Hilary White, COR ORANS: Ein weiterer böser Geist des II. Vatikanums

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Anbei ein neuer Artikel von Hilary White über den geplanten Kahlschlag der weiblichen kontemplativen Orden. Hilary verwendet den Begriff  purge – „Reinigung, Säuberung, Läuterung“, welcher jedem Osteuropäer oder politisch belesenen Menschen unter dem Begriff der „Tschistka“ einer (vorwiegend) stalinischen Säuberung der Parteireihen bekannt ist. Was verbindet man mit einer Tschistka? Nächtliche Verhaftungen, Schauprozesse, Hinrichtungen und Verbannung nach Sibirien. Das DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] eine eigene Reihe über Cor orans plant, so begann er gestern, am 27.06.2018, die eigene Lektüre dieses Dokuments, welcher er die Lesung von Perfectae caritatis (28.10.1965), dem konziliaren Dekret über die Erneuerung des Ordenslebens voranstellte. Ja, wir ahnen es. Dort wo die nachkonziliare Walze von Perfectae caritatis etwas übrig ließ und dies sind nach 50 Jahren fast ausschließlich weibliche kontemplativen Orden, dort muss Cor orans ran, um die eventuellen Keimlinge zu stutzen oder gleich auszureißen. Der Niedergang des Ordenslebens wurde mit Perfectae caritatis  eingeführt und besiegelt und wir werden ausführlich schreiben, weswegen, wie und warum. Aber kehren wir zu Cor orans zurück. DSDZ hat 8 von 33 Cor orans– Seiten bislang gelesen. Es ist ein juristisches Dokument, welches wie eine Schachstrategie sich gegen jede Möglichkeit des Auflebens des kontemplativen Ordenslebens absichert. Es ist wie folgt gedacht:

  • „Wenn die Nonnen A machen, dann setzten wir dem B entgegen.“
  • „Wenn die Nonnen aber C planen, dann erwartet sie die Rochade D bis F.“

In einem hat Cor orans absolut recht. Es ist wirklich die Implementierung und die letzte Konsequenz der Konzilsreformen. Cor orans fürchtet neue Ordensgründungen wie die Pest, welche durch die Gesetzgebung dieses Dokuments praktisch ausgeschlossen ist. Hatte bislang nur der Ortsbischof die Entscheidungsgewalt, so gibt es jetzt fünf nachfolgende Etappen und Gremien. Die ausführliche Analyse wird noch folgen, aber ausschließlich rational ist der Frage nicht beizukommen, warum man sich dermaßen intensiv mit etwas dermaßen Kleinem befasst. Wie viele Katholiken gibt es? 1,3 Milliarden. Wie viele Priester? 415,656. Wie viele weibliche Ordensschwestern, inklusive Klausurnonnen? 670,320 laut vatikanische Quelle für das Jahr 2015. Wie viele endlich kontemplative Klausurnonnen? Um die 50.000 weltweit. Als DSDZ im Jahre 1998 für eine Nachrichtenagentur gearbeitet hatte und über dieses Thema schrieb, betrug die Anzahl  der Klausurschwestern ca. 56.000. Die neueren Zahlen sind ihm nicht bekannt, also ist es sicher diese 50.000 anzunehmen, bis wir Sicheres wissen. Wir sprechen also von einem wirklichen Bruchteil aller Katholiken und einem Bruchteil aller Ordensfrauen. Warum also dieses Dokument und dieser Aufschrei? Weil, wie wir bereits schrieben, die kontemplativen Frauenorden noch überhaupt Berufungen haben, Heiligkeit „generieren“ und hier und da gar ein neues Kloster gründen. Das darf nicht sein! Und durch Cor orans wird es praktisch unmöglich gemacht. Der Aufsatz von Hilary White wieder einmal in einer kongenialen Übersetzung von Eugenie Roth, der wir von Herzen danken.

Säuberung des Papstes der verbleibenden katholischen Nonnen

 Auch weiterhin erhalte ich Emails mit Beweisen, dass die gegenwärtige Verwaltung der Kongregation für das geweihte Leben[1] plant, die Möglichkeiten von Cor orans dazu zu nutzen, die Natur der kontemplativen Frauenorden im Namen des „Neuen Paradigmas“ des Deuterovatikanismus komplett umzuschreiben, insbesondere die „konservativen“ und traditionellen Gemeinschaften.

