Hilary White, „Cor Orans ist die Totenglocke des Karmels‟ (2 von 2)

Wie Cor orans St. Teresa von Avilas Reform des Karmels beenden wird

Schwester T. fuhr fort und sagte, dass das Dokument explizit die Gründungsintentionen der Heiligen Teresa missbilligt, für die echte Autonomie ein entscheidendes Element ihrer Reform des Karmels war. Sie räumt ein, dass klausurierte Frauenorden einige Zeit lang in Föderationen zusammengeschlossen waren.

Dies tut das Programm Cor orans bereits, indem es gemeinsame Programme für die Grundausbildung von Postulantinnen und Novizinnen herausgab, „fortlaufende Ausbildung‟ – Kurse für Professen, eine „Bundesäbtissin‟ oder Präsidentin, die alle zusammengeschlossenen Klöster überwacht. Ihre Guthaben sind bereits miteinander vernetzt und sie haben regelmäßige Treffen und Eingaben von den männlichen Zweigen.

2015 erhielten Karmelitinnenklöster einen Fragebogen vom Vater General, Camilo Maccise, einem Mexikaner und Anhänger der Befreiungstheologie, der fragte, ob sie eine internationale Kommission von Nonnen haben wollten, welche anstelle der Karmeliten die Frauenklöster überwachen sollte. Dieser Vorschlag wurde zurückgewiesen, zum Ärger von Maccise. Maccise bewarb auch die Idee, in den einzelnen Klöstern keine Oberinnen zu haben, sondern nur Verbandspräsidentinnen, und eine gemeinsame Ausbildung der Novizinnen. Der Vorstoß für diese Änderungen hält jedoch unter dem gegenwärtigen General an, einem Italiener, Saverio Cannistrà. Angesichts der marxistischen Neigungen der Generals  der letzten Zeit scheint es klar, dass das, was wir als „fortlaufende Ausbildung‟ erwarten dürfen, im Wesentlichen eine Art von politischer Indoktrination ist, mit einer hauchdünnen Lage frommer Sprache überdeckt.

Aber für die Karmelitinnen, sagte die Schwester, sind diese Ideen die Antithese der Intentionen der Heiligen Teresa. Echte Autonomie, Unabhängigkeit von Ausbildung und Finanzen

„sind wesentliche Punkte unseres Charismas, das Unsere Heilige Mutter festgeschrieben hat und diese abzuschaffen heißt, das Charisma abzuschaffen.‟

 

„Sie gehen gegen unsere Konstitutionen an, sogar obwohl Cor Orans erklärt, dass alles in Übereinstimmung mit dem Charisma und den Konstitutionen getan werden muss. Jeder Karmel hat seinen eigenen Geist, sein eigenes Tempo, sein eigenes ‚Gefühl‛. Jede Nonne ist berufen, nicht einfach in den Orden, sondern in ein bestimmtes Kloster. Gemeinsame Ausbildung ist etwas, gegen das wir seit Jahren kämpfen.‟

 

„Eine gemeinsame Bundeäbtissin zu haben, die entscheiden kann die Novizinnen wegzunehmen, oder all unsere Finanzen zu nehmen, oder dem Heiligen Stuhl mitzuteilen, wir seien nicht länger ‚lebensfähig‛ – das ist ein Desaster. St. Teresa richtete die Klöster ausdrücklich so ein, dass nichts davon stattfinden würde. Und nun wird dies an uns getan werden.‟

Sie weist auf die verlängerte Ausbildungszeit für neue Nonnen hin – früher sechs Jahre für Karmelitinnen und unter Cor orans nun neun Jahre, wie absurd, und sagt, dies wird eher dazu führen, neue Berufungen zu verhindern.

