderationen für die Ausbildung

117. Die Föderationspräsidentin wacht insbesondere über die Erstausbildung und Weiterbildung in den Klöstern um zu sehen, ob sie mit dem Charisma übereinstimmt, die dem Institut eigen ist, so dass jede Kommunität ein Leuchtturm sein kann, der den Lebensweg der Männer und Frauen unserer Zeit erleuchtet. Am Ende des Besuchs wird sie den Heilige Stuhl über die realen Möglichkeiten unterrichten, die das Kloster hat oder nicht hat, die Erstausbildung zu garantieren.

 

118. Die Ausbildung der Ausbilder und ihrer Mitarbeiter wird zum Teil den Klöstern und zum Teil der Föderation anvertraut; daher ist die Vorsitzende der Föderation aufgerufen, die Ausbildung in der Föderation zu stärken und die Teilnahme derer zu verlangen, welche den Dienst der Ausbildung durchführen; wenn dies nicht geschieht, wird sie den Fall dem Heiligen Stuhl berichten.

 

120. Nachdem die Föderationspräsidentin die Meinung der Föderationsversammlung gehört hat, wählt sie die passendsten Orte für die Abhaltung der Ausbildungskurse für die Ausbilder und ihre Mitarbeiter aus, ebenso wie jene, die berufen wurden, den Dienst der Amtsgewalt ausführen, die Länge der Kurse auf eine Art und Weise ausarbeiten, dass sie nicht nachteilig für das kontemplative Leben und die Gemeinschaft sind

[6] „Recht und Wohltätigkeit“ beziehen sich hier auf die Kommune, nicht auf den Patienten

[7] Bioethiker mögen es als abgetan erachten, dass, damit ein Leben genügend „Qualität“ hat, es genügend Autonomie demonstrieren muss. Abhängigkeit von anderen ist, wörtlich, ein Kapitalverbrechen.

[8] Der geneigte Leser mag denken ich übertreibe die Gefahr der materiellen Interessen, die hinter den Klosterschließungen steht, jedoch werden wir sehen, dass der Unterschied zwischen den Föderationen und dem Heiligen Stuhl auch eine Sache der Formalitäten ist, und es ist gut sich zu erinnern, dass der Sekretär der Kongregation für das geweihte Leben, Jose Rodrigues Carballo, eine polizeilich international gesuchte Person war, wegen des Verlustes von „zehntausenden von Millionen“ Euros aus den Kassen der Franziskanischen Minderbrüder, dem ersten Franziskanerorden, von dem er der Vorgesetzter war. Kurz nach Carballos Ernennung wurde entdeckt, dass das Büro der Schweizer Staatsanwaltschaft den Fall des verschwundenen Geldes der Franziskanerminoriten in Verbindung mit Drogen, Geldwäsche und Waffenhandel untersuchte. Carballo was Franziskus’ allererste Ernennung, am 6. April 2013, drei Wochen nach dem Konklave, und ihm gab der Papst den Auftrag, die verschiedenen Zweige der FFI [Franziskaner der Immakulata] u zerstören, und einen Hauptteil dieser Operation war es, die [Zweige der] FFI von Liegenschaften im Wert von etwa 30 Millionen Euro zu trennen.

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