[Anmerkung des Herausgebers von The Remnant: „Cor Orans („Das betende Herz“) ist der Titel eines am 1. April 2018 herausgegebenen Dokuments, das Instruktionen darüber ausführt, wie Papst Franziskus‘ Apostolische Konstitution von 2016 – „Vultum Dei Quaerere“ („Das Angesicht Gottes suchen“) anzuwenden ist; Dieses Dokument wendet sich an katholische Ordensfrauen in kontemplativen Gemeinschaften. MJM]

Wie ich schon viele Male an anderen Stellen geschrieben habe, ist das einheitliche Charakteristikum des gegenwärtigen Pontifikates die Säuberungsaktion. Es ist nun klar, dass Jorge Bergolio von einer Gruppe Progressiver aus den 1960er Jahren dazu gewählt wurde, die endgültige Beseitigung der letzten Elemente innerhalb der katholischen Kirche herbeizuführen, die der Revolution des II. Vatikanums widerstanden haben. Nach 50 Jahren voller Zweideutigkeiten der beiden unversöhnlich gegensätzlichen „Paradigmen“, die in einem wackeligen Waffenstillstand in der selben Institution lebten, blieben diese wenigen Aufsässigen übrig die sich weigerten, die neuen liturgischen Formen, theologischen „Formulierungen“ und neue Disziplin zu akzeptieren; diese werden nun gezwungen, sich anzupassen oder zu gehen.

In allen katholischen Institutionen ist der sogenannte „konservative“ Mittelweg, die Position des sicheren und vernünftigen Kompromisses, die unter dein beiden letzten Pontifikaten hatte existieren dürfen, nun verdunstet. Wie nach Amoris Laetitia [in Zukunft] alle Priester und Seminaristen aus den Seminaren hinausgezwungen werden die sich weigern unbußfertigen Ehebrechern die heilige Eucharistie zu spenden, so wird Cor orans dazu verwendet werden, „konservative“ kontemplative Nonnen zu entfernen, die sich weigerten, das volle Programm der „Erneuerung“ des religiösen Lebens nach dem II. Vatikanum anzunehmen.

Wir dürfen niemals die Beschwichtigung der LCWR [Leadership Conference of Women Religious, Anm. d. Übers. progressivistische Organisation der amerikanischen Ordenschwestern] durch die Kongregation für das geweihte Leben nach der Wahl von Papst Franziskus vergessen. Der neue Präfekt[2], Cardinal Joao Braz de Aviz, entschuldigte sich wirkungsvoll bei der notorischsten häretischen Organisation modernistischer Ordensschwestern, indem er die Federn glättete, die durch den gescheiterten Versuch seines Vorgängers zerzaust worden waren, sie zum Katholizismus zurückzubringen. Vergleichen Sie dies mit der rücksichtslosen Unterdrückung der Franziskanischen Brüder und Schwestern der FFI zur selben Zeit durch die selbe Dikasterium, so wird das Programm offensichtlich.

Diese Woche erhielt ich ein weiteres Dokument, das zahlreiche Zitate aus einer Rede des Sekretärs der Kongregation, Jose Rodrigues Carballo, enthielt, in der er dunkel andeutete, dass die traditionellen Formen des Ordenslebens „ihren Zweck erfüllt“ hätten und man sie nun aussterben lassen könne, so dass etwas bislang Undefiniertes, aber ganz sicher Neues und Wundervolles sie ersetzen könne.

Bei einem Treffen der Verantwortlichen für die Ordensausbildung  im April 2015 in Rom sagte Carballo ganz klar, dass das II. Vatikanum Vorrang vor den klassischen Charismas des Ordenslebens haben müsse.

„Mit dieser klaren Erwähnung des II. Vatikanums weisen wir auf unsere tiefe Überzeugung hin, dass in der Ausbildung zum geweihten Leben das Konzil der nicht verhandelbare Bezugspunkt ist.“

In seiner Ansprache in Avila[3], Spanien, sprach Carballo einen Monat später sogar noch klarer, indem er die „vielen fundamentalistischen Gruppen“ im Ordensleben anprangerte; er sagte: „Das kommt nicht vom Geist“. „Das II. Vatikanum ist unser Kompass“, sagte er und fügte hinzu, dass der Papst „sich vom II. Vatikanum leiten lässt“.