„Als wenn die Kirche den Laien sagt, sie müssten neun Jahre lang verlobt sein, bevor sie heiraten. Unsere Konstitutionen bieten bereits eine Verlängerung der zeitlichen Gelübde um drei Jahre an, wenn nötig, aber dies zur Pflicht zu machen wird Frauen davon abbringen, einzutreten. Dies wird dem Kloster auch helfen, ‚weniger lebensfähig‛ zu werden, denn bis irgendjemand von den jüngeren die ewigen Gelübde ablegt, werden die anderen tot sein.‟

Eine andere Forderung wird die nach einem „religiösen Assistenten‟ sein, einem Priester, der das Kloster zusammen mit einem Kaplan überwacht; dieser wird von der Föderation ernannt. Die Schwester schreibt, dass dies „vor Jahren‟ von den Karmelitenklöstern als unzulässige Einmischung zurückgewiesen wurde. Der religiöse Assistent wird bespiellose Macht haben. Artikel 23 stellt z. B. fest:

„Bei der Beurteilung der Gründung eines neuen Klosters als Einzelkloster greifen der Präsident der Föderation und der religiöse Assistent ein, um dem Oberinnen des zu gründenden Klosters zu helfen. Die Einsicht der Föderation in die Gründung eines neuen Klosters geschieht im Rahmen der Bundesversammlung.‟

 

„Etwas anderes, was ich sehr bemerkenswert finde ist der vollkommene Verlust unserer Rechte. Es gibt keine Zusätze in diesem Dokument, keine Wahl, keine Möglichkeit des Einspruchs. Dies alles wird uns angetan. Hier und heute, während Franziskus wenn nicht Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkündet, so doch mindestens Konzessionen und ‚Wahl‛ für alle, zusätzlich zu den ‚Rechten‛ der Frau, werden unsere Rechte hier ganz und gar weggenommen.‟

Eine andere Nonne hat geschrieben und ausgedrückt, sie könnten nicht begreifen, was diese Leute mit „kontinuierlicher Weiterbildung‟ meinen. Nach anderen Dokumenten von bereits vereinigten Karmeliten in Europa zu urteilen, bedeutet dies praktisch, für einige Tage oder Wochen in Gruppen aus dem Kloster zu gehen, um gemeinsam „Kurse‟ mit Novizinnen anderer Klöster zu besuchen. Der Inhalt dieser Kurse wird selbstverständlich von „Expertenteams‟ zusammengestellt, die durch die Föderation ernannt werden.

Die Schwester schreibt:

„Klausurierte Nonnen haben einen sehr vollen Tagesplan, der viele andere Dinge nicht erlaubt. Wir müssen schon mit der Million unerwarteter Dinge zurechtkommen, die jeden Tag auftauchen. Ich habe keine Ahnung, wie wir all diese lächerlichen Pläne einer ‚kontinuierlichen Weiterbildung‛ umsetzen sollen. Können sie nicht verstehen, dass das einfache gläubige Leben im Alltag genügend Möglichkeiten einer kontinuierlichen Weiterbildung bietet?‟

Offensichtlich nicht.

Wie ich in meiner ersten Analyse schrieb, beginnt das Dokument selbst – wir erinnern uns: das eine Gesetzesvorlage ist, ein rechtliches Dokument, das darlegt, was alle kontemplativen Frauenklöster nun tun müssen – damit, seine Prämisse für die Arbeit darzulegen:

„Im Kielwasser der Lehren vom  Papst Pius XII , bekräftigt durch das II. Vatikanische Konzil, beabsichtigte Papst Franziskus, in Vutum Dei quaerere den intensiven und fruchtbaren Weg vorstellen, den die Kirche in den letzten Jahrzehnten im Lichte der Lehren desselben Konzils und unter Berücksichtigung der veränderten soziokulturellen Bedingungen gegangen ist.“

Mit anderen Worten: Es ist der „intensive und fruchtbare Weg‟ der letzten Jahrzehnte der Kirche seit dem II. Vatikanum, den alle Klöster klausurierter kontemplativer  Nonnen nun gehen müssen. Jeder der nun meint, dass die Autoren des Dokuments Freiraum lassen werden, dass es Dispensen für traditionelle oder „konservative‟ Gemeinschaften geben wird von ängstlichen und eingeschüchterten vatikanischen Körperschaften wie Ecclesia Dei, hat es versäumt, aufmerksam zu sein.