Carballo sagte, dass durch den Kollaps der Berufungen im Laufe der letzten 50 Jahre klar wird, dass die Formen des Ordenslebens, die man in den letzten 20 Jahrhunderten gekannt habe, „ihren Dienst in der Kirche getan haben“. Dies, so sagte er, ist eine Zeit der „Reinigung“ für das Ordensleben. Er nannte „einige Formen“ des Ordenslebens „antiquiert“ und behauptete, dass sie „den Menschen von heute kaum etwas sagen“. Diese, so sagte er, „werden nicht bestehen bleiben, obgleich sie einen gewissen Erfolg (gehabt) haben.” [Hervorhebungen vom Verfasser].

„Wie auch das Evangelium‟, sagte Carballo, so „dauern‟ die Charismen des Ordenslebens „an“, sie „entwickeln sich“ und „wachsen im Laufe der Zeit weiter“. Er sagte: „Einige Formen sterben aus. Aber neue Formen erstehen.“

Im Hinblick darauf, ihr Charisma zu leben: „Die Kirche verlangt nicht einfach Treue von uns, sondern kreative Treue.“

Er fragte die versammelten Karmeliten, Männer und Frauen: „Was möchte Teresa nun?“ und sagte: „wir wollen nicht so weitergehen, wie wir es die letzten 500 Jahre getan haben.“ Das Charisma „schreitet fort“. Er denunzierte jene, die antworteten: „Wir haben es immer so gemacht“, indem er sagte: „auch gute Menschen brauchen Veränderungen“, und „Treue bedeutet nicht, zu bleiben wie man ist“.

Wie es bei progressiven Katholiken üblich ist, fuhr er fort, den totalen Kollaps des Ordenslebens seit dem II. Vatikanum ins Positive zu verdrehen, indem er das gegenwärtige „Chaos“ im Ordensleben mit den Verhältnissen vor der Schöpfung verglich und die Anwesenden drängte, sie sollten „an das Buch Genesis denken“ und sich vorstellen, dass bald „eine neue Schöpfung“ käme.

Reden und Dokumente von der Kongregation für das geweihte Leben verwenden oft die Redewendung „kreative Treue“ oder „dynamische Treue“, wenn sie von den alten Orden oder Charismen sprechen. Bei diesem Treffen, erklärte Carballo dies indem er sagte, das „treu sein nicht bedeutet, zu bleiben wie man ist.“

Dieses „Update“, sagte er, werde durch die Ausbildung erreicht. „Nur Ausbildung wandelt Herz und Verstand.“

Angesichts dieser Hinweise sagt Cor orans uns also, dass in Bezug auf das Kontemplative Leben in den Frauenorden die Progressiven, welche erwarteten, dass das „Chaos“ des nachkonziliaren Aufstandes den sie einfädelten, eine „neue Kirche“ gebären würde, des Wartens müde sind.

Mit diesem Papst wurde ihnen der Auftrag gegeben, diejenigen, die noch immer aushalten, zu zerschlagen und, anstatt zu „singen“ nun offen „die neue Kirche ins Sein zu zwingen”. Die Sprache von Cor orans, in Zusammenschau mit Carballos klaren Botschaften in seinen verschiedenen Reden, hat es unmissverständlich klar gemacht: dies ist eine Säuberungsaktion.

Und das Dokument ist ebenso klar über seinen Status als ein Dokument der kirchlichen Gesetzgebung. Dies ist kein Vorschlag; Obere berichten bereits, dass sie Nachricht aus Rom erhalten haben, auch die existierenden Föderationen und Assoziationen, dass sie [Cor orans] „sofort“ umsetzen müssen. Es beauftragt, Mitglied in einer Föderation zu werden, mit dessen Vorsitzender und dem Gremium, die nie dagewesene Macht haben über Finanzen, Neugründungen, Ausbildung, und – von entscheidender Bedeutung – Entscheidungen über die Auflösung von Klöstern.

Sie wissen nicht, was sie tun …

Und die Orden sind schon an Bord. Ein Dokument desselben Treffens, Generalkapitel der Unbeschuhten Karmeliten von 2015, beschuldigte den Orden, seinen bevorstehenden Kollaps dadurch verursacht zu haben, dass sie beim Umsetzen des Programms des II. Vatikanums gescheitert seien.