In den letzten 20 Jahren haben „konservative‟ Katholiken auf das Aufblühen einiger Gruppen von Schwestern – hauptsächlich in den USA – hingewiesen, die sich vom „intensiven und fruchtbaren Weg‟ entfernt und einiges des traditionellen Beiwerks des Ordensliebens wieder eingeführt hatten. Sie verweisen auf die Dominikanerinnen von Nashville, die Missionarinnen der Nächstenliebe, die Armen Klarissen in Alabama, wo es zumindest die Habits, (einige) Gesänge, Gemeinschaftsleben und gemeinsame Apostolate gibt. Aber genau diese Zeichen von Verweigerung des Programms sind es, welche die Despoten des Neuen Paradigmas erzürnt haben, die nicht ruhten, bis das auch das letzte selbstständige Haus eines Ordenslebens vereinnahmt war, unterwandert mit der neuen Ideologie. Die kleinen grünen Schösslinge der Hoffnung, welche die gläubige katholische Welt mit so großer Freude gesehen hat, sollen nun in den Frost des ewigen Winters von Vatikan II zurückgestampft werden.

In in der weiterführenden Analyse, die diesen Artikel folgen wird, können wir sehen, dass es der Zweck dieses Dokumentes ist, die totalitären Fantasien der antikatholischen Revolutionäre zu erfüllen, die sich nun, 50 Jahre nach ihrem ursprünglichen Beinahe-Erfolg, dem Ende ihres Lebens nähern. Seine Absicht ist es, zu säubern; entweder die verbliebenen Widerspenstigen in die volle nachkonziliare „Reform“, die in den 60er von den Revolutionären eigeführt wurde [gewissermaßen wie Vieh] zusammenzutreiben – jene, die sogar den besänftigten und beschwichtigenden Stufen widerstanden, die typisch sind für „Konservative“ –– oder sie zu schließen.

Die Sache ist die: das Ergebnis wird offensichtlich dasselbe sein, egal auf welchem Wege es erreicht wird. Die ganze Welt kann sehen was dem Ordensleben geschieht, welches das Neue Paradigma des Deuterovatikanismus annimmt. Ich habe eben ein privat erstelltes Dokument erhalten, das die Sitzungsergebnisse der vereinigten Unbeschuhten Karmelitinnen in Europa von 2009 zusammenfasst. Die Zahlen sind absolut trostlos.

Föderation: Belgien

Anzahl der Konvente: 11

Anzahl der Nonnen: 120
Feierlche Professen: 119
In Ausbildung: 1

Durchschnittsalter: 73

Föderation: Belgien-Luxemburg

Anzahl der Konvente: 11

Anzahl der Nonnen: 122
Feierlche Professen: 117
In Ausbildung: 5

Durchschnittsalter: 75

Föderation: Deutschland

Anzahl der Konvente: 14

Anzahl der Nonnen: 178
Feierlche Professen: 170
In Ausbildung: 8

Durchschnittsalter: 66

Die übrigen Zahlen sind ähnlich, und ich werde einige Details des Dokuments im nächsten Beitrag dieser Serie analysieren, aber die übrigen Antworten zum Frageboben des Generals erzählen eine ähnliche Geschichte. Die deutsche Föderation veröffentlichte eine Zusammenfassung der Anstrengungen, die unternommen wurden, um diese Probleme anzugehen.

„Eingeschlagener Weg: 15 Jahre lang haben sie Ausbildungskurse organisiert: kontinuierliche Ausbildung und Erstausbildung, ebenso für Ausbilder. Meetings für Priorinnen.

Derzeitige Probleme: Sind sehr alt geworden. Manche Schwestern sind in Pflegeheimen, die von Franziskanerinnen geführt werden. Mögliche Lösungen: Zwei Konvente beabsichtigen sich zusammenzuschließen.“

Das ist die Todesspirale. Und es ist genau dieser „intensive und fruchtbare Weg“, der seit 1965 von fast allen katholischen Klöstern der Welt eingeschlagen wurde, den nun Cor orans den sehr, sehr wenigen Verweigerern aufzuzwingen versucht.

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