„Trotz der Erneuerung, die vom II. Vatikanum verlangt wurde, blieb unser Platz in der Gesellschaft im Wesentlichen unverändert im Vergleich zu vor fünfzig Jahren: Wir sorgen uns um die selben Leute, wir gebrauchen ungefähr dieselben Methoden der Kommunikation, und unser klerikaler Ordensstatus ist derselbe. Während dieser fünfzig Jahre jedoch hat sich die Gesellschaft in jeder Hinsicht dramatisch verändert, ökonomisch, sozial, kulturell, moralisch und religiös. Die Konsequenz ist, dass unsere ‚ökologische Nische‘ zunehmend verkleinert wurde“, sagt das Schlussdokument des Kapitels.

„Die Freiheit uns zu verändern … ist wirklich das erste, was wir brauchen, und dies ist die Bedingung dafür, einen neuen Weg einzuschlagen: Frei zu sein, frei von den Strukturen und von den Gebräuchen der Vergangenheit, sondern auf der Suche nach neuen Schläuchen, die den neuen Wein halten können.“

Ich denke, dass die meisten gläubigen Laien keine feste Vorstellung davon haben, was klausuriertes monastisches Leben in unseren Tagen ist. Wir neigen dazu, uns ein romantisches rosa Bild zu malen, das meist von Hagiographien, aus Filmen und von Fotos kommt, und stellen uns vor, dass eine klausurierte Nonne jemand ist, der die Klostermauern ausschließlich zur medizinischen Behandlung verlässt, oder vielleicht um zu wählen. Wir glauben, dass dies zumindest das Ideal der klausurierten Nonnen ist.

Die meisten von uns nehmen an, dass die monastische Klausur ernst genommen wird, dass die Ausbildung der Nonnen selbstverständlich im [Ordens-]Haus geschieht, organisiert vom Klosterkapitel, durch die Äbtissin genehmigt und von der Novizenmeisterin geführt, nach den Konstitutionen der Gemeinschaft, die nach dem Eintritt der Postulantinnen sich liebevoll um diese kümmert. Wir stellen uns den Unterricht vor, der das Lesen der Schriften der Gründerin beinhaltet, Bibelstudien und die Theologie des Gebetes, das Studium der Kirchenväter und die alten Quellen. Wir stellen uns Stille vor, beständige und ruhige Arbeit um Haus und Garten, und fröhliche Stunden der Erholung miteinander. Vor allem denken wir, dass das Leben abgeschieden von der Außenwelt, ein Ort, an dem die Konzentration auf das Gebet – das Zusammensein mit dem Geliebten Bräutigam – nicht das Ziel einer Einmischung von außen ist.

Und ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen, die das klausurierte kontemplative Leben lieben, die es als den höchsten Ausdruck katholischen Lebens in dieser Welt und eine absolute Notwendigkeit für das Überleben der Kirche betrachten, auch eine Rückkehr zu diesem Ideal als den Weg nach vorn – vielleicht – tatsächlich – seine ihre einzige Hoffnung[4]. Aber wenn wir denken, dass die Menschen in Rom, welche derzeit für das Ordensleben verantwortlich sind, diese Meinung teilen und auch nur im geringsten Interesse daran haben, das Ordensleben wie wir es bis dato kennen zu erhalten, gelingt es uns nicht, die derzeitigen Realitäten zu begreifen.

Die Informationen, die ich aus den ganzen USA und Europa erhalte besagen, dass das Bild, das wir vom klausurierten Leben haben, bereits fast ausgelöscht ist. Verschwindend wenige Klöster welchen Charismas auch immer versuchen sogar, es wieder zu erlangen. Fast alle Ordensleute – die meisten von ihnen werden von Oberen regiert, die in den 1970ern bis 1990ern ausgebildet wurden – haben bereits die grundlegenden Ideen des Neuen Paradigmas von Cor orans vollkommen verinnerlicht.

Die meisten Klöster werden bereits von Föderationen und Assoziationen geführt, und alle erwarten von ihren Mitgliedern, dass sie die Treffen und Ausbildungskurse außerhalb der Klostermauern besuchen. Der Auftrag von Cor orans, gemeinsame „kontinuierliche Ausbildungs-“-Programme durchzuführen, – bezüglich derer Carballo oben klar gemacht hat, dass sie das Instrument seien, mittels dessen das Neue Paradigma aufgezwungen werden würde – wurden bereits von der Mehrheit der Klöster und klausurierten Konvente angenommen. Und der Druck auf die wenigen verbleibenden Verweigerer, die es vorziehen, ihre eigenen Novizen und Jungprofessen auszubilden, ist angeblich enorm und dauerhaft.

Die Betonung liegt bei den Föderationen und Assoziationen auf immer weiteren Zusammenschluss – in Wahrheit mehr Zentralisation und Abhängigkeit von der Assoziation. Gemeinsame Ausbildungsprogramme, wie sie Cor orans vorschreibt, werden nicht von den eigenen Novizenmeisterinnen der Klöster vorbereitet, sondern von „Professionellen“, die von der Leitung der Assoziation ausgewählt werden. Diese „Experten“ sind Leute mit Universitätsabschlüssen in „Pastoralpsychologie“ und ähnliches. Und dies geht schon seit Jahrzehnten so[5].

Nonnen, sogar jene, die man als „konservativ“ betrachten könnte, im vollen Habit etc., verlassen routinemäßig ihre Klöster und reisen oft weite Stecken, um die Treffen ihrer Assoziationen zu besuchen. Von Novizinnen und Juniorinnen erwartet man, dass sie diese „Ausbildungskurse“ besuchen, und auf ein Kloster das es ablehnt teilzunehmen, wird Druck ausgeübt. Diese Kurse scheinen strukturiert zu sein wie eine akademische Konferenz, bei denen die Novizinnen aus vielen Klöstern sich im Konferenzraum eines Hotels versammeln, um die Sprecher zu hören und sich dann „in kleine Gruppen aufzuteilen“ um über das zu sprechen, was sie gehört haben. Es scheint, dass die Techniken des modernen Corporate Managements das Arbeitsmodell für das monastische Leben geworden sind – mit sehr wenig Widerstand.

Und es sind ja nicht nur die Novizinnen. Von allen Nonnen in der „Erstausbildung“ wird erwartet, dass sie teilnehmen, was jene einschließt, welche die zeitlichen Gelübde abgelegt haben. Und selbst nach den ewigen Gelübden lassen sie diese nicht in Frieden ihr monastisches Leben führen. Die „Einladung“ zu diesen Sitzungen zur beständigen Weiterbildung wird auf Novizenmeisterinnen und Priorinnen ausgeweitet, ebenso auf jede Nonne, die ihre Gelübde in den letzten zehn Jahren abgelegt hat. Eine Nonne schrieb mir:

„Es ist als dächten sie, dass das Leben zu leben nicht genügend Weiterbildung sei.“

Ich fragte sie, warum sie dachte, dass Nonnen das besondere Ziel sind. Sie sagte: „Wie Sie wohl wissen, haben wir Kontakt mit vielen [spanischen] Europäern, Südamerikanern und Mexikanern.“ Auf Grund ihrer [geographischen] Lage, sagte sie, hatte sie in der überwiegenden Zeit ihres Klosterlebens Umgang und „deren Mangel an Respekt (dies ist eine Untertreibung) gegenüber Frauen erfahren.“

„Die Männer in Rom hatten immer die Haltung, dass die Männerorden sich selbst um sich kümmern könnten, weil sie Männer sind. Wir brauchen viel Hilfe und viele Regeln, weil wir Frauen sind. Das ist die südamerikanische Diktatorenmentalität.”

Dieser Ton kam in der Tat in Carballos Rede in Avila zum Vorschein, als er die Ordensfrauen wegen ihrer Ängste schalt, dass die Versammlung unerwünschte Änderungen erzwingen würde, besonders bezüglich ihrer Klausur. „Die Kirche liebt Ihr Leben. Wenn wir Änderungen bewerben, so geschieht dies zu Ihrem Besten.“ Er fügte hinzu, dass er nicht beabsichtigte, einen weiteren Fragebogen herauszugeben und bemerkte lediglich:

„Ich bitte sie, Vertrauen zu haben und dieses Vertrauen in die Kirche weiterzugeben. Die Versammlung wird das Ordensleben nicht zerstören, sondern eine angemessene Erneuerung fördern, die zu den Gegebenheiten passt.“

Die mit mir korrespondierende Nonne fügte hinzu: „Es macht uns nichts aus, Regeln zu haben. Wir brauchen Regeln. Wir brauchen keine 289 Regeln. Die Regel der Karmeliten ist eine der simpelsten in der Kirche, jedoch beinhaltet sie alles, was man braucht. Dieses Leben ist sehr einfach. Cor orans wird den Karmel zu Tode strangulieren. Wir wollen nur auf unseren Bräutigam blicken.“

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2 Einträge zu „Hilary White, COR ORANS: Ein weiterer böser Geist des II. Vatikanums

  • Auch dem arglosesten Konzilskonservativen schwant mittlerweile, dass die spürbare Neuausrichtung der Kirche nicht zu übersehen ist. Immer hysterischer daher deren Stimmen, immer irritierter die Blicke nach der rettenden Heldenfigur mit Bischofsmitra. Wohlig wähnte man sich in den nachkonziliaren Pontifikaten geborgen, alles ein bißchen moderner, nicht wahr, aber doch nach wie vor gut katholisch. Die nachkonziliare Saat wurde ja erst einmal in Seminaren und Fakultäten ausgestreut, um den nachwachsenden Klerus und Laientheologen zu infiltrieren. In geschlossenen Zirkeln wurde die Frucht geduldig gepflegt, in dieser ersten, noch sehr anfälligen, Phase durch sorgfältig dekorierte Fassaden erfolgreich von der Öffentlichkeit abgeschirmt – ob aus psychologischem Selbstschutz, Gewöhnung oder Denkfaulheit, das ach-so-mündige nachkonziliare Gottesvolk meinte unverdrossen, es habe sich ja „eigentlich“ kaum etwas geändert.
    Diese Phase geht sichtlich ihrem Ende zu, die meisten „Alten“ sind gestorben, die Jungen nachkonziliar sozialisiert, mithin ist die Fassade überflüssig geworden. Daher werden die Fürbitten nun 1:1 von Amnesty International und Pro Asyl übernommen, die Kirche wird sichtbar im sozio-kulturellen Mainstream verankert.

    Mit einem hat der zitierte Kirchenfunktionär (etwas anderes ist diese Klientel ja nicht) natürlich vollkommen recht: das Konzil ist dafür die conditio sine qua non: Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung ist das Welt- und Gottesbild der „geistigen Väter“ des 2. Vatikanischen Konzils (die Jesuitenpatres de Lubac, Rahner und Teilhard de Chardin) welches sowohl grundlegend für die Interpretation des Konzils als auch die Gestaltung der Liturgiereform war und Generationen von Theologen geprägt hat. Danach ist der Mensch das Zentrum, auf dass sich die Totalität der kosmischen Evolution richtet. Seine vollkommene Entwicklung als menschliche Person ist ein Teil dieses Fortschritts (Teilhard de Chardin). Pater Karl Rahner konzipierte darauf fußend die Vorstellung eines anonymen Christentums. Der Mensch als anonymer Christ ist, bereits weil er als Mensch auf Gott bezogen ist, erlöst. Mit dieser Nouvelle Théologie hat man sich vom überlieferten theozentrischen Glauben ab- und einem neuen, nunmehr klar anthropozentrischen, Glauben zugewandt. Diese Entwicklung – auf „dem Konzil“ zum Durchbruch gekommen, aber beileibe nicht „erfunden“ – wurde vor argwöhnischen Blicken abgeschirmt, es war (bzgl. der Initiatoren) arglistig nur von „Verheutigung“ die Rede, dabei war das Ziel klar eine andere Religion, eine ohne Christi als Opfernder und Opfer in Personalunion.

  • Sehr richtig. Jetzt kommt die Zeit des Bekenntnisses/Märtyrium oder die Zeit, wo man die Bischöfe hängt. Die Amerikaner denken voran:

    https://remnantnewspaper.com/web/index.php/articles/item/3982-things-to-do-in-an-emergency-what-s-your-trade

    https://onepeterfive.com/catholic-journo-bishops-sex-resign/

    In den USA ist alles spendenfinanziert, da kann man den Bischöfen schnell finanziell das Wasser abgraben. In Deutschland müsste die Kirchensteuer fallen, wohl erst als die AfD die Macht übernimmt, sonst ist niemand daran interessiert: weder der Staat noch die Kirche und der Rest zählt nicht.

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